Christs Buch in drei Teilen

Seine Magazinbeute, die Betreuung der Völker im Jahreslauf und seine Aussagen zur Bienenbiologie.

Die ersten beiden Teile erläutern den Aufbau von Christs Magazinbeute und die Betreuung seiner Völker im Jahreslauf, vom Besiedeln bis zum Einwintern. Sie geben seine Verfahren und deren Begründungen wieder. Der dritte Teil vergleicht seine Beobachtungen und Erklärungen zur Bienenbiologie mit späteren Forschungsergebnissen. Die Quellen für diese Einordnung stehen jeweils bei den behandelten Aussagen.

Die Verweise führen zu den entsprechenden Stellen im Buch: (K3 §4) bezeichnet etwa den vierten Paragraphen des dritten Kapitels. Ein Klick öffnet den Absatz neben dem Text oder führt in die Leseausgabe. Historische Maße bleiben erhalten. Zur ungefähren Orientierung entsprechen ein Zoll zweieinhalb Zentimetern, ein Schuh zwölf Zoll, eine Maß knapp zwei Litern und ein Pfund etwa einem halben Kilogramm. Preise und Kosten sind in Kreuzern und Gulden angegeben.

Christs Magazinbeute

Aufbau, Materialien und Ausstattung der Magazinbeute nach Christs Beschreibung.

Das Grundprinzip

Flache, übereinandergesetzte Holzkästen bilden eine veränderbare Bienenwohnung.

Explosionszeichnung der Christbeute mit drei beispielhaften Aufsätzen. Oben sechs Rostleisten, darunter jeweils zwei Leisten und gekreuzte Stäbe; die Fenster sitzen in den Rückwänden. KI-generierte schematische Darstellung nach Tafel II und Kapitel 3.

Christs Magazinbeute besteht aus gleichartigen hölzernen Kästen, die er als Aufsätze bezeichnet. Sie bilden einen zusammenhängenden Innenraum, den der Imker durch zusätzliche Kästen erweitern oder durch Abnehmen verkleinern kann. Christ schätzt an den Magazinen, „da die Bienen ihre Haushaltung in verbundenen Aufsätzen haben, die von Zeit zu Zeit nach Erfordernis der Umstände, Zeit und Absichten vermehret oder auch verringert werden“ (K3 §3).

Magazine aus Stroh waren bereits bekannt. Für seine Ausführung verwendet Christ gehobelte Dielen und versieht jeden Kasten mit einer Glasscheibe (K3 §3). An den Strohmagazinen bemängelt er den fehlenden Einblick: Wann das Volk weiteren Raum braucht, lasse sich von außen nicht erkennen. Außerdem würden beim Anheben Bienen zerdrückt, die Ringe stünden unsicher aufeinander und die Wachsmotte fresse sich zwischen ihnen ein (K3 §3). Seine Holzkästen haben eine quadratische Grundfläche von dreizehn Zoll Seitenlänge, sind viereinhalb Zoll hoch und fassen vier Maß (K3 §4, Vorrede).

Zur Erweiterung setzt Christ einen leeren Kasten unter die besetzten Aufsätze. Er begründet das mit der Beobachtung, dass die Bienen ihre Waben nach unten fortbauen und einen oben aufgesetzten Raum nur ungern annehmen (K4 §26). Der Honig sammelt sich in den oberen Kästen, die er zur Ernte mit einem Draht abtrennt und abhebt (K6 §6). Das Volk bleibt dabei erhalten; durch den Weiterbau nach unten sollen sich seine Waben fortlaufend erneuern. Deshalb betrachtet Christ auch ein seit fünfundzwanzig Jahren bestehendes Volk nicht als überaltert (K3 §6).

Christ setzt auf starke Völker: „Ein einziger recht volkreicher Stock ist mehr Wert und trägt mehr ein als vier schwache Stöcke.“ (K3 §1) Durch die Erweiterung der Beute möchte er das Wachstum eines Volkes ermöglichen und zugleich das Schwärmen vermeiden. Ein hölzerner Aufsatz mit Anstrich und Glas kostet nach seiner Rechnung fünfzehn Kreuzer, ein geflochtener Strohaufsatz zwölf (K3 §4). Die Erfindung beansprucht er für sich; von den ähnlichen Kästen Palteaus und der Frau Vicat habe er erst Jahre später gelesen (Vorrede).

Christs Magazin im Jahreslauf: 1 besetzte Beute; 2 Erweiterung unten; 3 Honigentnahme oben; 4 ungebauten unteren Raum bei Bedarf entfernen und für den Winter abdecken. Die Kastenzahlen sind beispielhaft und geben keinen erforderlichen Wintervorrat an. Nach K2 §6, K3 §§4 und 9, K4 §26 und K6 §§5–7. KI-generierte schematische Darstellung.

Der einzelne Aufsatz

Maße, Material, Flugloch, Wabenträger und Verbindung der Kästen.

Das Magazinkästchen: dreizehn Zoll im Viereck, viereinhalb hoch

Für einen Aufsatz nimmt Christ eine dünne Doppeldiele oder eine starke einfache Diele, hobelt sie beidseitig glatt und schneidet sie der Länge nach durch. Die halbe Dielenbreite ergibt die Höhe des Kastens, viereinhalb Zoll. Die zugeschnittenen Seiten sind dreizehn Zoll lang und werden an den Ecken durch Zinken verbunden. Als einfachere Verbindung beschreibt er das Zusammennageln mit Lattennägeln. Dabei werden die Seitenstücke um die Dielenstärke gekürzt, damit das quadratische Außenmaß von dreizehn Zoll erhalten bleibt (K3 §4).

Das Flugloch in der Vorderwand ist vier Zoll lang und eineinviertel Zoll hoch. Die große Öffnung soll für Luftaustausch sorgen, wenn die Bienen eingeschlossen sind oder starke Hitze herrscht; für den gewöhnlichen Flugbetrieb wird sie mit Schiebern verkleinert (K3 §4). Zwei angeleimte Leisten führen die Schieber aus Weißblech. Der vordere hat am unteren Rand einen Ausschnitt von einem halben Zoll, durch den die Bienen auch bei verengtem Flugloch ausfliegen können. Christ nutzt ihn im Frühjahr und bei Räubereigefahr. Der hintere Schieber ist eindreiviertel Zoll hoch und mit Löchern versehen, durch die keine Biene ihren Kopf stecken kann. Er belüftet die verschlossene Beute (K3 §4). Als günstigere Ausführung nennt Christ Schachtelböden, deren Kanten mit Seife gleitfähig gemacht werden (K3 §4).

Die beiden Fluglochschieber nach Christ (K3 §4): 1 große Öffnung freigelegt; 2 auf einen kleinen Bienendurchgang verengt; 3 durch das hintere Lochblech für Bienen geschlossen, mit Luftdurchlass. KI-generierte schematische Darstellung.
Unterer Aufsatz der Christbeute mit zwei Rostleisten, gekreuzten Stäben und zwei Fluglochschiebern. Nach Tafel II. KI-generierte schematische Darstellung.

Den oberen Rand bilden vier auf Gehrung zugeschnittene Lattenstücke, die aufgeleimt und aufgenagelt werden. Sie stehen außen einen Viertelzoll vor und bilden eine Auflage für den nächsten Kasten. So sollen auch geringfügig unterschiedlich große Aufsätze sicher aufeinanderstehen (K3 §4; die Tafelerklärung nennt dreiviertel Zoll). Eine Nut im vorderen und hinteren Lattenstück nimmt beim obersten Kasten sechs je einen Zoll breite Wabenträger auf. Christ nennt diese Anordnung den Rost. Die Hölzer werden festgenagelt und verlaufen vom Flugloch zur Rückwand. Damit will er die Richtung der Waben vorgeben und den Luftzug durch die Wabengassen ermöglichen (K3 §4). In den unteren Kästen sieht er nur zwei Hölzer in derselben Richtung vor: Die Bienen sollen den begonnenen Bau fortsetzen, die Wintertraube soll zusammenhängen können und Abfall ungehindert nach unten fallen (K3 §4). Jeder dieser unteren Kästen erhält über dem Flugloch ein Kreuz aus zwei biegsamen Weiden- oder Haselstöcken, das die schweren Honigwaben stützt (K3 §4).

Rost und Wabenstützen nach Christ (K3 §4): 1 oberster Aufsatz mit sechs festen Leisten; 2 unterer Aufsatz mit zwei Leisten und dünnen Kreuzstäben. Die Schnitte zeigen die Befestigung und Unterstützung der Waben. KI-generierte schematische Darstellung.

Für die Glasscheibe wird eine Öffnung von sieben Zoll Länge und zweieinhalb Zoll Höhe in die Rückwand geschnitten (K3 §4). Außen erhält der Kasten einen Ölfarbenanstrich. Christ empfiehlt Steinfarbe als preiswerte, dauerhafte Ausführung und beschreibt auch die Herstellung des Firnisses (K3 §4). Für Leser mit wenig Geld vereinfacht er die Konstruktion: zusammengenagelte Dielen, eingelassene Rosthölzer, hölzerne Schieber und ein abnehmbares Brett vor dem Fenster. Zehn solcher Kästen veranschlagt er mit vierundfünfzig Kreuzern. Die Innenseiten bleiben gehobelt; auf das Fenster möchte er auch bei dieser Ausführung kaum verzichten: „Eine Glasscheibe aber am hinteren Brett ist fast unentbehrlich.“ (K3 §4)

Der zusammengesetzte Magazinstock

Bodenbrett, gestapelte Aufsätze und oberer Abschluss.

Christs Magazinbeute mit sechs flachen Aufsätzen und Wetterschutzdach. Nach Tafel III und Kapitel 3 (1798). KI-generierte schematische Darstellung.

Jede Beute erhält ein eigenes Bodenbrett, bei Christ Untersatzbrett oder Flugbrett genannt. Es misst einen Schuh und acht Zoll in der Länge und einen Schuh und drei Zoll in der Breite. Der vordere Überstand von einem halben Schuh dient den Bienen als Anflug- und Ruhefläche. Eichenbretter verzogen sich nach Christs Erfahrung noch über Jahre; er bevorzugt deshalb verleimte und gedübelte Tannenbretter, die Einschubleisten gegen das Verziehen erhalten (K3 §9). Das Aufstellen einer Beute unmittelbar auf einer gemeinsamen Bank bezeichnet er als „ein verwerflicher und schädlicher Schlendrian“ (K5 §2).

Christ stapelt die Aufsätze auf dem Bodenbrett, ohne sie durch Haken oder Bänder zu verbinden. Undichte Fugen verschließt er mit einer Mischung aus gleichen Teilen Lehm und Rindsmist, die nach seiner Beschreibung nicht reißt und sich mit einem Messer wieder entfernen lässt (K3 §9). Hinten steht die Beute einen halben Zoll höher als vorn, damit sich im Winter kein Wasser auf dem Bodenbrett sammelt. Das Wasser soll zum Flugloch ablaufen, damit die Waben nicht schimmeln (K2 §8).

Die Zahl der Aufsätze richtet Christ nach Jahreszeit und Volksentwicklung. Einen jungen Schwarm setzt er zunächst in drei oder vier Kästen ein (K3 §9). Für ein Volk, das nicht schwärmen soll, rechnet er in einem guten Sommer mit acht Aufsätzen, für einen jungen Schwarm mit sechs. Zu einem Stand von zehn bestehenden Völkern gehören nach seiner Rechnung rund hundert Kästen; etwa vierzig davon werden im Herbst wieder frei (K4 §26). Der Bienenstand auf der ersten Kupfertafel bietet entsprechend Platz für acht Aufsätze je Beute (Tafelerklärung).

Als Ein- und Ausgang dient jeweils das unterste Flugloch. Nach dem Untersetzen schließt Christ die darüberliegende Öffnung nach zwei oder drei Stunden, weil die Bienen sonst nach seiner Beobachtung den Wabenbau nicht fortsetzen (K3 §9). Zwei zugleich offene Fluglöcher hält er auch wegen der Räuberei für schädlich: Die Bienen bewachten nur das untere, während fremde Bienen durch das obere eindringen könnten (K5 §16).

Den oberen Abschluss bildet ein Tannenbrett oder ein verglaster Rahmen, im Winter ein Strohdeckel (K3 §4). Für frei aufgestellte Beuten beschreibt Christ ein eigenes Dach. Seitlich am untersten Kasten angelegte Bretter halten Schlagregen vom Bodenbrett ab; die dritte Kupfertafel zeigt diese Ausführung mit sechs Aufsätzen (Tafelerklärung; Kupfertafeln). Den Wert eines gut besetzten Magazins gibt er mit elf Gulden an (K4 §26).

Die Glasscheibe

Beobachtungsfenster, Laden und Glasdeckel.

Oberster Aufsatz der Christbeute: sechs feste Rostleisten und ein Fenster hinter dem geöffneten Laden. Nach Tafel II. KI-generierte schematische Darstellung.

Die Rückwand jedes Kastens erhält ein sieben Zoll langes und zweieinhalb Zoll hohes Fenster. Zwei angenagelte Holzstücke stützen das Glas von innen, zwei Stifte halten es von außen. Christ bevorzugt eine Ausführung, bei der beim Ausstemmen der Öffnung innen ein Rand als Auflage stehen bleibt (K3 §4). Eine Scheibe kostet einen Kreuzer (K3 §3). Zusätzliche Fenster in den Seitenwänden sind ebenfalls möglich (K3 §4).

Ein kleiner Fensterladen schützt die Glasscheibe vor Licht. Bleibt sie dauerhaft unbedeckt, überziehen die Bienen sie nach Christs Beobachtung mit Wachs und Propolis. Wird der Laden gewöhnlich geschlossen gehalten, bleibt das Glas durchsichtig; zur Beobachtung könne man es dann auch einen ganzen Tag lang freilegen (K3 §4). Der Laden hängt an Blechscharnieren oder Draht und wird mit einem Drahthaken geschlossen. Eine einfachere Variante besteht aus einem Brettchen, dessen zwei Zapfen in gebogenen Drähten lagern und das von selbst zufällt (K3 §4). Für die günstigste Ausführung genügt ein an zwei Holzstiften eingehängtes Brett, das zur Kontrolle abgenommen wird (K3 §4).

Rückansicht der Christbeute mit Beobachtungsfenstern und zwei geöffneten Fensterläden. KI-generierte schematische Darstellung.

Durch das Fenster erkennt Christ, wie weit die Bienen einen Kasten ausgebaut haben, und entscheidet danach über das Untersetzen, das Ablegen und die Ernte. An der Zahl der mit Honig gefüllten und versiegelten Kästen sieht er, wie viele er abnehmen darf, ohne die Wintervorräte anzutasten. Bei Strohmagazinen müsste er das Gewicht der gesamten Beute bestimmen und die Erntemenge dennoch abschätzen (K3 §7). Vor dem Teilen kontrolliert er durch die Fenster, ob beide vorgesehenen Hälften Brut enthalten (K3 §7). Im Mai und Juni beobachtet er gelegentlich auch die Königin mit den sie umgebenden Bienen (K3 §7). Die Hauptuntersuchung im Frühjahr nimmt er ebenfalls durch das Glas vor, ohne die Beute zu öffnen (K5 §2).

Auch für den Deckel beschreibt Christ verglaste Ausführungen: eine quadratische Scheibe von sechs bis acht Zoll Seitenlänge, in vier Holzleisten gefasst, oder eine rechteckige von acht bis neun Zoll Länge und sechs Zoll Breite. Für sechs oder sieben Aufsätze genügt ein Glasdeckel. Statt ihn an den Fugen abzudichten, kann er mit einen Zoll langen Schrauben befestigt werden (K3 §4). Häufig verwendet Christ jedoch ein Brett mit runden Öffnungen, über die er Gläser oder Porzellangefäße stülpt. Die Bienen bauen darin von unten her helle Waben und lagern Honig ein, den er als besonders rein beschreibt. Ein gefülltes Gefäß trennt er mit einem Seidenfaden oder dünnem Klavierdraht ab und ersetzt es durch ein leeres (K3 §5).

(1) Ein leeres Glas steht umgestülpt über der Deckelöffnung. (2) Die Bienen haben die Waben des oberen Kastens ins Glas verlängert; die Papphülle ist abgenommen. Nach Christ (1798), K3 §5. KI-generierte schematische Darstellung.
Christs gläserne Beobachtungsbeute mit Holzläden und festen Kreuzhölzern. Nach Tafel IV und Kapitel 3. KI-generierte schematische Darstellung.

Für seine Beobachtungen nutzt Christ außerdem Bienenhäuser mit vier verglasten Seiten, die jeweils durch einen Fensterladen verdunkelt werden können. Ein solches Haus hat eine quadratische Grundfläche von einem Schuh und anderthalb Zoll Seitenlänge, ist einen Schuh und sieben Zoll hoch und fasst achtzehn Maß. Es steht auf einem Pfosten drei Schuh über dem Boden und ist von allen Seiten zugänglich, sodass man ringsum sitzen und beobachten kann (K3 §11, Tafelerklärung; Kupfertafeln). Christ urteilt: „Man kann darinnen in zwei Jahren mehr wahrnehmen, als bei Körben in 20 Jahren.“ (K3 §11)

Sommer und Winter

Glas- oder Holzdeckel, Strohabschluss, Belüftung und Wetterschutz.

Zu Beginn des Winters ersetzt Christ die Glasdeckel durch Deckel aus Stroh. Am kalten Glas sammelt sich die von den Bienen abgegebene Feuchtigkeit in Tropfen, die auf das Volk zurückfallen können; Stroh nimmt die Feuchtigkeit auf (K3 §4). Der Deckel besteht aus daumendicken Strohsträngen, die mit Weidenruten oder Bindfaden umwickelt und nebeneinandergelegt werden. Ein Gewicht oder Nägel an den Ecken halten ihn fest, ein aufgelegtes Brett schützt vor Mäusen (K3 §4). Der Strohdeckel kann nach Christ auch im Sommer aufliegen; einen Glasdeckel hält er für verzichtbar (K3 §4).

Obere Abschlüsse nach Christ (K3 §4): 1 Glasdeckel im Holzrahmen; 2 eine dünne Matte aus gebundenen Strohsträngen mit einem Schutzbrett gegen Mäuse. Der Strohabschluss ersetzt im Winter das Glas und kann auch im Sommer aufliegen. Die Teile sind zur Erklärung auseinandergezogen. KI-generierte schematische Darstellung.

Die Belüftung regelt er über die Fluglochschieber. Die große Öffnung soll eingeschlossene Völker mit Luft versorgen und bei starker Hitze Luftaustausch ermöglichen; für den gewöhnlichen Flugbetrieb wird sie verengt (K3 §4). An schwülen Sommertagen öffnet er die vorderen Schieber, sodass Luft durch die Löcher der hinteren strömt. Ebenso verfährt er bei anhaltender Kälte, wenn die Völker stark brausen (K3 §7). Bei mildem, feuchtem Winterwetter öffnet er auch an den oberen Aufsätzen die vorderen Schieber. Die zusätzliche Belüftung soll Schimmel verhindern (K5 §8).

Das unterste Flugloch bleibt während des Winters als Ausflug offen, auch bei Schnee. Christ begründet dies mit den Reinigungsflügen an warmen Tagen: Eingeschlossene Bienen würden ihren Kot im Stock absetzen oder am Zurückhalten sterben; am durchlöcherten Schieber könnten sie sich zudem zu Tode arbeiten (K5 §8). Vor den Stand legt er Bretter auf den Schnee und wendet sie nach erneutem Schneefall um (K5 §8). Bei starkem Frost kontrolliert er, ob das Flugloch zugefroren ist (K5 §8).

Für ein starkes Volk mit reichlichen Honigvorräten hält Christ Kälte allein für unschädlich. Die größere Gefahr sieht er in Feuchtigkeit, die sich bei Frost an den Wänden niederschlägt und auf die Wintertraube tropft. Daraus leitet er seine Empfehlung ab: „Es ist also eine Hauptregel, gute Stöcke für den Nachteil starker Kälte zu sichern, daß man denselben oben Luft gebe“ (K2 §6). Schwache Völker schützt er durch einen überdachten Stand sowie übergehängte Säcke und Matten. Ihnen lässt er unter den Waben keinen freien Raum, während er für sehr starke Völker drei oder vier Fingerbreit empfiehlt (K2 §6).

Im Sommer sollen die Beuten vor Überhitzung geschützt werden. Christ berichtet, dass bei großer Hitze Honig aus jungen, noch empfindlichen Waben auslaufe und Bienen darin ertrinken würden. In diesem Fall empfiehlt er nasse Säcke um die Beute und einen leeren Untersatz (K2 §4). Frisch eingefangene Schwärme könnten durch die Mittagssonne am zweiten oder dritten Tag wieder ausziehen; Zweige oder ein davor aufgestelltes Brett sollen ihnen Schatten geben (K4 §18). Das Dach des Bienenstandes reicht deshalb vorn so weit herab, dass die Beuten mittags etwa zur Hälfte beschattet sind (K2 §4). Bei frei stehenden Beuten schützt ein eigenes Dach zugleich vor Schlagregen, durch den das Bodenbrett nass wird und sich später in der Sonne verziehen kann (K2 §6).

Der Bienenstand

Aufstellung, Dach, Flugrichtung und Zugang von hinten.

Für den Bienenstand empfiehlt Christ einen warmen, trockenen und windgeschützten Platz. Entscheidend ist für ihn neben der Sonneneinstrahlung die Lage: In einer Senke halte sich die Winterkälte länger, zwischen Gebäuden oder Bergen könne Zugluft den Stand auskühlen. Als Beispiel nennt er einen Nachbarn, dessen Völker kaum wuchsen und nicht schwärmten. Nur dreißig Schritte entfernt hätten sie sich an einem offenen Standort gut vermehrt (K2 §3). Mauern, Gebäude oder eine Bretterwand sollen Nordwind und Regen von Westen abhalten (K2 §3). Rauch aus Back- und Brauhäusern, faulende tierische Überreste und Mehlstaub hält er für ungünstig; kleine Bäche und Miststätten betrachtet er als nützlich (K2 §2). Wegen der Erschütterungen rät er von Standorten an Dreschscheunen, Schmieden und gepflasterten Straßen ab. Kirchengeläut hingegen störe die Bienen nicht (K2 §3).

Die Fluglöcher richtet er nach Südosten aus, damit die Beuten morgens Sonne und während der größten Mittagshitze Schatten erhalten. Ausrichtungen nach Westen, Südwesten oder Norden lehnt er ab (K2 §4). Die Beuten sollen wenigstens zwei Schuh über dem Boden stehen. Zur Not lässt er auch eine höhere Aufstellung zu, etwa auf einem Hausdach; die Völker sollen dann ausschließlich durch Ableger vermehrt werden (K2 §5). Vor dem Stand wird der Boden gepflastert oder bestreut und sauber gehalten, damit eine beim Schwärmen heruntergefallene Königin zu finden ist (K2 §3). Niedrige Bäume erleichtern das Einfangen der Schwärme. Christ empfiehlt einige Quittenbäume, an denen sie sich nach seiner Beobachtung besonders häufig sammeln (K2 §3).

Christ verlangt einen freien Gang hinter dem Stand, damit man die Völker von hinten bearbeiten kann; dort stechen die Bienen nach seiner Darstellung nicht (K2 §3, K5 §23). Zwischen den Beuten lässt er genügend Abstand, um beim Untersetzen einen leeren Kasten daneben abstellen zu können. Für fünf Beuten rechnet er mit zehn Schuh Standbreite (K3 §9).

Christs Bienenstand für 36 Magazinstöcke

Der überdachte Stand auf der ersten Kupfertafel nimmt sechsunddreißig Magazinstöcke in zwei Etagen auf. An ein Gebäude angelehnt, ist er einunddreißig Schuh lang und vier Schuh breit. Für eine frei stehende Ausführung sieht Christ sechs Schuh Breite und ein Dach über beiden Seiten vor (K2 §7). Die Pfosten ruhen auf behauenen Steinen; als Auflage für die Beuten dienen sechs Zoll breite Doppeldielen. Darunter angebrachte schräge Bretter bieten heimkehrenden Bienen eine Ruhefläche und halten Schlagregen von der unteren Reihe ab (K2 §7). Das Dach besteht aus kurzen, geraden Dielenstücken, deren Fugen mit Latten überdeckt werden, damit Regenwasser abläuft. Ziegel sind nach Christs Rechnung teurer, Schiefer hält er für die schönste und dauerhafteste Eindeckung (K2 §7). Er beziffert die Ausgaben für Holz, Zimmermannsarbeit und Farbe und geht davon aus, dass sich die Anschaffung über mehrere Jahre lohnt (K2 §7).

Die Hilfsmittel

Trenndraht, Bienenmesser, Blasebalg, Futterkasten und Wachspresse.

Zum Trennen besetzter Aufsätze verwendet Christ einen etwa zwei Schuh langen Draht aus Messing oder ausgeglühtem Eisen, der an beiden Enden einen Handgriff trägt. Er wird zwischen den Kästen hindurchgezogen, etwa beim Teilen eines Volkes oder bei der Honigernte (K7 §3). Christ nennt dafür Klavierdraht der Stärke Null oder Eins (K4 §2). Die Zugrichtung folgt den Waben vom Flugloch zur Rückwand (K6 §6). Ein dünner Meißel dient dazu, die Kästen etwas voneinander abzuheben (K4 §2, K7 §3).

Die schmale, zweischneidige Spitze des eisernen Bienenmessers lässt sich nach Bedarf biegen. Die dritte Kupfertafel zeigt das Werkzeug neben dem Blasebalg (K7 §3, Tafelerklärung). Dieser trägt am Ventil eine Rauchkapsel aus Weißblech, in die eine brennende Lunte eingelegt wird. Damit leitet Christ Rauch durch das Flugloch oder von oben zwischen die Waben (K7 §3). Den Rauch von Bovist, einem Pilz der Viehweiden, hält er für nahezu unentbehrlich. Er beschreibt dessen Wirkung als minutenlange Betäubung, die den Bienen nicht schade (K3 §9). Zum Schutz gehören eine Bienenkappe, Handschuhe aus Wolle oder gefettetem Leder und Stiefel (K7 §2, K4 §24). Seine eigene Kappe besteht aus einem Korb aus feinem Siebdraht mit einem Tuch am Hals. Darunter könne man frei atmen und sogar eine Tabakspfeife durch das Gitter stecken (K4 §24).

Christs Futteraufsatz mit ausziehbarem Trog, Schwimmhölzchen und Glasabdeckung. Nach Tafel V und Kapitel 5. KI-generierte schematische Darstellung.

Christs Futterkasten wird oben auf die Beute gesetzt, wo sich die Bienen ohnehin aufhalten. Er hat die Grundfläche eines Aufsatzes, ist eine halbe Diele hoch und besitzt eine Glasscheibe im Deckel. Durch eine kleine Tür wird ein Trog von zehn Zoll Länge, viereinhalb Zoll Breite und zweieinhalb Zoll Tiefe eingeschoben, der etwa eine halbe Maß Honig fasst. Eine Öffnung im Deckel erlaubt das Nachfüllen mit einem Trichter. Durchlöcherte Holzspäne schwimmen als Halt für die Bienen auf dem Honig und sollen sie vor dem Ertrinken schützen. Christ sieht darin die Möglichkeit, tagsüber wie nachts zu füttern, ohne Räuber anzulocken (K5 §3). Für die Fütterung am Flugloch beschreibt er einfache Tröge aus Schachtelböden, die innen mit Wachs ausgekleidet werden (K5 §3).

Christs hängende Wachspresse in der Füllstellung: Ein Hanfsack hängt zwischen zwei Pressbrettern; darunter steht ein Zuber mit Wasser. Nach Christ (1798), Tafel V, Fig. 1 und K6 §12. KI-generierte schematische Darstellung.

Die Wachspresse besteht aus vier zusammengezinkten Stücken Buchenholz und ist mit den Füßen zwei Schuh und neun Zoll hoch. Zwischen zwei eichenen Pressbrettern von zwei Schuh Länge und elfeinhalb Zoll Breite hängt ein Sack aus grobem Hanftuch. Eine zehn Zoll lange Schraube drückt die Bretter zusammen. In den Sack wird das kochende Wachs eingefüllt; ein darunterstehender Zuber mit Wasser fängt es auf. Nach dem ersten Pressen wird der Sack doppelt gelegt und erneut ausgepresst (K6 §12). Für die Honiggewinnung nennt Christ eine Vorrichtung aus gebranntem Ton mit Pfanne, Sieb und Deckel sowie einen Korb aus geschälten Weiden, durch den der Honig ablaufen kann (K6 §9). Beim Untersetzen hilft eine an den Tragbalken des Standes aufgehängte Ablage aus Latten. Sie nimmt das Bodenbrett mit den daraufsitzenden Bienen auf (K3 §9).

Die Wachspresse, daneben Futterkasten und Futtertröglein

Zum Schwarmfang hält Christ Leitern, eine Handspritze aus einem Flintenlauf, Stangen mit Haken und Sack, ein Sieb oder eine Wanne, Besen, Wasser, Honig, Lehm und Propolis bereit (K7 §2). Seine weitere Ausrüstung umfasst Bovist, zerstoßene Kreide zum Markieren räubernder Bienen, Nieswurz, ein Wetterglas, Futtertröge, gelbes Wachs und Lavendelgeist gegen Schwellungen nach Stichen. Hinzu kommt ein Honigvorrat für schlechte Jahre (K7 §3). Die Geräte können nach und nach angeschafft werden; bei der Auswahl legt Christ Wert auf Qualität und Haltbarkeit (K7 §1).

Praktische Bienenzucht nach Christ

Christs Verfahren zum Besiedeln der Beute und zur Betreuung der Völker im Jahreslauf.

Eine Magazinbeute besiedeln

Besiedlung mit Schwärmen oder gekauften Völkern, Umsetzen und erste Versorgung.

Mit einem gefangenen Schwarm

Für einen Schwarm bereitet Christ ein Magazin aus drei oder vier Aufsätzen vor, die unverbunden aufeinanderstehen; nur die Fugen werden mit Lehm abgedichtet. Ein früher, starker Schwarm erhält vier Kästen, ein Schwarm aus einem gewöhnlichen Strohkorb drei. Zu wenig Raum kann die Bienen nach seiner Darstellung schon am nächsten heißen Tag wieder zum Auszug bringen. Auch zu viel Raum hält er für ungünstig: Von zwei gleich starken Schwärmen baute der zunächst in drei Kästen untergebrachte vier Aufsätze voll, während der andere in vier Kästen beim zweiten aufhörte. Erst als Christ ihm den vierten abnahm, setzte er den Bau fort (K3 §9).

Zur Vorbereitung werden die Kästen ausgekehrt und die Rosthölzer auf der Oberseite mit verdünntem Honig bestrichen. Honig auf der Unterseite würde die Bienen beim Einziehen mit dem Auflecken aufhalten (K4 §12). Christ bevorzugt bereits gebrauchte, verkittete Aufsätze oder lässt etwas Propolis in die Ecken schmelzen, weil dieser Geruch die Bienen zum Bleiben bewegen soll (K4 §21).

Unter dem Schwarm steht das Magazin auf seinem Bodenbrett und einem weißen Tuch, an der Vorderseite um ein oder zwei Fingerbreit angehoben. Die Schwarmtraube wird mit Wasser besprüht, in ein Sieb geschüttelt und vor das Flugloch gegeben. In Christs Beschreibung läuft die Königin meist zuerst hinein, gefolgt von den Bienen in mehreren Reihen (K4 §12). Außen sitzende Bienen streicht er nach und nach mit einem Federwisch hinein und beschattet das Magazin (K4 §18). Es soll sofort an seinen endgültigen Platz gebracht werden, da sich die Bienen sonst an den vorläufigen Standort gewöhnen würden (K4 §19). Die Königin eigens zu suchen und einzusperren hält er für unnötig (K4 §20).

Mit einem gekauften Volk

Beim Kauf empfiehlt Christ junge Völker mit weißen, zarten Waben aus einer sauber geführten Bienenhaltung. Sie sollen lebhaft, volkreich und schwer sein. Von den allerschwersten Körben rät er jedoch ab, weil der Königin in einer vollständig mit Honig gefüllten Beute im Frühjahr leere Brutzellen fehlen (K2 §10). Die Volksstärke beurteilt er unter anderem am Geräusch nach dem Anklopfen: Ein kurzer Ton gilt ihm als Zeichen eines schwachen Volkes, ein lang anhaltendes Summen als Zeichen eines starken. Zusätzlich bläst er ins Flugloch, beobachtet die Zahl der herauskommenden Bienen und hebt den Korb an, um Waben, Brut und Mottenbefall zu prüfen (K2 §10).

Am ratsamsten findet er den Kauf junger Schwärme. Dafür erhält der Verkäufer drei oder vier Aufsätze samt Glasdeckel und Flugbrett, in die er den Schwarm direkt einschlägt; abgeholt wird er in der ersten Nacht (K2 §10). Den Transport sieht Christ nachts auf einem Tragegestell vor, mit einem Siebbrett unter dem Magazin. Eine Fahrt auf dem Wagen hält er für gefährlich (K2 §11).

Vorhandene Strohkörbe lassen sich nach seinem Verfahren schrittweise durch Magazine ersetzen. Dazu lässt er die Hälfte der Völker schwärmen und schlägt die Schwärme in Kästen ein. Unter einen abgeschwärmten Korb kommt ein Aufsatz, dessen Rost ein ausgeschnittenes Brett abdeckt. Das Flugloch des Korbes wird verschlossen, sodass die Bienen durch den Kasten fliegen und dort weiterbauen. Nach Bartholomäi, sobald genügend Kästen ausgebaut und gefüllt sind, treibt er die Bienen mit Rauch nach unten und entfernt den Korb (K3 §10).

Vom Strohkorb zum Magazin nach Christ (K3 §10): 1 ein Untersatz mit ausgeschnittenem Adapterbrett; 2 weiterer Ausbau nach unten; 3 den Korb abnehmen, nachdem die Bienen in die ausgebauten Kästen getrieben wurden. Genügend Waben und Vorräte müssen vorhanden sein. KI-generierte schematische Darstellung.

Umsetzen und erste Versorgung

Ein Umsetzen in der Nähe erlaubt Christ nur Ende Januar oder Anfang Februar, bevor sich die Bienen ihren Standort eingeprägt haben. Bei einer Entfernung von mehr als einer Wegstunde hält er es zu jeder Jahreszeit für möglich (K2 §9). Setzt nach dem Einschlagen Regenwetter ein, verlangt er die Fütterung des jungen Schwarms, der sonst zugrunde gehe (K4 §25). Sobald der unterste Kasten zur Hälfte oder zu drei Vierteln ausgebaut ist, folgt ein weiterer Untersatz; das bisherige Flugloch wird geschlossen (K3 §9).

Späten und kleinen Schwärmen gibt er einen Aufsatz mit leeren Waben aus einem anderen Magazin, der ihnen nach seiner Einschätzung zehn bis vierzehn Tage Vorsprung verschafft (K3 §9). Ein später, starker Schwarm ohne Wintervorrat erhält einen vollen Honigkasten aus einem anderen Volk (K3 §7). Die Honigkästen müssen dabei unmittelbar übereinander im oberen Teil des Magazins bleiben. Christ begründet diese Regel mit eigenen Verlusten: Bei einem leeren Kasten zwischen den Vorräten könnten die Bienen dort sitzen bleiben und unter dem vorhandenen Honig verhungern (K3 §10).

Frühjahr: Auswintern

Bodenbrett reinigen, Fluglöcher öffnen, Zustand und Vorrat prüfen.

Schon vor den ersten milden Tagen prüft Christ, ob tote Bienen und Abfall die Fluglöcher verstopfen. Er beschreibt, wie sich vor dem Flugloch Abfälle sammeln, wenn die Bienen im Winter weit vorn sitzen. Zusammen mit gefrierender Feuchtigkeit können sie eine Sperre bilden, an der ganze Völker beim ersten Ausflug ersticken. Als beste Abhilfe empfiehlt er, das alte Bodenbrett gegen ein frisches, trockenes auszutauschen. An milden Tagen nimmt er diesen Wechsel schon während des Winters vor (K5 §2).

Die Hauptuntersuchung findet um Petri im Februar statt. Durch die Glasscheibe beurteilt Christ den Honigvorrat sowie den Zustand der Bienen und Waben; gesunde Bienen erkennt er an ihrem Glanz, den er mit Firnis vergleicht (K5 §2). Zur Reinigung gehört neben dem Wechsel des Bodenbretts die Entnahme verschimmelter unterer Waben. Bei Magazinen trennt er dafür den untersten befallenen Kasten ab und setzt einen leeren unter. Sind lediglich die Wabenränder angeschimmelt, überlässt er die Reinigung den Bienen (K5 §2, K5 §5). Den Abfall vom Bodenbrett sammelt er zur Wachsgewinnung, denn er hält ihn für das beste Wachs (K5 §2).

Die Zahl der Aufsätze passt er an die Volksstärke an. Ein starkes Volk mit zwei vollen Honigkästen behält vier, höchstens fünf Aufsätze; zwei untere Kästen mit leeren Waben genügen nach seiner Angabe für die Brut. Überzählige untere Aufsätze mit leeren oder angeschimmelten Waben entfernt er und verjüngt auf diese Weise den Wabenbau von unten (K5 §2). Abschließend dichtet er die unteren Fugen wieder ab (K5 §2).

Für Anfang März verlangt Christ einen Vorrat von zwei Maß Honig, entsprechend einem vollen Aufsatz mit verdeckelten Honigwaben. Er begründet die Menge mit dem erhöhten Verbrauch für die Brut: Im Frühjahr verbrauche ein Volk in acht Tagen so viel wie im Winter in acht Wochen (K5 §3). Bei einem geringeren Vorrat soll die Fütterung rechtzeitig beginnen (K5 §3).

Mit dem ersten Bienenflug prüft er auch, ob eine Königin vorhanden ist. Als Zeichen der Weisellosigkeit nennt er einzeln auf dem Flugbrett laufende Bienen, fehlenden Polleneintrag und geringe Gegenwehr. Beim Anklopfen sei ein abgebrochener, traurig klingender Ton zu hören; zudem fehlten die Bienen, die vor dem Flugloch mit dem Kopf zur Beute stehen und mit den Flügeln fächeln (K5 §6). Die schnellste Abhilfe sieht er darin, das weisellose Volk unter ein gutes Volk mit Königin zu setzen. Soll die Völkerzahl erhalten bleiben, empfiehlt er stattdessen einen Aufsatz mit Brut oder ein Wabenstück mit Eiern (K5 §6).

Vor dem Stand erstarrte Bienen sammelt Christ in einem Glas und bringt sie in die warme Stube. Nach seinem Bericht erholen sie sich innerhalb weniger Minuten und fliegen zu ihren Völkern zurück (K5 §7). Die Fluglöcher hält er bis zur vollen Tracht eng, um die Völker während der Räubereizeit im frühen Frühjahr zu schützen (K5 §16).

Frühtracht und Volksentwicklung

Beobachten, gegebenenfalls füttern, wachsenden Raumbedarf erkennen.

Im Frühjahr kontrolliert Christ seine Völker täglich. Welchen Schaden eine übersehene Störung anrichten kann, erläutert er an einem Vorfall aus dem August: Damals verstopften ausgetriebene Drohnen ein Flugloch so stark, dass das Volk dahinter zu ersticken begann (K5 §1). Einer überwinterten Biene misst er im Frühjahr mehr Wert bei als vier oder fünf Bienen im Sommer (K5 §1).

Während der Frühjahrsentwicklung rechnet er mit dem höchsten Futterverbrauch. Bei einem Kälteeinbruch im April oder Mai füttert er mindestens einen reichlich bemessenen halben Schoppen auf einmal. Kleine tägliche Gaben von wenigen Löffeln lehnt er ab, weil die Bienen den Honig in die Zellen tragen sollen. Für die Zubereitung wird Honig über Kohlen erwärmt und mit einem Sechstel Wasser verrührt; bei oben sitzenden Bienen reicht er ihn lauwarm. Die Fütterung findet abends oder bei Regen mit geschlossenen Schiebern statt (K5 §3).

Auch vorhandene verdeckelte Honigwaben halten Christ nicht von einer zusätzlichen Fütterung ab: Ein Volk mit viel Brut dürfe seine Vorräte nicht vollständig aufbrauchen (K5 §3). Als bequemste Lösung nennt er das Futterkästchen auf dem Magazin (K5 §3). Der Ansicht, Füttern mache die Bienen träge, widerspricht er mit seiner Erfahrung, dass reichliche Vorräte ihre Tätigkeit fördern (K5 §3). Zucker, Sirup und Säfte hält er als Ersatz für ungeeignet und zum Teil schädlich. In Notzeiten verwendet er jedoch einen Honigersatz aus Birnensaft oder Gerstenmalzsirup mit etwas Honig (K5 §3).

Als Zeichen eines gesunden Volkes gelten ihm Bienen, die vor dem Flugloch mit dem Kopf zur Beute stehen und fächeln. An kühlen Morgen achtet er außerdem auf die von den Bienen abgegebene Feuchtigkeit, die sich eine Handbreit vor dem Flugloch niederschlägt (K5 §6). Durch das Fenster beobachtet er, wie stark die Kästen besetzt sind und ob die unteren bereits Brut enthalten. Daran beurteilt er, welches Volk früher schwarmbereit sein wird (K4 §2).

Mit dem Untersetzen wartet Christ auf warmes Wetter und reichliche Tracht. Bei früherer Raumgabe, so seine Begründung, beginnen die Bienen noch nicht zu bauen; sie können das Flugloch nicht besetzen und sind Räubern stärker ausgesetzt (K4 §26). Im Frühjahr empfiehlt er außerdem Schutz vor Rotschwänzchen, Bachstelzen und Sperlingen am Stand, vor Ameisen im Mai und vor räubernden Bienen am Flugloch (K5 §16, K5 §19, K5 §21). Starke Völker hält er für am wenigsten hilfsbedürftig: „Ich habe wenigstens noch keinen starken und volkreichen Bien krank oder matt gesehen.“ (K5 §9)

Haupttracht: Raum geben

Magazinbeute durch zusätzliche Aufsätze erweitern.

Sobald im April die Tracht beginnt, die Räubereizeit vorüber ist und die Wärme den Wabenbau zulässt, gibt Christ jedem Volk, das nicht schwärmen soll, einen leeren Untersatz. Er beschränkt die Erweiterung auf einen Kasten, weil die Bienen zwei leere Aufsätze nur ungern ausbauten. Der längere Weg nach oben koste die heimkehrenden Bienen Zeit; das Flugloch bleibe unbesetzt (K3 §9). Ist der neue Kasten etwas mehr als zur Hälfte ausgebaut, folgt der nächste. Diesen Vorgang wiederholt er bis zum Ende der Bauzeit im August (K4 §26). Zwei oder drei Stunden nach jeder Erweiterung schließt er das bisherige Flugloch (K3 §9).

Die neuen Kästen setzt er unter die besetzten und verweist zur Begründung auf die Baurichtung: „Die Natur der Bienen ist, von oben herunter zu bauen, und da fortzubauen, wo sie aufgehört haben.“ (K4 §26) Von zehn Völkern würden kaum eines oder zwei in aufgesetzten Körbchen bauen; der leere Raum unter den Waben reize dagegen zum Bauen, weil die Bienen auf ihrem Weg durch ihn hindurchmüssten (K4 §26).

Anfangs erweiterte Christ die Magazine morgens mit einem Gehilfen, der das Magazin anhob, während er selbst das Bodenbrett entfernte und einen leeren Kasten unterschob. Später verlegte er die Arbeit auf die Mittagszeit mit dem stärksten Bienenflug. Die Bienen seien dann so mit dem Eintragen beschäftigt, dass er ohne Schutzkappe arbeiten könne und keine Biene zu Schaden komme. Wenn zwischen den Völkern Platz ist, stellt er dort den neuen Kasten mit Bodenbrett bereit und hebt das Magazin darauf; andernfalls benutzt er einen Stuhl hinter dem Stand. Das alte Flugbrett mit den darauf sitzenden Bienen legt er auf die dafür vorgesehene Ablage, von der aus sie in ihre Beute zurücklaufen können (K3 §9).

Untersetzen nach Christ (K3 §9): 1 einen leeren Kasten auf neuem Bodenbrett bereitstellen; 2 die besetzten Kästen gemeinsam darauf umsetzen; 3 das alte Bodenbrett mit den verbliebenen Bienen auf die Ablage legen; 4 das bisherige Flugloch später schließen. KI-generierte schematische Darstellung.

Bienen, die in Trauben vor dem Stock hängen, zeigen für Christ an, dass der Platz fehlt. „Man gebe ihnen nur immer Untersätze, so wird man bald finden, daß sie keine Faulenzer sind.“ (K4 §7) Besonders im Mai und Juni drängt er auf rechtzeitiges Erweitern. Ist das Magazin erst vollständig ausgebaut und haben die Bienen mit der Aufzucht einer Königin begonnen, schwärmen sie nach seiner Darstellung auch dann, wenn noch ein Kasten untergesetzt wird (K4 §26).

Mitunter werden die Magazine während einer guten Tracht zu schwer zum Heben. In diesem Fall trennt Christ an einem schönen Morgen einen oder zwei der obersten Kästen mit dem Draht ab und erntet bereits im Sommer (K4 §26). Für besonders reine Waben setzt er umgestülpte Gläser auf den Deckel, die bei guter Tracht innerhalb weniger Tage gefüllt werden (K3 §5). Den möglichen Ertrag veranschaulicht er am Honigtau: Fünfundzwanzig starke Völker könnten in acht Tagen etwa hundert Maß eintragen (K6 §3). Für ein Volk, das nicht schwärmt, rechnet er mit acht Aufsätzen im Sommer; für einen Stand mit zehn solchen Völkern hält er rund hundert Kästen bereit (K4 §26).

Schwarmzeit

Schwärmen zulassen oder verhindern, Schwärme fangen, Ableger bilden und Völker teilen.

Christ lässt zunächst die Hälfte seiner Völker schwärmen, solange der Stand noch klein ist; später beschränkt er sich auf ein Drittel (K4 §26). Diese Völker erhalten im Frühjahr keinen Untersatz. Sobald sie geschwärmt haben, noch innerhalb derselben Stunde oder am folgenden Mittag, gibt er ihnen einen leeren Kasten und erweitert von da an regelmäßig, um Nachschwärme zu verhindern (K3 §9, K4 §26). Jedes Volk soll nur einen Schwarm oder einen Ableger liefern. Nachschwärme schwächen nach seiner Einschätzung das Muttervolk, nehmen Honig mit und entwickeln sich in sieben Jahren kaum einmal erfolgreich (K4 §26). Nach der Johanniswoche untersetzt er bei allen Völkern und will weiteres Schwärmen verhindern (K4 §26).

Geht dennoch ein Nachschwarm ab, vereinigt Christ ihn nach acht Tagen oder im Herbst wieder mit dem Muttervolk. Als andere Möglichkeit beschreibt er, den Schwarm mit Bovistrauch zu betäuben, seine Königin zu entfernen und die Bienen dem Muttervolk unterzusetzen (K3 §9).

Christ nennt Mai, Juni und Juli als Schwarmmonate. Vorschwärme gehen meist zwischen neun und zwölf Uhr ab, Nachschwärme am Nachmittag (K4 §5). Bei Nachschwärmen ist am Vortag das Tüten der Königin zu hören. Am Morgen des Auszugs laufen die Bienen unruhig am Flugloch; die zuvor außen sitzenden ziehen sich hinein, um Honig aufzunehmen, bevor der Schwarm abgeht (K4 §7). Christ verändert das Flugloch dabei nicht. Sobald die Königin herausgekommen ist, spritzt er Wasser unter den fliegenden Schwarm; vom Klingeln mit Sensen hält er nichts (K4 §8, K4 §10). Einen zerstreut und leise fliegenden Schwarm deutet er als Zeichen dafür, dass die Königin fehlt. Sie liege dann meist vor dem Stand unter einer kleinen Bienentraube am Boden (K4 §11).

Hat sich der Schwarm gesammelt, fängt er ihn auf die im Abschnitt zur Besiedlung beschriebene Weise. Für hohe Bäume hält er Stangen mit Haken und Sack bereit. Festsitzende Bienentrauben löst er mit dem Rauch einer Lunte, in die eine Locke Menschenhaar gelegt wird (K4 §15, K4 §17). Wo Bäume fehlen, bringt er Wannen auf acht Schuh hohen Stangen an; nach seinem Bericht zogen in manchen Jahren fast alle Schwärme dort ein (K4 §22).

1: Schwarmfang mit zwei Stangen: Haken am Ast, beweglich aufgehängter Fangsack darunter. 2: Rauchlunte aus Lappen mit Menschenhaar. 3: Frei an einem Nagel aufgehängte Wanne als Sammelplatz. Ihre Form und Ausrichtung sind rekonstruiert. Nach Christ, K4 §§15, 17, 22; K7 §2. KI-generierte schematische Darstellung.

Die Ablegerbildung hält Christ für zuverlässiger als das natürliche Schwärmen. An einem schönen Tag teilt er dafür ein Magazin aus vier oder fünf Aufsätzen mit dem Draht zwischen dem zweiten und dritten Kasten. Der zweite muss neben Honig auch Brutwaben enthalten. Ein Gehilfe hebt die oberen Kästen auf einen bereitstehenden leeren Untersatz, während der andere Beteiligte die unteren mit einem Deckel verschließt. Beide Teilvölker erhalten einen leeren Untersatz; das schwächere bleibt am bisherigen Standort, damit ihm die Flugbienen zufliegen. Das Teilvolk ohne Königin soll sich aus der vorhandenen Brut eine neue ziehen (K4 §2).

Volksteilung nach Christ (K4 §2), zu Beginn der Schwarmzeit bei reichlicher Tracht: Aus vier besetzten Kästen entstehen zwei Teilvölker mit je zwei besetzten Kästen und einem leeren Untersatz. Die Farben verfolgen die Herkunft; der Stein markiert den bisherigen Standort für das schwächere Teilvolk. Beide brauchen Brut. KI-generierte schematische Darstellung mit vereinfachten Wabenansichten.

Bevorzugt nimmt er jedoch von zwei oder drei guten Völkern jeweils den untersten Kasten mit Brut und Bienen und setzt diese Kästen aufeinander. Die Bienen verschiedener Herkunft vertrügen sich dabei sofort (K4 §2). Für beide Verfahren verlangt er den Beginn der Schwarmzeit und ein reichliches Nahrungsangebot (K4 §2). Ruhige Bienen, die nach einigen Stunden vor dem Flugloch fächeln, gelten ihm als Zeichen, dass eine Königin vorhanden ist oder bereits nachgezogen wird. Bleiben sie auch nach acht Tagen matt, vereinigt er die beiden Teile wieder (K4 §2). Als Vorteile der Ableger nennt er den bereits vorhandenen Honigvorrat für Regenwetter und den entfallenden Aufwand, auf Schwärme zu warten oder sie von Bäumen zu holen (K4 §3).

Ableger aus mehreren Völkern nach Christ (K4 §2), zu Beginn der Schwarmzeit bei reichlicher Tracht: Je ein unterster Brutkasten aus zwei Völkern bildet den neuen Ableger. Er erhält einen leeren Untersatz; auch jeder Spender bekommt einen leeren Ersatzkasten. Die Farben zeigen die Herkunft der entnommenen Kästen. KI-generierte schematische Darstellung mit vereinfachten Wabenansichten.

Honigernte

Honigreife beurteilen und volle Aufsätze abnehmen.

Zur Ernte nimmt Christ die obersten, mit Honig gefüllten Kästen ab. Wie viele er entnehmen kann, beurteilt er durch die Glasscheibe am Füllstand und an der Verdeckelung der Honigwaben (K3 §7, K6 §7). Für einen vollen Aufsatz gibt er einen Ertrag von zwei Maß und einem halben Schoppen ausgelassenem Honig an (K6 §7). Der leere Kasten fasst vier Maß; bei der Ernte kommt zum Honig etwa ein Viertelpfund Wachs hinzu (K3 §7).

Als Erntezeit nennt Christ September und Oktober, wenn sich die Bienen in kühlen Nächten in die mittleren Kästen zurückziehen. Er berichtet, dass sich dann zwei Aufsätze abheben lassen, ohne darin zehn Bienen zu finden (K6 §5). Wird das Magazin im Sommer zu schwer, erntet er auch zu dieser Zeit, rechnet jedoch mit mehr Arbeit und aufgebrachten Bienen (K6 §5). Er hält die Ernte im Frühjahr für die sicherste, weil das Volk den Winter dann bereits überstanden hat. Im Herbst entnimmt er deshalb nur überschüssigen Honig und lässt so viel zurück, dass im April eine weitere Ernte möglich wäre (K6 §5).

Für das Abnehmen bevorzugt er einen hellen, kühlen Morgen; die Hilfe einer zweiten Person hält er dabei für unerlässlich. Nach dem Schließen des Fluglochs und dem Bereitlegen eines Deckels zieht er den Draht zwischen den Kästen hindurch, parallel zu den Waben von den vorderen Ecken am Flugloch nach hinten. Bei warmem Wetter trennt er die Kästen schon am Vorabend und hebt sie erst am nächsten Morgen ab, wenn die Bienen ruhig sind. Die entnommenen Aufsätze werden umgedreht oder auf eine Schüssel gestellt, damit die Waben nicht brechen (K6 §6).

Drahtschnitt nach Christ (K6 §6; K7 §3): 1 den gespannten Draht vom Flugloch nach hinten ziehen; 2 die Wachsverbindungen in der Fuge trennen; 3 den Honigkasten als Ganzes abheben. Die festen Rostleisten sind in den Wabenansichten ausgeblendet. KI-generierte schematische Darstellung.

„Weniger als zwei recht volle Aufsätze darf man einem volkreichen Stock nicht rechnen zu seiner Winternahrung“ (K6 §7); zusätzlich belässt Christ einen dritten für den Fall, dass sich das Frühjahr verspätet. Nicht verbrauchte Vorräte stehen im folgenden Jahr weiterhin zur Verfügung (K6 §7). Für ein ganzes Jahr ohne ausreichende Tracht lagert er dagegen eine Honigernte in Töpfen ein (K6 §7, K5 §3). Auf dieser Rechnung beruht auch die Ertragsangabe auf dem Titelblatt: hundert Gulden aus fünfundzwanzig Völkern in einem mittleren Jahr, zweihundert in einem guten (K6 §7).

Den Honig gewinnt er, indem er die Waben zerschneidet und im Backofen erwärmt. Dazu dienen eine irdene Vorrichtung aus Pfanne, Sieb und Deckel oder ein Weidenkorb. Der Ofen darf nur so heiß sein, dass sich die Hand darin halten lässt (K6 §9). Jungfernhonig aus weißen Waben ohne Brut und Pollen lässt er dagegen ohne Erwärmung ablaufen (K6 §9). Aufbewahrt wird der Honig in glasierten, mit Papier zugebundenen Töpfen, geschützt vor Mäusen, Ameisen und Brotkrumen (K6 §9). Die Wachsreste und das Spülwasser verwendet er für Met oder Essig (K6 §9). Das Wachs presst er in der hängenden Presse zweimal aus (K6 §11). Leere ausgeschnittene Waben kocht er bald aus, damit sie nicht von Wachsmotten zerstört werden (K5 §2).

Spättracht und Herbst

Vorrat beurteilen und das Volk auf den Winter vorbereiten.

Nach Bartholomäi, wenn die Tracht endet, prüft Christ durch die Fenster, wie viele Kästen jedes Volkes ausgebaut und mit Honig gefüllt sind. Als Wintervorrat setzt er zwei volle Aufsätze mit insgesamt vier Maß Honig an (K3 §10, K5 §3). Fehlt dieser Vorrat, setzt er einen vollen Kasten aus einem anderen Magazin oben auf. Die Honigkästen sollen unmittelbar aufeinanderstehen, ohne leere Waben zwischen den Vorräten (K3 §7, K3 §10). Stehen keine vollen Kästen zur Verfügung, schneidet er Honigwaben aus abgenommenen Strohkörben und spießt sie in leere Aufsätze. Auch auf diese Weise hat er nach seinem Bericht vollständig versorgte Magazine zusammengestellt (K3 §10).

Schwache Völker vereinigt er, indem er etwa zwei schwache über ein stärkeres setzt. Die leeren Kästen entfernt er anschließend nach und nach, sodass die Honigvorräte zusammenhängend im oberen Teil bleiben (K5 §4). „Besser, man macht aus dreißig Stämmen zehn oder fünfzehn gute, als daß sie alle in augenscheinlicher Gefahr stehen, einzugehen.“ (K5 §4) Im Herbst vertragen sich die vereinigten Bienen seiner Darstellung nach ohne Kämpfe. Im Sommer setzt er etwas Bovistrauch am Flugloch ein, der beiden Völkern denselben Geruch geben soll (K3 §9, K4 §26). Vereinigte und ausgetriebene Bienen hält er für die fleißigsten. Einem trägen oder drohnenreichen Volk setzt er deshalb auch mitten im Sommer ein anderes auf (K3 §12). Im Herbst kauft er außerdem Bienen von Korbimkern, die ihre Völker zur Ernte töten. Er treibt diese Bienen aus ihren Körben und setzt sie unter seine Magazine (K3 §12).

Die Drohnen werden nach Christs Beschreibung meist gegen Ende Juli und im August vertrieben, bei manchen Völkern erst im Herbst. Duldet ein Volk sie lange, greift er ein: Er verletzt einige Drohnen und lässt sie zurück in die Beute laufen. Die Bienen duldeten keine verstümmelten Tiere, griffen diese Drohnen an und gewöhnten sich dadurch das Austreiben an (K1 §12).

Mit dem Trachtende beginnt für ihn eine zweite Räubereizeit. Er verengt die Fluglöcher, lässt keinen Honig offen stehen und entfernt leere Untersätze (K5 §16). Räubernde Bienen vom eigenen Stand markiert er mit Kreide, um ihr Herkunftsvolk zu erkennen. Dieses versetzt er an das andere Ende des Standes (K5 §16).

Völkern, die im folgenden Jahr schwärmen oder einen Ableger liefern sollen, nimmt Christ einen Untersatz mit leeren Waben ab. Einige leere Waben müssen jedoch erhalten bleiben, damit im Frühjahr Brutzellen verfügbar sind; nur mit Honig gefüllte Kästen genügen dafür nicht (K6 §7). Für eine zusätzliche Fütterung mit Nachhonig verwendet er das Futterkästchen. Um es aufzusetzen, treibt er die oben sitzenden Bienen mit etwas Rauch zurück (K5 §3).

Einwintern

Raum anpassen, Beute schützen und Belüftung sichern.

Vor dem Winter verkleinert Christ die Magazine um leere und noch nicht ausgebaute Untersätze. Schwachen Völkern lässt er keinen leeren Raum; bei sehr starken dürfen unter den Waben drei oder vier Fingerbreit frei bleiben (K2 §6). Auch beim Vereinigen und Aufsetzen gilt die Anordnung der Herbstversorgung: zusammenhängende Honigvorräte oben, leere Waben darunter (K3 §10, K3 §12). Den Glasdeckel ersetzt er durch einen Strohdeckel, auf den zum Schutz vor Mäusen ein Brett gelegt wird (K3 §4).

Wintervorräte nach Christ (K3 §10): In 1 stehen die Honigkästen oben unmittelbar aufeinander. In 2 unterbrechen honigleere Waben den Weg zum oberen Vorrat. Christ warnt hier vor dem Verhungern trotz vorhandenen Honigs. Die Kastenzahlen sind beispielhaft. KI-generierte schematische Darstellung.

Die Völker überwintern bei Christ am Bienenstand. Vom Einstellen in Kammern rät er ab, weil dort die Waben schimmeln und die Bienen durch Lärm beunruhigt würden, sodass sie mehr Vorräte verbrauchten (K5 §8). Auch mit dem Vergraben von Beuten hat er schlechte Erfahrungen gemacht: Von zehn Völkern überlebten bei seinen Versuchen kaum zwei oder drei. Die Waben waren verschimmelt, und die überlebenden Bienen hatten bereits Brut angesetzt. Einen Winterschlaf konnte er nicht feststellen (K5 §8). Die Bienen verbrauchten auch im Winter Nahrung; dafür sammelten sie im Sommer ihre Vorräte (K5 §8).

Für ein Volk in gutem Zustand beziffert er den Verbrauch bei Kälte auf kaum eine Maß, entsprechend fünf Pfund, in acht bis zehn Wochen (K5 §3). Die Vorstellung, Bienen benötigten in kalten Wintern weniger Futter als in warmen, weist er jedoch zurück. Entscheidend sei der Zeitpunkt des Frühjahrsbeginns, weil gegen Ende des Winters mit der Brut der größte Verbrauch einsetze (K5 §22). Bei feuchten, warmen Wintern rechnet er außerdem mit Schimmel (K5 §22).

Das Flugloch hält Christ auch bei Schnee eng geöffnet. Ein Verschluss allein mit dem durchlöcherten Schieber sei ungeeignet, weil sich die Bienen daran zu Tode arbeiteten (K5 §8). Bei milder, feuchter Witterung öffnet er an den oberen Kästen die vorderen Schieber, um Luft einzulassen (K5 §8). Während der Kälte soll das Magazin weder angehoben noch erschüttert werden: Lösen sich Bienen aus der Wintertraube, könnten sie an den äußeren Waben erfrieren (K5 §8). Hinzu kommen die Kontrolle auf ein zugefrorenes Flugloch und Bretter, die vor dem Stand auf den Schnee gelegt werden (K5 §8). Die hölzernen Magazine hält er für sicher vor dem Eindringen von Mäusen (K5 §8).

Schon im Januar, in milden Wintern um Weihnachten, beginnt die Königin nach seiner Beschreibung in guten Völkern wieder mit der Eiablage, und zwar in der warmen Mitte der Beute (K1 §15). Christ empfiehlt, während des Winters die Kästen für das nächste Jahr zu bauen und die Völker am Stand so anzuordnen, dass daneben genügend Platz für die Ablegerbildung bleibt (K4 §2).

Christs Aussagen zur Biologie der Biene

Christs Beobachtungen und Erklärungen zur Bienenbiologie im Vergleich mit heutigen Forschungsergebnissen.

Das Bienenvolk als Ganzes

Christs Beschreibung des Bienenvolks und die Forschung zu Arbeitsteilung und Verständigung.

Christ nennt das Volk eine Republik mit einer „Staatsverfassung" und sieht in ihm „so viele tausend Glieder zu einem Zweck vereinigt“ (Vorrede). Er unterscheidet Königin, Arbeitsbienen und Drohnen (K1 §1). Für einen Stamm rechnet er mit zwanzigtausend Arbeiterinnen, von denen täglich nur ein Drittel ausfliege; ein Magazinstock könne auf dreißig- bis vierzigtausend Bienen anwachsen (K3 §1, K1 §2). Seine Beschreibung der Arbeitsteilung umfasst viele Tätigkeiten: Einige Bienen bauen, andere hängen sich zu Ketten zusammen, polieren Zellen, reinigen den Stock, verkitten die Fugen, stampfen das Bienenbrot ein, füttern die Brut oder halten Wache. Diese Aufgaben versehen sie „eine Zeitlang" und wechseln dann ab (K1 §14).

Die Vorstellung vom Volk als einer Einheit findet sich auch in der späteren Biologie. Wheeler beschrieb 1911 die Ameisenkolonie als Organismus, ohne das Wort Superorganismus zu gebrauchen (). Wie tragfähig dieser Begriff ist, bleibt unter Biologen umstritten (). Zur altersabhängigen Arbeitsteilung beschrieb Seeley 1982 vier Stufen: Auf das Zellenputzen in den ersten zwei Tagen folgen Brutpflege, Vorratsarbeit und schließlich das Sammeln (). Christs „abwechseln" lässt sich damit als Wechsel der Tätigkeiten im Leben einer Arbeiterin einordnen.

Über die Verständigung der Bienen äußert sich Christ vorsichtig. Sie hätten „gewisse natürliche, einförmige Zeichen"; eine Biene, die Honig gefunden hat, bringe durch Flügelschwingen und Töne die anderen zum Mitfliegen (K1 §16). Die von Frisch untersuchte Tanzsprache erklärt, wie Sammlerinnen eine Futterquelle mitteilen: Die Biene tanzt im Dunkeln auf der Wabe, wobei die Dauer ihres Schwänzellaufs die Entfernung und der Winkel zur Senkrechten die Richtung in Bezug auf die Sonne angeben. Der Blütenduft an ihrem Körper hilft den anderen Bienen, die entsprechende Blüte zu finden (). Dazu müssen sie im dunklen Stock nicht sehen können, wie Christ annahm (K1 §3). Die Nachfolgerinnen verfolgen die Tänzerin durch Berührung; bei der Richtungsangabe dient die Schwerkraft als Bezug ().

Hören können Bienen nach Christ zwar, doch „der Ton und Laut an und für sich hat auf die Bienen ganz und gar keinen Einfluß"; nur Erschütterungen des Bodens spürten sie (K2 §3). Von Geräuschen wie Kirchenglocken und Dreschflegeln lässt sich jedoch nicht auf Luftschall im Allgemeinen schließen. Towne und Kirchner zeigten 1989, dass Bienen die Bewegung der Luftteilchen wahrnehmen, allerdings nur in den wenigen Millimetern um eine tönende Tänzerin ().

Dass ein Stich andere Bienen herbeiruft, erklärt Christ mit ihrem Geruchssinn: Sie würden angelockt, weil sie „den von der zerrissenen Giftblase säuerlich riechenden Geruch sogleich haben“ (K5 §23). Der Stachel trägt tatsächlich flüchtige Stoffe, die Bienen zur Verteidigung reizen. Schon Huber löste mit ausgeschnittenen Stacheln Angriffe der Wächterinnen aus ().

Königin, Drohnen und Fortpflanzung

Christs Kenntnisse über Königinnen, Drohnen und Arbeiterinnen im Vergleich mit späteren Untersuchungen.

Die Königin ist für Christ die Mutter aller Bienen. Nach seinen Angaben erzeugt sie in einem Vierteljahr mehr als dreißigtausend Nachkommen und legt am Tag rund zweihundert Eier. Dass sie Arbeiterinnen- und Drohneneier jeweils in die passenden Zellen legt, gilt ihm als Zeichen dafür, dass sie schon vor dem Legen zwischen beiden Eitypen unterscheidet (K1 §2, K1 §15). Die Lebensdauer der Königin gibt er mit mehreren Jahren an, die einer Arbeitsbiene mit höchstens einem Jahr (K1 §17).

Aus jeder Arbeiterinnenlarve, die nicht älter als drei Tage ist, könne durch eine größere Zelle und kräftigeren Futterbrei eine Königin entstehen. Christ übernimmt diese Erklärung von Schirach und sieht sie an seinen Ablegern bestätigt. Er folgert daraus, dass alle Arbeitsbienen „ursprünglich zum weiblichen Geschlecht gehören" und unentwickelte Weibchen seien (K1 §5). Die Bedeutung der Larvennahrung beschreibt auch die heutige Forschung: Wright und Mitverfasser nennen den Drüsensaft der Ammen als Hauptnahrung von Larven und Königin ().

Über die Begattung äußert sich Christ vorsichtig und hält fest, dass er sie nie selbst gesehen hat: Die Drohnen „werden für die Männer der Königin gehalten“ (K1 §10). In der Anmerkung dazu erwägt er, die Königin sei vielleicht ohne Begattung fruchtbar oder übertrage eine einmal empfangene Fruchtbarkeit auf Tochter und Enkelin (K1 §10). Im Vorbericht der dritten Auflage referiert er die Lehre des Herrn Lucas, die Königin werde von männlichen Arbeitsbienen beim „Beschnäbeln" befruchtet. Dem hält er entgegen, dass er die Königin tausendmal Drohneneier legen sah, Arbeitsbienen aber nie (Vorbericht). Die Frage der Begattung bleibt für ihn offen.

Dzierzon beschreibt ein halbes Jahrhundert später, wie junge Königinnen mit dem Begattungszeichen der Drohne vom Flug zurückkehren. Er hält fest, dass die Begattung in der Luft geschieht und der Samenvorrat „für ihr ganzes Leben ausreicht“ . Eine unbegattete, flügellahme Königin legte ihm ausschließlich Drohneneier, die keiner Befruchtung bedürfen. Damit ließen sich zwei Fragen Christs beantworten: weshalb Königinnen im Frühjahr ohne vorhandene Drohnen fruchtbar sind und weshalb manche nur Drohnen hervorbringen.

Für die von Christs Gewährsmann Riem beschriebene Eiablage der Arbeiterinnen gibt es ebenfalls Belege. In weisellosen Völkern legen sie unbefruchtete Eier, bevorzugt in Drohnenzellen. Ein solches Volk kann noch Tausende von Drohnen hervorbringen, bevor es stirbt; in Völkern mit Königin kommt die Eiablage der Arbeiterinnen dagegen sehr selten vor (). Christ hatte nie ein weiselloses Volk beobachtet und räumt ein, dass sie dort möglich sei (Vorbericht).

Den Tod der Drohnen nach der Begattung erklärt er damit, dass ihr Begattungsorgan nicht zurücktreten könne (K1 §10). Er beschreibt außerdem, dass sie keine Nahrung sammeln und im Spätsommer aus dem Stock getrieben werden (K1 §11, K1 §12).

Beim Tüten der Königin vor dem Schwärmen beobachtet er, wie sie sich an die Zellen klammert, „daß ihr Leib hart aufliegt"; den Ton erklärt er als Laut aus den Luftlöchern, auf den junge Königinnen in ihren Zellen quakend antworten, „wie fast die Frösche tun“ (K1 §3). Michelsen und Mitverfasser untersuchten beide Laute 1986 als Schwingungen der Wabe: Das Tüten der freien Königin löst das Quaken der noch eingeschlossenen Königinnen aus (). Der angepresste Leib, den Christ sah, überträgt das Signal auf die Wabe. Seine Erklärung der Luftlöcher als Schallquelle bestätigt die Messung nicht.

1: Tüten der freien Königin mit Körperkontakt zur Wabe. 2: Quaken einer noch eingeschlossenen Königin; die Weiselzelle ist im Schnitt gezeigt. Die wenigen Schwingungszeichen stehen schematisch für die Übertragung durch das Wachs (K1 §3; Michelsen u. a. 1986). KI-generierte schematische Darstellung.

Die Tötung junger Königinnen schreibt Christ allein der alten Königin zu, die nachts eine Rivalin nach der anderen töte; die Arbeitsbienen seien daran nicht beteiligt (K5 §6). Gilley beobachtete 2001 bei fünf Zweikämpfen auch das Eingreifen der Arbeiterinnen. Junge Königinnen patrouillierten an den Weiselzellen und töteten ihre Rivalinnen, während Arbeiterinnen Königinnen festhielten und sie dadurch angreifbar machten ().

Bei der Lebensdauer unterscheidet die heutige Forschung zwischen kurzlebigen Sommerbienen und langlebigen Winterbienen (). Christs pauschale Jahresangabe berücksichtigt diesen Unterschied nicht. Seine Beobachtung, dass ältere Bienen im Juni und Juli zu schrumpfen beginnen und mit zerrissenen Flügeln sterben (K1 §17), bezieht sich auf die Sommermonate. Die Entwicklung beschreibt er vom Ei über die gefütterte Larve, die Verdeckelung und das Spinnen eines Kokons bis zur Puppe; am einundzwanzigsten Tag schlüpfe die Biene (K1 §15). Dieselben Entwicklungsabschnitte beschreibt Jay 1963 (). Ob Christs Tageszahlen für die einzelnen Abschnitte stimmen, haben wir nicht anhand einer Quelle geprüft.

Schwärmen

Christs Beschreibung des Schwärmens und Untersuchungen zu Raumbedarf, Wohnungssuche und Überleben wilder Völker.

Christ versteht das Schwärmen als einen vom Schöpfer gegebenen Vermehrungstrieb. Bei guter Nahrungsversorgung ziehen nach seiner Vorstellung junge Bienen mit einer neu geschlüpften Königin aus, nachdem sie sich rasch mit Honig versorgt haben (K4 §4). Ein Schwarm, der ohne diese Vorräte kaum einige Pfund wöge, erreiche dadurch sechs bis acht Pfund (K4 §4). Er unterscheidet Vorschwarm, Nachschwärme, Jungfernschwarm, Notschwarm und Hungerschwarm (K4 §6) und beschreibt die Anzeichen des Auszugs (K4 §7). Häufiges Schwärmen könne einen Stock zugrunde richten (K4 §26).

Die Annahme, dass Kundschafterinnen vor dem Schwärmen eine Wohnung aussuchen, rechnet er „recht unter die bloßen Mutmaßungen“ (K4 §9). Im selben Paragraphen erzählt er von einem Freund, bei dem einige Bienen ein leeres Glashaus säuberten, in das drei Tage später ein fremder Schwarm einzog. Zumindest bei Hungerschwärmen hält er eine vorherige Wohnungssuche für wahrscheinlich (K4 §9).

Die Wohnungssuche eines Schwarms untersuchte Lindauer 1955. Auf der Schwarmtraube zeigen erfolgreiche Spurbienen durch Tänze die Lage gefundener Nistplätze an. Dabei werden mehrere Plätze zugleich gemeldet, bevor sich der Schwarm nach Stunden oder Tagen auf einen einigt. Aus den Tänzen ließ sich der künftige Nistplatz vorhersagen; in drei Fällen wurde er bereits vor dem Umzug gefunden (). Seeley und Morse untersuchten 1978 die bevorzugten Eigenschaften einer Wohnung: einen Raum von etwa vierzig Litern, ein kleines Flugloch im unteren Bereich und eine Lage mehrere Meter über dem Boden (). Diese Arbeit kennen wir nur aus zweiter Hand.

Christ empfiehlt rechtzeitiges Untersetzen, um dem Schwärmen entgegenzuwirken. Wartet man damit im Mai zu lange, ist der Stock bereits vollgebaut und die Schwarmzellen sind angesetzt (K4 §26). Auch in dem Versuch von Loftus, Smith und Seeley aus dem Jahr 2016 gaben Völker in kleinen Beuten mehr Schwärme ab als solche in großen (). Der Befund allein erklärt noch nicht, wie sich das Untersetzen in Christs Beute auswirkt.

Für das Überleben nach dem Auszug liefert eine Untersuchung in süddeutschen Wäldern einen Anhaltspunkt: Die meisten dort untersuchten wildlebenden Völker überlebten den ersten Winter nicht (). Christ selbst rät, einen Schwarm noch am selben Tag einzufangen, weil er nach einer Stunde in hohle Bäume oder Mauern abziehe (K4 §5). Sein Rat betrifft das rechtzeitige Einfangen; über die späteren Überlebenschancen dieser Schwärme sagt er nichts.

Ungeprüft bleiben zwei seiner Angaben: das Spritzen von Wasser unter den fliegenden Schwarm gegen das Abziehen (K4 §10) sowie die Beobachtung, dass Schwärme sich mit Vorliebe an Quittenbäume hängen (K2 §3).

Wabenbau und Wachs

Wachsbildung, Propolis und die Richtung des Wabenbaus in Christs Beschreibung und späteren Untersuchungen.

Das Wachs, schreibt Christ, sei „ein wahres Fett der Pflanzen und ihres Honigsafts", das die Bienen im Leib vom Honig trennen und „durch die Ringe ihres Hinterleibes ausschwitzen"; die hervortretenden Blättchen ziehen sie mit den Füßen heraus, kneten sie im Maul und verbauen sie (K6 §13). Diesen Trennvorgang verlegt er in einen zweiten Magen, den er Wachsmagen nennt. Auch die Säure der Giftblase sei daran beteiligt (K1 §14, K6 §13). Ohne Honig werde nicht gebaut; welchen Anteil das Blumenmehl daran habe, lässt er offen (K6 §13). Als Voraussetzung für den Wabenbau nennt er Wärme, mindestens fünfzehn Grad Réaumur Außentemperatur (K6 §13). An den sechseckigen Zellen mit ihrem Boden aus drei Rauten bewundert er die sparsame Verwendung von Wachs und Raum (K1 §14).

Die von Christ beschriebenen Blättchen lassen sich als Wachsschuppen einordnen. Das Wachs entsteht in den Wachsdrüsen junger Arbeiterinnen und tritt am Hinterleib aus (). Für seine Erklärung mit einem „Wachsmagen" und einer Beteiligung der Giftblasensäure gibt es dagegen keine Grundlage; sie gehört zur Chemie seiner Zeit.

Das Vorwachs oder Propolis beschreibt er als klebriges Harz, das die Bienen von den Knospen der Pappeln, Birken und anderer Bäume abbeißen und unverarbeitet verbauen (K1 §14). Eine spätere Untersuchung zeigte, dass eine Propolishülle im Kasten die Abwehr des Volkes stärkte, allerdings nur in einem von zwei Versuchsjahren deutlich (). Raue Innenwände regten die Bienen dazu an, eine solche Hülle wieder anzulegen ().

Nach Christs Beschreibung bauen die Bienen von oben nach unten und setzen ihre Arbeit dort fort, wo sie aufgehört haben; aufgesetzten Raum nehmen sie ungern an (K4 §26). Seine Roste geben den Waben die Richtung vom Flugloch zur Rückwand vor (K3 §4). In einem Versuch von 2024 begannen fast alle Völker in überlangen Kästen ihren Bau beim Flugloch statt an der Decke. Lag das Flugloch weit von der Decke entfernt, bauten sie von den Wänden aus (). In Christs Kästen liegt das Flugloch unten und der Rost oben. Wie sich die Ergebnisse aus den überlangen Versuchskästen auf diese Anordnung übertragen lassen, bleibt offen.

Ein weiterer Versuch betraf den Einfluss vorhandener leerer Honigwaben: Völker mit mehr solcher Waben trugen mehr ein (). Dieser Befund ist von der Wirkung einer untergesetzten, noch unbebauten Zarge zu unterscheiden.

Christ rechnet außerdem mit einem Ertrag von etwa dreiviertel Pfund Wachs aus Waben mit vier Maß Honig. Den Nutzen des Wachses setzt er zum Honig im Verhältnis von eins zu sechs an (K6 §11). Diese Angaben beschreiben den Ertrag und Wert der Erzeugnisse in seinem Betrieb.

Wärme und Klima im Stock

Christs Temperaturmessungen und die Forschung zu Wintertraube, Feuchtigkeit und Futterverbrauch.

In einem frei stehenden gläsernen Bienenhaus brachte Christ auf der Nordseite ein Réaumur-Thermometer an, ließ es von den Bienen anbauen und las es stündlich ab. Bei mittlerer Witterung war es im Stock sechs bis sieben Grad wärmer als im Schatten; bei siebzehn Grad außen maß er innen dreiundzwanzig bis vierundzwanzig, bei zwanzig außen achtundzwanzig bis neunundzwanzig (K6 §13). Für den Winter beschreibt er, wie die Bienen umso enger zusammenrücken, je kälter es wird. Wärme und feuchten Dunst führt er auf ihre Ausdünstung und ihr Summen zurück; das Glas sei voller Tropfen und gefriere an den Rändern (K2 §6). Einen Winterschlaf hält das Volk nach seiner Beobachtung nicht (K5 §8).

Neuere Messungen zeigen, dass ein Volk seine Brut bei knapp fünfunddreißig Grad Celsius hält, während die Außentemperatur zwischen dreizehn und einundvierzig Grad liegt (). Christs Thermometer hing an der Nordwand und nicht im Brutnest; seine Werte lassen sich deshalb nicht unmittelbar mit diesen Bruttemperaturen vergleichen. Umgerechnet entsprechen seine vierundzwanzig Grad Réaumur dreißig Grad Celsius.

1: Christs Thermometer an der inneren Nordwand der Beobachtungsbeute. 2: Brutnest als anderer Messort. Die vereinfachte Schnittansicht vergleicht Orte, keine gleichzeitig erhobenen Temperaturwerte (K6 §13; Stabentheiner u. a. 2021). KI-generierte schematische Darstellung.

Die Wirkung der Wintertraube auf den Wärmeverlust wird unterschiedlich beurteilt. Nach einem Modell von 2023 führt ihr Mantel Wärme nach außen ab und bietet wenig Dämmung; das Zusammenrücken wird in dieser Arbeit als Anzeichen einer Notlage gedeutet (). In einem Feldversuch mit dreiundvierzig Völkern senkte eine Umhüllung der Beute den Futterverbrauch und die Sterblichkeit im Winter (). Christ empfiehlt für schwache Völker einen bedeckten Stand sowie Säcke und Matten als Schutz. Starken Völkern will er dagegen durch Luftzufuhr von oben gegen die Nässe helfen (K2 §6). Die beiden Untersuchungen prüfen weder diese Unterscheidung noch die Frage der Lüftung.

Den winterlichen Futterverbrauch schätzt Christ für einen guten Stock auf kaum eine Maß oder fünf Pfund Honig in acht bis zehn Wochen (K5 §3). Die Annahme, die Bienen verbrauchten in warmen Wintern mehr als in kalten, hält er für einen Irrtum (K5 §22). Messungen in Südschweden über einen Winter ergaben je nach Bienenrasse einen Gewichtsverlust von rund fünfunddreißig bis fünfundvierzig Gramm am Tag (). Christs fünf Pfund auf zehn Wochen liegen in derselben Größenordnung. Den höchsten Bedarf beobachtet er gegen Ende des Winters und führt ihn auf die Brut zurück (K5 §22). Dazu passt seine Angabe, dass das Brutgeschäft um Weihnachten und im Januar beginne (K1 §15).

Nahrung und Tracht

Die Herkunft der Bienennahrung, ihre Verarbeitung und die Entfernung zur Tracht.

Honig stammt nach Christ aus dem süßen Saft am Boden der Blumenkelche und aus Honigtau (K6 §1). Bei diesem unterscheidet er zwei Arten. Die erste, die bei feuchtwarmer Luft und Höherauch aufzutreten scheint, erklärt er als Saft aus den Blättern. Dass der Honigtau nicht aus der Luft falle, begründet er mit bedeckten Blättern, die ihn dennoch tragen (K6 §3). Als zweite Art beschreibt er die Ausscheidungen der Blattläuse, „ein sehr guter, schmackhafter Honig“ (K6 §4), den die Bienen eifrig sammeln.

Pollen, sein Blumenmehl, nennt er auch Bienenbrot. Den Futterbrei für die Brut stellt er sich als Mischung aus Honig und Blumenmehl vor. Von Blumenmehl allein könnten die Bienen nicht leben, denn selbst in verhungerten Völkern finde sich noch ein Vorrat davon (K1 §14, K1 §15). Wasser holen sie nach seiner Beschreibung aus Bächen und Mistlachen und nehmen dabei auch Bestandteile auf, die er als salpetrig bezeichnet (K1 §14, K2 §2). Der Blumensaft werde im Magen der Biene mithilfe der Säure aus der Giftblase „zum wahren eigentlichen Honig bereitet und gekocht“ (K1 §14, K1 §6).

Die heutige Unterscheidung zwischen Blüten- und Honigtauhonig entspricht Christs Einteilung. Blütenhonig stammt aus dem Nektar, Honigtauhonig aus Absonderungen lebender Pflanzenteile oder aus den Ausscheidungen pflanzensaugender Insekten (). Damit lassen sich auch die beiden von Christ beschriebenen Arten des Honigtaus einordnen; seine Ablehnung eines Ursprungs aus der Luft war zutreffend.

1: Eine Sammlerin nimmt Blütennektar auf. 2: Blattläuse scheiden Honigtau aus, den eine Biene von einem Blatt sammelt. Zwei Nahrungsquellen, die schon Christ unterschied (K6 §1, §4). KI-generierte schematische Darstellung.

Bei der Verarbeitung des Nektars wirken Enzyme mit, die in den Kopfdrüsen der Sammlerinnen entstehen. Dieselben Drüsen liefern bei jungen Ammen den Futtersaft für die Brut (). Dieser Drüsensaft ernährt Larven und Königin; Christs Vorstellung einer von den Bienen gekneteten Mischung aus Honig und Blumenmehl beschreibt seine Entstehung nicht (). Die Bedeutung des Pollens für die Ernährung zeigte sich unter anderem an israelischen Völkern, bei denen er die Hauptquelle für Eiweiß und Fett war ().

1: Eine Sammlerin trägt Pollen ein. 2: Ammenbienen nehmen den gespeicherten Pollen auf; er liefert vor allem Eiweiß und Fett. 3: Sie versorgen junge Larven mit Futtersaft aus ihren Drüsen. Die drei Ansichten zeigen die Arbeitsteilung im Volk nach heutiger Biologie (Ohashi u. a. 1999; Avni u. a. 2014; Wright u. a. 2018). KI-generierte schematische Darstellung.

Tracht soll nach Christ höchstens eine halbe Stunde entfernt liegen, weil die Bienen sonst weniger Zeit zum Eintragen hätten und häufiger verunglückten. Honig könnten sie noch eine Stunde weit wittern (K2 §1). Von Frischs Versuche mit Futterplätzen in bis zu viereinhalb Kilometern Entfernung zeigen, dass die Sammlerinnen auch solche Strecken fliegen und ihre Entfernung im Tanz anzeigen können (). Mit der halben Stunde empfiehlt Christ eine für den Ertrag günstige Entfernung.

Sein Verzeichnis der Bienengewächse (K8) reicht von Buchweizen und Heide über Linde, Weide und Obstbäume bis zu den Gartenkräutern. Nach seinen Angaben erreichen die Bienen den Nektar des Rotklees mit ihrer Zunge nicht (K8 §2) und meiden Kamille, Nieswurz und Wermut (K8 §3). Die Aussage, Honig von Kaiserkrone und Eisenhut sei schädlich, gibt er als Meinung anderer weiter (K8 §3). Diese Angaben haben wir nicht einzeln geprüft.

Krankheiten

Christs Beschreibungen von Krankheiten und Parasiten sowie die Grenzen seiner Empfehlungen.

„Ich komme nun auf die Krankheiten der Bienen. Aber hier erwarte man kein großes Verzeichnis, da ich zum Glück keine wahre Bienenkrankheit kenne und mir alle Quacksalberei an den Bienen zuwider ist.“ (K5 §9) Christ empfiehlt starke Völker, Honig mit etwas altem Wein und das Vereinigen; ein geschwächtes Volk setzt er unter ein gesundes (K5 §9). Die Ruhr, die er an rötlichen Ausscheidungen auf den Waben erkennt, führt er auf das Einsperren im Winter und anhaltende Kälte zurück (K5 §10).

Faulbrut beschreibt er anhand eingesunkener Zelldeckel über abgestorbener Brut. Als Ursachen nennt er unreinen Honig, die Auskühlung der Brut nach dem Verlust vieler Bienen, zu starkes Räuchern oder verdorbenes Blumenmehl. Er rät, die Bienen auszutreiben, mit einem gesunden Volk zu vereinigen und ihnen den Honig zu verfüttern (K5 §12). Eine allgemeine Bienenpest sei ihm „aus keiner Geschichte bekannt“ (K5 §12).

Die Amerikanische Faulbrut wird von dem sporenbildenden Bakterium Paenibacillus larvae verursacht und zählt nach über hundert Jahren Forschung noch zu den zerstörerischsten Bienenkrankheiten (). Sie ist in Deutschland anzeigepflichtig (), und die Bienenseuchen-Verordnung regelt, was mit Völkern, Waben und Honig zu geschehen hat (). Das von Christ empfohlene Vorgehen, die Bienen eines faulbrütigen Stocks mit einem gesunden zu vereinigen und den Honig zu verfüttern, verbreitet die Sporen; es ist heute untersagt, und was zu tun ist, entscheidet die Behörde. Von dieser Empfehlung ist seine Beobachtung zu unterscheiden, dass vereinzelte faule Brut auch in den besten Stöcken vorkommt und vom Volk ausgeräumt wird (K5 §12).

A: Vereinigen von Völkern. B: Verfüttern belasteten Honigs. Beide Handlungen können Sporen der Amerikanischen Faulbrut verschleppen, weshalb Christs Empfehlung aus heutiger Sicht bei dieser Krankheit ungeeignet ist (K5 §12; USDA ARS; FDA). Kleine Punktgruppen kennzeichnen Sporen symbolisch; punktierte Pfeile zeigen mögliche Übertragungswege. Welche Brutkrankheit Christ beobachtete, lässt sich aus seiner Beschreibung nicht sicher bestimmen. KI-generierte schematische Darstellung.

Die Bienenlaus beschreibt Christ als rötliches Tier von der Größe eines Hirsekorns, das auf dem Rücken der Biene sitze und sie schmerzhaft beiße; bei der Königin erwähnt er sieben Tiere. Ihre Herkunft ist ihm unbekannt (K5 §14). Die Bienenlaus Braula coeca ist eine flügellose, blinde Fliege aus der Verwandtschaft der Taufliegen, die im Stock von Honig, Pollen und Wachs lebt (). Auf einer Arbeiterin sitzend nimmt sie dieser Nahrung aus dem Mund ab (). Christ rät, die Bienenlaus nicht zu bekämpfen und das Volk mit Honig zu füttern. Sein Verzicht auf Bekämpfung lässt sich mit der geringen Schadwirkung des Parasiten vereinbaren.

1: Adulte Bienenlaus (Braula coeca), eine flügellose Fliege mit sechs Beinen. 2: Weibliche Varroamilbe (Varroa destructor) mit acht Beinen und querovalem Körper. Die Hauptansichten sind stark vergrößert; die kleine Gruppe unten gibt einen ungefähren Größenvergleich mit einer Arbeiterin. Die Bienenlaus beschreibt Christ in K5 §14. Varroa wird in seinem Buch nicht beschrieben und dient hier als heutiger Vergleich. KI-generierte schematische Darstellung.

Unter der „Hörnerkrankheit" beschreibt Christ gelbe Sträußchen mit bis zu achtundvierzig Verzweigungen, die im Mai zwischen den Fühlern erscheinen und von anderen Bienen abgebissen werden. Er hält sie selbst für Blütenstaub, den die Bienen in den Blumenkelchen aufnehmen, und nicht für eine Krankheit (K5 §13). Eine sichere Zuordnung war uns anhand der Quellen nicht möglich. Seine Deutung als Blütenstaub, der beim Blütenbesuch am Kopf haften bleibt, erscheint plausibel. Die Milbe Varroa destructor kommt in seinem Buch nicht vor; die Untersuchungen zum Überleben von Völkern unter Varroabefall betreffen eine spätere Situation (, ).

Christs Bienenkunde aus heutiger Sicht

Bestätigte Beobachtungen, spätere Erklärungen und offene Fragen aus den vorangehenden Abschnitten.

Bestätigte Beobachtungen. Christ erkannte die Bedeutung von Zelle und Futter für die Entstehung einer Königin und ordnete auch die Arbeiterinnen dem weiblichen Geschlecht zu (K1 §5; ). Der Drohn stirbt bei der Begattung (K1 §10; ). Das Wachs tritt als Blättchen zwischen den Ringen des Hinterleibs aus (K6 §13; ) und Propolis stammt aus dem Harz von Baumknospen (K1 §14; ). Honigtau stammt aus den Pflanzen und von den Blattläusen; er fällt nicht aus der Luft (K6 §3, K6 §4; ). Der Geruch des Stachels ruft die anderen Bienen herbei (K5 §23; ).

Christ beschreibt, dass ein Schwarm Honig mitnimmt. Zur Wohnungssuche durch Kundschafterinnen äußert er sich widersprüchlich; die spätere Forschung hat sie nachgewiesen (K4 §4, K4 §9; ). Die Biene hält keinen Winterschlaf und zehrt vom Vorrat (K5 §8; ). Der Stock hält seine eigene Wärme (K6 §13; ). Den Wabenbau beschreibt Christ als Arbeit von oben nach unten. Eine neuere Untersuchung zeigt außerdem einen Einfluss der Fluglochlage auf den Baubeginn (K4 §26; ).

Spätere Erklärungen und Korrekturen. Ob die Königin ohne Männchen fruchtbar sein könnte, ließ Christ offen. Die Begattung geschieht im Flug, der Samenvorrat reicht für ihr Leben und aus unbefruchteten Eiern entstehen Drohnen (K1 §10; ). Auch Arbeiterinnen können bei fehlender Königin Eier legen (K1 §5; ). Christ schrieb das Töten junger Königinnen allein der alten Königin zu. Beobachtet wurde jedoch auch, dass Arbeiterinnen eingreifen, indem sie Königinnen festhalten (K5 §6; ).

Bei der Entstehung des Honigs wirken Enzyme aus den Kopfdrüsen mit; Christs Erklärung durch die Säure der Giftblase im Magen trifft nicht zu (K1 §14; ). Der Futtersaft ist ein Drüsensaft der Ammen (K1 §15; ). Einen Wachsmagen gibt es nicht (K6 §13; ). Im dunklen Stock folgen die Bienen einer Tänzerin durch Berührung (K1 §3; ). Sie nehmen auch Luftschall wahr, allerdings nur aus nächster Nähe (K2 §3; ). Faulbrut ist eine Bakterienkrankheit, die durch das Vereinigen weitergetragen wird (K5 §12; , ). Die Lebensdauer der Sommerbienen beträgt nur Wochen (K1 §17; ).

Offene Fragen. Beim Quaken der Königin ist die Beobachtung des Lauts von seiner Erklärung zu trennen: Die Messung bestätigt die Luftlöcher als Schallquelle nicht (K1 §3; ). Eine sichere Zuordnung der Hörnerkrankheit war uns nicht möglich (K5 §13). Christs Tageszahlen zur Entwicklung, das Spritzen von Wasser gegen das Abziehen eines Schwarms, die Vorliebe für Quittenbäume, die Wirkung des Bovists und die Giftigkeit einzelner Blumen haben wir nicht anhand von Quellen geprüft (K1 §15, K4 §10, K2 §3, K3 §9, K8 §3).

Christs Anspruch an Beobachtung. Am Ende des Vorberichts vertritt Christ die Auffassung, seit Réaumur und Swammerdam habe kein Naturforscher die Kenntnisse über die Biene wesentlich erweitert. Er wünscht sich ein Mitglied einer Bienengesellschaft, das sich ein Jahr lang mit Glashäusern und Vergrößerungsgläsern ausschließlich dieser Aufgabe widmet, damit man nicht mehr „um Hypothesen zu zanken" brauche (Vorbericht). In der Naturkunde nennt er sich „sehr ungläubig" und will ohne eigene Prüfung nicht zustimmen (K1 §5). Seine Beschreibungen von Wärme, Wachs, Honigtau und Schwärmen enthalten Beobachtungen, die sich später bestätigen ließen. Bei ihrer Erklärung griff er auch auf Vorstellungen der Chemie und Anatomie seiner Zeit zurück.

Die Quelle

Ableger

Ein neues Volk, das der Imker selbst bildet, statt auf einen Schwarm zu warten. Man nimmt Brut und Bienen aus einem starken Stock und setzt sie in eine leere Wohnung.

Christ macht Ableger „nach fränkischer Art": ein Scheibchen Wabe von vier bis fünf Zoll im Viereck, mit Brut, wird in eine leere Wohnung eingesetzt, und die Bienen ziehen sich daraus eine Königin (K1 §5). Er zieht das Verfahren dem Schwärmen vor und rechnet für einen Bienenstand von zehn Stämmen, von denen vier schwärmen sollen, ungefähr hundert Aufsätze (K4 §26).

Kapitel 1 · §5

Abschwefeln

Im Strohkorb sind die Waben fest eingebaut. Wer an den Honig will, muß sie herausschneiden und vernichtet dabei das Volk. Üblich war, den Korb über brennenden Schwefel zu stellen und die Bienen zu ersticken.

Christ nennt das den „fast nicht zu vertilgenden alten Schlendrian der meisten Landleute, die im Herbst die schwersten und leichtesten Stöcke unverantwortlicher und recht sündlicher weise abschlachten und ersticken“ (K3 §2).

Christ beanstandet auch die Qualität des so gewonnenen Honigs: Er sei „mit Brut, toten Bienen, Schwefelgeruch und dergleichen verunreinigt“ (K3 §6).

Kapitel 3 · §2

Aufsatz

Christs Wort für den einzelnen Kasten seines Magazins. Vier gehobelte Dielenstücke, dreizehn Zoll im Viereck von außen, viereinhalb Zoll hoch, vorne ein Flugloch, hinten eine Glasscheibe, oben ein Gesims und darunter der Rost (K3 §4).

Die Aufsätze haben weder Boden noch Deckel. Der unterste steht auf dem Untersatzbrett, das zugleich Flugbrett ist (K3 §9), und der oberste bekommt einen Deckel aus Brett, Glas oder geflochtenem Stroh (K3 §4).

Für einen Stamm, der nicht schwärmen soll, rechnet Christ acht Aufsätze auf den Sommer, für einen jungen Schwarm sechs (K4 §26).

Kapitel 3 · §4

Aufsetzen

Den leeren Kasten oben auf den vollen stellen. Christ hält das für den bequemeren Weg und benutzt ihn zum Erweitern trotzdem nicht:

„Es wäre das Aufsetzen freilich etwas gemächlicher, als das Untersetzen; allein es geht nicht an. Die Natur der Bienen ist, von oben herunter zu bauen, und da fortzubauen, wo sie aufgehört haben." (K4 §26, Fußnote)

Zum Ernten setzt er sehr wohl oben auf. Auf den Deckel des obersten Kästchens stürzt er Gläser und Porzellangefäße, in die die Bienen von unten her hinein bauen; abgeschnitten wird mit einem Seidenfaden oder einem dünnen Klavierdraht (K3 §5).

Kapitel 4 · §26

Beute

Das heutige Wort für jede vom Menschen gebaute Bienenwohnung hat seinen Ursprung im Wald. Christ schreibt, die Waldbienen würden „in hohlen Bäumen oder eigenen dazu ausgehauenen Büten oder Beuten angezogen" und gehörten dem Eigentümer des Waldes (K9 §2).

Für seine eigenen Kästen benutzt er das Wort nicht. Er sagt Aufsatz, Kästchen, Magazin oder Bienenwohnung.

Kapitel 9 · §2

Bienenmaß

Der Zwischenraum, den Bienen in ihrer Wohnung frei lassen, statt ihn zu verbauen. Wer seine Waben in diesem Abstand aufhängt, kann jede einzeln herausnehmen, ohne etwas abzuschneiden. Lorenzo Langstroth beschrieb das Maß 1851 und erhielt am 5. Oktober 1852 ein Patent auf die Beute, die es benutzt.

Die Angabe ist im Repositorium über eine Suchzusammenfassung mehrerer Seiten belegt, nicht am Patentdokument selbst (Quellenschlüssel langstroth-1852).

Eine gemessene Zahl aus einer gelesenen Quelle steht bei Warré. Er läßt zwischen zwei Oberträgern zwölf Millimeter frei, ausdrücklich „pour le passage des abeilles" (Warré 1948, S. 49).

Dzierzon

Der Pfarrer, an dem die Imkerei den Übergang zum beweglichen Wabenbau festmacht. Johann Witzgall erzählt 1889, er habe anfangs „mit dem Christ'schen Magazinstocke" geimkert und daraus auf experimentellem Weg „den jetzt allgemein verbreiteten Stock mit beweglichen Waben" entwickelt (Witzgall, Geschichte der Bienenzucht 1889, S. 56).

Der Umbau setzte an Christs Rost an. Dzierzon versah die Kästen mit einem beweglichen Stäbchenrost, an den er Waben anklebte, so daß sich jede einzeln herausheben ließ; dann kamen Seitentüren dazu, feste Bodenbretter, Leisten an den inneren Seitenwänden, kürzere und höhere Kästen und ein fester Deckel (Witzgall, Geschichte der Bienenzucht 1889, S. 56). Bei Christ sind die sechs Hölzer des Rostes mit Nägelchen aufgenagelt (K3 §4).

1844 trat Dzierzon mit seiner Erfindung öffentlich hervor. Seit diesem Jahr unterscheidet das Fach Mobil- und Stabilbau (Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102).

Witzgall schreibt vierzig Jahre nach dem Vorgang und gibt Dzierzon nicht selbst wieder.

Kapitel 3 · §4

Flugloch

Die Öffnung, durch die die Bienen aus- und einfliegen. Bei Christ hat jeder Aufsatz eines, vier Zoll lang und 1¼ Zoll hoch, mit zwei blechernen Schiebern davor (K3 §4).

Christ begründet die Größe mit der Luft, die die Bienen bei nötiger Einsperrung brauchen, und mit der Bequemlichkeit beim Füttern (K3 §4, Fußnote).

Weil jeder Kasten sein eigenes Flugloch hat, gehört zum Untersetzen ein Griff dazu: zwei oder drei Stunden nach dem Untersetzen wird das obere Flugloch ganz zugeschoben, „sonst bauen sie nicht leicht fort" (K3 §9).

Kapitel 3 · §4

Gesims

Die vier Latten, die oben auf jeden Aufsatz geleimt und genagelt werden. Sie tragen den Rost und schießen einen viertel Zoll nach außen vor (K3 §4).

Der Vorschuß hat zwei Zwecke, und Christ nennt beide. Er formt eine Zierde, der man mit dem Hobel einen Karnießstoß gibt. Und er sorgt dafür, „damit alle Aufsätze aufeinander wohl passen, und fest stehen, wenn etwa einer ¼ oder ½ Zoll größer oder kleiner würde, als der andere" (K3 §4).

Dieser vorstehende Rand ist der Grund, warum sich die Wandstärke nicht aus der Kupfertafel abgreifen läßt. Fig. 1 zeigt eine Schrägansicht, deren Rand Wand und Gesims zusammen zeigt.

Kapitel 3 · §4

Émile Warré

Émile Warré (1867–1951) war ein französischer Priester und Imker. Seine Ruche Populaire („Volksbeute“) sollte mit einfachen Mitteln zu bauen und zu bewirtschaften sein. Konstruktion und Betriebsweise beschrieb er in L’Apiculture pour tous, dessen zwölfte Auflage 1948 erschien.

Quelle: David Heaf: Warré Beekeeping.

Glasscheibe

Christs eigener Zusatz zur Magazinbeute. In die Rückwand jedes Aufsatzes wird ein Loch von sieben Zoll Länge und zweieinhalb Zoll Höhe gemeißelt, das Glas eingezapft, davor kommt ein Lädchen gegen das Licht (K3 §4).

Sein Urteil steht am Ende desselben Paragraphen, im Absatz für den, der alles andere weglassen will: „Eine Glasscheibe aber am hinteren Brett ist fast unentbehrlich." (K3 §4)

Den naheliegenden Einwand entkräftet er aus der Beobachtung. Die Bienen bauen an Glas so fest an wie an Holz oder Stroh und halten es sauber; was sie im Herbst verschmieren, säubern sie im Frühjahr wieder (K3 §11).

Kapitel 3 · §4

Hausse

Das französische Wort für den Kasten, der auf einen anderen kommt. Bei Palteau besteht die Beute aus einem Tisch, drei Füßen, mehreren hausses, einem Deckel und einem Flugbrett; die Zarge mißt einen Fuß im Quadrat bei drei Zoll Höhe (Palteau 1777, S. 7–11).

Christ kennt Palteau nicht im Original. Er schreibt in der Fußnote zur Vorrede, er habe erst Jahre nach seiner eigenen Erfindung „etwas von ähnlichen Bienenwohnungen" gelesen, „dergleichen des Herrn Palteau in Frankreich und die Vicatische, die Schirach in seinem allgemeinen Bienenvater beschreibt" (Vorrede).

Palteau 1777, S. 7–11

Katechismus

Das Lehrbuch des Glaubens, nach Fragen und Antworten geordnet. Jedes Kind ging es im Unterricht durch und lernte die Antworten auswendig; die Form war deshalb jedem Leser vertraut, auch dem, der sonst wenig las.

Christ überträgt sie 1784 auf die Bienen und grenzt sich im selben Zug von der Schulstube ab. Die katechetische Lehrart sei „für den gemeinen Mann die faßlichste und deutlichste"; gemeint sei kein Katechismus „zum Auswendiglernen, sondern blos zum Unterricht und Nachschlagen" (Christ 1784, S. VI). Sein Bienencatechismus für das Landvolk besteht aus hundertsiebenundneunzig numerierten Fragen, und einige davon sind die Meinung, gegen die er schreibt.

Klotzbeute

Eine Klotzbeute ist ein ausgehöhlter, abgetrennter Stammabschnitt, der als Bienenwohnung dient. Anders als eine Höhle im lebenden Baum lässt sie sich als ganze Beute an einen anderen Standort bringen.

Quelle: Mellifera: Einführung in die Zeidlerei und Klotzbeutenbau.

Kustode

Ein Wort am Fuß einer gedruckten Seite, das das erste Wort der nächsten Seite vorwegnimmt. Der Setzer benutzte es, um die Bogen in der richtigen Reihenfolge zu halten.

Für diese Arbeit ist es eine Fehlerquelle. Wer eine alte Seite abschreibt und die Kustode mitschreibt, hat ein Wort doppelt im Text. Bei Vicat stehen drei Kustoden im Quelltext am Kopf der Folgeseite statt am Fuß der vorigen: „festiget," (110/111), „einiche," (118/119), „voraus," (120/121).

Magazin, Magazinbeute

Eine Bienenwohnung aus mehreren Kästen, die übereinander stehen und einzeln abgenommen werden können. Christs Wort dafür ist Magazin oder Magazinstock.

Er beschreibt es so: die Bienen haben „ihre Haushaltung in verbundenen Aufsätzen … die von Zeit zu Zeit nach Erfordernis der Umstände, Zeit und Absichten vermehret oder auch verringert werden" (K3 §3).

Christ stellt die Verwendung von Holz und Glas als Neuerung vor. Die üblichen Magazine seien von Stroh gewesen, „wenigstens habe ich noch keine andere gesehen"; deren Unbequemlichkeiten hätten ihn auf hölzerne viereckige Aufsätze mit einer Glasscheibe gebracht (K3 §3).

Kapitel 3 · §3

Mobilbau

Die Bienenwirtschaft mit beweglichen Waben, deren Name zusammen mit seinem Gegenwort entstand. Witzgall und Felgentreu setzen beide 1889 auf das Jahr 1844: „Seit 1844, wo Dr. Dzierzon zuerst mit seiner Erfindung öffentlich hervortrat, spricht man in Imkerkreisen von einem beweglichen oder unbeweglichen Bienenstocke, vom Mobil- oder Stabilbau." (Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102)

Christ liegt vor dieser Trennung. Der Bienenkundler F. Gerstung hat später genau bestimmt, worin sein Beitrag besteht: „in Deutschland der eigentliche Begründer der Mobilbienenzucht … freilich nicht so sehr der Beweglichkeit jeder einzelnen Wabe … als vielmehr der Mobilität, d.h. der Beweglichkeit von Teilen des Bienenstockes, von Auf- und Untersätzen" (zitiert bei Bode 1984, S. 381).

Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102

Nadieren

Fachwort für das Untersetzen: die leere Zarge kommt unter die volle. Es bezeichnet dieselbe Handlung, die Christ Untersetzen nennt.

Die früheste in diesem Projekt belegte Stockwerksbeute mit Nadieren ist Geddes achteckiger Kasten. Er trägt zwei eiserne Griffe „for lifting it up when another is to be placed under it" (Gedde 1677, S. 18–19).

Oberträger

Ein Oberträger ist eine Holzleiste, an deren Unterseite die Bienen eine Wabe befestigen. Da die Wabe zusätzlich an den Beutenwänden angebaut sein kann, macht der Oberträger allein sie noch nicht einzeln beweglich.

Quelle: David Heaf: Warré hive management methods.

Rähmchen, bewegliche Rahmen

Lorenzo Langstroth beschrieb 1851 das Bienenmaß: den Abstand von etwa einem Zentimeter, den Bienen freilassen, statt ihn zu verbauen. Am 5. Oktober 1852 erhielt er darauf ein Patent. Seither hängen die Waben in Rahmen, die sich einzeln herausnehmen lassen; der Bau ist bis heute in weiten Teilen der Welt der verbreitetste.

Christs Magazin steht davor, denn beweglich ist bei ihm das Kästchen, das man als Ganzes abhebt, während die Waben darin bleiben. Der Bienenkundler F. Gerstung nannte ihn deshalb den Begründer „der Mobilität, d.h. der Beweglichkeit von Teilen des Bienenstockes, von Auf- und Untersätzen" (zitiert bei Bode 1984, S. 381).

Das Wort selbst benutzt Christ einmal, in einem anderen Sinn: die Glasscheibe eines Strohaufsatzes wird „in ein hölzernes Rähmchen eingepaßt" (K3 §8).

Zwischen 1798 und 1852 liegen vierundfünfzig Jahre.

Bode 1984, S. 381

Ringkorb

Ein Ringkorb besteht aus gleichweiten Strohringen, die übereinandergesetzt einen gemeinsamen Innenraum bilden. Weitere Ringe vergrößern die Beute. Feste Querhölzer tragen die Waben und ermöglichen es, einzelne Abschnitte mitsamt ihrem Wabenbau abzunehmen.

Schnitt durch einen Ringkorb mit drei übereinandergesetzten Strohringen und festgebauten Waben.
KI-generierte schematische Darstellung nach Fleischer (1777).

Fleischer 1777, S. 311–314; Tafelerklärung, Fig. 2–4

Rose, Rosentafel

Christs Wort für die Wabe. Er benutzt es gleichbedeutend mit Wachstafel und verwendet beide Wörter, wenn er beschreibt, woran man junge Stöcke erkennt: „an der Weiße und Zärte ihrer Wachstafeln oder Rosen" (K2 §10).

Zusammensetzungen kommen im ganzen Buch vor. Honigrosen sind die mit Honig gefüllten Waben (K3 §5), Bruttafeln die mit Brut belegten (K4 §2).

Kapitel 2 · §10

Rost

Die Wabenführung in Christs Aufsatz. Auf die Fugen der vorderen und hinteren Gesimslatte werden Hölzchen genagelt, jedes einen Zoll breit, und die Bienen richten ihren Bau nach ihnen aus (K3 §4).

Die Zahl richtet sich nach der Stelle im Stapel. Sechs Hölzer bekommt nur das oberste Kästchen, „damit die Bienen nach dieser Richtung von der hinteren Wand gegen das Flugloch zu ihren Wachstafeln ansetzen, und bauen". Die Untersätze bekommen zwei, weil die Bienen die einmal begonnene Richtung ohnehin fortsetzen (K3 §4).

Christ nennt drei Gründe für die kleinere Zahl unten: das Volk sitzt im Winter enger zusammen, der Abfall bleibt nicht auf den Hölzern liegen, und die Bienen kommen bequemer auf und ab (K3 §4). Damit die schweren Honigtafeln halten, bekommt jedes Kästchen mit zwei Hölzern zusätzlich ein Kreuz aus zwei runden Weiden- oder Haselstöcken (K3 §4).

Kapitel 3 · §4

Spurbiene

Eine Biene, die vor dem Schwarm ausfliegt und eine Wohnung sucht.

Das Wort ist Christs eigenes, doch hält er die Sache für unbewiesen. Daß ein Volk sich „etliche Tage vor dem Schwärmen einen hohlen Baum durch Kundschafter, oder sogenannte Spurbienen" aussuche, gehöre „recht unter die bloßen Mutmaßungen" (K4 §9). Für Hungerschwärme läßt er es dann doch gelten, weil er gesehen hat, wie einzelne Bienen einen leerstehenden Stock tagelang vorher säuberten und der Schwarm drei Tage darauf einzog. Eine eigene Zunft sind sie für ihn nicht: Kundschafter seien „das aber freilich keine besondere Art Bienen" (K4 §9).

Hundertachtzig Jahre später ist an Kästen im Wald nachgemessen worden, wonach ein Schwarm wählt; diese Kriterien tragen die Erzählung „Eine Biene auf Wohnungssuche" (Seeley und Morse 1978, referiert und nicht am Volltext gelesen).

Kapitel 4 · §9

Stabilbau

Bienenhaltung in Wohnungen ohne bewegliche Rähmchen. Die Wabe hängt fest an Decke und Wänden. Zur Entnahme wird sie abgeschnitten oder zusammen mit dem Beutenteil abgenommen, an dem sie befestigt ist.

Witzgall und Felgentreu datieren die Unterscheidung von Stabil- und Mobilbau auf 1844, das Jahr, in dem Dzierzon mit seiner Erfindung öffentlich hervortrat (Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102). Denselben Verfassern ist 1889 die Bauweise schon rechtfertigungsbedürftig. Sie beginnen ihr Kapitel darüber mit dem Satz, es möge manchen Leser befremden, so etwas noch zu finden, „nachdem man ja doch schon längst den Stabilbetrieb als veraltet und für die heutigen Zeiten als abgethan betrachtet…" (Witzgall/Felgentreu 1889, S. 209).

Christ kennt das Wort nicht. Es gibt zu seiner Zeit nichts, wovon der Stabilbau sich hätte unterscheiden müssen.

Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102 und 209

Strohkorb

Die gewöhnliche Bienenwohnung der Landleute zu Christs Zeit: ein aus Strohwülsten gewundener Korb, aus einem Stück, ohne Möglichkeit, ihn zu teilen. Geerntet wird durch Ausschneiden, wobei das Volk stirbt (K3 §2).

Christ setzt seine Magazine dagegen. Ein Bienenstand von dreißig bis sechsunddreißig Magazinstöcken sei „mehr wert als ein Bienenstand von 100 Stück in Strohkörben" (K4 §26).

Christ beschreibt auch die weitere Nutzung des Korbes. In K3 §10 zeigt er, wie man einen Strohkorb auf einen Magazinuntersatz stellt, das Flugloch am Korb verschmiert und die Bienen dadurch nach unten in die Kästen zieht.

Kapitel 3 · §2

Stülper

Ein kleiner Korb, den man oben auf den Strohkorb setzt, damit die Bienen dort Honig einbauen. Christ verwendet die Bezeichnungen der Landleute: „kleinen Körben, (Stülpen, Kappen,) welche die Landleute auf die Strohkörbe setzen" (K4 §26, Fußnote).

Ihre geringe Nutzung bestärkt ihn in seiner Ablehnung des Aufsetzens. Unter zehn Bienenstämmen baue kaum einer oder zwei hinein, und auch das nur in einem besonders honigreichen Jahr; viele bauten lieber außen hin als in das aufgesetzte Körbchen (K4 §26, Fußnote).

Kapitel 4 · §26

Untersatz

Derselbe Kasten wie der Aufsatz, an anderer Stelle im Stapel. Christ erklärt es selbst in einer Fußnote:

„Ich werde wohl fast nicht nötig haben, anzumerken, daß ich durch Untersätze nichts anderes verstehe, als diejenigen Aufsätze, die unterst stehen, weil sie meist nur immer untergesetzt werden, und können überhaupt Kästchen heißen, wegen ihrer Ähnlichkeit mit denselben." (K3 §4, Fußnote)

Die Bezeichnung richtet sich nach der Position im Stapel. Der Rost unterscheidet sich: sechs Hölzer im obersten Kästchen, zwei in den Untersätzen (K3 §4).

Kapitel 3 · §4

Untersetzen

Den leeren Kasten unter den vollen schieben. Christs Art, den Raum zu erweitern, und die Handlung, um die seine ganze Betriebsweise gebaut ist.

Der Zeitpunkt steht fest: ist der unterste Kasten „etwas über die Hälfte oder zu drei Teilen voll gebaut", kommt der nächste darunter, und so fort bis in den August (K3 §9). Immer nur einer auf einmal, denn „Einesteils bauen die Bienen lieber in einen, als in zwei, welche leer sind" (K3 §9).

Die Handgriffe beschreibt er zweimal. Erst die frühe Art, morgens in aller Frühe, mit einem Gehilfen, der den Stock hebt, während der andere das Untersatzbrett wegzieht (K3 §9). Dann die spätere, bessere: mittags im stärksten Flug, wenn die Bienen sich „aus Fleiß und Emsigkeit im Eintragen um nichts" bekümmern (K3 §9).

Kapitel 3 · §9

Vorwachs

Das Harz, mit dem Bienen Ritzen verkitten und Waben befestigen, heute Propolis genannt.

Christ trennt es ausdrücklich vom Wachs: „Den Kitt oder Vorwachs, der vom Wachs unterschieden und eigentlich ein klebriges Harz ist, so aber nach der Verarbeitung und besonders in der Kälte ganz hart wird" (K1 §14).

Christ verwendet es beim Besetzen einer Beute. Über Kohlen zergehen lassen und in die Ecken eines neuen Kastens gestrichen, hält es den jungen Schwarm am Ort; wer einen schon gebrauchten und verharzten Aufsatz nimmt, hat denselben Vorteil ohne Arbeit (K4 §21).

Kapitel 1 · §14

Weisel

Das alte Wort für die Königin. Christ führt beide nebeneinander: „Die Königin, oder, von den Alten, Weisel, genannt" (K1 §1).

In den Zusammensetzungen ist das ältere Wort das gebräuchlichere geblieben. Weisellosigkeit heißt der Zustand eines Volkes ohne Königin, und Christ widmet ihm einen eigenen Paragraphen (K5 §6).

Kapitel 1 · §1

Zarge

Heute das Wort für einen Kasten ohne Boden und Deckel, der auf einen anderen gesetzt wird. Die Bienen bauen ihre Waben von oben nach unten durch die ganze Reihe.

Christ nennt sie Aufsatz und macht sie dreizehn Zoll im Viereck und viereinhalb Zoll hoch (K3 §4).

Christ selbst hat das Wort auch, in seiner älteren Bedeutung: die Zarge des Strohkorbes ist dessen runder Rand (K3 §10).

Kapitel 3 · §4

Zeidler

Der Waldimker des Mittelalters, der Bienen in hohlen Bäumen hielt und dafür zinspflichtig war. Christ erwähnt den Stand im Rechtskapitel: aus dem Baumrecht sei „ehedem daher die Zeidlergesellschaft entstanden, welche einen gewissen Zins an Honig und Wachs dem Förster oder einen anderen Grundherren des Waldes entrichten" (K9 §2).

Für ihn ist das Vergangenheit. Die Haus- und Gartenbienen gehören zu seiner Zeit „unter unsere Haustiere" (K9 §2).

Kapitel 9 · §2

Zoll

Das von Christ verwendete Längenmaß ist nicht eindeutig bestimmt. Es gab kein einheitliches Zoll; jede Gegend hatte ihres.

An genau einer Stelle im ganzen Buch schreibt Christ „Linien Pariser Zoll", und zwar für die Länge einer Königin. Vorher hat er das Wort Zoll schon vierundzwanzig mal ohne Zusatz gebraucht (Anmerkungen des Übertragers).

Der Übertrager hat die Baumaße gegen Christs eigene Volumenangabe von vier Maß gerechnet. Beim Pariser Zoll (2,71 cm) weicht das Ergebnis um 27 bis 34 Prozent ab, beim Frankfurter Zoll (2,37 cm) um 1 bis 8 Prozent. Seine Folgerung: die Längenangaben können nicht in Pariser Zoll ausgedrückt sein, der Umrechnungsfaktor liegt zwischen 2,4 und 2,5 (Anmerkungen des Übertragers).

Das ist eine Erschließung und keine Angabe Christs. Christ selbst sagt nirgends, welches Zoll er meint.

Anmerkungen des Übertragers

Zehnt

Die alte Abgabe an die Kirche: ungefähr der zehnte Teil dessen, was ein Hof im Jahr erbrachte, abzuliefern in Früchten, Wein oder Vieh. Ein Teil davon war die Besoldung des Pfarrers. Er trieb sie bei denselben Leuten ein, zu denen er sonntags predigte.

Christ hat den Zehnten selbst eingesammelt und darüber prozessiert. Fiel eine Zehnteinnahme weg, bekam er statt dessen Land, ein „Besoldungsstük zum Ersaz des Zehnden" (Bode 1984, S. 181).

Bode 1984, S. 181

Bienenkiste

Die Bienenkiste ist eine längliche, waagerechte Stabilbaubeute mit Brutbereich vorn und Honigbereich hinten. Ihr Boden lässt sich abnehmen, sodass das Wabenwerk von unten zugänglich wird.

Aufgerichtete Bienenkiste mit abgenommenem Boden, Bienen auf den festen Waben und leerem hinterem Honigbereich.
KI-generierte schematische Darstellung.

Quellen: Die Bienenkiste: Innenausbau · Zusammenbau.

Zeidlerei

Zeidlerei ist eine traditionelle Form der Waldimkerei, bei der Bienen in künstlich angelegten Höhlen lebender Bäume gehalten werden. Heutige Initiativen greifen das Handwerk zur Bienenhaltung und zur Schaffung von Lebensräumen für höhlenbewohnende Arten wieder auf.

Quelle: FreeTheBees: Zeidlerei.

Futterkranzprobe

Eine Futterkranzprobe enthält eingelagertes Futter aus der Nähe des Brutnestes. Sie wird im Labor auf Sporen des Erregers der Amerikanischen Faulbrut untersucht.

Quelle: Die Bienenkiste: Futterkranzprobe.

Gemüll

Gemüll sind Rückstände, die aus dem Volk auf den Beutenboden fallen, etwa Wachsteilchen, Pollen und tote Milben. Ihre Art und Verteilung geben Hinweise auf Vorgänge im Volk, darunter Wabenbau, Futterverbrauch und den Sitz der Wintertraube.

Quelle: LWG Bayern: Gemülluntersuchung.

Flavonoide

Flavonoide gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen und kommen auch im Honig vor. Ihr gemessener Gesamtgehalt beschreibt einen Teil seiner chemischen Zusammensetzung. Ein höherer Wert allein belegt keinen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen des Honigs.

Quellen: BfR: Sekundäre Pflanzenstoffe · Kadri et al. (2017): Honiganalyse.

David Heaf

David Heaf, ein Imker und Fachautor in Wales, hat Warrés L’Apiculture pour tous gemeinsam mit Patricia Heaf ins Englische übersetzt. Sein Informationsportal versammelt Baupläne, Betriebsweisen und Erfahrungsberichte zur Warré-Beute.

Quellen: David Heaf: Warré Beekeeping · Beekeeping for All.

Phil Chandler

Phil Chandler ist Imker und Autor von The Barefoot Beekeeper. Für die Bienenhaltung mit wenigen Eingriffen in das Brutnest entwickelte er eine eigene horizontale Oberträgerbeute, deren Baupläne er frei zugänglich veröffentlichte.

Quelle: Philip Chandler: The Modern Top Bar Hive Explained.

Erhard Maria Klein

Erhard Maria Klein hat die Bienenkiste mitentwickelt. Seine Bücher und die Website des Projekts beschreiben ihren Bau und die Betreuung der Völker.

Quellen: Erhard Maria Klein: Die Bienenkiste als DIY-Konzept · Die Bienenkiste.

Stülpkorb

Eine einteilige Beute aus gebundenen Strohwülsten. Die Waben hängen im gemeinsamen Innenraum und sind fest mit dem Korb verbunden.

Einteiliger, gewölbter Korb aus vernähten Strohwülsten. Der Schnitt zeigt lange Naturwaben, die an festen Querstäben Halt finden, und ein kleines seitliches Flugloch.
KI-generierte schematische Darstellung.

Quelle: Nicola Bradbear: Bees and their role in forest livelihoods, 2009, S. 33–35.

Röhrenbeute

Eine liegende, röhrenförmige Beute mit festem Innenraum. Die Zeichnung zeigt eine Ausführung aus Ton; die Enddeckel geben Zugang zu den Waben.

Waagerechte Tonröhre auf zwei Steinen. Ein seitlicher Schnitt zeigt die quer zur Längsachse hängenden Waben. Der vordere Verschluss hat ein Flugloch; der hintere Deckel steht abgenommen daneben.
KI-generierte schematische Darstellung.

Quelle: Nicola Bradbear: Bees and their role in forest livelihoods, 2009, S. 33–35.