Ansätze, Forschung und weiterführende Quellen zu Treatment-free Beekeeping
In der behandlungsfreien Bienenhaltung sollen die Völker ohne regelmäßigen Einsatz von Varroamedikamenten überleben.12
Formen der behandlungsfreien Bienenhaltung
Unter treatment-free beekeeping werden Betriebsweisen zusammengefasst, die unterschiedlich stark in das Volk eingreifen. Manche Imker verzichten auf Varroamedikamente, nutzen aber Brutpausen oder andere biotechnische Maßnahmen. Andere überlassen die Auslese weitgehend dem Überleben und der natürlichen Vermehrung der Völker. Bei einem Erfahrungsbericht ist deshalb entscheidend, welche Eingriffe tatsächlich stattgefunden haben und wie die überlebenden Völker vermehrt wurden.13
Für einen schrittweisen Übergang beschreibt die britische Initiative Varroa Resistant die Auswahl und Vermehrung von Völkern, die den Milbenbefall begrenzen. Dazu gehören wiederholte Befallskontrollen. Bei starkem Befall empfiehlt die Initiative, das Volk zu behandeln oder aus dem Bestand zu nehmen. Auch die Eigenschaften späterer Generationen müssen beobachtet werden, denn bei freier Paarung tragen Drohnen aus der Umgebung zu ihrer Erbanlage bei.2
Resistenz, Toleranz und Verhalten der Bienen
Resistenz begrenzt die Vermehrung oder Belastung durch einen Parasiten oder Krankheitserreger. Toleranz vermindert dessen schädliche Folgen. Ein Volk kann daher trotz vorhandener Milben oder Viren vergleichsweise wenig Schaden nehmen. Beide Eigenschaften müssen auf den jeweiligen Parasiten oder Erreger bezogen werden; Varroaresistenz und Virustoleranz beschreiben unterschiedliche Teile des Geschehens.4
Oddie und Kollegen fanden 2018 in vier überlebenden Bienenpopulationen in Frankreich, Norwegen und Schweden ein häufigeres Öffnen und erneutes Verschließen von Brutzellen, das als Recapping bezeichnet wird. Die Bienen richteten dieses Verhalten gezielter auf befallene Zellen als die anfälligen Vergleichsvölker. Ein ergänzender Versuch zeigte, dass künstliches Öffnen der Brutzellen den Fortpflanzungserfolg der Milben verringern konnte. Recapping kommt allerdings auch bei anfälligen Bienen vor; einzelne wieder verschlossene Zellen reichen deshalb als Nachweis von Varroaresistenz nicht aus.5
Die Untersuchung solcher Merkmale verlangt Einblick in die Brut. Beim Stabilbaumagazin sind die einander zugewandten Wabenflächen nur eingeschränkt zugänglich. Ein in Rähmchenbeuten beschriebenes Prüfverfahren lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres auf Stabilbaumagazine übertragen.6
Forschung an überlebenden Bienenpopulationen
Eine norwegische Population, die Oddie, Dahle und Neumann 2017 untersuchten, hatte über viele Jahre ohne Varroabehandlung überlebt. Die Milben vermehrten sich dort schwächer als in den anfälligen Vergleichsvölkern. Der Entwicklung dieses Bestands waren erhebliche Verluste vorausgegangen; gesunde Überlebende wurden durch Teilung vermehrt. Der Befund beschreibt somit eine über Generationen entstandene Population und lässt sich nicht als Prognose für ein beliebiges, bisher behandeltes Volk verwenden.7
Thaduri und Kollegen untersuchten 2019 die Empfindlichkeit gegenüber Viren bei Nachkommen der schwedischen Gotland-Population. Erwachsene Bienen aus diesem Bestand überstanden experimentelle Virusinfektionen besser als die Vergleichsbienen, obwohl ihre Viruslast nicht geringer war. Das stützt Virustoleranz als einen Beitrag zum Überleben. Es bedeutet zugleich, dass widerstandsfähige Bienen weiterhin Viren tragen können.4
Auch die Haltungsbedingungen können das Ergebnis verändern. Bei Loftus, Smith und Seeley hatten unbehandelte Völker in kleinen Beuten ohne Schwarmverhinderung einen geringeren Milbenbefall und überlebten häufiger als ebenfalls unbehandelte Völker in großen, auf Honigertrag geführten Beuten. Nestgröße und Schwarmverhinderung wurden gemeinsam verändert; beide Gruppen lebten in Rähmchenbeuten. Ein besonderer Schutz durch feste Waben ist damit nicht nachgewiesen.8
David Heaf: Betriebsweisen und Erfahrungen
Zu den wichtigen Wegbereitern der behandlungsfreien Bienenhaltung gehört David Heaf. Sein 2021 bei Northern Bee Books erschienenes Buch Treatment-Free Beekeeping stellt unterschiedliche Betriebsweisen anhand von Beispielen aus Europa und Amerika vor. Das Inhaltsverzeichnis umfasst auch Übergangsformen mit biotechnischen Maßnahmen sowie ethische, rechtliche und soziale Fragen.3
Auf seiner Website stellt Heaf außerdem Fachartikel und Erfahrungsberichte aus der Warré-Imkerei bereit. Darunter sind Beiträge über natürliche und gezielte Auslese sowie Literatur zur Frage, wie sich Varroaresistenz bei der Vermehrung weitergeben lässt.3
Varroa Resistant: Forschung und Auswahl in der Praxis
Die britische Website Varroa Resistant wird von einem Team aus Forschung und Imkerei getragen, zu dem Stephen Martin, Rhona Toft, Joe Ibbertson und Steve Riley gehören. Die Forschungsübersicht verlinkt Arbeiten zu Resistenzmerkmalen, Milbenvermehrung und Virusinfektionen. Die Seite Advice beschreibt Erfahrungen und Ansätze für den Aufbau widerstandsfähiger Bestände.2
Das Team unterscheidet zwischen der Übernahme bereits widerstandsfähiger Bienen, einem schrittweisen Übergang und dem vollständigen Behandlungsverzicht bei zunächst anfälligen Völkern. Für den letzten Weg nennt es ein hohes Verlustrisiko, besonders bei kleinen Beständen. Für die weitere Vermehrung empfiehlt das Team Völker mit niedriger Milbenbelastung.2
Varroaresistens.se: die schwedische Perspektive
Varroaresistens.se ist ein Angebot des schwedischen Imkerverbands SBR Distrikt Värmland, das in Zusammenarbeit mit Forschern und Imkern entstanden ist. Die Informationsseite erläutert unter anderem das Öffnen und erneute Verschließen von Brutzellen sowie das Ausräumen befallener Brut. Sie verbindet diese Beschreibungen mit Abbildungen, Fachliteratur und Links zu schwedischen Projekten.9
Auf der Startseite werden außerdem Vorträge von Stephen Martin und Steve Riley sowie die Arbeit Erik Österlunds in Hallsberg vorgestellt.9
Verluste, Nachbarvölker und rechtliche Bedingungen
Ein Erfolgsbericht sollte erkennen lassen, ob die ursprünglichen Völker überlebt haben oder ob der Bestand durch die Vermehrung weniger Überlebender wieder aufgebaut wurde. Angaben zu den Verlusten während des Übergangs, zur Herkunft neu zugesetzter Königinnen und zu den örtlichen Bedingungen helfen, den Verlauf zu beurteilen. Die Berichte im Warré-Archiv zeigen, wie unterschiedlich solche Verläufe ausfallen können.1
Stark befallene, zusammenbrechende Völker können Milben an andere Völker weitergeben, etwa wenn sie ausgeraubt werden. Auch zufliegende Bienen tragen zur Übertragung bei. Eine behandlungsfreie Betriebsweise braucht deshalb ein Vorgehen für steigenden Befall und erkrankte Völker.1011
Ein neues Volk, das der Imker selbst bildet, statt auf einen Schwarm zu warten.
Man nimmt Brut und Bienen aus einem starken Stock und setzt sie in eine leere
Wohnung.
Christ macht Ableger „nach fränkischer Art": ein Scheibchen Wabe von vier bis
fünf Zoll im Viereck, mit Brut, wird in eine leere Wohnung eingesetzt, und die
Bienen ziehen sich daraus eine Königin (K1 §5). Er zieht das Verfahren dem
Schwärmen vor und rechnet für einen Bienenstand von zehn Stämmen, von denen
vier schwärmen sollen, ungefähr hundert Aufsätze (K4 §26).
Im Strohkorb sind die Waben fest eingebaut. Wer an den Honig will, muß sie
herausschneiden und vernichtet dabei das Volk. Üblich war, den Korb über
brennenden Schwefel zu stellen und die Bienen zu ersticken.
Christ nennt das den „fast nicht zu vertilgenden alten Schlendrian der meisten
Landleute, die im Herbst die schwersten und leichtesten Stöcke unverantwortlicher
und recht sündlicher weise abschlachten und ersticken“ (K3 §2).
Christ beanstandet auch die Qualität des so gewonnenen Honigs: Er sei „mit
Brut, toten Bienen, Schwefelgeruch und dergleichen verunreinigt“ (K3 §6).
Christs Wort für den einzelnen Kasten seines Magazins. Vier gehobelte
Dielenstücke, dreizehn Zoll im Viereck von außen, viereinhalb Zoll hoch, vorne
ein Flugloch, hinten eine Glasscheibe, oben ein Gesims und darunter der Rost
(K3 §4).
Die Aufsätze haben weder Boden noch Deckel. Der unterste steht auf dem
Untersatzbrett, das zugleich Flugbrett ist (K3 §9), und der oberste bekommt
einen Deckel aus Brett, Glas oder geflochtenem Stroh (K3 §4).
Für einen Stamm, der nicht schwärmen soll, rechnet Christ acht Aufsätze auf den
Sommer, für einen jungen Schwarm sechs (K4 §26).
Den leeren Kasten oben auf den vollen stellen. Christ hält das für den
bequemeren Weg und benutzt ihn zum Erweitern trotzdem nicht:
„Es wäre das Aufsetzen freilich etwas gemächlicher, als das Untersetzen;
allein es geht nicht an. Die Natur der Bienen ist, von oben herunter zu
bauen, und da fortzubauen, wo sie aufgehört haben." (K4 §26, Fußnote)
Zum Ernten setzt er sehr wohl oben auf. Auf den Deckel des obersten Kästchens
stürzt er Gläser und Porzellangefäße, in die die Bienen von unten her hinein
bauen; abgeschnitten wird mit einem Seidenfaden oder einem dünnen Klavierdraht
(K3 §5).
Das heutige Wort für jede vom Menschen gebaute Bienenwohnung hat seinen Ursprung
im Wald. Christ schreibt, die Waldbienen würden „in hohlen Bäumen oder eigenen
dazu ausgehauenen Büten oder Beuten angezogen" und gehörten dem Eigentümer des
Waldes (K9 §2).
Für seine eigenen Kästen benutzt er das Wort nicht. Er sagt Aufsatz, Kästchen,
Magazin oder Bienenwohnung.
Der Zwischenraum, den Bienen in ihrer Wohnung frei lassen, statt ihn zu
verbauen. Wer seine Waben in diesem Abstand aufhängt, kann jede einzeln
herausnehmen, ohne etwas abzuschneiden. Lorenzo Langstroth beschrieb das Maß
1851 und erhielt am 5. Oktober 1852 ein Patent auf die Beute, die es benutzt.
Die Angabe ist im Repositorium über eine Suchzusammenfassung mehrerer Seiten
belegt, nicht am Patentdokument selbst (Quellenschlüssel langstroth-1852).
Eine gemessene Zahl aus einer gelesenen Quelle steht bei Warré. Er läßt
zwischen zwei Oberträgern zwölf Millimeter frei, ausdrücklich „pour le passage
des abeilles" (Warré 1948, S. 49).
Dzierzon
Der Pfarrer, an dem die Imkerei den Übergang zum beweglichen Wabenbau festmacht.
Johann Witzgall erzählt 1889, er habe anfangs „mit dem Christ'schen
Magazinstocke" geimkert und daraus auf experimentellem Weg „den jetzt allgemein
verbreiteten Stock mit beweglichen Waben" entwickelt (Witzgall, Geschichte der
Bienenzucht 1889, S. 56).
Der Umbau setzte an Christs Rost an. Dzierzon versah die Kästen mit einem
beweglichen Stäbchenrost, an den er Waben anklebte, so daß sich jede einzeln
herausheben ließ; dann kamen Seitentüren dazu, feste Bodenbretter, Leisten an
den inneren Seitenwänden, kürzere und höhere Kästen und ein fester Deckel
(Witzgall, Geschichte der Bienenzucht 1889,
S. 56). Bei Christ sind die sechs Hölzer des Rostes
mit Nägelchen aufgenagelt (K3 §4).
1844 trat Dzierzon mit seiner Erfindung öffentlich hervor. Seit diesem Jahr
unterscheidet das Fach Mobil- und Stabilbau (Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102).
Witzgall schreibt vierzig Jahre nach dem Vorgang und gibt Dzierzon nicht selbst
wieder.
Die Öffnung, durch die die Bienen aus- und einfliegen. Bei Christ hat jeder
Aufsatz eines, vier Zoll lang und 1¼ Zoll hoch, mit zwei blechernen Schiebern
davor (K3 §4).
Christ begründet die Größe mit der Luft,
die die Bienen bei nötiger Einsperrung brauchen, und mit der Bequemlichkeit
beim Füttern (K3 §4, Fußnote).
Weil jeder Kasten sein eigenes Flugloch hat, gehört zum Untersetzen ein Griff
dazu: zwei oder drei Stunden nach dem Untersetzen wird das obere Flugloch ganz
zugeschoben, „sonst bauen sie nicht leicht fort" (K3 §9).
Die vier Latten, die oben auf jeden Aufsatz geleimt und genagelt werden. Sie
tragen den Rost und schießen einen viertel Zoll nach außen vor (K3 §4).
Der Vorschuß hat zwei Zwecke, und Christ nennt beide. Er formt eine Zierde, der
man mit dem Hobel einen Karnießstoß gibt. Und er sorgt dafür, „damit alle
Aufsätze aufeinander wohl passen, und fest stehen, wenn etwa einer ¼ oder ½
Zoll größer oder kleiner würde, als der andere" (K3 §4).
Dieser vorstehende Rand ist der Grund, warum sich die Wandstärke nicht aus der
Kupfertafel abgreifen läßt. Fig. 1 zeigt eine Schrägansicht, deren Rand Wand und Gesims zusammen zeigt.
Émile Warré (1867–1951) war ein französischer Priester und Imker. Seine
Ruche Populaire („Volksbeute“) sollte mit einfachen Mitteln zu bauen und zu
bewirtschaften sein. Konstruktion und Betriebsweise beschrieb er in
L’Apiculture pour tous, dessen zwölfte Auflage 1948 erschien.
Christs eigener Zusatz zur Magazinbeute. In die Rückwand jedes Aufsatzes wird
ein Loch von sieben Zoll Länge und zweieinhalb Zoll Höhe gemeißelt, das Glas
eingezapft, davor kommt ein Lädchen gegen das Licht (K3 §4).
Sein Urteil steht am Ende desselben Paragraphen, im Absatz für den, der alles
andere weglassen will: „Eine Glasscheibe aber am hinteren Brett ist fast
unentbehrlich." (K3 §4)
Den naheliegenden Einwand entkräftet er aus der Beobachtung. Die Bienen bauen
an Glas so fest an wie an Holz oder Stroh und halten es sauber; was sie im
Herbst verschmieren, säubern sie im Frühjahr wieder (K3 §11).
Das französische Wort für den Kasten, der auf einen anderen kommt. Bei Palteau
besteht die Beute aus einem Tisch, drei Füßen, mehreren hausses, einem Deckel
und einem Flugbrett; die Zarge mißt einen Fuß im Quadrat bei drei Zoll Höhe
(Palteau 1777, S. 7–11).
Christ kennt Palteau nicht im Original. Er schreibt in der Fußnote zur Vorrede,
er habe erst Jahre nach seiner eigenen Erfindung „etwas von ähnlichen
Bienenwohnungen" gelesen, „dergleichen des Herrn Palteau in Frankreich und die
Vicatische, die Schirach in seinem allgemeinen Bienenvater beschreibt" (Vorrede).
Das Lehrbuch des Glaubens, nach Fragen und Antworten geordnet. Jedes Kind ging
es im Unterricht durch und lernte die Antworten auswendig; die Form war deshalb
jedem Leser vertraut, auch dem, der sonst wenig las.
Christ überträgt sie 1784 auf die Bienen und grenzt sich im selben Zug von der
Schulstube ab. Die katechetische Lehrart sei „für den gemeinen Mann die
faßlichste und deutlichste"; gemeint sei kein Katechismus „zum Auswendiglernen,
sondern blos zum Unterricht und Nachschlagen" (Christ 1784, S. VI). Sein
Bienencatechismus für das Landvolk besteht aus hundertsiebenundneunzig
numerierten Fragen, und einige davon sind die Meinung, gegen die er schreibt.
Klotzbeute
Eine Klotzbeute ist ein ausgehöhlter, abgetrennter Stammabschnitt, der als Bienenwohnung dient. Anders als eine Höhle im lebenden Baum lässt sie sich als ganze Beute an einen anderen Standort bringen.
Ein Wort am Fuß einer gedruckten Seite, das das erste Wort der nächsten Seite
vorwegnimmt. Der Setzer benutzte es, um die Bogen in der richtigen Reihenfolge
zu halten.
Für diese Arbeit ist es eine Fehlerquelle. Wer eine alte Seite abschreibt und
die Kustode mitschreibt, hat ein Wort doppelt im Text. Bei Vicat stehen drei
Kustoden im Quelltext am Kopf der Folgeseite statt am Fuß der vorigen:
„festiget," (110/111), „einiche," (118/119), „voraus," (120/121).
Magazin, Magazinbeute
Eine Bienenwohnung aus mehreren Kästen, die übereinander stehen und einzeln
abgenommen werden können. Christs Wort dafür ist Magazin oder Magazinstock.
Er beschreibt es so: die Bienen haben „ihre Haushaltung in verbundenen
Aufsätzen … die von Zeit zu Zeit nach Erfordernis der Umstände, Zeit und
Absichten vermehret oder auch verringert werden" (K3 §3).
Christ stellt die Verwendung von Holz und Glas als Neuerung vor. Die üblichen
Magazine seien von Stroh gewesen, „wenigstens habe ich noch keine andere
gesehen"; deren Unbequemlichkeiten hätten ihn auf hölzerne viereckige
Aufsätze mit einer Glasscheibe gebracht (K3 §3).
Die Bienenwirtschaft mit beweglichen Waben, deren Name zusammen mit seinem
Gegenwort entstand. Witzgall und Felgentreu setzen beide 1889 auf das Jahr
1844:
„Seit 1844, wo Dr. Dzierzon zuerst mit seiner Erfindung öffentlich hervortrat,
spricht man in Imkerkreisen von einem beweglichen oder unbeweglichen
Bienenstocke, vom Mobil- oder Stabilbau." (Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102)
Christ liegt vor dieser Trennung. Der Bienenkundler F. Gerstung hat später
genau bestimmt, worin sein Beitrag besteht: „in Deutschland der eigentliche
Begründer der Mobilbienenzucht … freilich nicht so sehr der Beweglichkeit jeder
einzelnen Wabe … als vielmehr der Mobilität, d.h. der Beweglichkeit von Teilen
des Bienenstockes, von Auf- und Untersätzen" (zitiert bei Bode 1984, S. 381).
Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102
Nadieren
Fachwort für das Untersetzen: die leere Zarge kommt unter die volle. Es
bezeichnet dieselbe Handlung, die Christ Untersetzen nennt.
Die früheste in diesem Projekt belegte Stockwerksbeute mit Nadieren ist Geddes
achteckiger Kasten. Er trägt zwei eiserne Griffe „for lifting it up when
another is to be placed under it" (Gedde 1677, S. 18–19).
Oberträger
Ein Oberträger ist eine Holzleiste, an deren Unterseite die Bienen eine Wabe befestigen. Da die Wabe zusätzlich an den Beutenwänden angebaut sein kann, macht der Oberträger allein sie noch nicht einzeln beweglich.
Lorenzo Langstroth beschrieb 1851 das Bienenmaß: den Abstand von etwa einem
Zentimeter, den Bienen freilassen, statt ihn zu verbauen. Am 5. Oktober 1852
erhielt er darauf ein Patent. Seither hängen die Waben in Rahmen, die sich
einzeln herausnehmen lassen; der Bau ist bis heute in weiten Teilen der Welt
der verbreitetste.
Christs Magazin steht davor, denn beweglich ist bei ihm das Kästchen, das man
als Ganzes abhebt, während die Waben darin bleiben. Der Bienenkundler
F. Gerstung nannte
ihn deshalb den Begründer „der Mobilität, d.h. der Beweglichkeit von Teilen des
Bienenstockes, von Auf- und Untersätzen" (zitiert bei Bode 1984, S. 381).
Das Wort selbst benutzt Christ einmal, in einem anderen Sinn: die Glasscheibe
eines Strohaufsatzes wird „in ein hölzernes Rähmchen eingepaßt" (K3 §8).
Zwischen 1798 und 1852 liegen vierundfünfzig Jahre.
Ein Ringkorb besteht aus gleichweiten Strohringen, die übereinandergesetzt
einen gemeinsamen Innenraum bilden. Weitere Ringe vergrößern die Beute.
Feste Querhölzer tragen die Waben und ermöglichen es, einzelne Abschnitte
mitsamt ihrem Wabenbau abzunehmen.
KI-generierte schematische Darstellung nach Fleischer (1777).
Fleischer 1777, S. 311–314; Tafelerklärung, Fig. 2–4
Rose, Rosentafel
Christs Wort für die Wabe. Er benutzt es gleichbedeutend mit Wachstafel und
verwendet beide Wörter, wenn er beschreibt, woran man junge Stöcke
erkennt: „an der Weiße und Zärte ihrer Wachstafeln oder Rosen" (K2 §10).
Zusammensetzungen kommen im ganzen Buch vor. Honigrosen sind die mit Honig
gefüllten Waben (K3 §5), Bruttafeln die mit Brut belegten (K4 §2).
Die Wabenführung in Christs Aufsatz. Auf die Fugen der vorderen und hinteren
Gesimslatte werden Hölzchen genagelt, jedes einen Zoll breit, und die Bienen
richten ihren Bau nach ihnen aus (K3 §4).
Die Zahl richtet sich nach der Stelle im Stapel. Sechs Hölzer bekommt nur das
oberste Kästchen, „damit die Bienen nach dieser Richtung von der hinteren Wand
gegen das Flugloch zu ihren Wachstafeln ansetzen, und bauen". Die Untersätze
bekommen zwei, weil die Bienen die einmal begonnene Richtung ohnehin
fortsetzen (K3 §4).
Christ nennt drei Gründe für die kleinere Zahl unten: das Volk sitzt im Winter
enger zusammen, der Abfall bleibt nicht auf den Hölzern liegen, und die Bienen
kommen bequemer auf und ab (K3 §4). Damit die schweren Honigtafeln halten,
bekommt jedes Kästchen mit zwei Hölzern zusätzlich ein Kreuz aus zwei runden
Weiden- oder Haselstöcken (K3 §4).
Eine Biene, die vor dem Schwarm ausfliegt und eine Wohnung sucht.
Das Wort ist Christs eigenes, doch hält er die Sache für unbewiesen. Daß ein
Volk sich „etliche Tage vor dem Schwärmen einen hohlen Baum durch Kundschafter,
oder sogenannte Spurbienen" aussuche, gehöre „recht unter die bloßen
Mutmaßungen" (K4 §9). Für Hungerschwärme läßt er es dann doch gelten, weil er
gesehen hat, wie einzelne Bienen einen leerstehenden Stock tagelang vorher
säuberten und der Schwarm drei Tage darauf einzog. Eine eigene Zunft sind sie
für ihn nicht: Kundschafter seien „das aber freilich keine besondere Art
Bienen" (K4 §9).
Hundertachtzig Jahre später ist an Kästen im Wald nachgemessen worden, wonach ein Schwarm wählt; diese Kriterien tragen die Erzählung „Eine Biene auf
Wohnungssuche" (Seeley und Morse 1978, referiert und nicht am Volltext
gelesen).
Bienenhaltung in Wohnungen ohne bewegliche Rähmchen. Die Wabe hängt fest an
Decke und Wänden. Zur Entnahme wird sie abgeschnitten oder zusammen mit dem
Beutenteil abgenommen, an dem sie befestigt ist.
Witzgall und Felgentreu datieren die Unterscheidung von Stabil- und Mobilbau auf 1844, das Jahr,
in dem Dzierzon mit seiner Erfindung öffentlich hervortrat (Witzgall/Felgentreu
1889, S. 102). Denselben Verfassern ist 1889 die Bauweise
schon rechtfertigungsbedürftig. Sie beginnen ihr Kapitel darüber mit dem Satz,
es möge manchen Leser befremden, so etwas noch zu finden, „nachdem man ja doch
schon längst den Stabilbetrieb als veraltet und für die heutigen Zeiten als
abgethan betrachtet…" (Witzgall/Felgentreu 1889, S. 209).
Christ kennt das Wort nicht. Es gibt zu seiner Zeit nichts, wovon der Stabilbau
sich hätte unterscheiden müssen.
Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102 und 209
Strohkorb
Die gewöhnliche Bienenwohnung der Landleute zu Christs Zeit: ein aus
Strohwülsten gewundener Korb, aus einem Stück, ohne Möglichkeit, ihn zu
teilen. Geerntet wird durch Ausschneiden, wobei das Volk stirbt (K3 §2).
Christ setzt seine Magazine dagegen. Ein Bienenstand von dreißig bis
sechsunddreißig Magazinstöcken sei „mehr wert als ein Bienenstand von 100 Stück
in Strohkörben" (K4 §26).
Christ beschreibt auch die weitere Nutzung des Korbes. In K3 §10 zeigt er, wie man einen Strohkorb
auf einen Magazinuntersatz stellt, das Flugloch am Korb verschmiert und die
Bienen dadurch nach unten in die Kästen zieht.
Ein kleiner Korb, den man oben auf den Strohkorb setzt, damit die Bienen dort
Honig einbauen. Christ verwendet die Bezeichnungen der Landleute: „kleinen
Körben, (Stülpen, Kappen,) welche die Landleute auf die Strohkörbe setzen"
(K4 §26, Fußnote).
Ihre geringe Nutzung bestärkt ihn in seiner Ablehnung des Aufsetzens. Unter zehn
Bienenstämmen baue kaum einer oder zwei hinein, und auch das nur in einem
besonders honigreichen Jahr; viele bauten lieber außen hin als in das
aufgesetzte Körbchen (K4 §26, Fußnote).
Derselbe Kasten wie der Aufsatz, an anderer Stelle im Stapel. Christ erklärt es
selbst in einer Fußnote:
„Ich werde wohl fast nicht nötig haben, anzumerken, daß ich durch Untersätze
nichts anderes verstehe, als diejenigen Aufsätze, die unterst stehen, weil
sie meist nur immer untergesetzt werden, und können überhaupt Kästchen
heißen, wegen ihrer Ähnlichkeit mit denselben." (K3 §4, Fußnote)
Die Bezeichnung richtet sich nach der Position im Stapel. Der Rost unterscheidet sich:
sechs Hölzer im obersten Kästchen, zwei in den Untersätzen (K3 §4).
Den leeren Kasten unter den vollen schieben. Christs Art, den Raum zu
erweitern, und die Handlung, um die seine ganze Betriebsweise gebaut ist.
Der Zeitpunkt steht fest: ist der unterste Kasten „etwas über die Hälfte oder
zu drei Teilen voll gebaut", kommt der nächste darunter, und so fort bis in den
August (K3 §9). Immer nur einer auf einmal, denn „Einesteils bauen die Bienen
lieber in einen, als in zwei, welche leer sind" (K3 §9).
Die Handgriffe beschreibt er zweimal. Erst die frühe Art, morgens in aller
Frühe, mit einem Gehilfen, der den Stock hebt, während der andere das
Untersatzbrett wegzieht (K3 §9). Dann die spätere, bessere: mittags im
stärksten Flug, wenn die Bienen sich „aus Fleiß und Emsigkeit im Eintragen um
nichts" bekümmern (K3 §9).
Das Harz, mit dem Bienen Ritzen verkitten und Waben befestigen, heute Propolis genannt.
Christ trennt es ausdrücklich vom Wachs: „Den Kitt oder Vorwachs, der vom Wachs
unterschieden und eigentlich ein klebriges Harz ist, so aber nach der
Verarbeitung und besonders in der Kälte ganz hart wird" (K1 §14).
Christ verwendet es beim Besetzen einer Beute. Über Kohlen zergehen lassen und in die Ecken eines
neuen Kastens gestrichen, hält es den jungen Schwarm am Ort; wer einen schon
gebrauchten und verharzten Aufsatz nimmt, hat denselben Vorteil ohne Arbeit
(K4 §21).
Das alte Wort für die Königin. Christ führt beide nebeneinander: „Die Königin,
oder, von den Alten, Weisel, genannt" (K1 §1).
In den Zusammensetzungen ist das ältere Wort das gebräuchlichere geblieben.
Weisellosigkeit heißt der Zustand eines Volkes ohne Königin, und Christ widmet
ihm einen eigenen Paragraphen (K5 §6).
Heute das Wort für einen Kasten ohne Boden und Deckel, der auf einen anderen
gesetzt wird. Die Bienen bauen ihre Waben von oben nach unten durch die ganze
Reihe.
Christ nennt sie Aufsatz und macht sie dreizehn Zoll im Viereck und viereinhalb
Zoll hoch (K3 §4).
Christ selbst hat das Wort auch, in seiner älteren Bedeutung: die Zarge des
Strohkorbes ist dessen runder Rand (K3 §10).
Der Waldimker des Mittelalters, der Bienen in hohlen Bäumen hielt und dafür
zinspflichtig war. Christ erwähnt den Stand im Rechtskapitel: aus dem
Baumrecht sei „ehedem daher die Zeidlergesellschaft entstanden, welche einen
gewissen Zins an Honig und Wachs dem Förster oder einen anderen Grundherren des
Waldes entrichten" (K9 §2).
Für ihn ist das Vergangenheit. Die Haus- und Gartenbienen gehören zu seiner
Zeit „unter unsere Haustiere" (K9 §2).
Das von Christ verwendete Längenmaß ist nicht eindeutig bestimmt. Es gab kein einheitliches Zoll;
jede Gegend hatte ihres.
An genau einer Stelle im ganzen Buch schreibt Christ „Linien Pariser Zoll", und
zwar für die Länge einer Königin. Vorher hat er das Wort Zoll schon
vierundzwanzig mal ohne Zusatz gebraucht (Anmerkungen des Übertragers).
Der Übertrager hat die Baumaße gegen Christs eigene Volumenangabe von vier Maß
gerechnet. Beim Pariser Zoll (2,71 cm) weicht das Ergebnis um 27 bis 34 Prozent
ab, beim Frankfurter Zoll (2,37 cm) um 1 bis 8 Prozent. Seine Folgerung: die
Längenangaben können nicht in Pariser Zoll ausgedrückt sein, der
Umrechnungsfaktor liegt zwischen 2,4 und 2,5 (Anmerkungen des Übertragers).
Das ist eine Erschließung und keine Angabe Christs. Christ selbst sagt nirgends,
welches Zoll er meint.
Die alte Abgabe an die Kirche: ungefähr der zehnte Teil dessen, was ein Hof im
Jahr erbrachte, abzuliefern in Früchten, Wein oder Vieh. Ein Teil davon war die
Besoldung des Pfarrers. Er trieb sie bei denselben Leuten ein, zu denen er
sonntags predigte.
Christ hat den Zehnten selbst eingesammelt und darüber prozessiert. Fiel eine
Zehnteinnahme weg, bekam er statt dessen Land, ein „Besoldungsstük zum Ersaz des
Zehnden" (Bode 1984, S. 181).
Bode 1984, S. 181
Bienenkiste
Die Bienenkiste ist eine längliche, waagerechte Stabilbaubeute mit Brutbereich vorn und Honigbereich hinten. Ihr Boden lässt sich abnehmen, sodass das Wabenwerk von unten zugänglich wird.
Zeidlerei ist eine traditionelle Form der Waldimkerei, bei der Bienen in künstlich angelegten Höhlen lebender Bäume gehalten werden. Heutige Initiativen greifen das Handwerk zur Bienenhaltung und zur Schaffung von Lebensräumen für höhlenbewohnende Arten wieder auf.
Eine Futterkranzprobe enthält eingelagertes Futter aus der Nähe des Brutnestes. Sie wird im Labor auf Sporen des Erregers der Amerikanischen Faulbrut untersucht.
Gemüll sind Rückstände, die aus dem Volk auf den Beutenboden fallen, etwa Wachsteilchen, Pollen und tote Milben. Ihre Art und Verteilung geben Hinweise auf Vorgänge im Volk, darunter Wabenbau, Futterverbrauch und den Sitz der Wintertraube.
Flavonoide gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen und kommen auch im Honig vor. Ihr gemessener Gesamtgehalt beschreibt einen Teil seiner chemischen Zusammensetzung. Ein höherer Wert allein belegt keinen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen des Honigs.
David Heaf, ein Imker und Fachautor in Wales, hat Warrés L’Apiculture pour tous gemeinsam mit Patricia Heaf ins Englische übersetzt. Sein Informationsportal versammelt Baupläne, Betriebsweisen und Erfahrungsberichte zur Warré-Beute.
Phil Chandler ist Imker und Autor von The Barefoot Beekeeper. Für die Bienenhaltung mit wenigen Eingriffen in das Brutnest entwickelte er eine eigene horizontale Oberträgerbeute, deren Baupläne er frei zugänglich veröffentlichte.