Ein Schwarm hängt am Fliederbusch und braucht ein
Quartier. Eine Spurbiene fliegt los und nimmt dich mit.
Vorbemerkung: In dieser Fabel erzählt eine . Sie spricht zu dir mit unseren Worten
und prüft die Wohnungen nach Maßstäben aus der Forschung. Untersuchungen
zeigen, welche Höhlen Schwärme wählen, wie Wände die Wärme halten und was eine
Harzhülle bewirkt. Die Zahlen und Befunde dazu findest du am Rand, mit Jahr und
Fundstelle.
Ihr Wissen reicht so weit wie die Quellen. Ihre Vorlieben und die Wohnung, die
sie am Ende wählt, haben wir ihr mitgegeben. Wo die Forschung keine Antwort
gibt, lässt sie die Frage offen und sagt dir das.
Gestatten
Seien Sie gegrüßt. Gestatten: . Der Schwarm da hinten am Fliederbusch
hat mich ausgesandt, und ich würde ja zu gern ein Schwätzchen mit Ihnen halten,
aber leider, leider: keine Zeit, ich muß eine Wohnung für mein Volk finden.
Wenn Sie wollen, begleiten Sie mich ein Weilchen; ich erzähle Ihnen unterwegs. Los geht's.
Eigentlich dürfte ich in diesem Auftrag gar nicht unterwegs sein, denn mein
Meister versucht uns verzweifelt von der Ausreise abzuhalten; stellen Sie sich
vor, er kommt jede Woche einmal und zerpflückt uns bis aufs Letzte, nur um das
zu verhindern. Und jedesmal entdeckt er dabei diese wunderbaren Zäpfchen, die wir heimlich angelegt haben, Sie wissen ja, was ich meine: darin ziehen wir
eine neue Mutter für unser Volk heran, . Wenn er das corpus delicti findet: schnipp, und weg damit. Schade, aber was sollen wir tun, wir lassen es über uns ergehen. Böse ist er nicht, verstehen Sie mich da richtig; er will uns nur nicht verlieren.
Diesmal haben wir Glück gehabt, der Meister hat ein Zäpfchen übersehen, und
die Brutarbeit darin war schon fast getan. Wenn sie weit genug gediehen ist und
wir wissen, daß die Neue ihrer Aufgabe gewachsen sein wird, dann schnappen wir
uns die jetzige Regentin und ziehen aus. Wir, das ist in diesem Fall wohl die
Hälfte unserer Sippe: der Schwarm, eben der, der nun da drüben hängt.
Wenn wir ausziehen, wissen wir noch gar nicht recht, wohin mit uns. Dafür gibt es mich und meine Kolleginnen. Wir machen uns auf
die Suche nach einem neuen Zuhause, und wenn wir etwas gefunden haben, fliegen
wir zum Fliederbusch zurück und berichten davon. Sind alle Ausgesandten wieder
da, wird abgestimmt, wer die beste Behausung gefunden zu haben scheint, und dorthin ziehen wir dann.
Sehen Sie sich das einmal an, da drüben.
Die Kiste, die ich kenne
Sieht aus wie eine leere Kiste. Fliegen wir hinein und schauen nach.
Aha. Das kommt mir verdächtig bekannt vor, das ist ja alles wie zu Hause: die
Maße, der Schlitz unten quer über die ganze Breite, und die Wände so glatt und
so eben, daß nichts daran haftet. Das muß wohl eine von der Art meines Meisters sein.
Bei denen ist alles gleich.
Da hängen sie, die , elf Stück, mit fertigen Waben, sauber und
gerade und trocken. Sehr verlockend, das will ich gar nicht bestreiten, denn das spart uns eine Menge Arbeit; wir könnten heute abend eintragen und morgen früh legen,
statt erst einmal ein halbes Jahr lang zu bauen.
Vom wöchentlichen Zerfleddern mit Rauch und einem flachen Eisen, mit dem er die
Rähmchen einzeln herausbricht, wissen Sie schon. Was dabei nicht auffällt: hinterher müssen wir nachheizen und unser Stübchen
wieder steril machen. Ob uns das wohl glücklich macht?
Das mit dem Sterilmachen geht in dieser Kiste ohnehin schlecht. Gehobelt,
gestrichen, keine Ritze, kein Halt. In einer richtigen Höhle tragen wir Harz
zusammen und streichen alles aus, Schicht auf Schicht, und man hat
nachgemessen, was das bringt: wo die Wände absichtlich rauh gefräst waren, saß
am Ende ein Vielfaches an Harz darin, und die Völker standen um knapp zwei
Waben Bienen und Brut stärker da.1 Wobei ich der Ordnung halber sagen muß, daß
uns das Harzen abgewöhnt worden ist; über die Jahre ist es aus uns
herausgezüchtet worden.1 Warum, weiß ich nicht, und schaden
wollte uns damit gewiß keiner.
Und arbeiten läßt er uns, bis nichts mehr geht. Sobald es
draußen blüht, kommt er mit und setzt sie uns oben aufs Heim, voller leerer Waben. Sie glauben gar nicht, was das mit
uns macht. Leere Wabe über dem Kopf, und wir drehen durch: Alarm, Alarm, das
muß voll werden, so schnell wie möglich.
Das haben Menschen an uns ausgemessen: Völker mit vier Quadratmetern leerer
Wabe über sich trugen einundfünfzig Kilo Honig ein, Völker mit knapp zwei nur
sechsunddreißig, und als man die Kästen vertauschte, kam wieder dasselbe heraus.2
Mit dem leeren Raum über dem Kopf gibt er uns einen Befehl, und wir gehorchen
ihm.
Und wir fliegen und fliegen, tagaus, tagein, alle Mann an Deck, keine Zeit zum
Putzen, keine Zeit zum Aufräumen, keine Zeit, sich einmal hinzusetzen.
Dann die Milbe. Das Ding sitzt in jeder Ritze, und an unseren
Jungen hängt es, solange die in der Zelle liegen.
Gegen sie hilft genau das, was ich heute vorhabe: ausziehen. Wenn wir schwärmen, bleibt die alte Wohnung eine Weile ohne Brut,
und ohne Brut vermehrt sich das Biest nicht; das hat man auf Gotland an
Völkern verfolgt, die man sich selbst überlassen hat.3 Deswegen schneidet er uns
ja die Zäpfchen heraus.
Um uns zu schaden, tut er das nicht. Er will uns behalten, und ein Schwarm, der
wegfliegt, ist für ihn ein Volk, das er verloren hat. Daß er uns dabei das eine
nimmt, was gegen das Biest hilft, sieht er nicht.
Wenn draußen auf dem Feld nichts mehr zu holen ist, kommt er wieder und nimmt
die Kästen oben weg. Aber verhungern läßt er uns nicht, das muß man ihm lassen.
Erst nimmt er uns den Honig, und dann gibt er uns Zuckersirup.
Damit Sie mich nicht falsch verstehen: er meint es gut mit uns. Er kommt
bei jedem Wetter, er sorgt sich, er schlägt nach, was für uns das Beste sein
soll, und was er über den Zuckersirup gelesen hat, das glaubt er dann auch.4 Ich nehme ihm nichts davon übel. Er weiß nur
nicht, wie es von innen ist, was er auch nicht wissen könnte, dazu müßte er
einmal einen Winter bei uns wohnen.
Also. Elf fertige Waben, ein halbes Jahr gespart, und dafür jede Woche das
Eisen und im Herbst der Sirup.
Nichts wie weg.
Das altmodische Kästchen
Halt. Was steht denn da?
Nicht in der Reihe, ein Stück abseits, unter einem eigenen kleinen Dach, das
vorn offen ist. Ich hätte es fast überflogen. Dabei sind es vier Kästen, übereinandergestellt wie die Schubladen einer
Kommode, jedes kaum eine Handbreit hoch.
Und schauen Sie: es blickt in die Morgensonne.
Wir mögen es, wenn uns die Sonne früh hereinruft, denn dann sind wir draußen, während die anderen noch klamm
dasitzen; und wenn Sie mich fragen, wie oft ich das bei Menschenkästen finde,
sage ich Ihnen: heute zum ersten Mal.5
Das Flugloch sitzt unten, wo es hingehört, ein ordentliches Loch,
kein Scheunentor: knapp eine Handbreit lang und gut anderthalb Finger hoch.6 Das kann man verteidigen. Bei uns zu Hause geht der Schlitz über die ganze Breite,
und wenn im August die Räuber kommen, stehen wir da wie ein offenes Wirtshaus.
Ich sitze einen Augenblick auf dem Brett davor und lasse mir das durch den Kopf
gehen, ein Loch, das zwei von uns verteidigen könnten, und die Sonne von vorn
dazu. Ich bin seit heute früh unterwegs und habe sieben Wohnungen gesehen. Das hier
ist die erste, bei der ich mich hinsetze.
Also hinein.
Jetzt sehen Sie sich das an: hier hängt nichts in Rähmchen. Oben liegen sechs schmale Hölzer quer, vom Flugloch nach hinten, mehr nicht.
Sechs Latten, und weiter nichts, und ich muß Ihnen gestehen, daß mir dabei einen
Augenblick lang warm geworden ist. Sie müssen wissen, was das heißt: da hängt
nichts vorgefertigt, da ist nichts eingespannt. Wir fangen an einer Latte an und
bauen, wohin es paßt, und wenn es krumm wird, dann wird es eben krumm. Was wir
bauen, gehört uns.
Da kann keiner mehr Blatt für Blatt durchblättern. Wer hier hineinwill, muß das ganze Kästchen abheben, mitsamt
allem, was daran hängt. Das ist immer noch eine Störung, gewiß, aber sie trifft
uns alle miteinander und einmal, statt eine Wabe nach der anderen.
Den Raum bin ich abgelaufen, wie wir das tun, an den Wänden entlang und kreuz
und quer hindurch. Wie groß er genau ist, kann ich Ihnen nicht sagen, denn das
hängt daran, wie dick die Wände sind, und dazu komme ich gleich. Für ein Volk
wie unseres reicht er.6
Die Wände sind gehobelt. Glatt wie ein Tisch, hell, und ich finde keine Stelle,
an der unser Harz halten würde: dieselbe Sache wie zu Hause, nur ordentlicher
gemacht. Dünn sind sie obendrein. Wie dünn genau, kann ich Ihnen nicht sagen, ich
kann nur sagen: dünner, als mir im Januar lieb wäre.
Hinten sitzt eine Scheibe aus Glas, so breit wie zwei Fluglöcher.6 Da schaut also
jemand herein. Nun gut, das ließe sich beheben, wir verschmieren so etwas mit
Wachs und Kitt, bis es blind ist, und offenbar weiß der Erbauer das auch, denn
er hat ein kleines Lädchen davorgehängt, das von selbst wieder zufällt.6 Ein Mann, der uns beim Zumachen zusieht und dann ein Lädchen baut; so einen hätte ich gern kennengelernt.
Und dann stehe ich oben und spüre den Zug.
Er kommt vorn beim Flugloch herein, streicht über die sechs Hölzer hinweg und
geht hinten an der Scheibe wieder hinaus. Ich habe zuerst gedacht, irgendwo sei
etwas undicht. Ist es aber nicht. Die sechs Hölzer liegen genau in dieser
Richtung, damit wir ihnen nach bauen und die Luft zwischen allen Tafeln
hindurchziehen kann.6
Da hat jemand gewollt, daß es zieht.
Ich weiß nicht, was er sich dabei gedacht hat. Vielleicht war ihm im Sommer zu warm, und wahrscheinlich hat er unsereins schwitzen sehen und gemeint, wir
brauchten Luft. Im Sommer brauchen wir Luft, im Februar nicht.
Die Wand ist mir zu dünn, das Glas ist eine Marotte, und der Durchzug ist ein
Vorzug, den er für einen hält.
Bevor ich zurückfliege und über dieses Kästchen tanze, will ich noch etwas anderes sehen, an dem überhaupt keine Menschenhand war.
Kommen Sie, den Hang hinauf.
Ein Loch in einer Buche
So, hier oben am Waldrand. Sehen Sie es selbst.
Eine alte Buche, in der oben kein Blatt mehr treibt, und in Höhe des dritten
Astes ein Riß, wo einmal ein Ast abgerissen ist und das Holz die Wunde über die
Jahre halb wieder zugewachsen hat. Geblieben ist ein Schlitz, kaum größer als Ihr Daumen, gut fünf Meter über dem Boden. Schon von außen
riecht es daraus nach altem Wachs.
Sie kommen nicht mit hinein, Sie passen nicht durch. Ich beschreibe es Ihnen.
Zuerst das Loch, denn das ist das erste, was wir prüfen. So klein, daß zwei von
uns es halten könnten, und weit genug oben, daß von unten niemand
hereinschaut. Beides ist uns lieber als das Gegenteil, und man hat uns danach gefragt: fünf
Meter vor einem Meter, ein kleines Loch vor einem großen.7
Innen ist es hoch und schmal. Ich steige und steige.
Und jetzt das Wichtigste: die Wand ist eine Handbreit dick. Gewachsenes Holz, ringsum, oben, unten. Kein
Anstrich, keine Fuge, kein Deckel, den man abheben könnte. Hier müssen wir nicht nachheizen, weil uns niemand die Wärme
herausläßt, und weil das, was wir erzeugen, im Holz bleibt statt durch die
Ritzen zu ziehen.8
Dann die Wände selbst. Sie sind rauh und voller Kerben, und in jede Kerbe hat
jemand vor mir Harz gestrichen, Schicht auf Schicht, bis das Holz glänzt und
unter den Füßen klebt.9
Ganz oben hängen Waben, schwarz und brüchig vom Alter. Es hat hier schon
jemand gewohnt.
Für uns ist das ein Empfehlungsschreiben. Eine Höhle, in der schon einmal
jemand gewohnt hat, nehmen wir lieber als eine leere,7 weil sie sich bewährt
hat: wer hier ausgezogen ist, ist wenigstens so lange geblieben, daß es sich zu
bauen lohnte.
Bauen, ja. Das ist das Unangenehme daran.
Denn hier hängen keine elf fertigen Waben. Hier hängen ein paar schwarze Fetzen,
und alles andere müssen wir selber machen, den ganzen Sommer lang, von oben nach
unten, von der Wand aus. Immerhin an die Wand. In der Kiste meines Meisters muß rings um jedes Rähmchen ein Spalt
frei bleiben, sonst ließe es sich nicht herausziehen; hier will niemand etwas
herausziehen, und wir bauen bis ans Holz.8
Wenn der Sommer nichts hergibt, gibt uns auch keiner Zuckersirup. Das
gehört dazu, und ich will es nicht wegreden: mein Meister läßt uns nicht
verhungern. Dieser Baum wird es tun, wenn es so kommt.
Die Milbe wird hier übrigens auch sein. Sie sitzt schon in uns, wir bringen sie
mit, und in einem Baum kümmert sich niemand darum. Der Unterschied ist nur der:
wenn wir hier nächstes Jahr ausziehen wollen, hindert uns keiner daran, und
dann bleibt der Rest eine Weile ohne Brut. Das ist alles, was wir gegen sie
haben.10
Ich sitze auf der alten schwarzen Wabe ganz oben und höre nach unten, aber es
kommt nichts, kein Zug und kein Klopfen und kein Deckel, der sich lüften ließe,
nur Holz ringsum, eine Handbreit dick.
Und nichts ist fertig. Niemand füttert zu, niemand greift ein, wenn es
schiefgeht.
Kommen Sie, zurück zum Fliederbusch. Da wird jetzt getanzt.
Zurück zum Fliederbusch
Sie haben mich jetzt einen halben Tag begleitet, und ich muß zurück; wenn Sie
möchten, kommen Sie mit bis an den Fliederbusch, dort wird es gleich
interessant, denn jetzt entscheidet sich etwas, ohne daß es jemanden gäbe, der es entscheidet.
Die Traube hängt noch, ein bißchen tiefer als heute morgen, und außen läuft es
durcheinander wie auf einem Bahnsteig. Ich klettere hinauf, suche mir eine
freie Stelle auf den Rücken der anderen und fange an zu laufen, ein Stück
geradeaus, wobei ich mit dem Hinterleib wackle, dann eine Schleife zurück und
noch einmal dasselbe, und wieder, und wieder. Die Richtung, in die ich laufe,
sagt, wo es liegt. Wie lange ich wackle, sagt, wie weit. Und wie oft ich das
Ganze wiederhole, sagt, wie gut ich es finde.
Ich wiederhole es sehr oft.
Neben mir tanzt eine, die etwas ganz anderes gefunden hat, eine Mauernische an
einem Schuppen und tanzt kürzer als ich, was in unserer Sprache heißt: es
geht schon, aber begeistert bin ich nicht. Eine dritte ist bei den weißen
Kisten am Rapsfeld gewesen und wirbt für sie mit einer Ausdauer, die mich
ehrlich gesagt ärgert, denn sie hat dort elf fertige Waben gesehen und nichts
weiter, und was fertige Waben wert sind, weiß ich selbst am besten.
So geht das eine Weile. Wer einen Tanz sieht, fliegt hin und schaut selbst nach,
und wer zurückkommt und einverstanden ist, tanzt mit; wer nicht einverstanden ist, tanzt nicht, womit die Sache für ihn erledigt ist. Niemand hält eine
Rede, und niemand hebt die Hand. Es wird einfach an einem der Orte immer
voller, und irgendwann trifft die nächste, die an meiner Buche ankommt, dort auf
ein Gedränge statt auf ein paar einzelne. Daran erkennen wir, daß es entschieden
ist, und entschieden hat es niemand von uns.
Unsere Regentin, nebenbei bemerkt, hängt die ganze Zeit in der Mitte der Traube
und erfährt davon nichts. Regieren tut sie bei uns nicht, sie wird mitgenommen.
Ein Tag im Jahr, an dem wir selbst bestimmen, wo wir wohnen; an den
dreihundertvierundsechzig anderen bestimmt es jemand anders, den Raum, die
Wand, die Wärme und die Stunde, in der geöffnet wird, und gegen diesen einen
arbeitet der Meister mit allem, was ihm einfällt, weil er uns behalten will.
Deswegen war es heute morgen so wichtig, daß er dieses eine Zäpfchen übersehen
hat.
Was ich nicht sehen konnte
Bevor wir fliegen, muß ich Ihnen noch etwas sagen, das gegen mich geht.
Ich habe Ihnen den ganzen Tag lang erzählt, was ich prüfe, was vermutlich sehr gründlich klang: die Höhe über dem Boden, die Größe des Fluglochs, wo
es sitzt und wohin es schaut, der Raum, der Abstand zum alten Stock, und ob
schon einmal jemand da war. Das sind sieben Dinge, und für jedes einzelne gibt
es Zahlen aus Versuchen, in denen man uns Kästen hingestellt und nachgesehen
hat, welche wir nehmen.11
Keinen Unterschied machte in diesen Versuchen die Zugigkeit, und die Nässe
machte auch keinen.
Man hat uns dichte Kästen neben zugigen angeboten und trockene neben feuchten,
und wir haben genommen, was sonst paßte. Das heißt: als ich heute mittag in dem
altmodischen Kästchen stand und mir der Luftzug entgegenschlug, hatte ich keinen
Grund, wieder hinauszugehen. Ich habe ihn bemerkt, ich habe ihn Ihnen sogar
erklärt, und ausgesucht hätte ich mir die Wohnung trotzdem, wenn die anderen
sieben Dinge gestimmt hätten.
Was so ein Zug kostet, hat man lange nach jenem Kästchen nachgerechnet, an
anderen Wohnungen und nicht an ihm, und meine Art hat diese Rechnung nicht
gelesen und wird sie nicht lesen. Wir merken es im Februar, an der Zahl derer,
die nicht mehr aufstehen, und selbst dann wissen wir nicht, woran es lag.
Es gibt noch mehr, was ich an einem Besichtigungstag unmöglich prüfen kann: ob jemand kommen wird und alles herausnimmt, und wie oft; was aus den Waben wird, die wir bauen; ob die Wand im Januar hält, was sie im Juni verspricht; ob er dabei die Königin zerdrückt.
Ich sehe die Wohnung, und ich sehe nicht das Jahr, das darin folgt.
Und weil das so ist, sage ich Ihnen zum Schluß lieber genau, was ich getan
habe. Ich habe die beste von den Wohnungen gefunden, die ich messen konnte.
Wir ziehen
Es geht los, hören Sie das? Erst zittert die Traube nur, als friere sie, dann
lösen sich die äußeren Schichten, und dann steht auf einmal die ganze Sache in
der Luft, ein paar tausend von uns auf einem Fleck; ziehen Sie jetzt besser den Kopf ein.
Wir fliegen flach, kaum drei Meter über dem Gras, und wir sind dabei
erstaunlich langsam, weil die meisten von uns überhaupt nicht wissen, wohin es
geht. Nur ein paar Dutzend wissen es. Die schießen von hinten durch den
Schwarm nach vorn, drehen ab, lassen sich zurückfallen und schießen wieder nach vorn, immer wieder, woran sich der Rest hält; es sieht aus wie ein Faden, der durch ein Tuch gezogen wird.
Am Waldrand steigen wir. Ich muß Ihnen jetzt danken, daß Sie mitgekommen sind,
und mich empfehlen, denn ich habe da oben zu tun, und zwar viel: eine Höhle ausräumen, das Alte hinauswerfen, die Wände abgehen, Harz
holen, bauen, alles möglichst vor dem ersten kalten Regen.
Die fertigen Waben, die wir nicht genommen haben, hätten uns ein halbes Jahr
gespart. Ich denke noch daran.
Bei meinem Meister wird es an diesem Abend still. Er kommt um sieben, wie jeden
Freitag, mit Rauch und seinem Eisen, und wird ziemlich schnell merken,
daß in seiner Kiste nur noch die Hälfte sitzt, ein paar hundert
Zurückgebliebene, eine junge Königin, die noch nicht auf ihrem Hochzeitsflug
war, und keine einzige volle Wabe.
Er wird erschrecken, und dann wird er sich ärgern, und ein wenig kränken wird
es ihn auch, denn er hat sich Mühe gegeben mit uns.
Und nächste Woche wird er noch genauer nachsehen.
Ableger
Ein neues Volk, das der Imker selbst bildet, statt auf einen Schwarm zu warten.
Man nimmt Brut und Bienen aus einem starken Stock und setzt sie in eine leere
Wohnung.
Christ macht Ableger „nach fränkischer Art": ein Scheibchen Wabe von vier bis
fünf Zoll im Viereck, mit Brut, wird in eine leere Wohnung eingesetzt, und die
Bienen ziehen sich daraus eine Königin (K1 §5). Er zieht das Verfahren dem
Schwärmen vor und rechnet für einen Bienenstand von zehn Stämmen, von denen
vier schwärmen sollen, ungefähr hundert Aufsätze (K4 §26).
Im Strohkorb sind die Waben fest eingebaut. Wer an den Honig will, muß sie
herausschneiden und vernichtet dabei das Volk. Üblich war, den Korb über
brennenden Schwefel zu stellen und die Bienen zu ersticken.
Christ nennt das den „fast nicht zu vertilgenden alten Schlendrian der meisten
Landleute, die im Herbst die schwersten und leichtesten Stöcke unverantwortlicher
und recht sündlicher weise abschlachten und ersticken“ (K3 §2).
Christ beanstandet auch die Qualität des so gewonnenen Honigs: Er sei „mit
Brut, toten Bienen, Schwefelgeruch und dergleichen verunreinigt“ (K3 §6).
Christs Wort für den einzelnen Kasten seines Magazins. Vier gehobelte
Dielenstücke, dreizehn Zoll im Viereck von außen, viereinhalb Zoll hoch, vorne
ein Flugloch, hinten eine Glasscheibe, oben ein Gesims und darunter der Rost
(K3 §4).
Die Aufsätze haben weder Boden noch Deckel. Der unterste steht auf dem
Untersatzbrett, das zugleich Flugbrett ist (K3 §9), und der oberste bekommt
einen Deckel aus Brett, Glas oder geflochtenem Stroh (K3 §4).
Für einen Stamm, der nicht schwärmen soll, rechnet Christ acht Aufsätze auf den
Sommer, für einen jungen Schwarm sechs (K4 §26).
Den leeren Kasten oben auf den vollen stellen. Christ hält das für den
bequemeren Weg und benutzt ihn zum Erweitern trotzdem nicht:
„Es wäre das Aufsetzen freilich etwas gemächlicher, als das Untersetzen;
allein es geht nicht an. Die Natur der Bienen ist, von oben herunter zu
bauen, und da fortzubauen, wo sie aufgehört haben." (K4 §26, Fußnote)
Zum Ernten setzt er sehr wohl oben auf. Auf den Deckel des obersten Kästchens
stürzt er Gläser und Porzellangefäße, in die die Bienen von unten her hinein
bauen; abgeschnitten wird mit einem Seidenfaden oder einem dünnen Klavierdraht
(K3 §5).
Das heutige Wort für jede vom Menschen gebaute Bienenwohnung hat seinen Ursprung
im Wald. Christ schreibt, die Waldbienen würden „in hohlen Bäumen oder eigenen
dazu ausgehauenen Büten oder Beuten angezogen" und gehörten dem Eigentümer des
Waldes (K9 §2).
Für seine eigenen Kästen benutzt er das Wort nicht. Er sagt Aufsatz, Kästchen,
Magazin oder Bienenwohnung.
Der Zwischenraum, den Bienen in ihrer Wohnung frei lassen, statt ihn zu
verbauen. Wer seine Waben in diesem Abstand aufhängt, kann jede einzeln
herausnehmen, ohne etwas abzuschneiden. Lorenzo Langstroth beschrieb das Maß
1851 und erhielt am 5. Oktober 1852 ein Patent auf die Beute, die es benutzt.
Die Angabe ist im Repositorium über eine Suchzusammenfassung mehrerer Seiten
belegt, nicht am Patentdokument selbst (Quellenschlüssel langstroth-1852).
Eine gemessene Zahl aus einer gelesenen Quelle steht bei Warré. Er läßt
zwischen zwei Oberträgern zwölf Millimeter frei, ausdrücklich „pour le passage
des abeilles" (Warré 1948, S. 49).
Dzierzon
Der Pfarrer, an dem die Imkerei den Übergang zum beweglichen Wabenbau festmacht.
Johann Witzgall erzählt 1889, er habe anfangs „mit dem Christ'schen
Magazinstocke" geimkert und daraus auf experimentellem Weg „den jetzt allgemein
verbreiteten Stock mit beweglichen Waben" entwickelt (Witzgall, Geschichte der
Bienenzucht 1889, S. 56).
Der Umbau setzte an Christs Rost an. Dzierzon versah die Kästen mit einem
beweglichen Stäbchenrost, an den er Waben anklebte, so daß sich jede einzeln
herausheben ließ; dann kamen Seitentüren dazu, feste Bodenbretter, Leisten an
den inneren Seitenwänden, kürzere und höhere Kästen und ein fester Deckel
(Witzgall, Geschichte der Bienenzucht 1889,
S. 56). Bei Christ sind die sechs Hölzer des Rostes
mit Nägelchen aufgenagelt (K3 §4).
1844 trat Dzierzon mit seiner Erfindung öffentlich hervor. Seit diesem Jahr
unterscheidet das Fach Mobil- und Stabilbau (Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102).
Witzgall schreibt vierzig Jahre nach dem Vorgang und gibt Dzierzon nicht selbst
wieder.
Die Öffnung, durch die die Bienen aus- und einfliegen. Bei Christ hat jeder
Aufsatz eines, vier Zoll lang und 1¼ Zoll hoch, mit zwei blechernen Schiebern
davor (K3 §4).
Christ begründet die Größe mit der Luft,
die die Bienen bei nötiger Einsperrung brauchen, und mit der Bequemlichkeit
beim Füttern (K3 §4, Fußnote).
Weil jeder Kasten sein eigenes Flugloch hat, gehört zum Untersetzen ein Griff
dazu: zwei oder drei Stunden nach dem Untersetzen wird das obere Flugloch ganz
zugeschoben, „sonst bauen sie nicht leicht fort" (K3 §9).
Die vier Latten, die oben auf jeden Aufsatz geleimt und genagelt werden. Sie
tragen den Rost und schießen einen viertel Zoll nach außen vor (K3 §4).
Der Vorschuß hat zwei Zwecke, und Christ nennt beide. Er formt eine Zierde, der
man mit dem Hobel einen Karnießstoß gibt. Und er sorgt dafür, „damit alle
Aufsätze aufeinander wohl passen, und fest stehen, wenn etwa einer ¼ oder ½
Zoll größer oder kleiner würde, als der andere" (K3 §4).
Dieser vorstehende Rand ist der Grund, warum sich die Wandstärke nicht aus der
Kupfertafel abgreifen läßt. Fig. 1 zeigt eine Schrägansicht, deren Rand Wand und Gesims zusammen zeigt.
Émile Warré (1867–1951) war ein französischer Priester und Imker. Seine
Ruche Populaire („Volksbeute“) sollte mit einfachen Mitteln zu bauen und zu
bewirtschaften sein. Konstruktion und Betriebsweise beschrieb er in
L’Apiculture pour tous, dessen zwölfte Auflage 1948 erschien.
Christs eigener Zusatz zur Magazinbeute. In die Rückwand jedes Aufsatzes wird
ein Loch von sieben Zoll Länge und zweieinhalb Zoll Höhe gemeißelt, das Glas
eingezapft, davor kommt ein Lädchen gegen das Licht (K3 §4).
Sein Urteil steht am Ende desselben Paragraphen, im Absatz für den, der alles
andere weglassen will: „Eine Glasscheibe aber am hinteren Brett ist fast
unentbehrlich." (K3 §4)
Den naheliegenden Einwand entkräftet er aus der Beobachtung. Die Bienen bauen
an Glas so fest an wie an Holz oder Stroh und halten es sauber; was sie im
Herbst verschmieren, säubern sie im Frühjahr wieder (K3 §11).
Das französische Wort für den Kasten, der auf einen anderen kommt. Bei Palteau
besteht die Beute aus einem Tisch, drei Füßen, mehreren hausses, einem Deckel
und einem Flugbrett; die Zarge mißt einen Fuß im Quadrat bei drei Zoll Höhe
(Palteau 1777, S. 7–11).
Christ kennt Palteau nicht im Original. Er schreibt in der Fußnote zur Vorrede,
er habe erst Jahre nach seiner eigenen Erfindung „etwas von ähnlichen
Bienenwohnungen" gelesen, „dergleichen des Herrn Palteau in Frankreich und die
Vicatische, die Schirach in seinem allgemeinen Bienenvater beschreibt" (Vorrede).
Das Lehrbuch des Glaubens, nach Fragen und Antworten geordnet. Jedes Kind ging
es im Unterricht durch und lernte die Antworten auswendig; die Form war deshalb
jedem Leser vertraut, auch dem, der sonst wenig las.
Christ überträgt sie 1784 auf die Bienen und grenzt sich im selben Zug von der
Schulstube ab. Die katechetische Lehrart sei „für den gemeinen Mann die
faßlichste und deutlichste"; gemeint sei kein Katechismus „zum Auswendiglernen,
sondern blos zum Unterricht und Nachschlagen" (Christ 1784, S. VI). Sein
Bienencatechismus für das Landvolk besteht aus hundertsiebenundneunzig
numerierten Fragen, und einige davon sind die Meinung, gegen die er schreibt.
Klotzbeute
Eine Klotzbeute ist ein ausgehöhlter, abgetrennter Stammabschnitt, der als Bienenwohnung dient. Anders als eine Höhle im lebenden Baum lässt sie sich als ganze Beute an einen anderen Standort bringen.
Ein Wort am Fuß einer gedruckten Seite, das das erste Wort der nächsten Seite
vorwegnimmt. Der Setzer benutzte es, um die Bogen in der richtigen Reihenfolge
zu halten.
Für diese Arbeit ist es eine Fehlerquelle. Wer eine alte Seite abschreibt und
die Kustode mitschreibt, hat ein Wort doppelt im Text. Bei Vicat stehen drei
Kustoden im Quelltext am Kopf der Folgeseite statt am Fuß der vorigen:
„festiget," (110/111), „einiche," (118/119), „voraus," (120/121).
Magazin, Magazinbeute
Eine Bienenwohnung aus mehreren Kästen, die übereinander stehen und einzeln
abgenommen werden können. Christs Wort dafür ist Magazin oder Magazinstock.
Er beschreibt es so: die Bienen haben „ihre Haushaltung in verbundenen
Aufsätzen … die von Zeit zu Zeit nach Erfordernis der Umstände, Zeit und
Absichten vermehret oder auch verringert werden" (K3 §3).
Christ stellt die Verwendung von Holz und Glas als Neuerung vor. Die üblichen
Magazine seien von Stroh gewesen, „wenigstens habe ich noch keine andere
gesehen"; deren Unbequemlichkeiten hätten ihn auf hölzerne viereckige
Aufsätze mit einer Glasscheibe gebracht (K3 §3).
Die Bienenwirtschaft mit beweglichen Waben, deren Name zusammen mit seinem
Gegenwort entstand. Witzgall und Felgentreu setzen beide 1889 auf das Jahr
1844:
„Seit 1844, wo Dr. Dzierzon zuerst mit seiner Erfindung öffentlich hervortrat,
spricht man in Imkerkreisen von einem beweglichen oder unbeweglichen
Bienenstocke, vom Mobil- oder Stabilbau." (Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102)
Christ liegt vor dieser Trennung. Der Bienenkundler F. Gerstung hat später
genau bestimmt, worin sein Beitrag besteht: „in Deutschland der eigentliche
Begründer der Mobilbienenzucht … freilich nicht so sehr der Beweglichkeit jeder
einzelnen Wabe … als vielmehr der Mobilität, d.h. der Beweglichkeit von Teilen
des Bienenstockes, von Auf- und Untersätzen" (zitiert bei Bode 1984, S. 381).
Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102
Nadieren
Fachwort für das Untersetzen: die leere Zarge kommt unter die volle. Es
bezeichnet dieselbe Handlung, die Christ Untersetzen nennt.
Die früheste in diesem Projekt belegte Stockwerksbeute mit Nadieren ist Geddes
achteckiger Kasten. Er trägt zwei eiserne Griffe „for lifting it up when
another is to be placed under it" (Gedde 1677, S. 18–19).
Oberträger
Ein Oberträger ist eine Holzleiste, an deren Unterseite die Bienen eine Wabe befestigen. Da die Wabe zusätzlich an den Beutenwänden angebaut sein kann, macht der Oberträger allein sie noch nicht einzeln beweglich.
Lorenzo Langstroth beschrieb 1851 das Bienenmaß: den Abstand von etwa einem
Zentimeter, den Bienen freilassen, statt ihn zu verbauen. Am 5. Oktober 1852
erhielt er darauf ein Patent. Seither hängen die Waben in Rahmen, die sich
einzeln herausnehmen lassen; der Bau ist bis heute in weiten Teilen der Welt
der verbreitetste.
Christs Magazin steht davor, denn beweglich ist bei ihm das Kästchen, das man
als Ganzes abhebt, während die Waben darin bleiben. Der Bienenkundler
F. Gerstung nannte
ihn deshalb den Begründer „der Mobilität, d.h. der Beweglichkeit von Teilen des
Bienenstockes, von Auf- und Untersätzen" (zitiert bei Bode 1984, S. 381).
Das Wort selbst benutzt Christ einmal, in einem anderen Sinn: die Glasscheibe
eines Strohaufsatzes wird „in ein hölzernes Rähmchen eingepaßt" (K3 §8).
Zwischen 1798 und 1852 liegen vierundfünfzig Jahre.
Ein Ringkorb besteht aus gleichweiten Strohringen, die übereinandergesetzt
einen gemeinsamen Innenraum bilden. Weitere Ringe vergrößern die Beute.
Feste Querhölzer tragen die Waben und ermöglichen es, einzelne Abschnitte
mitsamt ihrem Wabenbau abzunehmen.
KI-generierte schematische Darstellung nach Fleischer (1777).
Fleischer 1777, S. 311–314; Tafelerklärung, Fig. 2–4
Rose, Rosentafel
Christs Wort für die Wabe. Er benutzt es gleichbedeutend mit Wachstafel und
verwendet beide Wörter, wenn er beschreibt, woran man junge Stöcke
erkennt: „an der Weiße und Zärte ihrer Wachstafeln oder Rosen" (K2 §10).
Zusammensetzungen kommen im ganzen Buch vor. Honigrosen sind die mit Honig
gefüllten Waben (K3 §5), Bruttafeln die mit Brut belegten (K4 §2).
Die Wabenführung in Christs Aufsatz. Auf die Fugen der vorderen und hinteren
Gesimslatte werden Hölzchen genagelt, jedes einen Zoll breit, und die Bienen
richten ihren Bau nach ihnen aus (K3 §4).
Die Zahl richtet sich nach der Stelle im Stapel. Sechs Hölzer bekommt nur das
oberste Kästchen, „damit die Bienen nach dieser Richtung von der hinteren Wand
gegen das Flugloch zu ihren Wachstafeln ansetzen, und bauen". Die Untersätze
bekommen zwei, weil die Bienen die einmal begonnene Richtung ohnehin
fortsetzen (K3 §4).
Christ nennt drei Gründe für die kleinere Zahl unten: das Volk sitzt im Winter
enger zusammen, der Abfall bleibt nicht auf den Hölzern liegen, und die Bienen
kommen bequemer auf und ab (K3 §4). Damit die schweren Honigtafeln halten,
bekommt jedes Kästchen mit zwei Hölzern zusätzlich ein Kreuz aus zwei runden
Weiden- oder Haselstöcken (K3 §4).
Eine Biene, die vor dem Schwarm ausfliegt und eine Wohnung sucht.
Das Wort ist Christs eigenes, doch hält er die Sache für unbewiesen. Daß ein
Volk sich „etliche Tage vor dem Schwärmen einen hohlen Baum durch Kundschafter,
oder sogenannte Spurbienen" aussuche, gehöre „recht unter die bloßen
Mutmaßungen" (K4 §9). Für Hungerschwärme läßt er es dann doch gelten, weil er
gesehen hat, wie einzelne Bienen einen leerstehenden Stock tagelang vorher
säuberten und der Schwarm drei Tage darauf einzog. Eine eigene Zunft sind sie
für ihn nicht: Kundschafter seien „das aber freilich keine besondere Art
Bienen" (K4 §9).
Hundertachtzig Jahre später ist an Kästen im Wald nachgemessen worden, wonach ein Schwarm wählt; diese Kriterien tragen die Erzählung „Eine Biene auf
Wohnungssuche" (Seeley und Morse 1978, referiert und nicht am Volltext
gelesen).
Bienenhaltung in Wohnungen ohne bewegliche Rähmchen. Die Wabe hängt fest an
Decke und Wänden. Zur Entnahme wird sie abgeschnitten oder zusammen mit dem
Beutenteil abgenommen, an dem sie befestigt ist.
Witzgall und Felgentreu datieren die Unterscheidung von Stabil- und Mobilbau auf 1844, das Jahr,
in dem Dzierzon mit seiner Erfindung öffentlich hervortrat (Witzgall/Felgentreu
1889, S. 102). Denselben Verfassern ist 1889 die Bauweise
schon rechtfertigungsbedürftig. Sie beginnen ihr Kapitel darüber mit dem Satz,
es möge manchen Leser befremden, so etwas noch zu finden, „nachdem man ja doch
schon längst den Stabilbetrieb als veraltet und für die heutigen Zeiten als
abgethan betrachtet…" (Witzgall/Felgentreu 1889, S. 209).
Christ kennt das Wort nicht. Es gibt zu seiner Zeit nichts, wovon der Stabilbau
sich hätte unterscheiden müssen.
Witzgall/Felgentreu 1889, S. 102 und 209
Strohkorb
Die gewöhnliche Bienenwohnung der Landleute zu Christs Zeit: ein aus
Strohwülsten gewundener Korb, aus einem Stück, ohne Möglichkeit, ihn zu
teilen. Geerntet wird durch Ausschneiden, wobei das Volk stirbt (K3 §2).
Christ setzt seine Magazine dagegen. Ein Bienenstand von dreißig bis
sechsunddreißig Magazinstöcken sei „mehr wert als ein Bienenstand von 100 Stück
in Strohkörben" (K4 §26).
Christ beschreibt auch die weitere Nutzung des Korbes. In K3 §10 zeigt er, wie man einen Strohkorb
auf einen Magazinuntersatz stellt, das Flugloch am Korb verschmiert und die
Bienen dadurch nach unten in die Kästen zieht.
Ein kleiner Korb, den man oben auf den Strohkorb setzt, damit die Bienen dort
Honig einbauen. Christ verwendet die Bezeichnungen der Landleute: „kleinen
Körben, (Stülpen, Kappen,) welche die Landleute auf die Strohkörbe setzen"
(K4 §26, Fußnote).
Ihre geringe Nutzung bestärkt ihn in seiner Ablehnung des Aufsetzens. Unter zehn
Bienenstämmen baue kaum einer oder zwei hinein, und auch das nur in einem
besonders honigreichen Jahr; viele bauten lieber außen hin als in das
aufgesetzte Körbchen (K4 §26, Fußnote).
Derselbe Kasten wie der Aufsatz, an anderer Stelle im Stapel. Christ erklärt es
selbst in einer Fußnote:
„Ich werde wohl fast nicht nötig haben, anzumerken, daß ich durch Untersätze
nichts anderes verstehe, als diejenigen Aufsätze, die unterst stehen, weil
sie meist nur immer untergesetzt werden, und können überhaupt Kästchen
heißen, wegen ihrer Ähnlichkeit mit denselben." (K3 §4, Fußnote)
Die Bezeichnung richtet sich nach der Position im Stapel. Der Rost unterscheidet sich:
sechs Hölzer im obersten Kästchen, zwei in den Untersätzen (K3 §4).
Den leeren Kasten unter den vollen schieben. Christs Art, den Raum zu
erweitern, und die Handlung, um die seine ganze Betriebsweise gebaut ist.
Der Zeitpunkt steht fest: ist der unterste Kasten „etwas über die Hälfte oder
zu drei Teilen voll gebaut", kommt der nächste darunter, und so fort bis in den
August (K3 §9). Immer nur einer auf einmal, denn „Einesteils bauen die Bienen
lieber in einen, als in zwei, welche leer sind" (K3 §9).
Die Handgriffe beschreibt er zweimal. Erst die frühe Art, morgens in aller
Frühe, mit einem Gehilfen, der den Stock hebt, während der andere das
Untersatzbrett wegzieht (K3 §9). Dann die spätere, bessere: mittags im
stärksten Flug, wenn die Bienen sich „aus Fleiß und Emsigkeit im Eintragen um
nichts" bekümmern (K3 §9).
Das Harz, mit dem Bienen Ritzen verkitten und Waben befestigen, heute Propolis genannt.
Christ trennt es ausdrücklich vom Wachs: „Den Kitt oder Vorwachs, der vom Wachs
unterschieden und eigentlich ein klebriges Harz ist, so aber nach der
Verarbeitung und besonders in der Kälte ganz hart wird" (K1 §14).
Christ verwendet es beim Besetzen einer Beute. Über Kohlen zergehen lassen und in die Ecken eines
neuen Kastens gestrichen, hält es den jungen Schwarm am Ort; wer einen schon
gebrauchten und verharzten Aufsatz nimmt, hat denselben Vorteil ohne Arbeit
(K4 §21).
Das alte Wort für die Königin. Christ führt beide nebeneinander: „Die Königin,
oder, von den Alten, Weisel, genannt" (K1 §1).
In den Zusammensetzungen ist das ältere Wort das gebräuchlichere geblieben.
Weisellosigkeit heißt der Zustand eines Volkes ohne Königin, und Christ widmet
ihm einen eigenen Paragraphen (K5 §6).
Heute das Wort für einen Kasten ohne Boden und Deckel, der auf einen anderen
gesetzt wird. Die Bienen bauen ihre Waben von oben nach unten durch die ganze
Reihe.
Christ nennt sie Aufsatz und macht sie dreizehn Zoll im Viereck und viereinhalb
Zoll hoch (K3 §4).
Christ selbst hat das Wort auch, in seiner älteren Bedeutung: die Zarge des
Strohkorbes ist dessen runder Rand (K3 §10).
Der Waldimker des Mittelalters, der Bienen in hohlen Bäumen hielt und dafür
zinspflichtig war. Christ erwähnt den Stand im Rechtskapitel: aus dem
Baumrecht sei „ehedem daher die Zeidlergesellschaft entstanden, welche einen
gewissen Zins an Honig und Wachs dem Förster oder einen anderen Grundherren des
Waldes entrichten" (K9 §2).
Für ihn ist das Vergangenheit. Die Haus- und Gartenbienen gehören zu seiner
Zeit „unter unsere Haustiere" (K9 §2).
Das von Christ verwendete Längenmaß ist nicht eindeutig bestimmt. Es gab kein einheitliches Zoll;
jede Gegend hatte ihres.
An genau einer Stelle im ganzen Buch schreibt Christ „Linien Pariser Zoll", und
zwar für die Länge einer Königin. Vorher hat er das Wort Zoll schon
vierundzwanzig mal ohne Zusatz gebraucht (Anmerkungen des Übertragers).
Der Übertrager hat die Baumaße gegen Christs eigene Volumenangabe von vier Maß
gerechnet. Beim Pariser Zoll (2,71 cm) weicht das Ergebnis um 27 bis 34 Prozent
ab, beim Frankfurter Zoll (2,37 cm) um 1 bis 8 Prozent. Seine Folgerung: die
Längenangaben können nicht in Pariser Zoll ausgedrückt sein, der
Umrechnungsfaktor liegt zwischen 2,4 und 2,5 (Anmerkungen des Übertragers).
Das ist eine Erschließung und keine Angabe Christs. Christ selbst sagt nirgends,
welches Zoll er meint.
Die alte Abgabe an die Kirche: ungefähr der zehnte Teil dessen, was ein Hof im
Jahr erbrachte, abzuliefern in Früchten, Wein oder Vieh. Ein Teil davon war die
Besoldung des Pfarrers. Er trieb sie bei denselben Leuten ein, zu denen er
sonntags predigte.
Christ hat den Zehnten selbst eingesammelt und darüber prozessiert. Fiel eine
Zehnteinnahme weg, bekam er statt dessen Land, ein „Besoldungsstük zum Ersaz des
Zehnden" (Bode 1984, S. 181).
Bode 1984, S. 181
Bienenkiste
Die Bienenkiste ist eine längliche, waagerechte Stabilbaubeute mit Brutbereich vorn und Honigbereich hinten. Ihr Boden lässt sich abnehmen, sodass das Wabenwerk von unten zugänglich wird.
Zeidlerei ist eine traditionelle Form der Waldimkerei, bei der Bienen in künstlich angelegten Höhlen lebender Bäume gehalten werden. Heutige Initiativen greifen das Handwerk zur Bienenhaltung und zur Schaffung von Lebensräumen für höhlenbewohnende Arten wieder auf.
Eine Futterkranzprobe enthält eingelagertes Futter aus der Nähe des Brutnestes. Sie wird im Labor auf Sporen des Erregers der Amerikanischen Faulbrut untersucht.
Gemüll sind Rückstände, die aus dem Volk auf den Beutenboden fallen, etwa Wachsteilchen, Pollen und tote Milben. Ihre Art und Verteilung geben Hinweise auf Vorgänge im Volk, darunter Wabenbau, Futterverbrauch und den Sitz der Wintertraube.
Flavonoide gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen und kommen auch im Honig vor. Ihr gemessener Gesamtgehalt beschreibt einen Teil seiner chemischen Zusammensetzung. Ein höherer Wert allein belegt keinen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen des Honigs.
David Heaf, ein Imker und Fachautor in Wales, hat Warrés L’Apiculture pour tous gemeinsam mit Patricia Heaf ins Englische übersetzt. Sein Informationsportal versammelt Baupläne, Betriebsweisen und Erfahrungsberichte zur Warré-Beute.
Phil Chandler ist Imker und Autor von The Barefoot Beekeeper. Für die Bienenhaltung mit wenigen Eingriffen in das Brutnest entwickelte er eine eigene horizontale Oberträgerbeute, deren Baupläne er frei zugänglich veröffentlichte.