Ein Überblick über Prinzip, Anwendung und Grenzen des Stabilbaus für Leser mit imkerlichen Vorkenntnissen. Ergänzende praktische Ratgeber behandeln die Arbeit mit vertikalen Magazinbeuten nach Christ und Warré.
Das Prinzip des Stabilbaus
Stülpkorb aus Stroh. Foto: Stefan Grunert.
Das Besondere am Stabilbau ist, dass das Brutnest über lange Zeit weitgehend ungestört bleibt, da man einzelne Waben nur selten oder gar nicht herausnimmt. Die Bienen befestigen ihre Waben an der Decke oder an Wabenträgern und bauen sie auch an den Wänden an.12
Bei einem Stabilbaumagazin schafft eine untergesetzte Zarge zusätzlichen Raum unter dem vorhandenen Wabenwerk; die Brutwaben behalten dabei ihre Lage zueinander. Zur Ernte lassen sich ganze Wabenabschnitte abnehmen.32
In die Zarge gesehen: Naturbau von Wand zu WandKevin Pauba, Wikimedia Commons, CC BY 4.0 Originalfoto
Zu den heute verwendeten Magazinen für den Stabilbau gehört die Warré-Beute. In ihrer Bauweise ist sie gewissermaßen eine Nachfolgerin von Christs Magazinbeute: Wie diese besteht sie aus übereinandergesetzten Zargen mit festem Wabenbau.4
Ihr Entwickler warb im Frankreich der 1920er Jahre für eine einfache Imkerei, die Honig für den eigenen Haushalt und zum Verkauf liefern sollte. Entscheidend war für ihn der Ertrag nach Abzug der Kosten.5 Auch Arbeitern und Angestellten empfahl er die Bienenhaltung als Beschäftigung in ihren freien Stunden.6 Die Beute sollte sich deshalb günstig bauen und mit wenig laufendem Aufwand bewirtschaften lassen. Einfache Wabenträger ersparten Warré den Bau und die Pflege vollständiger Rähmchen, während die Arbeit mit ganzen Zargen die Zahl der Handgriffe am Volk verringern sollte.7
Warré begründete seine Beute aber auch mit der Wärmehaltung. Er wollte häufiges Öffnen vermeiden und sah im Untersetzen einen Vorteil, weil der obere Abschluss des Nestes dabei geschlossen bleiben konnte. Zugleich bevorzugte er einen kleinen Beutenquerschnitt. Seine Vergleiche beziehen sich damit auf Beutenform und Arbeitsweise gemeinsam; welchen Anteil allein die Wabenbefestigung an einem möglichen Wärmevorteil hat, lässt sich daraus nicht bestimmen.3
Auf eine für den Imker sehr wichtige Begrenzung der Stabilbauweise möchte ich an dieser Stelle hinweisen: Eine einzelne Wabe lässt sich erst herausnehmen, nachdem ihre Verbindungen gelöst wurden. Zur Durchsicht, zum Umhängen oder zum Austausch zwischen Völkern steht sie dadurch nur eingeschränkt zur Verfügung.12 Diese Einschränkung sollte man berücksichtigen, bevor man sich für Stabilbau entscheidet.
Innenraum und Zugang zu den Waben
Eine Warré-Beute im Gebrauch: drei gleiche Zargen, Satteldach, FlugbrettKevin Pauba, Wikimedia Commons, CC BY 4.0 Originalfoto
Der Zugang zu den Waben hängt von der Aufteilung des Innenraums und den Öffnungen der Beute ab. Einfache Stamm- und Röhrenbeuten haben einen ungeteilten Innenraum, dessen Größe durch das Gehäuse vorgegeben ist. Bei einer nur von einem Ende zugänglichen Röhre können vor den zur Ernte vorgesehenen Honigwaben andere Waben liegen, die ebenfalls entfernt werden müssen.1
Mit einer Aufteilung in Zargen lassen sich feste Waben abschnittsweise handhaben. In Warrés Stabilbaubeute trägt jede Zarge ihre eigenen Waben an . Die Bienen bauen die Waben seitlich an und können sie auch mit den Oberträgern der darunterstehenden Zarge verbinden. Beim Abnehmen löst der Imker diese Verbindungen; innerhalb der Zarge bleibt die Anordnung der Waben erhalten.23
Warré verbindet diesen Aufbau mit einer Erweiterung nach unten, bei der das Volk unter dem vorhandenen Nest Raum für neuen Wabenbau erhält. Zur Ernte nimmt der Imker obere Zargen ab, sofern sie Honig enthalten, brutfrei geworden sind und dem Volk nach ihrer Entnahme genügend Vorräte bleiben.456 Bei entsprechendem Ausbau nach unten entfernt er so nach und nach auch ältere Waben mit der Ernte. Ist eine solche Entnahme über mehrere Jahre nicht möglich, unterbleibt auch die damit verbundene Wabenerneuerung.56
Die hat einen länglichen Kasten, in dem Brut- und Honigbereich hintereinanderliegen. Das Volk beginnt seinen Wabenbau vorn; den hinteren Bereich stattet der Imker mit eigenen Wabenträgern aus und gibt ihn gesondert für die Honigeinlagerung frei. Der zusätzliche Raum liegt hier innerhalb des vorhandenen Gehäuses. Im Frühjahr kann das Brutnest auch in den Honigbereich reichen. Bei der Ernte trennt man dessen fest eingebaute Waben vom vorderen Wabenwerk.789
Der abnehmbare Boden der Bienenkiste gibt Zugang zu den Waben von unten. Beim Warré-Magazin sind nach dem Abnehmen einer Zarge die Wabenränder zugänglich. Die einander zugewandten Wabenflächen bleiben dabei zum großen Teil verdeckt.103
Bauformen
Bei den Bauformen lässt sich zwischen einem Gehäuse mit festem Volumen und einer Beute aus anfügbaren Abschnitten unterscheiden. Beide können stehend oder liegend angeordnet sein.
Stehende Beuten mit festem Volumen
Stehende Klotzbeute im Schnitt. KI-generierte schematische Darstellung.
Hierzu gehören der einfache und die stehende Klotzbeute. Brut und Vorräte teilen sich einen Innenraum, dessen Größe durch das Gehäuse vorgegeben ist.1
Liegende Beuten mit festem Volumen
Horizontaler Top-Bar-Hive mit herausnehmbarer Oberträgerwabe (Mobilbau). KI-generierte schematische Darstellung.
Waagerecht gelagerte Stamm- und sowie die Bienenkiste gehören zu dieser Gruppe. Auch ein gesonderter Honigbereich, wie ihn die Bienenkiste besitzt, liegt innerhalb des vorhandenen Gehäuses.12
Die abgebildete horizontale Oberträgerbeute hat ebenfalls ein festes Gehäuse. Ihre Waben lassen sich einzeln an den Oberträgern herausnehmen; sie zählt deshalb zum Mobilbau mit Naturwaben.34
Beuten aus übereinandergesetzten Abschnitten
Stabilbaumagazin nach Warré mit drei Zargen und Kissenkasten. KI-generierte schematische Darstellung.
Die Magazine von Christ und Warré bestehen aus übereinandergesetzten hölzernen Zargen. Zusätzliche Zargen vergrößern den Raum; zur Ernte lassen sie sich mit ihren Waben abnehmen.56 Das gleiche Prinzip findet sich bei , die aus einzelnen Strohringen bestehen.7
Beuten aus seitlich angefügten Abschnitten
Seitlich erweiterbare Beute nach Vicat. KI-generierte schematische Darstellung.
Die abgebildete historische Beute nach Vicat besteht aus vier seitlich aneinandergefügten Abschnitten, die durch Spannstangen zusammengehalten werden. Da die Abschnitte zueinander offen sind, bilden sie einen durchgehenden Innenraum. Zur Erweiterung lässt sich ein weiterer Abschnitt anfügen.8
Beobachtung und Gesundheitskontrolle
Im Stabilbau bleibt die Einsicht in das Brutnest begrenzt. Am Flugloch beobachtet der Imker die Sammeltätigkeit, den Polleneintrag und auffälliges Verhalten. Gewichtskontrollen geben ihm Hinweise auf die Entwicklung der Vorräte; ein Fenster oder der Blick von unten zeigt ihm den Fortschritt des Wabenbaus im jeweils sichtbaren Bereich. Aufzeichnungen erleichtern den Vergleich über längere Zeit. Bei der Beurteilung spielen auch Witterung und Trachtverlauf eine Rolle.123 Bei einem späteren Völkerverlust kann die Ursache trotz einer Untersuchung der Waben ungeklärt bleiben, wie Erfahrungsberichte im Warré-Archiv zeigen.4
Polleneintrag allein belegt weder eine legende Königin noch gesunde Brut. Für die Beurteilung von Eiern, Larven und Brutbild braucht es einen entsprechenden Einblick zwischen die Waben oder auf ihre Flächen. Ein Volk kann deshalb am Flugloch unauffällig erscheinen und dennoch eine nähere Untersuchung benötigen.56 Die eingeschränkte Zugänglichkeit erschwert auch die Suche nach der Königin, etwa bei einer geplanten Umweiselung.7
Bei Verdacht auf eine Brutkrankheit können Brutwaben oder zur Untersuchung gebraucht werden. Die Entnahme, die auch bei festem Wabenbau möglich ist, verlangt einen Zugang zur geeigneten Stelle. Für die Bienenkiste beschreibt beispielsweise das Ausschneiden eines Wabenstücks, um Futter nahe dem Brutnest zu gewinnen. Welche Probe benötigt wird, richtet sich nach der diagnostischen Frage und den Vorgaben der untersuchenden Stelle.68
Auch der Varroabefall lässt sich ohne bewegliche Einzelwaben erfassen. Ein geeigneter Diagnoseboden ermöglicht das Auszählen abgefallener Milben; andere Verfahren untersuchen eine Bienenprobe. Für die Bienenkiste, die in ihrer Grundausführung keinen solchen Boden besitzt, ist eine Diagnose an entnommenen Bienen vorgesehen.910
Die Varroamilbe vermehrt sich in verdeckelten Brutzellen und schädigt Bienen vor allem durch die Übertragung von Viren. Ein wachsender Befall kann ein Volk so weit schwächen, dass es zusammenbricht. Imker brauchen deshalb im Stabilbau ebenso wie im Mobilbau Möglichkeiten, den Befall zu erfassen und zu begrenzen.12
Behandlung im Stabilbau
Die etablierte Varroabekämpfung verbindet wiederholte Befallskontrollen mit biotechnischen Maßnahmen und zugelassenen Arzneimitteln. Zu den gebräuchlichen Wirkstoffen gehören Ameisensäure, Oxalsäure und Thymol, deren Eignung unter anderem vom Brutstatus, der Witterung, dem Befallsgrad und einer noch vorgesehenen Honigernte abhängt. Oxalsäure wird bei den üblichen Träufel- und Sublimationsverfahren in brutfreien Völkern eingesetzt. Maßgeblich sind die Anwendungsbedingungen des jeweiligen Präparats; anschließend prüft der Imker durch eine erneute Befallskontrolle, ob die Behandlung gewirkt hat.34 Nicht jedes Mittel ist in allen Ländern zugelassen.1
Auch ein Stabilbaumagazin kann behandelt werden, wenn es den erforderlichen Zugang und Platz für das gewählte Verfahren bietet. Ein Verdunster braucht einen geeigneten Platz; beim Träufeln müssen die besetzten Wabengassen erreichbar sein. Sprühbehandlungen verlangen Zugang zu den bienenbesetzten Wabenflächen. Das Entnehmen bestimmter Brutwaben und das Käfigen der Königin sind bei festem Wabenbau aufwendiger. Solche biotechnischen Eingriffe können den Medikamenteneinsatz verringern, greifen aber zum Teil erheblich in das Brutnest ein.35
Bei der Auswahl berücksichtigt der Imker auch die Bienenverträglichkeit, den Anwenderschutz und mögliche Rückstände in Bienenprodukten. Gegen bestimmte Wirkstoffe können Milben Resistenzen entwickeln. Die Auslese widerstandsfähiger Bienen gehört deshalb auch zu den Ansätzen einer integrierten Varroabekämpfung.35
Behandlungsfreie Bienenhaltung
Unter treatment-free beekeeping werden unterschiedliche Formen der Bienenhaltung ohne Varroamedikamente verstanden. Manche Imker beziehen gezielt erzeugte Brutpausen ein, andere setzen stärker auf die natürliche Auslese überlebender Völker und deren Vermehrung. Sie streben einen Bestand an, der den Befall aus eigener Kraft bewältigt. Im Warré-Forum diskutieren Imker über die Herkunft der Bienen, ihre bisherige Selektionsgeschichte und die umgebende Bienenpopulation ebenso wie über Haltung und Versorgung. Auch ein schrittweiser Übergang mit zunächst fortgesetzter Behandlung wird beschrieben; dessen Erfolg lässt sich aus den einzelnen Berichten nicht allgemein vorhersagen.6
Oddie, Dahle und Neumann fanden bei einer norwegischen Population europäischer Honigbienen, die über viele Jahre ohne Varroabehandlung überlebt hatte, eine geringere Milbenvermehrung als in den anfälligen Vergleichsvölkern. Dem gingen erhebliche Verluste voraus; gesunde Überlebende wurden durch Teilung vermehrt. Für das Verständnis solcher Befunde ist die Unterscheidung zwischen Resistenz und Toleranz hilfreich: Resistenz begrenzt die Vermehrung oder Belastung durch Parasiten und Erreger, Toleranz vermindert deren schädliche Folgen. Bei Bienen aus der schwedischen Gotland-Population wurde beispielsweise eine erhöhte Toleranz gegenüber Virusinfektionen nachgewiesen.72
Loftus, Smith und Seeley untersuchten den Einfluss kleiner Nester und häufigen Schwärmens. In ihrem Versuch hatten Völker in kleinen Beuten ohne Schwarmverhinderung geringeren Milbenbefall und überlebten häufiger als Völker in großen, auf Honigproduktion geführten Beuten. Beide Gruppen blieben ohne Varroabehandlung. Nestgröße und Schwarmverhinderung wurden gemeinsam verändert; die Beuten besaßen Rähmchen. Der Versuch stützt damit die Bedeutung der Haltungsbedingungen, liefert aber keinen Nachweis eines besonderen Varroaschutzes durch Stabilbau.8
Ein Behandlungsstopp kann bei anfälligen Völkern zu schweren Verlusten bis zum Ausfall des ganzen Standes führen. Im Warré-Archiv stehen Berichte über langfristig fortbestehende Bestände neben solchen über nahezu vollständige Verluste beim Übergang. Die Erholung eines Bestands durch Vermehrung der Überlebenden sagt dabei etwas anderes aus als das Überleben der ursprünglich vorhandenen Völker. Hinzu kommen der Aufwand für den Wiederaufbau und ausfallende Ernten.67
Peck und Seeley beobachteten, dass Bienen aus Nachbarvölkern zusammenbrechende, stark befallene Völker ausraubten und dabei Milben in ihre eigenen Beuten brachten. Andere Untersuchungen zeigen die Bedeutung zufliegender fremder Bienen; eine Übertragung ist auch außerhalb eines sichtbaren Zusammenbruchs möglich. Auch bei behandlungsfreier Haltung braucht der Imker Befallskontrollen, um die Belastung und den Krankheitsverlauf zu beurteilen. Ein gesund wirkendes oder überlebendes Volk kann weiterhin Milben und Viren beherbergen.9102
Seeley verlangt in seinem Essay zur darwinistischen Bienenhaltung engmaschige Kontrollen und schlägt vor, gefährdete Völker vor dem Zusammenbruch abzutöten oder zu behandeln und umzuweiseln. Der Natural Beekeeping Trust, der den Essay veröffentlicht, widerspricht dem vorsorglichen Abtöten ausdrücklich. Der Halter muss schon vor dem Behandlungsverzicht festlegen, wie er auf eine steigende Belastung reagiert.11
Hinzu kommen die rechtlichen Anforderungen. In Deutschland schreibt § 15 der Bienenseuchen-Verordnung bei Befall die jährliche Behandlung aller Völker des Standes vor. In Norwegen erfasst das Tierschutzgesetz ausdrücklich Honigbienen und verpflichtet den Halter zum Schutz vor Krankheiten und Parasiten sowie zur angemessenen Versorgung erkrankter Tiere.1213
Die Aufgaben im Jahreslauf
Auswinterung und Frühjahrsentwicklung
Bei der Frühjahrskontrolle beurteilt der Imker die verbliebenen Vorräte und die Entwicklung des Volkes. Er vergleicht das Gewicht mit früheren Messungen; die zunehmende Besetzung der Wabengassen gibt ihm einen Anhaltspunkt für die Volksstärke. Bleibt die Entwicklung zurück, können eine Untersuchung des Brutnestes und eine Überprüfung der Versorgung nötig werden.12
Die Brutwaben bleiben bei diesen Kontrollen gewöhnlich an ihrem Platz. Ein Ausgleich zwischen Völkern durch das Umhängen einzelner Brut- oder Futterwaben ist dadurch erschwert. Bei einer teilbaren Beute lassen sich ganze Zargen handhaben, deren Inhalt sich jedoch aus der vorhandenen Verteilung von Brut, Bienen und Vorräten ergibt.3
Bautätigkeit und Raumgabe
Zusätzlicher Beutenraum wird für Brut und Vorräte erst nutzbar, wenn dort Waben vorhanden sind. Beim Untersetzen leerer Warré-Zargen hängt die Erweiterung des Nestes daher von der Bautätigkeit des Volkes ab. Eine freie untere Zarge kann noch unausgebaut sein, während die vorhandenen Waben bereits dicht mit Brut und Vorräten besetzt sind. Der Imker richtet die Raumgabe deshalb nach dem Ausbau, der Volksentwicklung und der Tracht.45
In einem teilbaren Magazin lässt sich weiterer Raum anfügen. Bei der Bienenkiste ist diese Möglichkeit nach Freigabe des hinteren Honigbereichs ausgeschöpft, da sich das Gehäuse nicht erweitern lässt. Auch nach dem Untersetzen zusätzlicher Zargen können Warré-Völker schwärmen.67845
Untersetzen einer leeren Zarge mit Hilfe einer zweiten Person. KI-generierte schematische Darstellung.
Beim Untersetzen hebt der Imker den ganzen besetzten Zargenstapel an, dessen Gewicht mit der Zahl gefüllter Zargen zunimmt. Ohne Hebevorrichtung kann das erhebliche Kraft erfordern. Manche Imker sind dafür auf die Hilfe einer zweiten Person angewiesen.910
Im horizontalen Top-Bar-Hive, wie ihn beschreibt, erweitert man seitlich, ohne dafür einen Zargenstapel anheben zu müssen. Die einzelnen Naturwaben lassen sich zur Durchsicht und Ernte an ihren Oberträgern herausnehmen. Diese Bauweise zählt deshalb zum Mobilbau.1112
Die Vermehrung über Schwärme fügt sich in eine Betriebsweise mit festem Wabenbau ein. Ein eingefangener Schwarm kann ohne Brutwaben aus einem anderen Volk eine leere Beute besiedeln, in der er zunächst Waben bauen und Vorräte anlegen muss. Sein Aufbau hängt von der Stärke des Schwarms, der verbleibenden Tracht und seiner Versorgung ab; bei ausbleibendem Eintrag kann Fütterung erforderlich werden.13
Im Muttervolk unterbricht der Abgang der alten Königin die Eiablage, bis eine junge Königin begattet ist und zu legen beginnt. Das Gelingen dieses Wechsels gehört ebenso zur Nachbetreuung wie die Versorgung des eingefangenen Schwarms. Weitere Schwärme können das Muttervolk schwächen. Nach dem Vorschwarm kontrolliert der Imker deshalb die Volksstärke und die Vorräte und prüft, ob die Brutaufzucht wieder beginnt.141516
In der Bienenkiste sucht der Imker zur Schwarmkontrolle an den zugänglichen Wabenkanten und in den einsehbaren Zwischenräumen nach Weiselzellen. Zellen können weiter innen oder an Unregelmäßigkeiten des Wabenbaus liegen und bei einer flüchtigen Betrachtung verborgen bleiben. Das Auffinden von Schwarmzellen gibt Hinweise auf die Entwicklung des Schwarmgeschehens; die Verhinderung eines Abgangs erfordert einen darüber hinausgehenden Eingriff.17
Teilbare Stabilbaubeuten lassen sich auch zur Bildung neuer Völker ohne natürlichen Schwarmabgang verwenden. Christ beschreibt für seine Magazine die Teilung eines Volkes in zwei selbständige Völker. Daneben setzt er die untersten Kästchen mit Brut und Bienen aus zwei oder drei Völkern zu einem neuen Stock zusammen.18 Auch Warré beschreibt die Aufteilung ganzer besetzter Zargen.3
Bei diesen Verfahren kann der Imker die Zusammensetzung der Teilvölker weniger fein steuern als bei der Auswahl einzelner Waben. Insbesondere die Versorgung mit Bienen und Futter sowie die Möglichkeit, eine Königin nachzuziehen oder zuzusetzen, müssen für jedes Teilvolk gegeben sein.183
Während Trachtlücken und längerer Schlechtwetterphasen zehren die Völker von ihren Vorräten. Auch ein zuvor gut versorgtes Volk kann deshalb noch während der Flugsaison auf Fütterung angewiesen sein.199
Zur Ernte entnimmt der Imker brutfreie Waben mit reifem Honig, soweit dem Volk danach genügend Vorräte bleiben. Im Warré-Magazin erntet er gewöhnlich eine obere Zarge, in der Bienenkiste den hinteren Honigbereich. Die vorgesehene Trennstelle erleichtert die Entnahme, sagt aber noch nichts über den Inhalt der Waben aus. Brut kann über eine Zargengrenze hinausreichen oder zeitweise im Honigbereich liegen. Bei ungeteilten Beuten bestimmt die Lage der zugänglichen Honigwaben, welcher Teil entnommen werden kann.678202122
Nach dem Ausschneiden kann man die Honigwaben zerkleinern und den Honig ablaufen lassen oder auspressen. Dabei geht ihre Struktur verloren; das Wachs steht zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung. Für einen erneuten Ausbau benötigt das Volk wieder Zeit und Nahrung. Auch eine Honigschleuder kommt für Stabilbau infrage: Warré beschreibt Käfige, die ausgeschnittene Waben beim Entdeckeln und Schleudern stützen.2324
Nach der Ernte prüft der Imker, ob die verbliebenen Vorräte für die Überwinterung unter den örtlichen Bedingungen reichen. Beim Wiegen zählen außer dem Futter auch die Beute, das Wabenwerk und die Bienen mit. Mit dem bekannten Leergewicht und früheren Vergleichsmessungen kann er die Futtermenge näherungsweise bestimmen. Reichen die Vorräte nicht aus, ergänzt er sie rechtzeitig durch Fütterung.2
Das Futter im verbleibenden Wabenwerk muss so liegen, dass die Bienen es von ihrem Wintersitz aus erreichen können. Im Stabilbau bleibt diese Anordnung weitgehend bestehen; einzelne Futterwaben lassen sich nur mit zusätzlichem Aufwand versetzen. Ernte und Raumveränderungen wirken sich daher auf den späteren Wintersitz aus. Während des Winters geben Gewicht und Hinweise auf Verbrauch und Sitz des Volkes, sofern die Beute diese Kontrollen zulässt.2516
Wabenerneuerung über mehrere Jahre
Im Warré-Magazin lässt sich die Wabenerneuerung mit der Honigernte verbinden. Ein Wabenabschnitt kann zunächst Brut und später Honig enthalten, bevor er mit der Ernte entnommen wird. Der Ausbau nach unten und die Verlagerung des Brutnestes sind dafür ebenso erforderlich wie eine ausreichende Honigeinlagerung in den oberen Zargen. Bleiben diese wegen Brut oder unzureichender Vorräte in den unteren Zargen beim Volk, verzögert sich die Erneuerung. Im Warré-Archiv berichten Imker auch von mehrjährigen Unterbrechungen.12
Ein gesonderter Honigbereich wird durch seine regelmäßige Ernte erneuert, während die Brutwaben davon unberührt bleiben. Für die Bienenkiste beschreibt Klein deshalb die vollständige Entnahme des Brutwabenbaus während der Brutunterbrechung im Zusammenhang mit dem Schwärmen. Der Imker prüft dabei am jeweiligen Volk, ob die vorhandene Brut bereits ausgelaufen ist und das Volk anschließend wieder bauen kann. In einer ungeteilten Beute lässt sich die schrittweise Erneuerung durch den Austausch ganzer Zargen nicht anwenden; die Entnahme betrifft dort unmittelbar das zusammenhängende Wabenwerk.34
Bei festem Wabenbau ist rechtlich besonders der Zugang für Untersuchungen von Bedeutung. Daneben gelten die Vorschriften zur Tiergesundheit und zum Umgang mit Schwärmen. Die folgenden Bestimmungen beziehen sich auf das jeweils genannte Land; die Quellen wurden am 9. September 2026 geprüft.
In Deutschland verpflichtet § 4 der Bienenseuchen-Verordnung den Besitzer oder seinen Vertreter, bei Untersuchungen die erforderliche Hilfe zu leisten. Vorgeschriebene Kontrollen müssen also auch bei einer Stabilbaubeute durchgeführt werden können. Bei Varroabefall schreibt § 15 eine jährliche Behandlung aller Völker des Standes vor, sofern keine behördlich angeordnete Behandlung nach Absatz 2 erfolgt.1
In Österreich verlangt § 16 des Tiergesundheitsgesetzes 2024, amtlichen Kontrollen Zugang zu den Tieren zu gewähren und die erforderlichen Einrichtungen sowie Hilfe bereitzustellen. Die Sonderbestimmungen für Bienen regeln außerdem Untersuchungen und Maßnahmen bei Seuchenverdacht und -ausbruch. Den nötigen Zugang zu Bienen und Waben muss der Imker daher bei der Wahl und Einrichtung seiner Beute berücksichtigen.2
In der Schweiz richtet sich eine ausdrückliche Bauanforderung an alle von Menschen bereitgestellten Bienenbehausungen: Nach Artikel 59 Absatz 3 der Tierseuchenverordnung müssen sie Kontrollen jederzeit zulassen und das Öffnen der Brutnester ermöglichen. Die Vorschrift verlangt an dieser Stelle keine Rähmchen, stellt aber eine konkrete Anforderung an die Untersuchbarkeit. Ein Fenster allein genügt zum Öffnen des Brutnestes nicht. Seuchenverdacht ist dem Bieneninspektor zu melden.3
In Norwegen verpflichtet § 33 der Dyrehelseforskriften den Bienenhalter zu geeigneten Maßnahmen, um Schwarmabgänge vom Stand zu verhindern. Eine Betriebsweise, die Schwärme planmäßig ohne solche Vorsorge abgehen lässt, steht damit nicht im Einklang. § 34 enthält darüber hinaus besondere Anforderungen an das Aufstellen von Fangbeuten und die Annahme eingefangener Schwärme. Dazu gehören eine entsprechende Untersuchungsberechtigung und ein gesonderter registrierter Schwarmstand.4
Ethische Grenzen der Betriebsweise
Eine Betriebsweise mit begrenzter Schwarmverhinderung verlangt eine sorgfältige Wahl des Standorts. In dichter Bebauung oder an stark besuchten Orten können Schwarmabgänge Nachbarn und andere Nutzer des Geländes erheblich belasten. Schwer erreichbare Stellen an Gebäuden erschweren die Bergung. Wo solche Konflikte absehbar sind und sich das Schwarmgeschehen mit der vorgesehenen Arbeitsweise kaum beeinflussen lässt, spricht dies gegen diese Form der Bienenhaltung am betreffenden Ort.12
Für die Arbeit mit Schwärmen braucht der Imker eine verlässliche Vertretung, wenn er während der Schwarmzeit selbst nicht erreichbar ist. Zusätzliche Völker muss er unterbringen oder abgeben können. Das Einfangen bleibt auch dann vom Ort abhängig, an dem sich der Schwarm niederlässt. Eine Fangbeute oder die Bereitschaft eines Nachbarn, einen Abgang zu melden, kann eine Bergung erleichtern, sichert sie aber nicht. Der zeitliche Aufwand für Beobachtung und mögliche Schwarmbergungen gehört deshalb zur Beurteilung der Betriebsweise.12
Bei der Wahl der Beute prüft der Imker auch, ob er die nötigen Untersuchungen und Maßnahmen zur Gesunderhaltung unter den konkreten Bedingungen ausführen kann. Das betrifft etwa das Heben besetzter Beutenteile, die Entnahme geeigneter Proben und den Zugang für eine Behandlung. Kann er solche Arbeiten auch mit verfügbarer Hilfe nicht leisten, ist eine leichter zugängliche Beute vorzuziehen. Fehlen auch an einem anderen Standort ausreichende Betreuungsmöglichkeiten, sollte er auf die Haltung verzichten.312
Verbreitung
Hängende Rindenbeute mit geflochtenem Endverschluss und festen Naturwaben. KI-generierte schematische Darstellung.
In vielen ländlichen Regionen Afrikas und Asiens trägt der Verkauf von Honig und Wachs aus Stabilbaubeuten zum Einkommen bäuerlicher Haushalte bei.123 Afrikanische Imker nutzen unter anderem Stamm-, Rinden-, Ton- und Korbbeuten. Bees for Development fördert die Imkerei mit solchen örtlich hergestellten Beuten auch für Menschen mit sehr geringem Einkommen.14 Aus Malawi berichtet die Organisation über die Nutzung von Stabilbaubeuten zur Honiggewinnung für den Verkauf.5 Die Erzeugnisse können auch internationale Märkte erreichen: Der FAO-Bericht von 2009 beschreibt den Export von Honig aus sambischen Rindenbeuten in die Europäische Union.6
In Teilen des Himalaya halten Imker die asiatische Honigbiene Apis cerana in Stamm- und Wandbeuten. ICIMOD dokumentiert diese Bienenhaltung unter anderem in Nepal und im pakistanischen Chitral. Dort sind ausgehöhlte Stammstücke in die Hauswände eingelassen; der Honigverkauf verschafft den abgelegenen Berggemeinden ein zusätzliches Einkommen.23
In Europa widmen sich wieder der Haltung in und lebenden Bäumen. Sie verbinden die Weitergabe des alten Handwerks mit dem Interesse an der Lebensweise der Honigbiene in Baumhöhlen. Mellifera bietet in Deutschland Kurse zum Bau von Klotzbeuten und zum Anlegen von Höhlen in lebenden Bäumen an. In der Schweiz hat FreeTheBees die Zeidlerei seit 2014 wieder eingeführt und richtet seine Arbeit inzwischen besonders auf die Schaffung von Lebensräumen für baumhöhlenbewohnende Arten aus. Die Honigernte steht bei diesen Naturschutzvorhaben entsprechend im Hintergrund.789
Um die Warré-Beute hat sich eine internationale Gemeinschaft von Imkern gebildet. Übersetzungen von Warrés Buch, frei zugängliche Baupläne und Erfahrungsberichte haben die Beschäftigung mit seiner Betriebsweise über Frankreich hinaus verbreitet. Internetportal verbindet Beiträge aus Europa, Nordamerika und weiteren Weltregionen; französisch- und englischsprachige Foren dienen dem Erfahrungsaustausch.1011 Bienenkistenimker tauschen sich an örtlichen Stammtischen, in Regionalgruppen und einem Diskussionsforum aus.12
Teilbare Stabilbaubeuten sind auch in der europäischen Imkereigeschichte beschrieben. Christs Magazinstock verbindet festes Wabenwerk mit abnehmbaren Aufsätzen. Seine Konstruktion und seine besondere Betriebsweise werden auf der Deutungsseite behandelt.131415
Wirtschaftlichkeit
Einnahmen
Langstroth-Beute mit einzeln herausnehmbaren Rähmchen, zum Vergleich mit dem Stabilbau. KI-generierte schematische Darstellung.
Bei einer extensiven Stabilbauimkerei mit begrenzter Schwarmverhinderung und Ernte ganzer Waben ist mit deutlich geringeren Honigernten je Volk zu rechnen als in einer intensiv geführten Magazinimkerei. Dort setzen die Imker zur Tracht Honigräume mit Mittelwänden oder bereits ausgebauten Waben über das Brutnest. Ausgebaute Waben stehen sofort zur Aufnahme von Nektar bereit und können nach dem Schleudern erneut verwendet werden. Die Bienen müssen die für Presshonig entnommenen Waben neu bauen; Schwarmabgänge können den Ertrag zusätzlich vermindern. Besonders bei kurzen, starken Trachten ist die rechtzeitige Verfügbarkeit leerer Waben von Bedeutung.12
Beim Pressen kann zusätzlich Pollen aus den Waben in den Honig gelangen. Eine brasilianische Vergleichsuntersuchung fand im Presshonig rund 5,6-mal so viele Pollenkörner wie im Schleuderhonig sowie höhere Gehalte an Eiweiß, und mehreren Mineralstoffen.3 Diese Zusammensetzung kann bei sorgfältig gewonnenem Presshonig ein Argument für einen höheren Verkaufspreis sein. Lässt sich ein solcher Preis am Markt erzielen, kann der höhere Erlös je Kilogramm die geringere Erntemenge teilweise ausgleichen.3
Ausgaben
Fertig gekaufte Stabilbaubeuten können ähnlich viel kosten wie Magazinbeuten mit Rähmchen.45 Der Selbstbau einfacher Warré-Beuten kann je nach Materialkosten und bereits vorhandenen Werkzeugen die Anschaffungsausgaben senken; bei einer wirtschaftlichen Betrachtung ist auch die eigene Arbeitszeit anzusetzen.6
Die geringen Ausgaben für örtlich hergestellte Beuten erleichtern in den von Bees for Development beschriebenen afrikanischen Imkereien den Aufbau einer Bienenhaltung zur Gewinnung von Honig und Wachs. Verfügbare Materialien und handwerkliche Kenntnisse bestimmen dort die Wahl der Beute mit.7
Zur Arbeitszeit gehören neben den Eingriffen am Volk auch Fahrten zum Stand, dessen Pflege und die Verarbeitung der Ernte.8 Für Press- oder Tropfhonig entfällt die Anschaffung einer Honigschleuder. Je nach Verfahren braucht der Imker eine Presse oder eine Siebvorrichtung und geeignete Auffanggefäße. Er zerkleinert und verarbeitet die Waben und reinigt anschließend die Geräte.93
Ableger
Ein neues Volk, das der Imker selbst bildet, statt auf einen Schwarm zu warten.
Man nimmt Brut und Bienen aus einem starken Stock und setzt sie in eine leere
Wohnung.
Christ macht Ableger „nach fränkischer Art": ein Scheibchen Wabe von vier bis
fünf Zoll im Viereck, mit Brut, wird in eine leere Wohnung eingesetzt, und die
Bienen ziehen sich daraus eine Königin (K1 §5). Er zieht das Verfahren dem
Schwärmen vor und rechnet für einen Bienenstand von zehn Stämmen, von denen
vier schwärmen sollen, ungefähr hundert Aufsätze (K4 §26).
Im Strohkorb sind die Waben fest eingebaut. Wer an den Honig will, muß sie
herausschneiden und vernichtet dabei das Volk. Üblich war, den Korb über
brennenden Schwefel zu stellen und die Bienen zu ersticken.
Christ nennt das den „fast nicht zu vertilgenden alten Schlendrian der meisten
Landleute, die im Herbst die schwersten und leichtesten Stöcke unverantwortlicher
und recht sündlicher weise abschlachten und ersticken“ (K3 §2).
Christ beanstandet auch die Qualität des so gewonnenen Honigs: Er sei „mit
Brut, toten Bienen, Schwefelgeruch und dergleichen verunreinigt“ (K3 §6).
Christs Wort für den einzelnen Kasten seines Magazins. Vier gehobelte
Dielenstücke, dreizehn Zoll im Viereck von außen, viereinhalb Zoll hoch, vorne
ein Flugloch, hinten eine Glasscheibe, oben ein Gesims und darunter der Rost
(K3 §4).
Die Aufsätze haben weder Boden noch Deckel. Der unterste steht auf dem
Untersatzbrett, das zugleich Flugbrett ist (K3 §9), und der oberste bekommt
einen Deckel aus Brett, Glas oder geflochtenem Stroh (K3 §4).
Für einen Stamm, der nicht schwärmen soll, rechnet Christ acht Aufsätze auf den
Sommer, für einen jungen Schwarm sechs (K4 §26).
Den leeren Kasten oben auf den vollen stellen. Christ hält das für den
bequemeren Weg und benutzt ihn zum Erweitern trotzdem nicht:
„Es wäre das Aufsetzen freilich etwas gemächlicher, als das Untersetzen;
allein es geht nicht an. Die Natur der Bienen ist, von oben herunter zu
bauen, und da fortzubauen, wo sie aufgehört haben." (K4 §26, Fußnote)
Zum Ernten setzt er sehr wohl oben auf. Auf den Deckel des obersten Kästchens
stürzt er Gläser und Porzellangefäße, in die die Bienen von unten her hinein
bauen; abgeschnitten wird mit einem Seidenfaden oder einem dünnen Klavierdraht
(K3 §5).
Das heutige Wort für jede vom Menschen gebaute Bienenwohnung hat seinen Ursprung
im Wald. Christ schreibt, die Waldbienen würden „in hohlen Bäumen oder eigenen
dazu ausgehauenen Büten oder Beuten angezogen" und gehörten dem Eigentümer des
Waldes (K9 §2).
Für seine eigenen Kästen benutzt er das Wort nicht. Er sagt Aufsatz, Kästchen,
Magazin oder Bienenwohnung.
Der Zwischenraum, den Bienen in ihrer Wohnung frei lassen, statt ihn zu
verbauen. Wer seine Waben in diesem Abstand aufhängt, kann jede einzeln
herausnehmen, ohne etwas abzuschneiden. Lorenzo Langstroth beschrieb das Maß
1851 und erhielt am 5. Oktober 1852 ein Patent auf die Beute, die es benutzt.
Die Angabe ist im Repositorium über eine Suchzusammenfassung mehrerer Seiten
belegt, nicht am Patentdokument selbst (Quellenschlüssel langstroth-1852).
Eine gemessene Zahl aus einer gelesenen Quelle steht bei Warré. Er läßt
zwischen zwei Oberträgern zwölf Millimeter frei, ausdrücklich „pour le passage
des abeilles" (Warré 1948, S. 49).
Dzierzon
Der Pfarrer, an dem die Imkerei den Übergang zum beweglichen Wabenbau festmacht.
Johann Witzgall erzählt 1889, er habe anfangs „mit dem Christ'schen
Magazinstocke" geimkert und daraus auf experimentellem Weg „den jetzt allgemein
verbreiteten Stock mit beweglichen Waben" entwickelt (Witzgall, Geschichte der
Bienenzucht 1889, S. 56).
Der Umbau setzte an Christs Rost an. Dzierzon versah die Kästen mit einem
beweglichen Stäbchenrost, an den er Waben anklebte, so daß sich jede einzeln
herausheben ließ; dann kamen Seitentüren dazu, feste Bodenbretter, Leisten an
den inneren Seitenwänden, kürzere und höhere Kästen und ein fester Deckel
(Witzgall, Geschichte der Bienenzucht 1889,
S. 56). Bei Christ sind die sechs Hölzer des Rostes
mit Nägelchen aufgenagelt (K3 §4).
1844 trat Dzierzon mit seiner Erfindung öffentlich hervor. Seit diesem Jahr
unterscheidet das Fach Mobil- und Stabilbau (Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102).
Witzgall schreibt vierzig Jahre nach dem Vorgang und gibt Dzierzon nicht selbst
wieder.
Die Öffnung, durch die die Bienen aus- und einfliegen. Bei Christ hat jeder
Aufsatz eines, vier Zoll lang und 1¼ Zoll hoch, mit zwei blechernen Schiebern
davor (K3 §4).
Christ begründet die Größe mit der Luft,
die die Bienen bei nötiger Einsperrung brauchen, und mit der Bequemlichkeit
beim Füttern (K3 §4, Fußnote).
Weil jeder Kasten sein eigenes Flugloch hat, gehört zum Untersetzen ein Griff
dazu: zwei oder drei Stunden nach dem Untersetzen wird das obere Flugloch ganz
zugeschoben, „sonst bauen sie nicht leicht fort" (K3 §9).
Die vier Latten, die oben auf jeden Aufsatz geleimt und genagelt werden. Sie
tragen den Rost und schießen einen viertel Zoll nach außen vor (K3 §4).
Der Vorschuß hat zwei Zwecke, und Christ nennt beide. Er formt eine Zierde, der
man mit dem Hobel einen Karnießstoß gibt. Und er sorgt dafür, „damit alle
Aufsätze aufeinander wohl passen, und fest stehen, wenn etwa einer ¼ oder ½
Zoll größer oder kleiner würde, als der andere" (K3 §4).
Dieser vorstehende Rand ist der Grund, warum sich die Wandstärke nicht aus der
Kupfertafel abgreifen läßt. Fig. 1 zeigt eine Schrägansicht, deren Rand Wand und Gesims zusammen zeigt.
Émile Warré (1867–1951) war ein französischer Priester und Imker. Seine
Ruche Populaire („Volksbeute“) sollte mit einfachen Mitteln zu bauen und zu
bewirtschaften sein. Konstruktion und Betriebsweise beschrieb er in
L’Apiculture pour tous, dessen zwölfte Auflage 1948 erschien.
Christs eigener Zusatz zur Magazinbeute. In die Rückwand jedes Aufsatzes wird
ein Loch von sieben Zoll Länge und zweieinhalb Zoll Höhe gemeißelt, das Glas
eingezapft, davor kommt ein Lädchen gegen das Licht (K3 §4).
Sein Urteil steht am Ende desselben Paragraphen, im Absatz für den, der alles
andere weglassen will: „Eine Glasscheibe aber am hinteren Brett ist fast
unentbehrlich." (K3 §4)
Den naheliegenden Einwand entkräftet er aus der Beobachtung. Die Bienen bauen
an Glas so fest an wie an Holz oder Stroh und halten es sauber; was sie im
Herbst verschmieren, säubern sie im Frühjahr wieder (K3 §11).
Das französische Wort für den Kasten, der auf einen anderen kommt. Bei Palteau
besteht die Beute aus einem Tisch, drei Füßen, mehreren hausses, einem Deckel
und einem Flugbrett; die Zarge mißt einen Fuß im Quadrat bei drei Zoll Höhe
(Palteau 1777, S. 7–11).
Christ kennt Palteau nicht im Original. Er schreibt in der Fußnote zur Vorrede,
er habe erst Jahre nach seiner eigenen Erfindung „etwas von ähnlichen
Bienenwohnungen" gelesen, „dergleichen des Herrn Palteau in Frankreich und die
Vicatische, die Schirach in seinem allgemeinen Bienenvater beschreibt" (Vorrede).
Das Lehrbuch des Glaubens, nach Fragen und Antworten geordnet. Jedes Kind ging
es im Unterricht durch und lernte die Antworten auswendig; die Form war deshalb
jedem Leser vertraut, auch dem, der sonst wenig las.
Christ überträgt sie 1784 auf die Bienen und grenzt sich im selben Zug von der
Schulstube ab. Die katechetische Lehrart sei „für den gemeinen Mann die
faßlichste und deutlichste"; gemeint sei kein Katechismus „zum Auswendiglernen,
sondern blos zum Unterricht und Nachschlagen" (Christ 1784, S. VI). Sein
Bienencatechismus für das Landvolk besteht aus hundertsiebenundneunzig
numerierten Fragen, und einige davon sind die Meinung, gegen die er schreibt.
Klotzbeute
Eine Klotzbeute ist ein ausgehöhlter, abgetrennter Stammabschnitt, der als Bienenwohnung dient. Anders als eine Höhle im lebenden Baum lässt sie sich als ganze Beute an einen anderen Standort bringen.
Ein Wort am Fuß einer gedruckten Seite, das das erste Wort der nächsten Seite
vorwegnimmt. Der Setzer benutzte es, um die Bogen in der richtigen Reihenfolge
zu halten.
Für diese Arbeit ist es eine Fehlerquelle. Wer eine alte Seite abschreibt und
die Kustode mitschreibt, hat ein Wort doppelt im Text. Bei Vicat stehen drei
Kustoden im Quelltext am Kopf der Folgeseite statt am Fuß der vorigen:
„festiget," (110/111), „einiche," (118/119), „voraus," (120/121).
Magazin, Magazinbeute
Eine Bienenwohnung aus mehreren Kästen, die übereinander stehen und einzeln
abgenommen werden können. Christs Wort dafür ist Magazin oder Magazinstock.
Er beschreibt es so: die Bienen haben „ihre Haushaltung in verbundenen
Aufsätzen … die von Zeit zu Zeit nach Erfordernis der Umstände, Zeit und
Absichten vermehret oder auch verringert werden" (K3 §3).
Christ stellt die Verwendung von Holz und Glas als Neuerung vor. Die üblichen
Magazine seien von Stroh gewesen, „wenigstens habe ich noch keine andere
gesehen"; deren Unbequemlichkeiten hätten ihn auf hölzerne viereckige
Aufsätze mit einer Glasscheibe gebracht (K3 §3).
Die Bienenwirtschaft mit beweglichen Waben, deren Name zusammen mit seinem
Gegenwort entstand. Witzgall und Felgentreu setzen beide 1889 auf das Jahr
1844:
„Seit 1844, wo Dr. Dzierzon zuerst mit seiner Erfindung öffentlich hervortrat,
spricht man in Imkerkreisen von einem beweglichen oder unbeweglichen
Bienenstocke, vom Mobil- oder Stabilbau." (Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102)
Christ liegt vor dieser Trennung. Der Bienenkundler F. Gerstung hat später
genau bestimmt, worin sein Beitrag besteht: „in Deutschland der eigentliche
Begründer der Mobilbienenzucht … freilich nicht so sehr der Beweglichkeit jeder
einzelnen Wabe … als vielmehr der Mobilität, d.h. der Beweglichkeit von Teilen
des Bienenstockes, von Auf- und Untersätzen" (zitiert bei Bode 1984, S. 381).
Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102
Nadieren
Fachwort für das Untersetzen: die leere Zarge kommt unter die volle. Es
bezeichnet dieselbe Handlung, die Christ Untersetzen nennt.
Die früheste in diesem Projekt belegte Stockwerksbeute mit Nadieren ist Geddes
achteckiger Kasten. Er trägt zwei eiserne Griffe „for lifting it up when
another is to be placed under it" (Gedde 1677, S. 18–19).
Oberträger
Ein Oberträger ist eine Holzleiste, an deren Unterseite die Bienen eine Wabe befestigen. Da die Wabe zusätzlich an den Beutenwänden angebaut sein kann, macht der Oberträger allein sie noch nicht einzeln beweglich.
Lorenzo Langstroth beschrieb 1851 das Bienenmaß: den Abstand von etwa einem
Zentimeter, den Bienen freilassen, statt ihn zu verbauen. Am 5. Oktober 1852
erhielt er darauf ein Patent. Seither hängen die Waben in Rahmen, die sich
einzeln herausnehmen lassen; der Bau ist bis heute in weiten Teilen der Welt
der verbreitetste.
Christs Magazin steht davor, denn beweglich ist bei ihm das Kästchen, das man
als Ganzes abhebt, während die Waben darin bleiben. Der Bienenkundler
F. Gerstung nannte
ihn deshalb den Begründer „der Mobilität, d.h. der Beweglichkeit von Teilen des
Bienenstockes, von Auf- und Untersätzen" (zitiert bei Bode 1984, S. 381).
Das Wort selbst benutzt Christ einmal, in einem anderen Sinn: die Glasscheibe
eines Strohaufsatzes wird „in ein hölzernes Rähmchen eingepaßt" (K3 §8).
Zwischen 1798 und 1852 liegen vierundfünfzig Jahre.
Ein Ringkorb besteht aus gleichweiten Strohringen, die übereinandergesetzt
einen gemeinsamen Innenraum bilden. Weitere Ringe vergrößern die Beute.
Feste Querhölzer tragen die Waben und ermöglichen es, einzelne Abschnitte
mitsamt ihrem Wabenbau abzunehmen.
KI-generierte schematische Darstellung nach Fleischer (1777).
Fleischer 1777, S. 311–314; Tafelerklärung, Fig. 2–4
Rose, Rosentafel
Christs Wort für die Wabe. Er benutzt es gleichbedeutend mit Wachstafel und
verwendet beide Wörter, wenn er beschreibt, woran man junge Stöcke
erkennt: „an der Weiße und Zärte ihrer Wachstafeln oder Rosen" (K2 §10).
Zusammensetzungen kommen im ganzen Buch vor. Honigrosen sind die mit Honig
gefüllten Waben (K3 §5), Bruttafeln die mit Brut belegten (K4 §2).
Die Wabenführung in Christs Aufsatz. Auf die Fugen der vorderen und hinteren
Gesimslatte werden Hölzchen genagelt, jedes einen Zoll breit, und die Bienen
richten ihren Bau nach ihnen aus (K3 §4).
Die Zahl richtet sich nach der Stelle im Stapel. Sechs Hölzer bekommt nur das
oberste Kästchen, „damit die Bienen nach dieser Richtung von der hinteren Wand
gegen das Flugloch zu ihren Wachstafeln ansetzen, und bauen". Die Untersätze
bekommen zwei, weil die Bienen die einmal begonnene Richtung ohnehin
fortsetzen (K3 §4).
Christ nennt drei Gründe für die kleinere Zahl unten: das Volk sitzt im Winter
enger zusammen, der Abfall bleibt nicht auf den Hölzern liegen, und die Bienen
kommen bequemer auf und ab (K3 §4). Damit die schweren Honigtafeln halten,
bekommt jedes Kästchen mit zwei Hölzern zusätzlich ein Kreuz aus zwei runden
Weiden- oder Haselstöcken (K3 §4).
Eine Biene, die vor dem Schwarm ausfliegt und eine Wohnung sucht.
Das Wort ist Christs eigenes, doch hält er die Sache für unbewiesen. Daß ein
Volk sich „etliche Tage vor dem Schwärmen einen hohlen Baum durch Kundschafter,
oder sogenannte Spurbienen" aussuche, gehöre „recht unter die bloßen
Mutmaßungen" (K4 §9). Für Hungerschwärme läßt er es dann doch gelten, weil er
gesehen hat, wie einzelne Bienen einen leerstehenden Stock tagelang vorher
säuberten und der Schwarm drei Tage darauf einzog. Eine eigene Zunft sind sie
für ihn nicht: Kundschafter seien „das aber freilich keine besondere Art
Bienen" (K4 §9).
Hundertachtzig Jahre später ist an Kästen im Wald nachgemessen worden, wonach ein Schwarm wählt; diese Kriterien tragen die Erzählung „Eine Biene auf
Wohnungssuche" (Seeley und Morse 1978, referiert und nicht am Volltext
gelesen).
Bienenhaltung in Wohnungen ohne bewegliche Rähmchen. Die Wabe hängt fest an
Decke und Wänden. Zur Entnahme wird sie abgeschnitten oder zusammen mit dem
Beutenteil abgenommen, an dem sie befestigt ist.
Witzgall und Felgentreu datieren die Unterscheidung von Stabil- und Mobilbau auf 1844, das Jahr,
in dem Dzierzon mit seiner Erfindung öffentlich hervortrat (Witzgall/Felgentreu
1889, S. 102). Denselben Verfassern ist 1889 die Bauweise
schon rechtfertigungsbedürftig. Sie beginnen ihr Kapitel darüber mit dem Satz,
es möge manchen Leser befremden, so etwas noch zu finden, „nachdem man ja doch
schon längst den Stabilbetrieb als veraltet und für die heutigen Zeiten als
abgethan betrachtet…" (Witzgall/Felgentreu 1889, S. 209).
Christ kennt das Wort nicht. Es gibt zu seiner Zeit nichts, wovon der Stabilbau
sich hätte unterscheiden müssen.
Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102 und 209
Strohkorb
Die gewöhnliche Bienenwohnung der Landleute zu Christs Zeit: ein aus
Strohwülsten gewundener Korb, aus einem Stück, ohne Möglichkeit, ihn zu
teilen. Geerntet wird durch Ausschneiden, wobei das Volk stirbt (K3 §2).
Christ setzt seine Magazine dagegen. Ein Bienenstand von dreißig bis
sechsunddreißig Magazinstöcken sei „mehr wert als ein Bienenstand von 100 Stück
in Strohkörben" (K4 §26).
Christ beschreibt auch die weitere Nutzung des Korbes. In K3 §10 zeigt er, wie man einen Strohkorb
auf einen Magazinuntersatz stellt, das Flugloch am Korb verschmiert und die
Bienen dadurch nach unten in die Kästen zieht.
Ein kleiner Korb, den man oben auf den Strohkorb setzt, damit die Bienen dort
Honig einbauen. Christ verwendet die Bezeichnungen der Landleute: „kleinen
Körben, (Stülpen, Kappen,) welche die Landleute auf die Strohkörbe setzen"
(K4 §26, Fußnote).
Ihre geringe Nutzung bestärkt ihn in seiner Ablehnung des Aufsetzens. Unter zehn
Bienenstämmen baue kaum einer oder zwei hinein, und auch das nur in einem
besonders honigreichen Jahr; viele bauten lieber außen hin als in das
aufgesetzte Körbchen (K4 §26, Fußnote).
Derselbe Kasten wie der Aufsatz, an anderer Stelle im Stapel. Christ erklärt es
selbst in einer Fußnote:
„Ich werde wohl fast nicht nötig haben, anzumerken, daß ich durch Untersätze
nichts anderes verstehe, als diejenigen Aufsätze, die unterst stehen, weil
sie meist nur immer untergesetzt werden, und können überhaupt Kästchen
heißen, wegen ihrer Ähnlichkeit mit denselben." (K3 §4, Fußnote)
Die Bezeichnung richtet sich nach der Position im Stapel. Der Rost unterscheidet sich:
sechs Hölzer im obersten Kästchen, zwei in den Untersätzen (K3 §4).
Den leeren Kasten unter den vollen schieben. Christs Art, den Raum zu
erweitern, und die Handlung, um die seine ganze Betriebsweise gebaut ist.
Der Zeitpunkt steht fest: ist der unterste Kasten „etwas über die Hälfte oder
zu drei Teilen voll gebaut", kommt der nächste darunter, und so fort bis in den
August (K3 §9). Immer nur einer auf einmal, denn „Einesteils bauen die Bienen
lieber in einen, als in zwei, welche leer sind" (K3 §9).
Die Handgriffe beschreibt er zweimal. Erst die frühe Art, morgens in aller
Frühe, mit einem Gehilfen, der den Stock hebt, während der andere das
Untersatzbrett wegzieht (K3 §9). Dann die spätere, bessere: mittags im
stärksten Flug, wenn die Bienen sich „aus Fleiß und Emsigkeit im Eintragen um
nichts" bekümmern (K3 §9).
Das Harz, mit dem Bienen Ritzen verkitten und Waben befestigen, heute Propolis genannt.
Christ trennt es ausdrücklich vom Wachs: „Den Kitt oder Vorwachs, der vom Wachs
unterschieden und eigentlich ein klebriges Harz ist, so aber nach der
Verarbeitung und besonders in der Kälte ganz hart wird" (K1 §14).
Christ verwendet es beim Besetzen einer Beute. Über Kohlen zergehen lassen und in die Ecken eines
neuen Kastens gestrichen, hält es den jungen Schwarm am Ort; wer einen schon
gebrauchten und verharzten Aufsatz nimmt, hat denselben Vorteil ohne Arbeit
(K4 §21).
Das alte Wort für die Königin. Christ führt beide nebeneinander: „Die Königin,
oder, von den Alten, Weisel, genannt" (K1 §1).
In den Zusammensetzungen ist das ältere Wort das gebräuchlichere geblieben.
Weisellosigkeit heißt der Zustand eines Volkes ohne Königin, und Christ widmet
ihm einen eigenen Paragraphen (K5 §6).
Heute das Wort für einen Kasten ohne Boden und Deckel, der auf einen anderen
gesetzt wird. Die Bienen bauen ihre Waben von oben nach unten durch die ganze
Reihe.
Christ nennt sie Aufsatz und macht sie dreizehn Zoll im Viereck und viereinhalb
Zoll hoch (K3 §4).
Christ selbst hat das Wort auch, in seiner älteren Bedeutung: die Zarge des
Strohkorbes ist dessen runder Rand (K3 §10).
Der Waldimker des Mittelalters, der Bienen in hohlen Bäumen hielt und dafür
zinspflichtig war. Christ erwähnt den Stand im Rechtskapitel: aus dem
Baumrecht sei „ehedem daher die Zeidlergesellschaft entstanden, welche einen
gewissen Zins an Honig und Wachs dem Förster oder einen anderen Grundherren des
Waldes entrichten" (K9 §2).
Für ihn ist das Vergangenheit. Die Haus- und Gartenbienen gehören zu seiner
Zeit „unter unsere Haustiere" (K9 §2).
Das von Christ verwendete Längenmaß ist nicht eindeutig bestimmt. Es gab kein einheitliches Zoll;
jede Gegend hatte ihres.
An genau einer Stelle im ganzen Buch schreibt Christ „Linien Pariser Zoll", und
zwar für die Länge einer Königin. Vorher hat er das Wort Zoll schon
vierundzwanzig mal ohne Zusatz gebraucht (Anmerkungen des Übertragers).
Der Übertrager hat die Baumaße gegen Christs eigene Volumenangabe von vier Maß
gerechnet. Beim Pariser Zoll (2,71 cm) weicht das Ergebnis um 27 bis 34 Prozent
ab, beim Frankfurter Zoll (2,37 cm) um 1 bis 8 Prozent. Seine Folgerung: die
Längenangaben können nicht in Pariser Zoll ausgedrückt sein, der
Umrechnungsfaktor liegt zwischen 2,4 und 2,5 (Anmerkungen des Übertragers).
Das ist eine Erschließung und keine Angabe Christs. Christ selbst sagt nirgends,
welches Zoll er meint.
Die alte Abgabe an die Kirche: ungefähr der zehnte Teil dessen, was ein Hof im
Jahr erbrachte, abzuliefern in Früchten, Wein oder Vieh. Ein Teil davon war die
Besoldung des Pfarrers. Er trieb sie bei denselben Leuten ein, zu denen er
sonntags predigte.
Christ hat den Zehnten selbst eingesammelt und darüber prozessiert. Fiel eine
Zehnteinnahme weg, bekam er statt dessen Land, ein „Besoldungsstük zum Ersaz des
Zehnden" (Bode 1984, S. 181).
Bode 1984, S. 181
Bienenkiste
Die Bienenkiste ist eine längliche, waagerechte Stabilbaubeute mit Brutbereich vorn und Honigbereich hinten. Ihr Boden lässt sich abnehmen, sodass das Wabenwerk von unten zugänglich wird.
Zeidlerei ist eine traditionelle Form der Waldimkerei, bei der Bienen in künstlich angelegten Höhlen lebender Bäume gehalten werden. Heutige Initiativen greifen das Handwerk zur Bienenhaltung und zur Schaffung von Lebensräumen für höhlenbewohnende Arten wieder auf.
Eine Futterkranzprobe enthält eingelagertes Futter aus der Nähe des Brutnestes. Sie wird im Labor auf Sporen des Erregers der Amerikanischen Faulbrut untersucht.
Gemüll sind Rückstände, die aus dem Volk auf den Beutenboden fallen, etwa Wachsteilchen, Pollen und tote Milben. Ihre Art und Verteilung geben Hinweise auf Vorgänge im Volk, darunter Wabenbau, Futterverbrauch und den Sitz der Wintertraube.
Flavonoide gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen und kommen auch im Honig vor. Ihr gemessener Gesamtgehalt beschreibt einen Teil seiner chemischen Zusammensetzung. Ein höherer Wert allein belegt keinen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen des Honigs.
David Heaf, ein Imker und Fachautor in Wales, hat Warrés L’Apiculture pour tous gemeinsam mit Patricia Heaf ins Englische übersetzt. Sein Informationsportal versammelt Baupläne, Betriebsweisen und Erfahrungsberichte zur Warré-Beute.
Phil Chandler ist Imker und Autor von The Barefoot Beekeeper. Für die Bienenhaltung mit wenigen Eingriffen in das Brutnest entwickelte er eine eigene horizontale Oberträgerbeute, deren Baupläne er frei zugänglich veröffentlichte.