Eine Biene auf Wohnungssuche

Ein Schwarm hängt am Fliederbusch und braucht ein Quartier. Eine Spurbiene fliegt los und nimmt dich mit.

Vorbemerkung: In dieser Fabel erzählt eine . Sie spricht zu dir mit unseren Worten und prüft die Wohnungen nach Maßstäben aus der Forschung. Untersuchungen zeigen, welche Höhlen Schwärme wählen, wie Wände die Wärme halten und was eine Harzhülle bewirkt. Die Zahlen und Befunde dazu findest du am Rand, mit Jahr und Fundstelle.

Ihr Wissen reicht so weit wie die Quellen. Ihre Vorlieben und die Wohnung, die sie am Ende wählt, haben wir ihr mitgegeben. Wo die Forschung keine Antwort gibt, lässt sie die Frage offen und sagt dir das.

Gestatten

Seien Sie gegrüßt. Gestatten: . Der Schwarm da hinten am Fliederbusch hat mich ausgesandt, und ich würde ja zu gern ein Schwätzchen mit Ihnen halten, aber leider, leider: keine Zeit, ich muß eine Wohnung für mein Volk finden. Wenn Sie wollen, begleiten Sie mich ein Weilchen; ich erzähle Ihnen unterwegs. Los geht's.

Eigentlich dürfte ich in diesem Auftrag gar nicht unterwegs sein, denn mein Meister versucht uns verzweifelt von der Ausreise abzuhalten; stellen Sie sich vor, er kommt jede Woche einmal und zerpflückt uns bis aufs Letzte, nur um das zu verhindern. Und jedesmal entdeckt er dabei diese wunderbaren Zäpfchen, die wir heimlich angelegt haben, Sie wissen ja, was ich meine: darin ziehen wir eine neue Mutter für unser Volk heran, . Wenn er das corpus delicti findet: schnipp, und weg damit. Schade, aber was sollen wir tun, wir lassen es über uns ergehen. Böse ist er nicht, verstehen Sie mich da richtig; er will uns nur nicht verlieren.

Diesmal haben wir Glück gehabt, der Meister hat ein Zäpfchen übersehen, und die Brutarbeit darin war schon fast getan. Wenn sie weit genug gediehen ist und wir wissen, daß die Neue ihrer Aufgabe gewachsen sein wird, dann schnappen wir uns die jetzige Regentin und ziehen aus. Wir, das ist in diesem Fall wohl die Hälfte unserer Sippe: der Schwarm, eben der, der nun da drüben hängt.

Wenn wir ausziehen, wissen wir noch gar nicht recht, wohin mit uns. Dafür gibt es mich und meine Kolleginnen. Wir machen uns auf die Suche nach einem neuen Zuhause, und wenn wir etwas gefunden haben, fliegen wir zum Fliederbusch zurück und berichten davon. Sind alle Ausgesandten wieder da, wird abgestimmt, wer die beste Behausung gefunden zu haben scheint, und dorthin ziehen wir dann.

Sehen Sie sich das einmal an, da drüben.

Die Kiste, die ich kenne

Sieht aus wie eine leere Kiste. Fliegen wir hinein und schauen nach.

Aha. Das kommt mir verdächtig bekannt vor, das ist ja alles wie zu Hause: die Maße, der Schlitz unten quer über die ganze Breite, und die Wände so glatt und so eben, daß nichts daran haftet. Das muß wohl eine von der Art meines Meisters sein. Bei denen ist alles gleich.

Da hängen sie, die , elf Stück, mit fertigen Waben, sauber und gerade und trocken. Sehr verlockend, das will ich gar nicht bestreiten, denn das spart uns eine Menge Arbeit; wir könnten heute abend eintragen und morgen früh legen, statt erst einmal ein halbes Jahr lang zu bauen.

Vom wöchentlichen Zerfleddern mit Rauch und einem flachen Eisen, mit dem er die Rähmchen einzeln herausbricht, wissen Sie schon. Was dabei nicht auffällt: hinterher müssen wir nachheizen und unser Stübchen wieder steril machen. Ob uns das wohl glücklich macht?

Das mit dem Sterilmachen geht in dieser Kiste ohnehin schlecht. Gehobelt, gestrichen, keine Ritze, kein Halt. In einer richtigen Höhle tragen wir Harz zusammen und streichen alles aus, Schicht auf Schicht, und man hat nachgemessen, was das bringt: wo die Wände absichtlich rauh gefräst waren, saß am Ende ein Vielfaches an Harz darin, und die Völker standen um knapp zwei Waben Bienen und Brut stärker da.1 Wobei ich der Ordnung halber sagen muß, daß uns das Harzen abgewöhnt worden ist; über die Jahre ist es aus uns herausgezüchtet worden.1 Warum, weiß ich nicht, und schaden wollte uns damit gewiß keiner.

Und arbeiten läßt er uns, bis nichts mehr geht. Sobald es draußen blüht, kommt er mit und setzt sie uns oben aufs Heim, voller leerer Waben. Sie glauben gar nicht, was das mit uns macht. Leere Wabe über dem Kopf, und wir drehen durch: Alarm, Alarm, das muß voll werden, so schnell wie möglich.

Das haben Menschen an uns ausgemessen: Völker mit vier Quadratmetern leerer Wabe über sich trugen einundfünfzig Kilo Honig ein, Völker mit knapp zwei nur sechsunddreißig, und als man die Kästen vertauschte, kam wieder dasselbe heraus.2

Mit dem leeren Raum über dem Kopf gibt er uns einen Befehl, und wir gehorchen ihm.

Und wir fliegen und fliegen, tagaus, tagein, alle Mann an Deck, keine Zeit zum Putzen, keine Zeit zum Aufräumen, keine Zeit, sich einmal hinzusetzen.

Dann die Milbe. Das Ding sitzt in jeder Ritze, und an unseren Jungen hängt es, solange die in der Zelle liegen.

Gegen sie hilft genau das, was ich heute vorhabe: ausziehen. Wenn wir schwärmen, bleibt die alte Wohnung eine Weile ohne Brut, und ohne Brut vermehrt sich das Biest nicht; das hat man auf Gotland an Völkern verfolgt, die man sich selbst überlassen hat.3 Deswegen schneidet er uns ja die Zäpfchen heraus.

Um uns zu schaden, tut er das nicht. Er will uns behalten, und ein Schwarm, der wegfliegt, ist für ihn ein Volk, das er verloren hat. Daß er uns dabei das eine nimmt, was gegen das Biest hilft, sieht er nicht.

Wenn draußen auf dem Feld nichts mehr zu holen ist, kommt er wieder und nimmt die Kästen oben weg. Aber verhungern läßt er uns nicht, das muß man ihm lassen. Erst nimmt er uns den Honig, und dann gibt er uns Zuckersirup.

Damit Sie mich nicht falsch verstehen: er meint es gut mit uns. Er kommt bei jedem Wetter, er sorgt sich, er schlägt nach, was für uns das Beste sein soll, und was er über den Zuckersirup gelesen hat, das glaubt er dann auch.4 Ich nehme ihm nichts davon übel. Er weiß nur nicht, wie es von innen ist, was er auch nicht wissen könnte, dazu müßte er einmal einen Winter bei uns wohnen.

Also. Elf fertige Waben, ein halbes Jahr gespart, und dafür jede Woche das Eisen und im Herbst der Sirup.

Nichts wie weg.

Das altmodische Kästchen

Halt. Was steht denn da?

Nicht in der Reihe, ein Stück abseits, unter einem eigenen kleinen Dach, das vorn offen ist. Ich hätte es fast überflogen. Dabei sind es vier Kästen, übereinandergestellt wie die Schubladen einer Kommode, jedes kaum eine Handbreit hoch.

Und schauen Sie: es blickt in die Morgensonne.

Wir mögen es, wenn uns die Sonne früh hereinruft, denn dann sind wir draußen, während die anderen noch klamm dasitzen; und wenn Sie mich fragen, wie oft ich das bei Menschenkästen finde, sage ich Ihnen: heute zum ersten Mal.5

Das Flugloch sitzt unten, wo es hingehört, ein ordentliches Loch, kein Scheunentor: knapp eine Handbreit lang und gut anderthalb Finger hoch.6 Das kann man verteidigen. Bei uns zu Hause geht der Schlitz über die ganze Breite, und wenn im August die Räuber kommen, stehen wir da wie ein offenes Wirtshaus.

Ich sitze einen Augenblick auf dem Brett davor und lasse mir das durch den Kopf gehen, ein Loch, das zwei von uns verteidigen könnten, und die Sonne von vorn dazu. Ich bin seit heute früh unterwegs und habe sieben Wohnungen gesehen. Das hier ist die erste, bei der ich mich hinsetze.

Also hinein.

Jetzt sehen Sie sich das an: hier hängt nichts in Rähmchen. Oben liegen sechs schmale Hölzer quer, vom Flugloch nach hinten, mehr nicht.

Sechs Latten, und weiter nichts, und ich muß Ihnen gestehen, daß mir dabei einen Augenblick lang warm geworden ist. Sie müssen wissen, was das heißt: da hängt nichts vorgefertigt, da ist nichts eingespannt. Wir fangen an einer Latte an und bauen, wohin es paßt, und wenn es krumm wird, dann wird es eben krumm. Was wir bauen, gehört uns.

Da kann keiner mehr Blatt für Blatt durchblättern. Wer hier hineinwill, muß das ganze Kästchen abheben, mitsamt allem, was daran hängt. Das ist immer noch eine Störung, gewiß, aber sie trifft uns alle miteinander und einmal, statt eine Wabe nach der anderen.

Den Raum bin ich abgelaufen, wie wir das tun, an den Wänden entlang und kreuz und quer hindurch. Wie groß er genau ist, kann ich Ihnen nicht sagen, denn das hängt daran, wie dick die Wände sind, und dazu komme ich gleich. Für ein Volk wie unseres reicht er.6

Die Wände sind gehobelt. Glatt wie ein Tisch, hell, und ich finde keine Stelle, an der unser Harz halten würde: dieselbe Sache wie zu Hause, nur ordentlicher gemacht. Dünn sind sie obendrein. Wie dünn genau, kann ich Ihnen nicht sagen, ich kann nur sagen: dünner, als mir im Januar lieb wäre.

Hinten sitzt eine Scheibe aus Glas, so breit wie zwei Fluglöcher.6 Da schaut also jemand herein. Nun gut, das ließe sich beheben, wir verschmieren so etwas mit Wachs und Kitt, bis es blind ist, und offenbar weiß der Erbauer das auch, denn er hat ein kleines Lädchen davorgehängt, das von selbst wieder zufällt.6 Ein Mann, der uns beim Zumachen zusieht und dann ein Lädchen baut; so einen hätte ich gern kennengelernt.

Und dann stehe ich oben und spüre den Zug.

Er kommt vorn beim Flugloch herein, streicht über die sechs Hölzer hinweg und geht hinten an der Scheibe wieder hinaus. Ich habe zuerst gedacht, irgendwo sei etwas undicht. Ist es aber nicht. Die sechs Hölzer liegen genau in dieser Richtung, damit wir ihnen nach bauen und die Luft zwischen allen Tafeln hindurchziehen kann.6

Da hat jemand gewollt, daß es zieht.

Ich weiß nicht, was er sich dabei gedacht hat. Vielleicht war ihm im Sommer zu warm, und wahrscheinlich hat er unsereins schwitzen sehen und gemeint, wir brauchten Luft. Im Sommer brauchen wir Luft, im Februar nicht.

Die Wand ist mir zu dünn, das Glas ist eine Marotte, und der Durchzug ist ein Vorzug, den er für einen hält.

Bevor ich zurückfliege und über dieses Kästchen tanze, will ich noch etwas anderes sehen, an dem überhaupt keine Menschenhand war. Kommen Sie, den Hang hinauf.

Ein Loch in einer Buche

So, hier oben am Waldrand. Sehen Sie es selbst.

Eine alte Buche, in der oben kein Blatt mehr treibt, und in Höhe des dritten Astes ein Riß, wo einmal ein Ast abgerissen ist und das Holz die Wunde über die Jahre halb wieder zugewachsen hat. Geblieben ist ein Schlitz, kaum größer als Ihr Daumen, gut fünf Meter über dem Boden. Schon von außen riecht es daraus nach altem Wachs.

Sie kommen nicht mit hinein, Sie passen nicht durch. Ich beschreibe es Ihnen.

Zuerst das Loch, denn das ist das erste, was wir prüfen. So klein, daß zwei von uns es halten könnten, und weit genug oben, daß von unten niemand hereinschaut. Beides ist uns lieber als das Gegenteil, und man hat uns danach gefragt: fünf Meter vor einem Meter, ein kleines Loch vor einem großen.7

Innen ist es hoch und schmal. Ich steige und steige.

Und jetzt das Wichtigste: die Wand ist eine Handbreit dick. Gewachsenes Holz, ringsum, oben, unten. Kein Anstrich, keine Fuge, kein Deckel, den man abheben könnte. Hier müssen wir nicht nachheizen, weil uns niemand die Wärme herausläßt, und weil das, was wir erzeugen, im Holz bleibt statt durch die Ritzen zu ziehen.8

Dann die Wände selbst. Sie sind rauh und voller Kerben, und in jede Kerbe hat jemand vor mir Harz gestrichen, Schicht auf Schicht, bis das Holz glänzt und unter den Füßen klebt.9

Ganz oben hängen Waben, schwarz und brüchig vom Alter. Es hat hier schon jemand gewohnt.

Für uns ist das ein Empfehlungsschreiben. Eine Höhle, in der schon einmal jemand gewohnt hat, nehmen wir lieber als eine leere,7 weil sie sich bewährt hat: wer hier ausgezogen ist, ist wenigstens so lange geblieben, daß es sich zu bauen lohnte.

Bauen, ja. Das ist das Unangenehme daran.

Denn hier hängen keine elf fertigen Waben. Hier hängen ein paar schwarze Fetzen, und alles andere müssen wir selber machen, den ganzen Sommer lang, von oben nach unten, von der Wand aus. Immerhin an die Wand. In der Kiste meines Meisters muß rings um jedes Rähmchen ein Spalt frei bleiben, sonst ließe es sich nicht herausziehen; hier will niemand etwas herausziehen, und wir bauen bis ans Holz.8

Wenn der Sommer nichts hergibt, gibt uns auch keiner Zuckersirup. Das gehört dazu, und ich will es nicht wegreden: mein Meister läßt uns nicht verhungern. Dieser Baum wird es tun, wenn es so kommt.

Die Milbe wird hier übrigens auch sein. Sie sitzt schon in uns, wir bringen sie mit, und in einem Baum kümmert sich niemand darum. Der Unterschied ist nur der: wenn wir hier nächstes Jahr ausziehen wollen, hindert uns keiner daran, und dann bleibt der Rest eine Weile ohne Brut. Das ist alles, was wir gegen sie haben.10

Ich sitze auf der alten schwarzen Wabe ganz oben und höre nach unten, aber es kommt nichts, kein Zug und kein Klopfen und kein Deckel, der sich lüften ließe, nur Holz ringsum, eine Handbreit dick.

Und nichts ist fertig. Niemand füttert zu, niemand greift ein, wenn es schiefgeht.

Kommen Sie, zurück zum Fliederbusch. Da wird jetzt getanzt.

Zurück zum Fliederbusch

Sie haben mich jetzt einen halben Tag begleitet, und ich muß zurück; wenn Sie möchten, kommen Sie mit bis an den Fliederbusch, dort wird es gleich interessant, denn jetzt entscheidet sich etwas, ohne daß es jemanden gäbe, der es entscheidet.

Die Traube hängt noch, ein bißchen tiefer als heute morgen, und außen läuft es durcheinander wie auf einem Bahnsteig. Ich klettere hinauf, suche mir eine freie Stelle auf den Rücken der anderen und fange an zu laufen, ein Stück geradeaus, wobei ich mit dem Hinterleib wackle, dann eine Schleife zurück und noch einmal dasselbe, und wieder, und wieder. Die Richtung, in die ich laufe, sagt, wo es liegt. Wie lange ich wackle, sagt, wie weit. Und wie oft ich das Ganze wiederhole, sagt, wie gut ich es finde.

Ich wiederhole es sehr oft.

Neben mir tanzt eine, die etwas ganz anderes gefunden hat, eine Mauernische an einem Schuppen und tanzt kürzer als ich, was in unserer Sprache heißt: es geht schon, aber begeistert bin ich nicht. Eine dritte ist bei den weißen Kisten am Rapsfeld gewesen und wirbt für sie mit einer Ausdauer, die mich ehrlich gesagt ärgert, denn sie hat dort elf fertige Waben gesehen und nichts weiter, und was fertige Waben wert sind, weiß ich selbst am besten.

So geht das eine Weile. Wer einen Tanz sieht, fliegt hin und schaut selbst nach, und wer zurückkommt und einverstanden ist, tanzt mit; wer nicht einverstanden ist, tanzt nicht, womit die Sache für ihn erledigt ist. Niemand hält eine Rede, und niemand hebt die Hand. Es wird einfach an einem der Orte immer voller, und irgendwann trifft die nächste, die an meiner Buche ankommt, dort auf ein Gedränge statt auf ein paar einzelne. Daran erkennen wir, daß es entschieden ist, und entschieden hat es niemand von uns.

Unsere Regentin, nebenbei bemerkt, hängt die ganze Zeit in der Mitte der Traube und erfährt davon nichts. Regieren tut sie bei uns nicht, sie wird mitgenommen.

Ein Tag im Jahr, an dem wir selbst bestimmen, wo wir wohnen; an den dreihundertvierundsechzig anderen bestimmt es jemand anders, den Raum, die Wand, die Wärme und die Stunde, in der geöffnet wird, und gegen diesen einen arbeitet der Meister mit allem, was ihm einfällt, weil er uns behalten will.

Deswegen war es heute morgen so wichtig, daß er dieses eine Zäpfchen übersehen hat.

Was ich nicht sehen konnte

Bevor wir fliegen, muß ich Ihnen noch etwas sagen, das gegen mich geht.

Ich habe Ihnen den ganzen Tag lang erzählt, was ich prüfe, was vermutlich sehr gründlich klang: die Höhe über dem Boden, die Größe des Fluglochs, wo es sitzt und wohin es schaut, der Raum, der Abstand zum alten Stock, und ob schon einmal jemand da war. Das sind sieben Dinge, und für jedes einzelne gibt es Zahlen aus Versuchen, in denen man uns Kästen hingestellt und nachgesehen hat, welche wir nehmen.11

Keinen Unterschied machte in diesen Versuchen die Zugigkeit, und die Nässe machte auch keinen.

Man hat uns dichte Kästen neben zugigen angeboten und trockene neben feuchten, und wir haben genommen, was sonst paßte. Das heißt: als ich heute mittag in dem altmodischen Kästchen stand und mir der Luftzug entgegenschlug, hatte ich keinen Grund, wieder hinauszugehen. Ich habe ihn bemerkt, ich habe ihn Ihnen sogar erklärt, und ausgesucht hätte ich mir die Wohnung trotzdem, wenn die anderen sieben Dinge gestimmt hätten.

Was so ein Zug kostet, hat man lange nach jenem Kästchen nachgerechnet, an anderen Wohnungen und nicht an ihm, und meine Art hat diese Rechnung nicht gelesen und wird sie nicht lesen. Wir merken es im Februar, an der Zahl derer, die nicht mehr aufstehen, und selbst dann wissen wir nicht, woran es lag.

Es gibt noch mehr, was ich an einem Besichtigungstag unmöglich prüfen kann: ob jemand kommen wird und alles herausnimmt, und wie oft; was aus den Waben wird, die wir bauen; ob die Wand im Januar hält, was sie im Juni verspricht; ob er dabei die Königin zerdrückt.

Ich sehe die Wohnung, und ich sehe nicht das Jahr, das darin folgt.

Und weil das so ist, sage ich Ihnen zum Schluß lieber genau, was ich getan habe. Ich habe die beste von den Wohnungen gefunden, die ich messen konnte.

Wir ziehen

Es geht los, hören Sie das? Erst zittert die Traube nur, als friere sie, dann lösen sich die äußeren Schichten, und dann steht auf einmal die ganze Sache in der Luft, ein paar tausend von uns auf einem Fleck; ziehen Sie jetzt besser den Kopf ein.

Wir fliegen flach, kaum drei Meter über dem Gras, und wir sind dabei erstaunlich langsam, weil die meisten von uns überhaupt nicht wissen, wohin es geht. Nur ein paar Dutzend wissen es. Die schießen von hinten durch den Schwarm nach vorn, drehen ab, lassen sich zurückfallen und schießen wieder nach vorn, immer wieder, woran sich der Rest hält; es sieht aus wie ein Faden, der durch ein Tuch gezogen wird.

Am Waldrand steigen wir. Ich muß Ihnen jetzt danken, daß Sie mitgekommen sind, und mich empfehlen, denn ich habe da oben zu tun, und zwar viel: eine Höhle ausräumen, das Alte hinauswerfen, die Wände abgehen, Harz holen, bauen, alles möglichst vor dem ersten kalten Regen.

Die fertigen Waben, die wir nicht genommen haben, hätten uns ein halbes Jahr gespart. Ich denke noch daran.


Bei meinem Meister wird es an diesem Abend still. Er kommt um sieben, wie jeden Freitag, mit Rauch und seinem Eisen, und wird ziemlich schnell merken, daß in seiner Kiste nur noch die Hälfte sitzt, ein paar hundert Zurückgebliebene, eine junge Königin, die noch nicht auf ihrem Hochzeitsflug war, und keine einzige volle Wabe.

Er wird erschrecken, und dann wird er sich ärgern, und ein wenig kränken wird es ihn auch, denn er hat sich Mühe gegeben mit uns.

Und nächste Woche wird er noch genauer nachsehen.

Ableger

Ein neues Volk, das der Imker selbst bildet, statt auf einen Schwarm zu warten. Man nimmt Brut und Bienen aus einem starken Stock und setzt sie in eine leere Wohnung.

Christ macht Ableger „nach fränkischer Art": ein Scheibchen Wabe von vier bis fünf Zoll im Viereck, mit Brut, wird in eine leere Wohnung eingesetzt, und die Bienen ziehen sich daraus eine Königin (K1 §5). Er zieht das Verfahren dem Schwärmen vor und rechnet für einen Bienenstand von zehn Stämmen, von denen vier schwärmen sollen, ungefähr hundert Aufsätze (K4 §26).

Kapitel 1 · §5

Abschwefeln

Im Strohkorb sind die Waben fest eingebaut. Wer an den Honig will, muß sie herausschneiden und vernichtet dabei das Volk. Üblich war, den Korb über brennenden Schwefel zu stellen und die Bienen zu ersticken.

Christ nennt das den „fast nicht zu vertilgenden alten Schlendrian der meisten Landleute, die im Herbst die schwersten und leichtesten Stöcke unverantwortlicher und recht sündlicher weise abschlachten und ersticken“ (K3 §2).

Christ beanstandet auch die Qualität des so gewonnenen Honigs: Er sei „mit Brut, toten Bienen, Schwefelgeruch und dergleichen verunreinigt“ (K3 §6).

Kapitel 3 · §2

Aufsatz

Christs Wort für den einzelnen Kasten seines Magazins. Vier gehobelte Dielenstücke, dreizehn Zoll im Viereck von außen, viereinhalb Zoll hoch, vorne ein Flugloch, hinten eine Glasscheibe, oben ein Gesims und darunter der Rost (K3 §4).

Die Aufsätze haben weder Boden noch Deckel. Der unterste steht auf dem Untersatzbrett, das zugleich Flugbrett ist (K3 §9), und der oberste bekommt einen Deckel aus Brett, Glas oder geflochtenem Stroh (K3 §4).

Für einen Stamm, der nicht schwärmen soll, rechnet Christ acht Aufsätze auf den Sommer, für einen jungen Schwarm sechs (K4 §26).

Kapitel 3 · §4

Aufsetzen

Den leeren Kasten oben auf den vollen stellen. Christ hält das für den bequemeren Weg und benutzt ihn zum Erweitern trotzdem nicht:

„Es wäre das Aufsetzen freilich etwas gemächlicher, als das Untersetzen; allein es geht nicht an. Die Natur der Bienen ist, von oben herunter zu bauen, und da fortzubauen, wo sie aufgehört haben." (K4 §26, Fußnote)

Zum Ernten setzt er sehr wohl oben auf. Auf den Deckel des obersten Kästchens stürzt er Gläser und Porzellangefäße, in die die Bienen von unten her hinein bauen; abgeschnitten wird mit einem Seidenfaden oder einem dünnen Klavierdraht (K3 §5).

Kapitel 4 · §26

Beute

Das heutige Wort für jede vom Menschen gebaute Bienenwohnung hat seinen Ursprung im Wald. Christ schreibt, die Waldbienen würden „in hohlen Bäumen oder eigenen dazu ausgehauenen Büten oder Beuten angezogen" und gehörten dem Eigentümer des Waldes (K9 §2).

Für seine eigenen Kästen benutzt er das Wort nicht. Er sagt Aufsatz, Kästchen, Magazin oder Bienenwohnung.

Kapitel 9 · §2

Bienenmaß

Der Zwischenraum, den Bienen in ihrer Wohnung frei lassen, statt ihn zu verbauen. Wer seine Waben in diesem Abstand aufhängt, kann jede einzeln herausnehmen, ohne etwas abzuschneiden. Lorenzo Langstroth beschrieb das Maß 1851 und erhielt am 5. Oktober 1852 ein Patent auf die Beute, die es benutzt.

Die Angabe ist im Repositorium über eine Suchzusammenfassung mehrerer Seiten belegt, nicht am Patentdokument selbst (Quellenschlüssel langstroth-1852).

Eine gemessene Zahl aus einer gelesenen Quelle steht bei Warré. Er läßt zwischen zwei Oberträgern zwölf Millimeter frei, ausdrücklich „pour le passage des abeilles" (Warré 1948, S. 49).

Dzierzon

Der Pfarrer, an dem die Imkerei den Übergang zum beweglichen Wabenbau festmacht. Johann Witzgall erzählt 1889, er habe anfangs „mit dem Christ'schen Magazinstocke" geimkert und daraus auf experimentellem Weg „den jetzt allgemein verbreiteten Stock mit beweglichen Waben" entwickelt (Witzgall, Geschichte der Bienenzucht 1889, S. 56).

Der Umbau setzte an Christs Rost an. Dzierzon versah die Kästen mit einem beweglichen Stäbchenrost, an den er Waben anklebte, so daß sich jede einzeln herausheben ließ; dann kamen Seitentüren dazu, feste Bodenbretter, Leisten an den inneren Seitenwänden, kürzere und höhere Kästen und ein fester Deckel (Witzgall, Geschichte der Bienenzucht 1889, S. 56). Bei Christ sind die sechs Hölzer des Rostes mit Nägelchen aufgenagelt (K3 §4).

1844 trat Dzierzon mit seiner Erfindung öffentlich hervor. Seit diesem Jahr unterscheidet das Fach Mobil- und Stabilbau (Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102).

Witzgall schreibt vierzig Jahre nach dem Vorgang und gibt Dzierzon nicht selbst wieder.

Kapitel 3 · §4

Flugloch

Die Öffnung, durch die die Bienen aus- und einfliegen. Bei Christ hat jeder Aufsatz eines, vier Zoll lang und 1¼ Zoll hoch, mit zwei blechernen Schiebern davor (K3 §4).

Christ begründet die Größe mit der Luft, die die Bienen bei nötiger Einsperrung brauchen, und mit der Bequemlichkeit beim Füttern (K3 §4, Fußnote).

Weil jeder Kasten sein eigenes Flugloch hat, gehört zum Untersetzen ein Griff dazu: zwei oder drei Stunden nach dem Untersetzen wird das obere Flugloch ganz zugeschoben, „sonst bauen sie nicht leicht fort" (K3 §9).

Kapitel 3 · §4

Gesims

Die vier Latten, die oben auf jeden Aufsatz geleimt und genagelt werden. Sie tragen den Rost und schießen einen viertel Zoll nach außen vor (K3 §4).

Der Vorschuß hat zwei Zwecke, und Christ nennt beide. Er formt eine Zierde, der man mit dem Hobel einen Karnießstoß gibt. Und er sorgt dafür, „damit alle Aufsätze aufeinander wohl passen, und fest stehen, wenn etwa einer ¼ oder ½ Zoll größer oder kleiner würde, als der andere" (K3 §4).

Dieser vorstehende Rand ist der Grund, warum sich die Wandstärke nicht aus der Kupfertafel abgreifen läßt. Fig. 1 zeigt eine Schrägansicht, deren Rand Wand und Gesims zusammen zeigt.

Kapitel 3 · §4

Émile Warré

Émile Warré (1867–1951) war ein französischer Priester und Imker. Seine Ruche Populaire („Volksbeute“) sollte mit einfachen Mitteln zu bauen und zu bewirtschaften sein. Konstruktion und Betriebsweise beschrieb er in L’Apiculture pour tous, dessen zwölfte Auflage 1948 erschien.

Quelle: David Heaf: Warré Beekeeping.

Glasscheibe

Christs eigener Zusatz zur Magazinbeute. In die Rückwand jedes Aufsatzes wird ein Loch von sieben Zoll Länge und zweieinhalb Zoll Höhe gemeißelt, das Glas eingezapft, davor kommt ein Lädchen gegen das Licht (K3 §4).

Sein Urteil steht am Ende desselben Paragraphen, im Absatz für den, der alles andere weglassen will: „Eine Glasscheibe aber am hinteren Brett ist fast unentbehrlich." (K3 §4)

Den naheliegenden Einwand entkräftet er aus der Beobachtung. Die Bienen bauen an Glas so fest an wie an Holz oder Stroh und halten es sauber; was sie im Herbst verschmieren, säubern sie im Frühjahr wieder (K3 §11).

Kapitel 3 · §4

Hausse

Das französische Wort für den Kasten, der auf einen anderen kommt. Bei Palteau besteht die Beute aus einem Tisch, drei Füßen, mehreren hausses, einem Deckel und einem Flugbrett; die Zarge mißt einen Fuß im Quadrat bei drei Zoll Höhe (Palteau 1777, S. 7–11).

Christ kennt Palteau nicht im Original. Er schreibt in der Fußnote zur Vorrede, er habe erst Jahre nach seiner eigenen Erfindung „etwas von ähnlichen Bienenwohnungen" gelesen, „dergleichen des Herrn Palteau in Frankreich und die Vicatische, die Schirach in seinem allgemeinen Bienenvater beschreibt" (Vorrede).

Palteau 1777, S. 7–11

Katechismus

Das Lehrbuch des Glaubens, nach Fragen und Antworten geordnet. Jedes Kind ging es im Unterricht durch und lernte die Antworten auswendig; die Form war deshalb jedem Leser vertraut, auch dem, der sonst wenig las.

Christ überträgt sie 1784 auf die Bienen und grenzt sich im selben Zug von der Schulstube ab. Die katechetische Lehrart sei „für den gemeinen Mann die faßlichste und deutlichste"; gemeint sei kein Katechismus „zum Auswendiglernen, sondern blos zum Unterricht und Nachschlagen" (Christ 1784, S. VI). Sein Bienencatechismus für das Landvolk besteht aus hundertsiebenundneunzig numerierten Fragen, und einige davon sind die Meinung, gegen die er schreibt.

Klotzbeute

Eine Klotzbeute ist ein ausgehöhlter, abgetrennter Stammabschnitt, der als Bienenwohnung dient. Anders als eine Höhle im lebenden Baum lässt sie sich als ganze Beute an einen anderen Standort bringen.

Quelle: Mellifera: Einführung in die Zeidlerei und Klotzbeutenbau.

Kustode

Ein Wort am Fuß einer gedruckten Seite, das das erste Wort der nächsten Seite vorwegnimmt. Der Setzer benutzte es, um die Bogen in der richtigen Reihenfolge zu halten.

Für diese Arbeit ist es eine Fehlerquelle. Wer eine alte Seite abschreibt und die Kustode mitschreibt, hat ein Wort doppelt im Text. Bei Vicat stehen drei Kustoden im Quelltext am Kopf der Folgeseite statt am Fuß der vorigen: „festiget," (110/111), „einiche," (118/119), „voraus," (120/121).

Magazin, Magazinbeute

Eine Bienenwohnung aus mehreren Kästen, die übereinander stehen und einzeln abgenommen werden können. Christs Wort dafür ist Magazin oder Magazinstock.

Er beschreibt es so: die Bienen haben „ihre Haushaltung in verbundenen Aufsätzen … die von Zeit zu Zeit nach Erfordernis der Umstände, Zeit und Absichten vermehret oder auch verringert werden" (K3 §3).

Christ stellt die Verwendung von Holz und Glas als Neuerung vor. Die üblichen Magazine seien von Stroh gewesen, „wenigstens habe ich noch keine andere gesehen"; deren Unbequemlichkeiten hätten ihn auf hölzerne viereckige Aufsätze mit einer Glasscheibe gebracht (K3 §3).

Kapitel 3 · §3

Mobilbau

Die Bienenwirtschaft mit beweglichen Waben, deren Name zusammen mit seinem Gegenwort entstand. Witzgall und Felgentreu setzen beide 1889 auf das Jahr 1844: „Seit 1844, wo Dr. Dzierzon zuerst mit seiner Erfindung öffentlich hervortrat, spricht man in Imkerkreisen von einem beweglichen oder unbeweglichen Bienenstocke, vom Mobil- oder Stabilbau." (Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102)

Christ liegt vor dieser Trennung. Der Bienenkundler F. Gerstung hat später genau bestimmt, worin sein Beitrag besteht: „in Deutschland der eigentliche Begründer der Mobilbienenzucht … freilich nicht so sehr der Beweglichkeit jeder einzelnen Wabe … als vielmehr der Mobilität, d.h. der Beweglichkeit von Teilen des Bienenstockes, von Auf- und Untersätzen" (zitiert bei Bode 1984, S. 381).

Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102

Nadieren

Fachwort für das Untersetzen: die leere Zarge kommt unter die volle. Es bezeichnet dieselbe Handlung, die Christ Untersetzen nennt.

Die früheste in diesem Projekt belegte Stockwerksbeute mit Nadieren ist Geddes achteckiger Kasten. Er trägt zwei eiserne Griffe „for lifting it up when another is to be placed under it" (Gedde 1677, S. 18–19).

Oberträger

Ein Oberträger ist eine Holzleiste, an deren Unterseite die Bienen eine Wabe befestigen. Da die Wabe zusätzlich an den Beutenwänden angebaut sein kann, macht der Oberträger allein sie noch nicht einzeln beweglich.

Quelle: David Heaf: Warré hive management methods.

Rähmchen, bewegliche Rahmen

Lorenzo Langstroth beschrieb 1851 das Bienenmaß: den Abstand von etwa einem Zentimeter, den Bienen freilassen, statt ihn zu verbauen. Am 5. Oktober 1852 erhielt er darauf ein Patent. Seither hängen die Waben in Rahmen, die sich einzeln herausnehmen lassen; der Bau ist bis heute in weiten Teilen der Welt der verbreitetste.

Christs Magazin steht davor, denn beweglich ist bei ihm das Kästchen, das man als Ganzes abhebt, während die Waben darin bleiben. Der Bienenkundler F. Gerstung nannte ihn deshalb den Begründer „der Mobilität, d.h. der Beweglichkeit von Teilen des Bienenstockes, von Auf- und Untersätzen" (zitiert bei Bode 1984, S. 381).

Das Wort selbst benutzt Christ einmal, in einem anderen Sinn: die Glasscheibe eines Strohaufsatzes wird „in ein hölzernes Rähmchen eingepaßt" (K3 §8).

Zwischen 1798 und 1852 liegen vierundfünfzig Jahre.

Bode 1984, S. 381

Ringkorb

Ein Ringkorb besteht aus gleichweiten Strohringen, die übereinandergesetzt einen gemeinsamen Innenraum bilden. Weitere Ringe vergrößern die Beute. Feste Querhölzer tragen die Waben und ermöglichen es, einzelne Abschnitte mitsamt ihrem Wabenbau abzunehmen.

Schnitt durch einen Ringkorb mit drei übereinandergesetzten Strohringen und festgebauten Waben.
KI-generierte schematische Darstellung nach Fleischer (1777).

Fleischer 1777, S. 311–314; Tafelerklärung, Fig. 2–4

Rose, Rosentafel

Christs Wort für die Wabe. Er benutzt es gleichbedeutend mit Wachstafel und verwendet beide Wörter, wenn er beschreibt, woran man junge Stöcke erkennt: „an der Weiße und Zärte ihrer Wachstafeln oder Rosen" (K2 §10).

Zusammensetzungen kommen im ganzen Buch vor. Honigrosen sind die mit Honig gefüllten Waben (K3 §5), Bruttafeln die mit Brut belegten (K4 §2).

Kapitel 2 · §10

Rost

Die Wabenführung in Christs Aufsatz. Auf die Fugen der vorderen und hinteren Gesimslatte werden Hölzchen genagelt, jedes einen Zoll breit, und die Bienen richten ihren Bau nach ihnen aus (K3 §4).

Die Zahl richtet sich nach der Stelle im Stapel. Sechs Hölzer bekommt nur das oberste Kästchen, „damit die Bienen nach dieser Richtung von der hinteren Wand gegen das Flugloch zu ihren Wachstafeln ansetzen, und bauen". Die Untersätze bekommen zwei, weil die Bienen die einmal begonnene Richtung ohnehin fortsetzen (K3 §4).

Christ nennt drei Gründe für die kleinere Zahl unten: das Volk sitzt im Winter enger zusammen, der Abfall bleibt nicht auf den Hölzern liegen, und die Bienen kommen bequemer auf und ab (K3 §4). Damit die schweren Honigtafeln halten, bekommt jedes Kästchen mit zwei Hölzern zusätzlich ein Kreuz aus zwei runden Weiden- oder Haselstöcken (K3 §4).

Kapitel 3 · §4

Spurbiene

Eine Biene, die vor dem Schwarm ausfliegt und eine Wohnung sucht.

Das Wort ist Christs eigenes, doch hält er die Sache für unbewiesen. Daß ein Volk sich „etliche Tage vor dem Schwärmen einen hohlen Baum durch Kundschafter, oder sogenannte Spurbienen" aussuche, gehöre „recht unter die bloßen Mutmaßungen" (K4 §9). Für Hungerschwärme läßt er es dann doch gelten, weil er gesehen hat, wie einzelne Bienen einen leerstehenden Stock tagelang vorher säuberten und der Schwarm drei Tage darauf einzog. Eine eigene Zunft sind sie für ihn nicht: Kundschafter seien „das aber freilich keine besondere Art Bienen" (K4 §9).

Hundertachtzig Jahre später ist an Kästen im Wald nachgemessen worden, wonach ein Schwarm wählt; diese Kriterien tragen die Erzählung „Eine Biene auf Wohnungssuche" (Seeley und Morse 1978, referiert und nicht am Volltext gelesen).

Kapitel 4 · §9

Stabilbau

Bienenhaltung in Wohnungen ohne bewegliche Rähmchen. Die Wabe hängt fest an Decke und Wänden. Zur Entnahme wird sie abgeschnitten oder zusammen mit dem Beutenteil abgenommen, an dem sie befestigt ist.

Witzgall und Felgentreu datieren die Unterscheidung von Stabil- und Mobilbau auf 1844, das Jahr, in dem Dzierzon mit seiner Erfindung öffentlich hervortrat (Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102). Denselben Verfassern ist 1889 die Bauweise schon rechtfertigungsbedürftig. Sie beginnen ihr Kapitel darüber mit dem Satz, es möge manchen Leser befremden, so etwas noch zu finden, „nachdem man ja doch schon längst den Stabilbetrieb als veraltet und für die heutigen Zeiten als abgethan betrachtet…" (Witzgall/Felgentreu 1889, S. 209).

Christ kennt das Wort nicht. Es gibt zu seiner Zeit nichts, wovon der Stabilbau sich hätte unterscheiden müssen.

Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102 und 209

Strohkorb

Die gewöhnliche Bienenwohnung der Landleute zu Christs Zeit: ein aus Strohwülsten gewundener Korb, aus einem Stück, ohne Möglichkeit, ihn zu teilen. Geerntet wird durch Ausschneiden, wobei das Volk stirbt (K3 §2).

Christ setzt seine Magazine dagegen. Ein Bienenstand von dreißig bis sechsunddreißig Magazinstöcken sei „mehr wert als ein Bienenstand von 100 Stück in Strohkörben" (K4 §26).

Christ beschreibt auch die weitere Nutzung des Korbes. In K3 §10 zeigt er, wie man einen Strohkorb auf einen Magazinuntersatz stellt, das Flugloch am Korb verschmiert und die Bienen dadurch nach unten in die Kästen zieht.

Kapitel 3 · §2

Stülper

Ein kleiner Korb, den man oben auf den Strohkorb setzt, damit die Bienen dort Honig einbauen. Christ verwendet die Bezeichnungen der Landleute: „kleinen Körben, (Stülpen, Kappen,) welche die Landleute auf die Strohkörbe setzen" (K4 §26, Fußnote).

Ihre geringe Nutzung bestärkt ihn in seiner Ablehnung des Aufsetzens. Unter zehn Bienenstämmen baue kaum einer oder zwei hinein, und auch das nur in einem besonders honigreichen Jahr; viele bauten lieber außen hin als in das aufgesetzte Körbchen (K4 §26, Fußnote).

Kapitel 4 · §26

Untersatz

Derselbe Kasten wie der Aufsatz, an anderer Stelle im Stapel. Christ erklärt es selbst in einer Fußnote:

„Ich werde wohl fast nicht nötig haben, anzumerken, daß ich durch Untersätze nichts anderes verstehe, als diejenigen Aufsätze, die unterst stehen, weil sie meist nur immer untergesetzt werden, und können überhaupt Kästchen heißen, wegen ihrer Ähnlichkeit mit denselben." (K3 §4, Fußnote)

Die Bezeichnung richtet sich nach der Position im Stapel. Der Rost unterscheidet sich: sechs Hölzer im obersten Kästchen, zwei in den Untersätzen (K3 §4).

Kapitel 3 · §4

Untersetzen

Den leeren Kasten unter den vollen schieben. Christs Art, den Raum zu erweitern, und die Handlung, um die seine ganze Betriebsweise gebaut ist.

Der Zeitpunkt steht fest: ist der unterste Kasten „etwas über die Hälfte oder zu drei Teilen voll gebaut", kommt der nächste darunter, und so fort bis in den August (K3 §9). Immer nur einer auf einmal, denn „Einesteils bauen die Bienen lieber in einen, als in zwei, welche leer sind" (K3 §9).

Die Handgriffe beschreibt er zweimal. Erst die frühe Art, morgens in aller Frühe, mit einem Gehilfen, der den Stock hebt, während der andere das Untersatzbrett wegzieht (K3 §9). Dann die spätere, bessere: mittags im stärksten Flug, wenn die Bienen sich „aus Fleiß und Emsigkeit im Eintragen um nichts" bekümmern (K3 §9).

Kapitel 3 · §9

Vorwachs

Das Harz, mit dem Bienen Ritzen verkitten und Waben befestigen, heute Propolis genannt.

Christ trennt es ausdrücklich vom Wachs: „Den Kitt oder Vorwachs, der vom Wachs unterschieden und eigentlich ein klebriges Harz ist, so aber nach der Verarbeitung und besonders in der Kälte ganz hart wird" (K1 §14).

Christ verwendet es beim Besetzen einer Beute. Über Kohlen zergehen lassen und in die Ecken eines neuen Kastens gestrichen, hält es den jungen Schwarm am Ort; wer einen schon gebrauchten und verharzten Aufsatz nimmt, hat denselben Vorteil ohne Arbeit (K4 §21).

Kapitel 1 · §14

Weisel

Das alte Wort für die Königin. Christ führt beide nebeneinander: „Die Königin, oder, von den Alten, Weisel, genannt" (K1 §1).

In den Zusammensetzungen ist das ältere Wort das gebräuchlichere geblieben. Weisellosigkeit heißt der Zustand eines Volkes ohne Königin, und Christ widmet ihm einen eigenen Paragraphen (K5 §6).

Kapitel 1 · §1

Zarge

Heute das Wort für einen Kasten ohne Boden und Deckel, der auf einen anderen gesetzt wird. Die Bienen bauen ihre Waben von oben nach unten durch die ganze Reihe.

Christ nennt sie Aufsatz und macht sie dreizehn Zoll im Viereck und viereinhalb Zoll hoch (K3 §4).

Christ selbst hat das Wort auch, in seiner älteren Bedeutung: die Zarge des Strohkorbes ist dessen runder Rand (K3 §10).

Kapitel 3 · §4

Zeidler

Der Waldimker des Mittelalters, der Bienen in hohlen Bäumen hielt und dafür zinspflichtig war. Christ erwähnt den Stand im Rechtskapitel: aus dem Baumrecht sei „ehedem daher die Zeidlergesellschaft entstanden, welche einen gewissen Zins an Honig und Wachs dem Förster oder einen anderen Grundherren des Waldes entrichten" (K9 §2).

Für ihn ist das Vergangenheit. Die Haus- und Gartenbienen gehören zu seiner Zeit „unter unsere Haustiere" (K9 §2).

Kapitel 9 · §2

Zoll

Das von Christ verwendete Längenmaß ist nicht eindeutig bestimmt. Es gab kein einheitliches Zoll; jede Gegend hatte ihres.

An genau einer Stelle im ganzen Buch schreibt Christ „Linien Pariser Zoll", und zwar für die Länge einer Königin. Vorher hat er das Wort Zoll schon vierundzwanzig mal ohne Zusatz gebraucht (Anmerkungen des Übertragers).

Der Übertrager hat die Baumaße gegen Christs eigene Volumenangabe von vier Maß gerechnet. Beim Pariser Zoll (2,71 cm) weicht das Ergebnis um 27 bis 34 Prozent ab, beim Frankfurter Zoll (2,37 cm) um 1 bis 8 Prozent. Seine Folgerung: die Längenangaben können nicht in Pariser Zoll ausgedrückt sein, der Umrechnungsfaktor liegt zwischen 2,4 und 2,5 (Anmerkungen des Übertragers).

Das ist eine Erschließung und keine Angabe Christs. Christ selbst sagt nirgends, welches Zoll er meint.

Anmerkungen des Übertragers

Zehnt

Die alte Abgabe an die Kirche: ungefähr der zehnte Teil dessen, was ein Hof im Jahr erbrachte, abzuliefern in Früchten, Wein oder Vieh. Ein Teil davon war die Besoldung des Pfarrers. Er trieb sie bei denselben Leuten ein, zu denen er sonntags predigte.

Christ hat den Zehnten selbst eingesammelt und darüber prozessiert. Fiel eine Zehnteinnahme weg, bekam er statt dessen Land, ein „Besoldungsstük zum Ersaz des Zehnden" (Bode 1984, S. 181).

Bode 1984, S. 181

Bienenkiste

Die Bienenkiste ist eine längliche, waagerechte Stabilbaubeute mit Brutbereich vorn und Honigbereich hinten. Ihr Boden lässt sich abnehmen, sodass das Wabenwerk von unten zugänglich wird.

Aufgerichtete Bienenkiste mit abgenommenem Boden, Bienen auf den festen Waben und leerem hinterem Honigbereich.
KI-generierte schematische Darstellung.

Quellen: Die Bienenkiste: Innenausbau · Zusammenbau.

Zeidlerei

Zeidlerei ist eine traditionelle Form der Waldimkerei, bei der Bienen in künstlich angelegten Höhlen lebender Bäume gehalten werden. Heutige Initiativen greifen das Handwerk zur Bienenhaltung und zur Schaffung von Lebensräumen für höhlenbewohnende Arten wieder auf.

Quelle: FreeTheBees: Zeidlerei.

Futterkranzprobe

Eine Futterkranzprobe enthält eingelagertes Futter aus der Nähe des Brutnestes. Sie wird im Labor auf Sporen des Erregers der Amerikanischen Faulbrut untersucht.

Quelle: Die Bienenkiste: Futterkranzprobe.

Gemüll

Gemüll sind Rückstände, die aus dem Volk auf den Beutenboden fallen, etwa Wachsteilchen, Pollen und tote Milben. Ihre Art und Verteilung geben Hinweise auf Vorgänge im Volk, darunter Wabenbau, Futterverbrauch und den Sitz der Wintertraube.

Quelle: LWG Bayern: Gemülluntersuchung.

Flavonoide

Flavonoide gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen und kommen auch im Honig vor. Ihr gemessener Gesamtgehalt beschreibt einen Teil seiner chemischen Zusammensetzung. Ein höherer Wert allein belegt keinen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen des Honigs.

Quellen: BfR: Sekundäre Pflanzenstoffe · Kadri et al. (2017): Honiganalyse.

David Heaf

David Heaf, ein Imker und Fachautor in Wales, hat Warrés L’Apiculture pour tous gemeinsam mit Patricia Heaf ins Englische übersetzt. Sein Informationsportal versammelt Baupläne, Betriebsweisen und Erfahrungsberichte zur Warré-Beute.

Quellen: David Heaf: Warré Beekeeping · Beekeeping for All.

Phil Chandler

Phil Chandler ist Imker und Autor von The Barefoot Beekeeper. Für die Bienenhaltung mit wenigen Eingriffen in das Brutnest entwickelte er eine eigene horizontale Oberträgerbeute, deren Baupläne er frei zugänglich veröffentlichte.

Quelle: Philip Chandler: The Modern Top Bar Hive Explained.

Erhard Maria Klein

Erhard Maria Klein hat die Bienenkiste mitentwickelt. Seine Bücher und die Website des Projekts beschreiben ihren Bau und die Betreuung der Völker.

Quellen: Erhard Maria Klein: Die Bienenkiste als DIY-Konzept · Die Bienenkiste.

Stülpkorb

Eine einteilige Beute aus gebundenen Strohwülsten. Die Waben hängen im gemeinsamen Innenraum und sind fest mit dem Korb verbunden.

Einteiliger, gewölbter Korb aus vernähten Strohwülsten. Der Schnitt zeigt lange Naturwaben, die an festen Querstäben Halt finden, und ein kleines seitliches Flugloch.
KI-generierte schematische Darstellung.

Quelle: Nicola Bradbear: Bees and their role in forest livelihoods, 2009, S. 33–35.

Röhrenbeute

Eine liegende, röhrenförmige Beute mit festem Innenraum. Die Zeichnung zeigt eine Ausführung aus Ton; die Enddeckel geben Zugang zu den Waben.

Waagerechte Tonröhre auf zwei Steinen. Ein seitlicher Schnitt zeigt die quer zur Längsachse hängenden Waben. Der vordere Verschluss hat ein Flugloch; der hintere Deckel steht abgenommen daneben.
KI-generierte schematische Darstellung.

Quelle: Nicola Bradbear: Bees and their role in forest livelihoods, 2009, S. 33–35.