Anweisung zur nützlichsten und angenehmsten Bienenzucht für alle Gegenden
von Johann Ludwig Christ (1798)
Modernisierte Fassung, gekürzt und erläutert.
Kurzbeschreibung und Überblick
„Anweisung zur nützlichsten und angenehmsten Bienenzucht für alle Gegenden“
von Johann Ludwig Christ (1798) – modernisierte Fassung, gekürzt und erläutert.
Dieses Werk ist eine praxisorientierte Anleitung zur Bienenzucht aus dem Ende des 18. Jahrhunderts.
Der Autor, Pfarrer und Naturforscher, verbindet Beobachtungen des Bienenlebens mit praktischen Ratschlägen für Imker. Er beschreibt die Organisation des Bienenstaates, geeignete Standorte, Behausungen, Schwarmverhalten, Honig- und Wachsernte, Gerätschaften, Bienenrecht und vieles mehr.
Die ursprüngliche, oft altertümliche Sprache wurde hier modernisiert und verständlicher formuliert. Fußnoten und Randbemerkungen sind in den Text integriert. Der Inhalt wurde für die weniger wichtigen Kapitel um etwa 50 % gekürzt, ohne die wesentlichen Informationen zu verlieren.
Die für das Verständnis des von Christ beschriebenen Prinzipes der Bienenhaltung wichtigen Kapitel 3 und 4 sind jedoch annähernd vollständig wiedergegeben - wenn auch modifiziert.
Kapitelübersicht
Vorrede und Vorbericht
Christ erläutert, warum er dieses Buch schrieb: um eine leicht verständliche, praktische Anleitung zur Bienenzucht zu geben. Er betont den Nutzen der Bienen und ihre erstaunliche Ordnung.
Kapitel 1 – Von den Bienen überhaupt
Aufbau des Bienenvolkes: Königin, Drohnen und Arbeiterinnen. Ihre Aufgaben, Lebensdauer, Ordnung und „Sprache“. Einführung in das faszinierende Sozialleben der Bienen.
Kapitel 2 – Vom Bienenstand und seiner Lage
Auswahl des besten Standorts: Nähe zu Trachtpflanzen, Schutz vor Wind und Feuchtigkeit, richtige Ausrichtung und Bau des Bienenstandes.
Kapitel 3 – Von der besten Art der Bienenwohnungen
Vergleich traditioneller Strohkörbe mit modernen Magazinbeuten. Vorteile von Holz- und Glasaufsätzen, Bauanleitungen und schonende Honigernte.
Kapitel 4 – Von der Vermehrung der Bienenstöcke
Natürliche Schwarmbildung, Erkennen von Schwarmstimmung, Methoden zum Einfangen und Umsetzen von Schwärmen. Künstliche Vermehrung durch Ableger und ihre Vorteile.
Kapitel 5 – Von der Pflege und Erhaltung der Bienenvölker
Jahreslauf der Bienenzucht: Frühjahrsentwicklung, Trachtzeiten, Fütterung, Schutz vor Räuberei, Krankheiten und Wintervorbereitung.
Kapitel 6 – Von der Honig- und Wachsernte
Wie man Honig sauber und schonend gewinnt, Resthonig verwertet, Met oder Essig bereitet. Wachsgewinnung, Reinigung und Bleiche. Beschreibung einfacher Wachspressen.
Kapitel 7 – Gerätschaften und Werkzeuge
Übersicht über alle nötigen und nützlichen Werkzeuge: vom Schwarmfangkorb über Rauchgeräte bis hin zur Honigschleuder und Wachspresse.
Kapitel 8 – Nützliche Pflanzen für Bienen
Verzeichnis von Bäumen, Kräutern und Blumen, die Bienen reichlich Nektar und Pollen liefern. Tipps zur Verbesserung der Trachtumgebung.
Kapitel 9 – Bienenrecht
Wer Eigentum an einem Schwarm hat, was bei Räuberei oder Schäden gilt, Strafen für Bienendiebstahl, rechtliche Stellung von Bienenstöcken.
Diese Kapitel bilden zusammen eine vollständige, praxisnahe Einführung in die traditionelle Bienenzucht – mit vielen Erkenntnissen, die auch heute noch nützlich sind.
Das Buch
Titelblatt
Anweisung zur nützlichsten und angenehmsten Bienenzucht für alle Gegenden
von J. L. Christ
Erster Pfarrer in Kronberg an der Höh, der königl. Churf.
Landwirtschaftsgesellschaft zu Zelle Mitglied
Dritte sehr vermehrte und verbesserte Auflage.-
Leipzig, 1798
bei Johann Benjamin Georg Fleischer.
Vorrede der ersten Ausgabe
Im großen Buch der Natur, das uns die Weisheit des Schöpfers zeigt, nehmen die Bienen einen besonderen Platz ein. Viele Tiere beeindrucken durch ihre Geschicklichkeit: Der Biber baut kunstvolle Wohnungen mit Vorratskammern und bringt Baumstämme mit großer Mühe in Position. Der Ameisenlöwe gräbt perfekte Trichter, um Beute zu fangen. Die Spinne webt feine Netze, fast unsichtbar und doch fest.
Doch alle diese Beispiele verblassen vor dem Wunder der Bienenrepublik. Hier arbeiten Tausende zusammen wie in einem Staat. Sie handeln mit einer Ordnung und Zielstrebigkeit, die fast an menschlichen Verstand erinnert. Jede Biene kennt ihre Aufgabe – sei es der Bau der Waben, das Sammeln von Nahrung oder die Verteidigung des Stocks.
Im Bienenstock vereinigen sich Tugenden, die wir bewundern: Ordnung, Fleiß, Reinlichkeit, Gemeinschaftssinn und Opferbereitschaft. Selbst in schwierigen Situationen finden sie kluge Lösungen. So mauern sie etwa einen toten Eindringling ein, damit sein Geruch das Volk nicht schädigt.
Die Natur der Biene ist festgelegt; sie handelt ohne zu lernen, wie sie soll. Der Mensch dagegen kann lernen und sich entwickeln. Das zeigt, dass die menschliche Seele für mehr geschaffen ist als nur für dieses irdische Leben. Die Betrachtung der Bienen führt uns so von der Natur zur Erkenntnis des Schöpfers.
Warum dieses Buch entstand
Viele haben über Bienenzucht geschrieben, doch nicht jedes Werk ist nützlich. Manche sind nur für Fachleute verständlich, andere beruhen auf bloßen Theorien oder machen die Pflege zu kompliziert. Solche Methoden entmutigen Anfänger und bringen kaum Nutzen.
Ich wollte ein Buch schaffen, das kurz, zuverlässig und durch Erfahrung geprüft ist. Es soll allen dienen – auch dem einfachen Menschen, der nur wenige Völker hält. Alles, was ich beschreibe, habe ich selbst erprobt. Wer meinen Anweisungen folgt, wird den größten Nutzen mit dem geringsten Aufwand erzielen.
Die Bienenzucht ist nicht nur eine nützliche, sondern auch eine erfreuliche Beschäftigung. Sie verbindet Gewinn mit Naturbeobachtung und innerem Frieden. Möge dieses Buch dazu beitragen, dass mehr Menschen die Freude und den Wert der Bienen erkennen.
Der Verfasser
Vorbericht zur dritten Auflage
Die Notwendigkeit einer neuen Auflage erfüllt mich mit Freude. Sie zeigt, dass meine Art, die Bienenzucht zu betreiben und die dafür eingerichteten Beuten zu gestalten, Anerkennung gefunden hat.
Diese dritte Auflage gibt mir Gelegenheit, einige Verbesserungen vorzustellen, die ich in den vergangenen Jahren erprobt habe. Sie betreffen vor allem die praktische Handhabung und die Bequemlichkeit in der Pflege der Bienen. Der Schwerpunkt bleibt weiterhin der ökonomische Nutzen, also wie man mit möglichst wenig Aufwand und Kosten den größten Ertrag erzielt.
Was die physikalischen und naturwissenschaftlichen Grundlagen betrifft, bleibe ich bei den bewährten und allgemein anerkannten Ansichten. Neuere Hypothesen zur Biologie der Bienen – etwa über die Begattung der Königin oder die Rolle der Drohnen – sind interessant, aber noch nicht ausreichend gesichert, um sie als Grundlage zu nehmen. Außerdem fehlt mir derzeit die Muße, die Naturbeobachtungen so ausführlich fortzuführen, wie es für endgültige Aussagen nötig wäre.
Es entsteht gerade eine neue Theorie über die Abstammung der Bienen und die Bestimmung der Drohnen, vor allem zur Begattung der Königin. Besonders bemerkenswerte Gedanken dazu hat Herr Lucas aus Nischwitz in seinem „Unterricht zur Bienenzucht“ (Leipzig 1794) und in seinen „Physikalischen Gründen zur Bienenzucht“ (Leipzig 1796) veröffentlicht. Diese neuen Überlegungen überlasse ich vorerst anderen Forschern und Praktikern.
So bleibt mein Werk weiterhin vor allem eine praxisnahe Anleitung, die jedem Bienenfreund – ob erfahren oder unerfahren – nützt und die Bienenzucht einfacher und erfolgreicher macht.
Der Verfasser
Vorläufige Erklärung der Kupfertafeln
Die Kupfertafeln zeigen die wichtigsten Bauformen und Werkzeuge für die Bienenzucht. Sie sind als Ergänzung gedacht, um die im Buch beschriebenen Anleitungen leichter zu verstehen und nachzuahmen.
Erste Tafel:
Hier wird ein bedeckter Bienenstand für 36 Magazinbeuten dargestellt. Der Stand hat zwei Etagen mit je zwei Reihen, in jeder Reihe sind sechs Abteile, in denen jeweils drei Magazine Platz finden. Die Höhe ist so bemessen, dass bis zu acht Aufsätze pro Stock möglich sind. Die gesamte Länge des Bienenstandes beträgt 31 Schuh, die Breite 3 Schuh, und die Rückseite ist 10 Schuh hoch. Der genaue Aufbau wird im zweiten Kapitel näher erläutert.
Zweite Tafel: Zeigt die Grundform eines Magazinaufsatzes:
Der Kasten ist quadratisch mit 13 Zoll Kantenlänge und 4½ Zoll Höhe.
An der Vorderseite ist ein Flugloch, hinten ein Loch für eine Glasscheibe.
Ein Rost aus Lattenstücken wird aufgelegt, die an den Ecken im 45-Grad-Winkel verbunden sind.
Es gibt Schieber aus Blech, die das Flugloch enger oder ganz geschlossen halten können, z. B. bei Transport oder Räubereigefahr.
Dritte Tafel: Stellt einen zusammengesetzten Magazinstock vor mit 6 Aufsätzen und einem besonderen Dach, falls man keinen bedeckten Bienenstand hat und seine Bienenstöcke frei aufstellen muß. Deswegen ist auch am untersten Satz auf jeder Nebenseite ein Brettchen angelegt, so daß der schlagende Regen nicht auf dem Untersatzbrett liegen bleibt sondern abfließt.
Fig. a.: Blasebalg mit einer Rauchkapsel, welche an dessen Ventil eingesteckt wird und
Fig b: gewöhnliches Bienenmesser, dessen Spitze krumm gebogen und zweischneidig ist.
Vierte Tafel: Hier werden weitere nützliche Vorrichtungen gezeigt, z. B. ein Schutzgitter für die Königin, damit sie nicht in die Honigräume gelangt. Außerdem sind einfache Verbindungen und Riegel dargestellt, die das Stapeln und Sichern der Aufsätze erleichtern.
Fünfte Tafel: Enthält ergänzende Details zu den Magazinbeuten und Werkzeugen, darunter ein Beispiel für einen besonders praktischen Rauchbläser, einen Schwarmfangkorb und eine einfache Wachspresse.
Die Tafeln dienen dazu, die beschriebenen Konstruktionen und Geräte anschaulich zu machen, damit sie leichter nachgebaut werden können. Sie ergänzen die schriftlichen Anleitungen und sollen dem Imker helfen, zweckmäßige, einfache und gut handhabbare Beuten und Werkzeuge herzustellen.
Kapitel 1 – Von den Bienen überhaupt
In jedem Bienenstock gibt es drei Arten von Bienen: die Königin, die Arbeitsbienen (auch unvollständige Weibchen genannt) und die Drohnen. Drohnen findet man nicht das ganze Jahr über, sondern vor allem im Sommer.
Die Königin – Mittelpunkt des Volkes
Die Königin ist die wichtigste Biene. Ohne sie zerstreut sich das Volk und geht zugrunde. Sie ist Mutter aller Bienen und unvorstellbar fruchtbar: In nur drei Monaten kann sie über 30 000 Eier legen. Ein Schwarm hat meist 12 000–15 000 Bienen, und doch ist der Stock am Ende des Sommers genauso voll wie zu Frühlingsbeginn – trotz Verlusten durch Vögel, Wind und Wetter. Ein starker Stock, der nicht schwärmen darf, kann auf 30 000 bis 40 000 Bienen anwachsen.
Die Königin ist größer als die anderen Bienen, ihr Hinterleib länger, der Kopf rundlich. Sie hat kürzere Rüssel und gezahnte Kiefer, mit denen sie andere Königinnen tötet. Sie besitzt keine Körbchen für Pollen und ist weniger behaart.
Ein besonderes Merkmal ist ihre Stimme: Vor dem Schwärmen hört man ein lautes „tüt, tüt“, das mehrere Schritte weit reicht. Junge Königinnen klingen heller. Abends, wenn Honigtau gesammelt wird, hört man ein leises Quaken. Solche Laute sind Signale im Bienenstaat.
Die Königin wird in einer besonderen, größeren Zelle aufgezogen, die senkrecht hängt und reichhaltiger gefüllt ist. Ob aus einem Ei eine Arbeiterin oder eine Königin entsteht, entscheidet allein die Art der Pflege und Fütterung.
Die Drohnen – unnütze Herren des Stocks
Drohnen sind die männlichen Bienen. Sie sind kräftiger gebaut, haben aber keinen Stachel und leisten kaum Arbeit. Ihre einzige Aufgabe ist, junge Königinnen zu begatten. Nach der Paarungszeit werden sie von den Arbeiterinnen vertrieben oder getötet, damit sie den Wintervorrat nicht aufbrauchen.
Die Arbeitsbienen – Trägerinnen des Staates
Die Arbeitsbienen sind die zahlreichen „Geschäftsträgerinnen“ des Stocks. Sie sind unvollständig entwickelte Weibchen, weil sie in kleineren Zellen aufgezogen und anders gefüttert werden. Wären sie in Königinnenzellen großgezogen, würden sie ebenfalls fruchtbar.
Sie übernehmen alle Aufgaben: Nektar und Pollen sammeln, Waben bauen, die Brut pflegen, den Stock verteidigen und sauber halten. Sie bereiten auch das Wachs aus Honig und Blütenstaub. Im Sommer leben sie nur wenige Wochen, im Winter dagegen mehrere Monate.
Ordnung und Sprache der Bienen
Die Bienen haben eine erstaunliche Ordnung. Sie erkennen ihre Königin am Geruch und umgeben sie mit einer Art Leibwache. Sie verständigen sich durch Bewegungen, Düfte und Summlaute.
Tote Bienen werden aus dem Stock getragen, sodass er immer rein bleibt. Das zeigt, wie sehr sie dem Ganzen dienen. Jeder Bienenstock ist ein Staat für sich, in dem alle Glieder zusammenwirken, als gäbe es einen gemeinsamen Verstand.
Kapitel 2 – Vom Bienenstand und seiner Lage
Die Wahl des richtigen Standorts ist entscheidend für Gesundheit und Ertrag der Bienen. Eine gute Lage spart Arbeit, verhindert Verluste und erhöht die Honigmenge.
Die Umgebung des Bienenstandes
Bienen brauchen reichlich Nahrung in erreichbarer Nähe. Am besten sind Gegenden mit Heide, Buchweizen, vielen Wiesen, Obstbäumen, Linden und Kastanien oder Äckern mit Raps, Bohnen und anderen Blütenpflanzen. Buchweizen- und Heidegebiete liefern in wenigen Wochen sehr viel Honig, doch sind sie wetterabhängig: Verdirbt die Blüte, fehlt Nahrung.
Bienen sollten nicht weiter als eine halbe Stunde Flugzeit zur Tracht haben. Je kürzer der Weg, desto mehr sammeln sie. Zwar riechen sie honigreiche Blüten auch aus einer Stunde Entfernung, doch verlieren sie bei langen Flügen viel Zeit und sind stärker Gefahren wie Regen, Wind und Vögeln ausgesetzt.
Breite Flüsse sind ungünstig, weil Bienen beim Überfliegen leicht abstürzen. Wälder können dagegen gut geeignet sein: Sie bieten reichlich Blüten, Schutz vor Wind und weniger Störungen, auch wenn dort mehr Hornissen und Wespen vorkommen.
Was in der Nähe sein sollte – und was nicht
In der Nähe des Bienenstandes sind kleine Wasserläufe und Miststätten nützlich, da Bienen salzhaltige Partikel daraus sammeln. Unbedingt vermeiden sollte man Rauch von Backöfen, Brauereien oder Schmelzhütten sowie faulige Gerüche und tote Tiere. Auch Mehlstaub von Mühlen schadet, weil er den Honig verderben lässt.
Vor dem Stand sollte der Boden sauber und frei von hohem Gras sein. So sieht man im Schwarmfall leichter, ob eine Königin beim Auszug vor dem Stock niederfällt – was sonst zu Verlusten führt.
Lage und Schutz
Der Bienenstand soll vor kalten Nordwinden und vor Regen aus Westen geschützt sein – durch Mauern, Hecken oder Zäune. Wichtig ist eine warme, trockene Lage, nicht bloß viel Sonne. Ein tief liegender Platz bleibt im Frühjahr lange kalt, weil Mauern oder Bäume die warme Luft abhalten. Dort bleibt Schnee länger liegen, die Böden bleiben feucht und kühl.
Ich sah Bienenstände, die gut gebaut waren, aber in kalter, feuchter Senke lagen. Sie brachten wenig Schwärme und gingen oft ein. Nach Verlegung nur wenige Schritte weiter, an einen wärmeren Platz, entwickelten sich die Völker hervorragend. Je wärmer die Lage, desto früher schwärmen die Bienen und desto besser gedeihen sie.
Ausrichtung zur Sonne
Am besten ist der Flug nach Südosten oder Osten. Morgensonne weckt die Bienen früh und erwärmt den Stock. Reine Südlage ist möglich, aber in heißen Sommern brauchen sie mittags Schatten, sonst schmilzt frischer Wabenbau. Die Sonne darf nicht von Nachmittag bis Abend direkt auf den Stock brennen, sonst verlassen junge Schwärme die Beute.
Höhe und Bau des Standes
Ob Bienen hoch oder niedrig stehen, ist weniger wichtig, doch sollten sie bequem erreichbar sein. Stöcke in Hüfthöhe erleichtern die Arbeit. Gedeckte Stände schützen vor Regen und Hitze, verlängern die Lebensdauer der Beuten und verhindern, dass Regen am Flugloch stört.
Ein gut gebauter, bedeckter Stand für viele Beuten erleichtert die Pflege und schützt die Bienen. Er sollte hinten einen Gang haben, um die Beuten bequem von hinten zu bearbeiten.
Transport und Ankauf
Bienen lassen sich im Sommer nur wenige Meter verstellen, sonst kehren sie an den alten Platz zurück. Im Winter kann man sie an andere Plätze bringen. Beim Transport müssen Fluglöcher gut verschlossen, aber ausreichend belüftet sein. Für den Ankauf wählt man gesunde, starke Völker.
Ein gut gewählter Standort spart viele Mühen. Wärme, Trockenheit, kurze Flugwege und Schutz vor Wind sind wichtiger als alles andere. Ein schlecht gelegener Stand hingegen kann die beste Pflege zunichtemachen.
Kapitel 3 – Von der besten und schönsten Art der Bienenwohnungen
§1: Eine Grundregel beim Bienenhalten
Wer mit Bienen arbeitet, muss immer eine wichtige Regel beachten: Halte nur starke, gut besetzte Völker.
Ein starkes Volk ist jedem schwachen überlegen – nicht nur, weil es mehr Honig sammelt, sondern auch, weil es gesünder bleibt und weniger Pflege braucht. Ein Volk, das im Frühjahr etwa 20 000 Arbeitsbienen zählt, kann täglich 8 000 bis 9 000 Sammlerinnen aussenden. Die übrigen Bienen kümmern sich gleichzeitig um Brutpflege, Wabenbau und die Arbeit im Stock.
Vergleicht man das mit drei schwachen Völkern, die je nur 8 000 Bienen haben, erkennt man den Unterschied: Diese drei kleinen Völker bringen gemeinsam nicht so viel wie ein einziges starkes. Denn in kleinen Völkern fehlt es an genügend Ammenbienen, die Brut zu versorgen, und an Baubienen, die Waben erweitern. Außerdem verbrauchen mehrere schwache Völker mehr Futter im Verhältnis zu ihrem Ertrag.
Ein starkes Volk baut in wenigen Tagen mehrere Waben und füllt sie mit Honig. Schwache Völker dagegen brauchen Wochen dafür und bleiben oft hinter den Trachtzeiten zurück. Darum gilt: Es ist besser, ein einziges kräftiges Volk zu pflegen, als vier schwache zu erhalten.
Warum Schwache Zeit und Geld kosten
Schwache Völker kosten den Imker doppelt: Sie verlangen dieselbe Aufmerksamkeit wie starke, bringen aber kaum Ertrag. Man füttert sie im Frühjahr, schützt sie vor Räuberei und Krankheiten – und doch sind sie im Herbst oft nicht überwinterungsfähig. Am Ende muss man sie mit anderen vereinigen oder verliert sie.
Starke Völker dagegen benötigen weniger Hilfe. Sie verteidigen sich selbst gegen Räuber, überstehen kalte Nächte besser, heizen ihre Brut und sammeln schon an den ersten warmen Tagen. Sie nutzen jede Tracht vollständig aus, während schwache Völker noch am Überleben arbeiten.
Wie man zu starken Völkern kommt
Damit Völker stark werden, brauchen sie rechtzeitige Pflege im Frühjahr. Man sorgt dafür, dass sie genügend Futter haben und die Königin reichlich Brut legen kann. Bei kargem Nektarangebot hilft eine leichte Fütterung. Schwache Völker vereinigt man frühzeitig, damit sie sich nicht gegenseitig schwächen.
Wichtig ist auch die richtige Bienenwohnung: In zu großen oder ungeeigneten Beuten verlieren kleine Völker zu viel Wärme. In gut angepassten Beuten dagegen können sie sich besser entwickeln. Darauf wird in den folgenden Abschnitten ausführlich eingegangen.
Merksatz:
Ein starkes Volk bringt mehr Honig als vier schwache zusammen. Stärke spart Arbeit, Zeit und Futter – sie ist die Grundlage jeder erfolgreichen Bienenzucht.
§2: Warum man mit gewöhnlichen Strohkörben den vollen Nutzen nicht erreicht
Traditionell hält man Bienen in einfachen Strohkörben. Diese Bauweise hat sich zwar über Jahrhunderte erhalten, doch sie hat viele Nachteile, die den Imker daran hindern, den vollen Nutzen aus seinen Völkern zu ziehen.
Fehlende Kontrolle
Im Strohkörben kann man das Innere des Volkes nicht einsehen. Man erkennt nicht rechtzeitig, ob die Königin fehlt, ob Krankheiten herrschen oder ob die Bienen zu wenig Platz haben. Schwache Völker bleiben unbemerkt, bis es zu spät ist. Der Imker muss abwarten, was geschieht, ohne eingreifen zu können.
Mühsame und schädliche Honigentnahme
Will man Honig aus Strohkörben ernten, muss man die Beute vom Stock nehmen und die Waben heraus- oder gar abschneiden. Dabei zerstört man oft die Brut, verwirrt das Volk und schwächt es erheblich. In mageren Jahren bedeutet jede Honigernte Lebensgefahr für die Bienen, weil ihnen der Vorrat fehlt. Häufig musste man früher ganze Völker töten, um an Honig und Wachs zu gelangen – eine grausame und zugleich unwirtschaftliche Methode.
Keine Möglichkeit, Völker zu stärken
Mit Strohkörben kann man keine gezielte Pflege betreiben. Man kann keine Waben umhängen, keine schwachen Völker mit Brut oder Futter unterstützen und keine kranken Völker rechtzeitig isolieren. Alles ist dem Zufall überlassen.
Verluste in schlechten Jahren
In Jahren mit wenig Tracht kann der Imker die Bienen nicht schützen. Bleiben Honigpflanzen aus oder regnet es zu viel, verhungern schwache Völker, weil man ihnen im Strohkörben keinen Futterraum anbieten kann. Oft müssen dann ganze Bestände neu angeschafft werden.
Keine Beobachtung des Bienenlebens
Ein weiterer Nachteil: Wer Bienen im Strohkörben hält, kann ihr Leben nicht direkt beobachten. Man erfährt wenig von ihrem Verhalten, erkennt weder Krankheiten noch Schwarmstimmung rechtzeitig und verpasst viele Gelegenheiten, das Volk zu unterstützen.
Fazit:
Strohkörbe sind eine einfache, aber unvollkommene Behausung. Sie erlauben keine Kontrolle, machen die Honigentnahme mühsam und schaden den Völkern. Wer seinen vollen Nutzen aus der Bienenzucht ziehen will, braucht eine bessere Bauweise – sie wird im nächsten Abschnitt beschrieben.
§3: Magazinbeuten mit Glasaufsätzen – die bessere Bienenwohnung
Nachdem wir die Nachteile der Strohkörbe kennen, wenden wir uns den Magazinbeuten zu. Sie sind stapelbare Kästen, die man übereinander setzen kann. Besonders bewährt haben sich hölzerne Aufsätze mit einer Glasscheibe, die viele Vorteile gegenüber Strohkörben haben.
Grundidee der Magazinbeuten
Jeder Magazinaufsatz ist ein handlicher Kasten, der leicht bewegt werden kann. Mehrere Aufsätze übereinander bilden die ganze Beute. Unten bleibt der Brutraum, darüber werden nach Bedarf Honigräume aufgesetzt. Diese Bauweise ahmt den natürlichen Bienenbau nach: Die Brut sitzt immer unten, der Honig wird darüber eingelagert.
Das Glasfenster erlaubt einen Blick ins Innere, ohne die Bienen zu stören. So erkennt man leicht:
ob die Königin vorhanden ist,
ob das Volk gesund ist,
ob Platzmangel herrscht oder
ob Honigernte ansteht.
Aufbau der Aufsätze
Ein Aufsatz ist meist quadratisch, etwa 13 Zoll breit und 4 bis 5 Zoll hoch. An der Vorderseite ist ein Flugloch, das mit einem Schieber aus Metall oder Holz reguliert oder verschlossen werden kann – etwa beim Transport oder bei Räubereigefahr. Auf der Rückseite befindet sich eine Öffnung für die Glasscheibe, die mit einem Deckel verschlossen wird.
Innen liegen Leisten oder Roste, die die Bienen zum geraden Wabenbau anleiten. So bleiben die Waben in gutem Abstand und lassen sich leicht entnehmen.
Mehrere Aufsätze lassen sich stabil und dicht übereinander stapeln. Oben wird der Turm mit einem Deckbrett oder Dach abgeschlossen. Der Imker kann jederzeit neue Honigräume aufsetzen oder leere entfernen.
Vorteile gegenüber Strohkörben
Schonende Honigentnahme: Man erntet nur die oberen Honigräume, ohne Brutwaben zu zerstören.
Einfache Pflege: Schwache Völker kann man durch Brutwaben aus anderen Beuten verstärken.
Bessere Beobachtung: Man sieht jederzeit, ob das Volk gesund ist und Platz hat.
Schnellerer Wabenbau: Die Bienen füllen neue Aufsätze zügig, weil die Bauweise den natürlichen Hang zum Aufwärtsbauen nutzt.
Längere Haltbarkeit: Hölzerne Aufsätze halten viele Jahre, während Strohkörbe oft nach wenigen Wintern verfallen.
Honigernte ohne Schaden
Wenn der obere Honigraum gefüllt ist, nimmt man ihn ab und setzt einen leeren auf. Die Bienen tragen weiter Honig ein, während die Brut unten ungestört bleibt. So gewinnt man saubere Honigscheiben ohne Brutreste – und das Volk bleibt stark.
Bei Strohkörben musste man früher ganze Völker töten, um Honig und Wachs zu ernten. Mit Magazinbeuten entfällt dieses Problem vollständig. Man kann sogar mehrmals pro Jahr ernten, ohne den Bienen zu schaden.
Beobachtung und Freude
Das Glasfenster hat noch einen weiteren Vorteil: Es erlaubt einen Blick in das Bienenleben, ohne den Stock zu öffnen. Man sieht, wie Waben gebaut, Brut gepflegt und Honig eingelagert wird. Dies ist nicht nur lehrreich, sondern auch ein stilles Vergnügen.
Varianten und Ergänzungen
Wer will, kann Magazinaufsätze auch aus Stroh herstellen, doch sie sind weniger dauerhaft und erlauben keine so klare Beobachtung. Für wissenschaftliche oder schulische Zwecke lassen sich vollständige Glasbeuten bauen – sie dienen mehr dem Anschauen als dem Honigertrag.
Überführung aus Strohkörben
Um ein Volk aus einem Strohkörben in eine Magazinbeute zu setzen, stülpt man die neue Beute an den Platz des alten Korbes. Die Bienen ziehen freiwillig ein, wenn der alte Korb ausgeleert wird. Brutwaben und Futterreste kann man ebenfalls umsetzen, damit das Volk ohne Unterbrechung weiterarbeiten kann.
Fazit:
Magazinbeuten mit Glas sind den alten Strohkörben weit überlegen. Sie schonen die Bienen, erleichtern jede Arbeit, liefern sauberen Honig und erlauben dem Imker, sein Volk besser zu verstehen und zu pflegen.
§4: Anleitung zur Herstellung der Magazinbeuten
Nachdem der Nutzen der Magazinaufsätze gezeigt wurde, folgt nun eine genaue Bauanleitung. Sie ist so einfach gehalten, dass jeder Handwerker oder geschickte Imker die Beuten selbst anfertigen kann.
Grundmaße der Aufsätze
Jeder Aufsatz ist quadratisch, mit einer Innenbreite von 13 Zoll und einer Höhe von 4½ Zoll. Diese Maße sind bewährt: Sie sind handlich, leicht stapelbar und bieten den Bienen genug Raum für den Wabenbau.
Die Aufsätze bestehen aus vier Brettern von etwa 1 Zoll Stärke. Die Ecken werden mit Zapfen und Schlitzen verbunden und zusätzlich verleimt oder verschraubt, damit sie luftdicht und stabil sind.
Flugloch und Glasfenster
An der Vorderseite ist ein Flugloch von etwa 4 Zoll Breite und 1 Zoll Höhe. Es wird mit einem Schieber versehen, der das Loch verengt oder ganz verschließt – etwa beim Transport oder bei Räubereigefahr.
An der Rückseite wird eine Öffnung für eine Glasscheibe ausgeschnitten, ungefähr 8 Zoll breit und 3 Zoll hoch. Das Glas wird in einen einfachen Rahmen eingesetzt und mit einem hölzernen Schieber verdeckt, damit es bei Bedarf lichtdicht verschlossen werden kann.
Innenaufbau – Leisten und Roste
Im Inneren legt man Leisten oder Roste auf. Sie geben den Bienen die Richtung für den Wabenbau vor und halten die Waben im richtigen Abstand. Dazu verwendet man vier schmale Holzleisten mit Nuten, in die mehrere dünne Latten (etwa einen Finger breit) eingesteckt werden. Diese bilden ein Gitter, das herausnehmbar ist.
Diese Roste erleichtern die Entnahme der Waben und verhindern, dass die Bienen sie kreuz und quer anbauen. Die Bienen folgen gerne diesen Vorgaben, wenn man sie gleich beim Aufsetzen des neuen Honigraums einlegt.
Stapeln und Abdichten
Mehrere Aufsätze werden übereinander gesetzt. Damit kein Spalt entsteht, erhalten die Ober- und Unterkanten eine einfache Nut-Feder-Verbindung oder schmale Rahmenleisten, die zugleich verhindern, dass Regen eindringt. Zwischenräume können bei Bedarf mit einem schmalen Wachsstreifen oder Leinölkitt abgedichtet werden.
Die Aufsätze werden oben mit einem Deckbrett abgeschlossen. Für die Überwinterung oder zum Transport kann man die Beute mit einem einfachen Blech- oder Holzdach schützen.
Materialempfehlungen
Am besten ist leichtes, trockenes Nadelholz, z. B. Fichte oder Tanne. Es ist warm, leicht zu bearbeiten und verzieht sich weniger. Die Innenflächen sollten glatt gehobelt sein, damit die Bienen sie leichter mit Propolis überziehen können.
Außen kann man die Beuten mit Leinöl oder einer dünnen Farblasur wetterfest machen. Zu dicke Farbe oder giftige Lacke sind ungeeignet, weil sie den Holzgeruch verschließen oder die Bienen schädigen könnten.
Zusätzliche Vorrichtungen
Für den Transport kann man kleine Riegel oder Haken anbringen, die die Aufsätze zusammenhalten.
Ein Schutzgitter für die Königin kann eingesetzt werden, wenn man sie vom Honigraum fernhalten möchte.
Wer will, kann oben eine Futterzarge einsetzen, die den Bienen im Frühjahr oder bei Trachtlücken Nektar oder Zuckerwasser anbietet.
Herstellungskosten
Solche Magazinaufsätze kosten kaum mehr als ein gut gearbeiteter Strohkasten, halten aber viele Jahre. Ein geschickter Tischler kann mehrere Aufsätze an einem Tag fertigen. Im Vergleich zu Strohkörben lohnt sich der geringe Mehraufwand, weil sie haltbarer, praktischer und ertragreicher sind.
Fazit:
Die Magazinbeute ist einfach herzustellen. Sie erfordert nur wenige Bretter, eine Glasscheibe und etwas sorgfältige Arbeit. Das Ergebnis ist eine langlebige, bequeme und bienenfreundliche Behausung, die dem Imker Kontrolle, Honigertrag und Freude bringt.
§5: Reine Honigscheiben ernten, ohne die Bienen zu stören
Ein großer Vorteil der Magazinbeuten ist, dass man das ganze Jahr über Honig ernten kann, ohne Brut oder Bienen zu schädigen. Die Ernte wird dadurch nicht nur einfacher, sondern der Honig ist auch sauberer und von bester Qualität.
Prinzip der schonenden Ernte
Die Bienen bauen und füllen ihre Waben stets von unten nach oben. Unten sitzt die Brut, darüber die Vorräte. In Magazinbeuten bleibt der untere Raum daher immer für Brut und Futter reserviert. Oben setzt man neue Honigräume auf, die nur für den frischen Nektar bestimmt sind.
Sobald ein oberer Aufsatz gefüllt und verdeckelt ist, nimmt man ihn einfach ab und ersetzt ihn durch einen leeren. Die Bienen tragen weiter Honig ein, ohne im Brutraum gestört zu werden. So können mehrere Honigernten im Jahr stattfinden.
Vorteile dieser Methode
Keine Brutverluste – Anders als bei Strohkörben muss man keine Waben ausschneiden, wodurch früher oft Brut zerstört wurde.
Bienen bleiben ruhig – Da man nur den oberen Honigraum abnimmt, fühlen sich die Bienen nicht bedroht.
Honig bleibt sauber – Die oberen Waben enthalten nur frischen Honig, keine Pollenreste oder Brut.
Mehrere Ernten möglich – Nach der Frühtracht kann man Sommer- und Spättrachten ebenso sauber ernten.
Wann man die Honigräume abnimmt
Die beste Zeit ist, wenn die meisten Waben im oberen Aufsatz verdeckelt sind. Verdeckelter Honig ist ausgereift und lagerfähig. Unverdeckelte Waben lässt man noch einige Tage, bis die Bienen den Honig eingedickt haben.
Nach der Ernte stellt man sofort einen neuen, leeren Aufsatz auf. Die Bienen beginnen sogleich mit dem Bau neuer Waben und der Einlagerung der nächsten Tracht.
Umgang mit den Honigwaben
Die entnommenen Aufsätze stellt man an einen ruhigen Ort. Will man reine Scheibenhonige anbieten, lässt man die Waben im Rahmen und deckt sie nur ab. Für größere Mengen schleudert man den Honig aus und gibt die leeren Waben später wieder auf ein Volk – die Bienen nehmen sie sofort wieder in Gebrauch.
Versorgung der Bienen
Wichtig ist, dass man genug Honig im Brutraum belässt, damit die Bienen nicht hungern. Besonders vor Trachtlücken und zum Winter hin dürfen sie nicht zu knapp sitzen. Magazinbeuten erleichtern diese Kontrolle, weil man jederzeit in die unteren Räume blicken kann.
Reinigung und Pflege
Nach der Honigernte sollte man die leeren Aufsätze reinigen und trocken lagern, um Wachsmotten vorzubeugen. Glasfenster und Holz können mit einem weichen Tuch abgewischt werden. Gut gepflegte Aufsätze halten viele Jahre.
Fazit:
Mit Magazinbeuten kann man Honig sauber und mehrmals im Jahr ernten, ohne die Bienen zu stören oder Brut zu zerstören. Diese Methode spart Arbeit, erhält starke Völker und liefert die beste Honigqualität.
§6: Vom Nutzen der Magazine überhaupt
Magazine sind nicht nur eine bequemere Bauweise, sie bringen auch einen wesentlichen Vorteil für die Bienenzucht insgesamt. Sie erlauben es, die Bienen artgerecht und zugleich wirtschaftlich zu halten, ohne sie unnötig zu beunruhigen oder zu schwächen.
Honig- und Wachsertrag ohne Zerstörung
Mit Magazinbeuten kann man Honig und Wachs gewinnen, ohne das Volk zu töten oder Brut zu zerstören. Früher musste man bei Strohkörben oft ganze Völker vernichten, um an Honig und Waben zu gelangen. Jetzt werden nur die oberen Honigräume abgenommen, während der Brutraum ungestört bleibt.
Der Honig ist dadurch reiner und von besserer Qualität, da er keine Pollenreste enthält. Auch das Wachs lässt sich schonend gewinnen: Alte Honigwaben können ausgeschmolzen werden, ohne dass das Volk Schaden nimmt.
Mehrfacher Nutzen im Jahr
Durch das Aufsetzen neuer Honigräume können die Bienen mehrere Trachten pro Jahr ausnutzen. Frühtracht, Sommertracht und Spättracht lassen sich getrennt ernten. So kann der Imker gezielt unterschiedliche Honigsorten anbieten.
Zudem werden Trachtlücken besser überbrückt, weil die Bienen die bereits ausgebauten Waben erneut füllen können, anstatt neue Waben bauen zu müssen.
Geringerer Pflegeaufwand
Mit Magazinbeuten ist die Pflege einfacher und schneller. Man kann Völker bei Bedarf verstärken, Ableger bilden oder Honigräume erweitern, ohne das ganze Volk umzusetzen. Schwache Völker lassen sich leicht mit Brutwaben aus starken Völkern unterstützen.
Auch die Kontrolle ist leichter: Durch die Glasfenster erkennt man rechtzeitig, ob die Königin fehlt, ob es Platzmangel gibt oder ob Krankheiten auftreten.
Längere Lebensdauer der Beuten
Magazinaufsätze sind haltbarer als Strohkörbe. Sie halten bei guter Pflege viele Jahre. Selbst wenn ein Teil beschädigt wird, kann er einzeln ersetzt werden, ohne den ganzen Stock zu verlieren.
Freude und Erkenntnis
Nicht zuletzt bringen Magazinbeuten auch mehr Freude an der Bienenzucht. Durch die Glasfenster sieht man das Leben im Stock: wie die Bienen bauen, Brut pflegen, Honig einlagern und miteinander arbeiten. Dies ist nicht nur lehrreich, sondern auch ein stilles Vergnügen für jeden Naturfreund.
Fazit:
Magazine vereinen Nutzen und Schonung. Sie ermöglichen mehrfachen Honigertrag im Jahr, erleichtern die Pflege, verlängern die Haltbarkeit der Beuten und erlauben dem Imker, seine Bienen besser zu verstehen und zu beobachten.
§7: Besondere Vorzüge der hölzernen Magazinaufsätze mit Glas
Unter allen Magazinarten sind die hölzernen Aufsätze mit Glasfenstern die besten. Sie verbinden Haltbarkeit, leichte Handhabung und die Möglichkeit, das Bienenleben direkt zu beobachten.
Haltbarer und wetterfester
Holz ist langlebiger als Stroh. Ein gut gebauter Holzaufsatz kann viele Jahre genutzt werden, während Strohaufsätze oft schon nach wenigen Wintern verfallen. Außerdem schützt Holz besser gegen Kälte, Hitze und Feuchtigkeit, wenn es richtig verarbeitet und gepflegt wird.
Einfache Kontrolle
Durch die Glasscheibe an der Rückseite sieht man jederzeit, wie weit die Bienen den Raum ausgebaut haben:
ob die Königin Eier legt,
ob Brut vorhanden ist,
ob Honig eingelagert wird,
ob Räuberei oder Krankheiten drohen.
So kann der Imker frühzeitig eingreifen, ohne den Stock öffnen oder die Bienen stören zu müssen. Besonders im Frühjahr und vor der Honigernte ist dieser Einblick wertvoll.
Schonende Honigentnahme
Die Glasaufsätze machen die Honigernte besonders einfach: Man sieht, ob der Honig verdeckelt ist, und nimmt nur die gefüllten Honigräume ab. Die Bienen bleiben dabei ruhig, weil sie im Brutraum nicht berührt werden.
Der Honig aus diesen Aufsätzen ist heller und reiner, da er nur aus frischen Waben besteht, die für den Honigbau angelegt wurden.
Leichter zu reinigen und zu lagern
Hölzerne Glasaufsätze lassen sich nach der Honigernte leicht reinigen und trocken lagern. Sie sind weniger anfällig für Schimmel oder Wachsmotten, wenn man sie ordentlich behandelt. Auch das Glas kann einfach herausgenommen und geputzt werden.
Freude beim Beobachten
Die Möglichkeit der Beobachtung ist ein besonderer Vorzug. Man sieht den Wabenbau, die Brutpflege und die Arbeit der Sammlerinnen hautnah, ohne das Volk zu stören. Für Anfänger und Neugierige ist das lehrreich, für erfahrene Imker eine Hilfe zur besseren Pflege. Auch Besucher oder Schüler können so das Bienenleben bestaunen.
Fazit:
Hölzerne Magazinaufsätze mit Glas vereinen praktische Vorteile wie Haltbarkeit und Kontrolle mit dem Vergnügen, die Bienen zu beobachten. Sie sind für jeden Imker die beste Wahl, wenn er Pflege, Ertrag und Freude verbinden will.
§8: Von den strohernen Magazinaufsätzen
Neben den hölzernen Magazinaufsätzen gibt es auch stroherne Aufsätze, die ähnlich aufgebaut sind, aber aus geflochtenem Stroh gefertigt werden. Sie sind eine günstigere Variante, haben jedoch einige Nachteile gegenüber Holz.
Vorteile der Strohaufsätze
Geringere Herstellungskosten: Stroh ist billig und leicht zu verarbeiten. Wer selbst flechten kann, fertigt solche Aufsätze schnell und mit wenig Materialaufwand.
Geringes Gewicht: Strohaufsätze sind leichter als Holz, was das Abnehmen und Aufsetzen erleichtert.
Wärmeisolierend: Stroh schützt gut gegen Sommerhitze und Winterkälte, sodass die Bienen weniger Energie für die Klimaregulierung im Stock aufwenden müssen.
Nachteile der Strohaufsätze
Weniger haltbar: Stroh ist empfindlich gegen Feuchtigkeit und Schädlinge. Nach wenigen Jahren wird es brüchig oder von Mäusen, Wachsmotten und anderen Insekten zerfressen.
Schwieriger zu reinigen: Nach der Honigernte lassen sich Strohaufsätze nicht so gründlich säubern wie Holz. Sie nehmen Honigreste und Feuchtigkeit auf und ziehen Schimmel oder Ungeziefer an.
Keine Glasfenster: Strohaufsätze erlauben keinen Einblick ins Innere. Man kann also nicht sehen, wie weit die Bienen gebaut haben oder ob der Honig verdeckelt ist.
Für wen eignen sich Strohaufsätze?
Strohaufsätze sind eine Übergangslösung für Imker, die von Strohkörben auf Magazinbeuten umstellen wollen, aber noch keine Holzaufsätze anfertigen lassen können. Sie eignen sich auch für kleine Nebenvölker oder für Imker, die nur wenige Jahre Bienen halten möchten.
Wer jedoch dauerhaft Bienen halten will, spart auf lange Sicht mehr Zeit und Kosten mit den hölzernen Glasaufsätzen, da sie viele Jahre halten und praktischer sind.
Fazit:
Stroherne Magazinaufsätze sind leicht, warm und billig, aber nicht dauerhaft und weniger hygienisch. Sie können Holzaufsätze vorübergehend ersetzen, sind aber keine gleichwertige Alternative für eine langfristige, ertragreiche Bienenzucht.
§9: Wie man die Magazinaufsätze in der Bienenzucht richtig nutzt
Damit die Magazinaufsätze ihren vollen Nutzen bringen, muss man sie zur richtigen Zeit und in der richtigen Weise einsetzen. Der Erfolg hängt weniger von der Bauweise als von der geschickten Handhabung ab.
Aufsetzen neuer Honigräume
Im Frühjahr, sobald die Bienen stark genug sind und der Brutraum gut gefüllt ist, setzt man den ersten Honigaufsatz auf.
Sobald dieser gefüllt und teilweise verdeckelt ist, nimmt man ihn ab und setzt sofort einen neuen leeren Honigraum auf.
So können die Bienen die Tracht ohne Unterbrechung ausnutzen.
Es ist wichtig, nicht zu lange zu warten, sonst fehlt den Bienen Platz. Das führt zu Schwarmstimmung oder wildem Wabenbau.
Beobachtung durch das Glasfenster
Durch das Glasfenster erkennt man:
ob die Bienen den neuen Raum schon ausgebaut haben,
wie viel Honig bereits eingelagert ist,
und ob der Honig verdeckelt ist und geerntet werden kann.
Diese Kontrolle spart Arbeit und vermeidet unnötiges Öffnen des Stocks.
Ernte der Honigräume
Ist ein Aufsatz fast vollständig verdeckelt, nimmt man ihn vorsichtig ab. Die Bienen bleiben dabei ruhig, weil Brut und Vorräte im unteren Teil unberührt bleiben. Man ersetzt den entnommenen Aufsatz sofort durch einen leeren, damit der Bautrieb erhalten bleibt.
So kann man mehrere Trachten im Jahr getrennt ernten:
Frühtracht (z. B. Obstblüte),
Sommertracht (Klee, Linde),
Spättracht (Heide, Buchweizen).
Nutzung alter Waben
Leere Honigwaben aus den Aufsätzen kann man wiederverwenden. Gibt man sie in einen neuen Honigraum, sparen die Bienen viel Zeit und füllen sie schneller erneut. Das steigert den Ertrag und schont die Tracht.
Pflege der Aufsätze
Nach der Honigernte werden die Aufsätze gereinigt und trocken gelagert. Holzaufsätze lassen sich leicht säubern, bei Strohaufsätzen muss man besonders auf Schimmel und Wachsmotten achten.
Fazit:
Wer die Magazinaufsätze zur richtigen Zeit aufsetzt und rechtzeitig erntet, erhält den größten Nutzen. Glasfenster helfen bei der Beobachtung, und das wiederholte Aufsetzen neuer Honigräume ermöglicht mehrere saubere Ernten im Jahr, ohne die Bienen zu beunruhigen.
§10: Wie man Bienen aus Strohkörben in Magazinaufsätze umsetzt
Wer bisher Bienen in Strohkörben gehalten hat, kann sie leicht in Magazinbeuten überführen. Der Vorgang ist einfach und schadet den Bienen nicht, wenn er zur richtigen Zeit und mit Ruhe durchgeführt wird.
Der beste Zeitpunkt
Am besten setzt man Völker im Frühjahr oder Frühsommer um, wenn die Bienen schon rege fliegen, aber noch nicht in voller Tracht stehen. Zu dieser Zeit ist die Brut vorhanden, aber der Stock nicht zu schwer. Bei kühlem Wetter oder starkem Regen sollte man nicht umsetzen.
Vorbereitung der Magazinbeute
Neuen Magazinboden an den Platz des Strohkobens stellen.
Einen fertigen Aufsatz mit Leisten und eventuell einer ausgebaute Wabe bereitstellen.
Einen zweiten leeren Aufsatz für die Bienenmasse bereithalten.
Alles muss vorher bereitstehen, damit die Bienen schnell einziehen können.
Umsetzen der Bienen
Den Strohkoben vorsichtig abnehmen und umdrehen.
Mit einem leichten Schlag die Bienen aus dem Korb in einen leeren, bereitgestellten Aufsatz schütteln.
Den Aufsatz mit den Bienen auf den neuen Magazinboden setzen.
Die meisten Bienen laufen freiwillig hinein, besonders wenn sie ihre Königin riechen. Man kann sie mit etwas Rauch oder einem leichten Wassernebel beruhigen.
Übertragung der Brutwaben
Damit die Bienen sofort Brutpflege leisten können, nimmt man aus dem Strohkoben einige Brutwaben heraus und legt sie in den unteren Aufsatz. So behalten die Bienen ihren Nachwuchs und fühlen sich schnell wieder heimisch.
Abschluss des Umsetzens
Die Bienen bleiben meist ruhig und beginnen sofort mit dem Wabenbau.
Man setzt sofort einen weiteren Honigaufsatz auf, damit die Bautrieb ausgenutzt wird.
Nach ein bis zwei Tagen fliegen die Bienen wie gewohnt an ihren neuen Platz.
Warum dieses Verfahren schonend ist
Die Bienen werden nicht unnötig aufgeregt, weil sie am alten Standort bleiben. Die Königin bleibt beim Volk, und durch die übernommenen Brutwaben haben sie sofort Arbeit und Orientierung. In wenigen Tagen arbeiten sie im Magazin genauso wie vorher im Strohkoben.
Fazit:
Mit etwas Vorbereitung lassen sich Bienen leicht und ohne Verluste von Strohkörben auf Magazinaufsätze umstellen. So kann man bestehende Völker übernehmen und zugleich auf eine bessere Beutenform wechseln.
§11: Viereckige Bienenhäuser mit großen Glastafeln – mehr zum Vergnügen als zum Nutzen
Neben den praktischen Magazinaufsätzen gibt es auch besondere Bienenhäuser mit großen Glastafeln, die vor allem zum Beobachten des Bienenlebens gedacht sind. Sie sind weniger für den wirtschaftlichen Ertrag, sondern eher für Neugierige, Schulen oder Liebhaber der Natur bestimmt.
Aufbau solcher Bienenhäuser
Diese Bienenwohnungen sind viereckig und bestehen fast vollständig aus Glas, sodass man den Stock von allen Seiten sehen kann.
Innen sind Wabenrahmen oder Leisten angebracht, an denen die Bienen ihre Waben bauen.
Damit das Volk nicht zu sehr dem Licht ausgesetzt ist, gibt es Schiebeläden oder Abdeckungen, mit denen man das Glas bei Bedarf abdunkeln kann.
So kann man jederzeit die Arbeit der Bienen verfolgen, ohne den Stock zu öffnen.
Zweck und Nutzen
Der Hauptzweck ist Beobachtung und Belehrung:
Man sieht, wie die Königin Eier legt und wie die Arbeiterinnen Brut pflegen.
Man kann den Wabenbau Schritt für Schritt verfolgen.
Besucher und Schüler bekommen einen unmittelbaren Eindruck vom Bienenleben.
Für wissenschaftliche Versuche sind solche Glashäuser ebenfalls nützlich. Man kann genau sehen, wie die Bienen auf Veränderungen reagieren, ohne das Volk zu stören.
Nachteile für die Bienen
Für den praktischen Betrieb sind solche Glashäuser weniger geeignet:
Bienen mögen keine dauerhafte Helligkeit. Zu viel Licht verwirrt sie und stört die Arbeit.
Glas schützt schlechter vor Hitze im Sommer und Kälte im Winter.
Der Honigertrag ist geringer, weil die Bienen unruhiger sind.
Darum sollte man das Glas meistens abdecken und nur für Beobachtungen öffnen. Wer Wert auf Honig legt, wählt besser die normalen Magazinbeuten.
Fazit:
Viereckige Glasbienenhäuser sind vor allem für Lehrzwecke und Liebhaber gedacht. Sie zeigen das Bienenleben auf anschauliche Weise, sind aber weniger praktisch für eine ertragreiche Bienenzucht.
§12: Ausgetriebene und vereinigte Bienen sind die fleißigsten
Eine interessante Beobachtung in der Bienenzucht ist, dass ausgetriebene oder vereinigte Bienen oft besonders fleißig und friedlich sind.
Ausgetriebene Bienen
Wenn man ein Volk aus einem Strohkoben austreibt, z. B. um es in eine Magazinbeute umzusetzen, sind diese Bienen danach ungewöhnlich arbeitsam.
Sie haben keine alten Waben und Vorräte, an denen sie hängen, sondern müssen von Neuem beginnen.
Dadurch sind sie voller Bautrieb und nutzen jede Gelegenheit, neue Waben anzulegen und Honig einzutragen.
Auch die Schwarmstimmung verschwindet für längere Zeit, weil die Bienen zunächst mit dem Wiederaufbau beschäftigt sind.
Vereinigung von Völkern
Ebenso verhalten sich vereinigte Völker, also wenn man zwei schwache Völker zusammenführt:
Die Bienen werden ruhiger, weil sie plötzlich eine größere Gemeinschaft haben.
Sie beginnen sofort gemeinsam am Wabenbau und an der Brutpflege.
Oft wird die Königin des schwächeren Volkes nicht angegriffen, sondern die Bienen schließen sich schnell der stärkeren Königin an.
Warum diese Bienen fleißiger sind
Bienen sind arbeitsfreudiger, wenn sie:
genügend Raum für den Wabenbau haben,
einen klaren Auftrag (Aufbau, Vorratsbildung) spüren,
und nicht durch alte Vorräte oder veraltete Waben „gebunden“ sind.
Ausgetriebene und vereinigte Völker haben genau diese Voraussetzungen: Sie sind in einer neuen Behausung, voller Bautrieb und ohne alte Last.
Fazit:
Bienen, die aus alten Beuten ausgetrieben oder mit anderen Völkern vereint wurden, arbeiten besonders eifrig und sind friedlicher. Wer Völker erneuern oder verjüngen will, kann sich diesen Effekt zunutze machen.
Kapitel 4 - Von der Vermehrung der Bienenstöcke
§1: Die Vermehrung der Bienenstöcke ist ein wesentlicher Teil der Bienenzucht
Die Vermehrung der Bienenvölker gehört zu den wichtigsten Aufgaben eines Imkers. Wer nur wenige Völker hat und sie nicht vermehrt, kann seine Bienenzucht nicht lange erhalten. Durch Alterung der Königin, Krankheiten, Winterverluste oder Unglücksfälle gehen immer wieder Völker zugrunde. Ohne Ersatz schrumpft der Bestand.
Warum die Vermehrung wichtig ist
Erhaltung des Bestandes
Jedes Jahr fallen einige Völker aus. Wer keine neuen bildet, muss teuer neue Völker zukaufen oder die Bienenzucht ganz aufgeben.
Verbesserung der Erträge
Junge, frisch gebildete Völker sind besonders fleißig. Ihre Bienen sind voller Bautrieb und sammeln mehr Honig. Alte, übervolle Völker neigen eher zur Schwarmbildung und arbeiten weniger.
Erneuerung der Königinnen
Durch Vermehrung zieht man neue Königinnen nach. Alte Königinnen legen weniger Eier, das Volk wird schwächer. Junge Königinnen sorgen für starke Völker mit viel Brut und Honigertrag.
Schutz vor Verlusten
Wer immer nur wenige Völker hat, riskiert, dass ein einziger harter Winter den ganzen Bestand vernichtet. Mehrere Völker sichern den Fortbestand.
Arten der Vermehrung
Es gibt zwei Hauptarten, Bienenvölker zu vermehren:
Natürliche Vermehrung durch Schwärme – der alte Stock teilt sich von selbst, indem ein Teil des Volkes mit der alten Königin auszieht.
Künstliche Vermehrung durch Ableger – der Imker nimmt Brutwaben und Bienen aus starken Völkern und bildet daraus neue.
Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile. Schwärme sind kräftig, aber unberechenbar. Ableger sind planbar, aber anfangs schwächer.
Der richtige Zeitpunkt
Am besten vermehrt man im Frühling und Frühsommer, wenn viel Tracht herrscht und die Völker stark sind. Zu frühe Teilungen schwächen das Volk, zu späte bringen keine fertigen Jungvölker mehr vor dem Winter.
Verbindung mit dem Honigertrag
Wer vermehrt, hat im gleichen Jahr meist weniger Honig, weil die Bienen ihre Kraft auf den Wabenbau und die Brut verwenden. Doch diese Investition lohnt sich: Ein neu gebildetes Volk bringt im Folgejahr mehr Honig, als man im Vermehrungsjahr verliert.
Fazit:
Die Vermehrung der Bienenvölker ist nötig, um den Bestand zu erhalten, Königinnen zu erneuern und Erträge langfristig zu sichern. Ob durch Schwärme oder Ableger – jeder Imker muss jedes Jahr einige neue Völker bilden.
§2: Wie die Bienen von Natur aus schwärmen und sich vermehren
Die natürliche Vermehrung der Bienen geschieht durch das Schwärmen. Wenn ein Volk im Frühjahr stark geworden ist und viel Brut und Honig angelegt hat, beginnt es, neue Königinnen aufzuziehen. Kurz vor dem Schlupf der ersten jungen Königin verlässt die alte Königin den Stock – und ein Teil des Volkes zieht mit ihr aus. So entsteht ein neuer Schwarm.
Anzeichen für Schwarmstimmung
Ein erfahrener Imker erkennt rechtzeitig, wann ein Volk schwärmen will:
Die Bienen hängen in dichten Trauben vor dem Flugloch.
Sie fliegen weniger aus, obwohl das Wetter gut ist.
Man hört im Stock ein besonderes, helles Summen oder „Tüten“ der alten Königin.
Im Brutraum sieht man Weiselzellen, also besondere Königinnenzellen, die größer und senkrecht gebaut sind.
Diese Zeichen erscheinen meist im späten Frühjahr, wenn die erste große Tracht zu Ende geht und das Volk sehr stark ist.
Ablauf des Schwärmens
An einem warmen, windstillen Tag – meist gegen Mittag – verlässt der Schwarm plötzlich den Stock. Er steigt hoch in die Luft, kreist einige Minuten über dem Bienenstand und sammelt sich dann an einem nahen Ast, Strauch oder Zaunpfahl zu einer großen Traube.
Der Schwarm bleibt dort meist eine halbe Stunde bis einige Stunden, bis Spurbienen eine neue Behausung gefunden haben. Wenn der Imker ihn in dieser Zeit einfängt, kann er ihn in eine vorbereitete Beute einschlagen.
Im alten Stock schlüpfen nach dem Auszug neue Königinnen. Eine davon übernimmt das Volk. Wenn noch mehrere Königinnen übrig sind, können Nachschwärme entstehen – kleinere Schwärme, die mit einer jungen Königin ausziehen.
Vorteile und Nachteile des natürlichen Schwarms
Vorteile: Schwärme sind voller Energie und Bautrieb. Sie bauen schnell neue Waben und sammeln fleißig.
Nachteile: Schwärme kommen oft unerwartet. Manchmal ziehen sie davon, bevor der Imker sie fängt. Außerdem verringert jeder Schwarm die Honigernte des Muttervolkes.
Warum man das Schwärmen steuern sollte
Für den Ertrag ist es besser, wenn der Imker das Schwärmen rechtzeitig verhindert oder lenkt:
Zu viele Schwärme schwächen das Volk, und die Honigernte leidet.
Unerwartete Schwärme können verloren gehen.
Mit geplanten Ablegern kann man Völker vermehren, ohne dass unkontrollierte Schwärme abgehen.
Darum greifen viele Imker ein und bilden gezielt Kunstschwärme oder Ableger, die man besser kontrollieren kann. Im nächsten Abschnitt wird erklärt, wie das geht.
Fazit:
Der natürliche Schwarm ist die Art, wie sich Bienen von selbst vermehren. Für den Imker ist er nützlich, aber unberechenbar. Wer Honig ernten und dennoch vermehren will, muss Schwärme rechtzeitig erkennen, einfangen oder durch geplante Ableger ersetzen.
§3: Die verschiedenen Arten der Kunstschwärme oder Ableger und welche die beste und leichteste ist
Neben den natürlichen Schwärmen gibt es die künstlichen Schwärme, auch Ableger genannt. Sie werden nicht dem Zufall überlassen, sondern vom Imker gezielt gebildet. Schon frühere Bienenforscher wie Swammerdam und später Pfarrer Schirach beschrieben verschiedene Methoden. Doch viele dieser alten Verfahren sind umständlich und mühsam, sodass sie kaum Nachahmer fanden. Heute gibt es einfachere und bessere Methoden, die für jeden Imker geeignet sind.
Schirachs Methode – historisch, aber mühsam
Schirach empfahl, im Frühjahr – Ende April oder Anfang Mai – einen volkreichen Stock an einem warmen Vormittag abzunehmen, die Bienen mit Rauch nach oben zu treiben und dann einige handgroße Wabenstücke mit Brut aus der Mitte auszuschneiden. Diese Stücke legte man in kleine hölzerne Kästchen, in denen die Bienen ohne alte Königin neue Königinnen nachzogen.
Dieses Verfahren ist lehrreich, zeigt das Prinzip des Ablegens, ist aber arbeitsaufwendig und wenig praktikabel.
Einfache moderne Ablegerbildung
Heute nimmt man ganze Brutwaben samt aufsitzenden Bienen aus einem starken Volk. Dazu:
Wählt man 2–3 Waben mit viel Brut und jungen Bienen.
Hängt sie in eine vorbereitete Beute oder Kiste, ergänzt mit Futterwaben oder Mittelwänden.
Stellt den Ableger an einen anderen Standort, damit die Flugbienen nicht zurückkehren.
Die Bienen ziehen sich aus den jüngsten Larven eine neue Königin. In 3–4 Wochen ist der Ableger ein eigenständiges Volk.
Ableger mit Königin
Noch sicherer ist es, gleich eine begattete Jungkönigin zuzugeben. Dann spart man die Zeit der Nachzucht, und der Ableger entwickelt sich schneller.
Mehrere Völker kombinieren
Eine besonders gute Methode ist, von zwei oder drei starken Völkern je eine Brutwabe zu nehmen und daraus einen Ableger zu bilden. Solche Ableger sind kräftiger und schwächen die Muttervölker weniger.
Wann man Ableger bildet
Frühjahr und Frühsommer sind die beste Zeit. Dann ist genug Brut vorhanden und die Bienen haben Bautrieb.
Bei schlechtem Wetter oder Trachtmangel sollte man füttern, damit der Ableger nicht verhungert.
Warum Ableger keinen Schaden verursachen
Manche Imker fürchten, Ableger zu bilden, weil sie glauben, damit ihre Völker zu sehr zu schwächen. Doch wenn ein Volk groß genug ist und viel Brut hat, erholt es sich in wenigen Wochen. Nach 14 Tagen sieht man meist, dass das Muttervolk wieder stark und voller Brut ist.
Fazit:
Es gibt viele Arten, Ableger zu machen. Die älteren Methoden wie bei Schirach sind umständlich. Am besten und einfachsten ist es, einige Brutwaben mit Bienen aus mehreren Völkern zu kombinieren oder gleich eine junge Königin zuzusetzen. Solche Ableger sind kräftig, sicher und schwächen die Muttervölker nur wenig.
§3: Worin der Nutzen des Ablegens besteht und wann man es am besten tut
Der Hauptnutzen des Ablegens liegt darin, dass man frühzeitig neue Völker erhält – oft schon einige Wochen früher als die natürlichen Schwärme. Man spart sich die Mühe, den ganzen Tag auf Schwärme zu achten, die oft lange „vorliegen“, schwer erreichbar hängen oder gar verloren gehen können.
Vorteile gegenüber dem natürlichen Schwarm
Ableger entstehen planbar, ohne Überraschungen.
Man muss keine Schwärme von hohen Bäumen fangen und riskiert nicht, dass sie davonfliegen.
In Gegenden, in denen Bienen spät oder selten schwärmen, sind Ableger die einzige sichere Vermehrung.
Für wen sich Ableger besonders eignen
Wer seinen Bienenstand in einer schattigen oder kühlen Lage hat, wo Schwärme seltener fallen.
Wer keine Zeit hat, ständig zur Schwarmzeit im Garten zu sein oder keinen Helfer halten will.
Wer viele hohe Bäume um den Bienenstand hat, von denen Schwärme schwer zu erreichen sind.
Wer seine Bienen im oberen Stockwerk eines Hauses aufgestellt hat, wo Schwärme besonders schwer zu fassen sind.
Für alle diese Imker ist das Ablegen die beste Lösung, um sicher neue Völker zu bilden.
Wettervorteil der Ableger
Noch ein weiterer Vorteil: Natürliche Schwärme können bei langem Regenwetter oder Trachtmangel verhungern, wenn man sie nicht sofort füttert. Ableger hingegen haben bereits Honig- und Futtervorräte in ihren Kästchen. Sie können auch längere Schlechtwetterperioden überstehen, ohne Schaden zu nehmen.
Aber auch Schwärme haben Vorzüge
Trotzdem haben auch natürliche Schwärme ihre Reize:
Sie sind oft kräftiger und voller Bautrieb.
Das Fangen eines Schwarms ist für viele Imker ein besonderes Vergnügen, vor allem wenn er sich an niedrigen Bäumen oder in ausgehängten Körben niederlässt.
Darum haben Schwärme weiterhin viele Liebhaber – und es lohnt sich, auch das Schwarmfangen zu beherrschen.
Fazit:
Ableger sind planbar, sicher und unabhängig von Wetter und Standort. Sie eignen sich für alle, die Schwärme nicht überwachen oder fangen können. Natürliche Schwärme dagegen haben ihren eigenen Reiz und bringen kräftige Jungvölker. Beide Methoden haben also ihren Wert.
§4: Vom natürlichen Schwärmen und wie es dabei zugeht
Wenn die Bienen im Frühjahr reichlich Nahrung auf den Feldern finden, erwacht in ihnen der natürliche Trieb zur Vermehrung. Sie wollen neue Völker gründen, damit ihre Art erhalten bleibt. Sobald ein Stock groß und stark genug ist, ziehen die Bienen junge Königinnen heran – zukünftige Mütter und Regentin des Volkes.
Vorbereitung des Schwarms
Bevor der Schwarm auszieht, bereiten sich die Bienen sorgfältig vor:
Sie füllen ihre Honigmägen mit Vorrat für die ersten Tage in der neuen Wohnung.
Sie wählen eine warme, windstille Zeit, meist einen sonnigen Vormittag.
Sie hängen oft in großen Trauben im Stock, während sie auf den richtigen Moment warten.
Dieser Vorrat an Honig ist wichtig, weil nach dem Auszug schlechtes Wetter kommen kann, in dem sie nichts eintragen könnten. Wachs hingegen nehmen sie nicht aus alten Zellen mit – sie schwitzen es später frisch aus, wenn sie neue Waben bauen.
Der Auszug
Ist der richtige Tag gekommen, verlässt die alte Königin mit einem Teil des Volkes den Stock. Plötzlich erfüllt ein lautes Summen die Luft. Der Schwarm steigt in weiten Kreisen empor, schwebt eine Zeitlang über dem Bienenstand und setzt sich dann in der Nähe an einen Ast, Strauch oder Pfosten.
Dort bildet er eine dichte Bienentraube, die oft mehrere Stunden hängen bleibt. In dieser Zeit suchen sogenannte Spurbienen eine passende neue Behausung. Finden sie eine, führt die Königin dorthin, und der ganze Schwarm folgt.
Was im Mutterstock bleibt
Im alten Stock schlüpfen währenddessen die neuen Königinnen. Eine davon übernimmt das Volk. Sind mehrere vorhanden, entstehen oft Nachschwärme – kleinere Schwärme, die mit einer jungen Königin abgehen.
Jeder Schwarm schwächt das Muttervolk, weil er viele Flugbienen mitnimmt und auch den Vorrat verringert. Darum verhungern im Frühjahr oft gute Völker, wenn zu viele Nachschwärme abgehen.
Warum Schwärme schwer sind
Ein frisch ausgezogener Schwarm wiegt viel mehr, als man denkt. Ein Volk, das mit leerem Magen nur wenige Pfund wiegen würde, bringt beladen mit Honig sechs bis acht Pfund auf die Waage. Das zeigt, wie groß der Vorrat ist, den die Bienen für ihre neue „Wirtschaft“ mitnehmen – und warum Schwärmen für den Mutterstock eine so große Belastung ist.
Fazit:
Das Schwärmen ist der natürliche Weg der Bienen, sich zu vermehren. Es geschieht nach festen Regeln: Vorbereitung mit Honigvorrat, Auszug mit der alten Königin, Bildung einer Traube, Suche nach neuer Wohnung. Für den Imker ist es faszinierend, aber auch mit Verlusten verbunden, wenn man nicht rechtzeitig eingreift.
§5: Von der gewöhnlichen Zeit und Stunde des Schwärmens
Die Monate, in denen Bienen am häufigsten schwärmen, sind Mai, Juni und Juli. Dabei gelten Schwärme im Mai als die kräftigsten und wertvollsten. Schwärme im Juli sind oft zu spät, um vor dem Winter noch ein starkes Volk aufzubauen – selbst bei gutem Nachsommer.
Ungewisse Schwarmzeit
Die genaue Stunde des Schwärmens lässt sich nicht vorhersagen. Deshalb muss man während der Schwarmzeit – bei trockenem, warmem Wetter – ständig ein Auge auf die Bienen haben oder jemand anderen darum bitten.
Wer den Schwarm nicht rechtzeitig bemerkt, riskiert, dass die Bienen sich nach kurzer Zeit wieder in die Luft erheben und in:
hohle Bäume,
Spalten von Mauern
oder andere schwer zugängliche Orte verschwinden.
Vor allem wenn die Bienen der Sonne ausgesetzt sind und nicht mit Wasser besprüht werden, hängen sie selten länger als eine halbe Stunde. Sie ziehen dann weiter – oft für den Imker unwiederbringlich.
Ausnahmen
In seltenen Fällen bleibt ein Schwarm auch einmal zwei Stunden hängen – etwa bei kühlem Wetter oder wenn Regen fällt. Manchmal hängen Schwärme nach Regen sogar bis zum nächsten Morgen noch an Ort und Stelle.
Tageszeiten des Schwarms
Vorschwärme (die ersten, stärksten Schwärme) fliegen meist zwischen 9 und 12 Uhr vormittags.
Ich habe aber auch Vorschwärme vor 8 Uhr oder sogar erst um 5 Uhr nachmittags erlebt.
Nachschwärme kommen gewöhnlich zwischen 12 und 17 Uhr nachmittags, fast nie am Vormittag.
Fazit:
Die Hauptmonate des Schwärmens sind Mai bis Juli. Vorschwärme kommen meist vormittags, Nachschwärme nachmittags. Weil der genaue Zeitpunkt unvorhersehbar ist, braucht es in dieser Zeit besondere Wachsamkeit – sonst kann ein ganzer Schwarm verloren gehen.
§6: Von den verschiedenen Gattungen der Schwärme und ihren Benennungen
Nicht alle Bienenschwärme sind gleich. Je nach Zeitpunkt, Ursache und Zusammensetzung unterscheidet man mehrere Arten von Schwärmen, die eigene Namen tragen.
Vorschwarm oder Hauptschwarm
Der Vorschwarm, auch Hauptschwarm genannt, ist der erste Schwarm des Jahres, der aus einem Volk auszieht. Er enthält die alte Königin und einen großen Teil der Flugbienen. Hauptschwärme sind stark und haben den größten Bautrieb.
Nachschwärme oder Afterschwärme
Die Nachschwärme sind die zweiten, dritten oder vierten Schwärme, die aus demselben Muttervolk folgen – abhängig von Wetter und Pflege des Imkers.
Der erste Nachschwarm kommt meist am 7. bis 9. Tag nach dem Vorschwarm.
Bei schlechtem Wetter kann er sich bis zum 14. oder 17. Tag verzögern. Dann vereinigen sich oft mehrere Nachschwärme und ziehen gemeinsam aus.
Späte Nachschwärme enthalten oft 5–6 junge Königinnen, während frühe nur 2–3 mitführen.
Auch Ableger können gelegentlich noch einen Nachschwarm abgeben.
Jungfernschwarm
Ein Jungfernschwarm entsteht:
entweder aus einem Vorschwarm, also vom ersten Schwarm des Jahres,
oder aus einem jungen Ableger.
Er kommt meist am Vormittag, oft erst 40 Tage nach dem Einschlagen des Vorschwarms.
Etwa 7 Tage nach einem Jungfernschwarm folgt manchmal noch ein kleiner Nachschwarm.
Notschwarm
Ein Notschwarm zieht ungewöhnlich früh – oft schon im April oder Anfang Mai – aus. Er kommt aus einem Volk, das zwar viele Bienen, aber zu wenig Honigvorräte hat oder noch nicht vollständig ausgebaute Waben besitzt.
Ein Notschwarm kann auch im Sommer oder Herbst auftreten, wenn die alte Königin fehlt und mehrere junge Königinnen nachgezogen wurden. Damit sie sich nicht gegenseitig töten, zieht eine der schwächeren Königinnen mit einem Teil des Volkes aus.
Das Ausziehen wird oft durch das Tüten der Königin angekündigt.
Hungerschwarm oder Bettelschwarm
Ein Hungerschwarm entsteht, wenn ein Volk völlig verarmt ist. Es zieht mit seiner Königin aus dem vollständig ausgebauten Stock aus, weil keine Nahrung mehr vorhanden ist.
Solche Schwärme hängen sich kaum irgendwo an, sondern ziehen meist direkt in einen anderen, honigreichen Stock ein, um dort einzubetteln.
Fazit:
Man unterscheidet Hauptschwärme, Nachschwärme, Jungfernschwärme, Notschwärme und Hungerschwärme. Die Bezeichnung gibt Auskunft über den Zeitpunkt des Abgangs und die Ursache des Schwarms. Für den Imker ist es wichtig, diese Unterschiede zu kennen, um richtig zu handeln.
§7: Von den verschiedenen Kennzeichen des baldigen Schwärmens
Die Anzeichen für ein baldiges Schwärmen sind meist unsicher. Sie geben zwar Hinweise, sind aber nie völlig zuverlässig. Dennoch gibt es einige Beobachtungen, die oft auf einen nahen Schwarm hindeuten.
Das Tüten der Königin
Das Rufen oder Tüten der jungen Königin ist das zuverlässigste Zeichen, besonders bei Nachschwärmen.
Hört man das Tüten, so ist der Schwarm meist am nächsten Tag zu erwarten – wenn kein Regen einsetzt.
Kommt Regen, dauert das Tüten bis zum dritten Tag an, dann ziehen die Bienen aus, sobald das Wetter es erlaubt.
Können sie auch dann nicht schwärmen, töten die Bienen die jungen Königinnen, und das Volk bleibt zusammen.
Manchmal aber folgen die Bienen der zum Aufbruch rufenden Königin nicht, sondern bleiben bei der alten Regentin und töten die jungen Königinnen – auch bei schönem Wetter.
Vorliegen der Bienen
Wenn viele Bienen vor dem Stock hängen, wie eine Traube, ist das ein weiteres Anzeichen:
Es zeigt die große Volksstärke und die Wärme im Stock.
Aber: Bienen können auch Wochenlang vorliegen, ohne je zu schwärmen.
Langes Vorliegen ist schädlich, weil die Bienen dabei nicht arbeiten können. Dieses Problem löst man, indem man dem Volk zusätzlichen Raum gibt. Dann beginnen sie wieder mit dem Eintragen und Bauen.
(Der Autor weist darauf hin, dass vorliegende Bienen keine „Faulenzer“ sind – sie sind nur blockiert, weil der Stock überfüllt ist. Gibt man ihnen Platz, arbeiten sie sofort weiter.)
Weitere feine Anzeichen
Aus dem Feld zurückkehrende Bienen behalten ihre Pollenhöschen am Bein, statt sie im Stock abzustreifen – ein Zeichen, dass sie den Vorrat für die neue Wohnung aufheben.
Drohnen fliegen verstärkt aus und ein, besonders vormittags.
Die Bienen, die vor dem Stock hängen, ziehen sich plötzlich in den Stock zurück, um sich zu verproviantieren. Im Stock hört man dann ein starkes Summen und Hin-und-Her-Laufen.
Kurz vor dem Aufbruch herrscht am Flugloch hektische Unruhe, einzelne Bienen laufen auf und ab, bis sie den übrigen das Signal geben. Dann stürzen plötzlich viele Bienen heraus und fliegen mit lautem Feldgeschrei auf – der Schwarm ist unterwegs.
Welche Bienen schwärmen?
Es fliegen nicht nur junge Bienen mit. Auch einige ältere begleiten den Schwarm, nicht um die Jungen „anzulernen“ – denn jede Biene ist schon nach ein bis zwei Tagen voll arbeitsfähig –, sondern weil sie freiwillig der neuen Königin folgen. Ebenso bleiben manche freiwillig zurück.
Fazit:
Das sicherste Zeichen für einen baldigen Schwarm ist das Tüten der Königin, gefolgt vom Rückzug der vorliegenden Bienen in den Stock und dem Summen im Inneren. Andere Anzeichen wie das Vorliegen oder vermehrter Drohnenflug sind unsicherer. Letztlich bleibt der genaue Moment immer etwas unvorhersehbar.
§8: Was zu tun ist, wenn die Bienen wirklich ausziehen – in Ansehung des Fluglochs
Wenn die Bienen tatsächlich schwärmen, sollte man mit dem Flugloch sorgfältig umgehen. Viele machen hier Fehler:
Nicht zu weit öffnen!
Manche glauben, man müsse das Flugloch möglichst weit öffnen oder den Stock sogar anheben, damit die Bienen schnell und überall herauskommen. Das ist falsch. Wenn alle Bienen auf einmal herausstürzen, fliegt der Schwarm zu schnell davon und lässt sich schwerer fangen.
Aber auch nicht zu eng machen!
Ist die Öffnung zu klein, findet die Königin den Ausgang nicht schnell genug. Sie verirrt sich im Stock, bleibt zurück – und der Schwarm kehrt wieder in den alten Stock zurück.
Die richtige Einstellung des Fluglochs
Am besten lässt man das Flugloch genau so weit offen wie bei einem normalen starken Flug.
Dann dauert der Auszug länger:
Die erste Hälfte der Bienen tumuliert eine Zeit lang in der Luft und wird etwas müde.
Sie setzen sich in der Nähe an, bis die Königin mit dem Rest des Volkes nachkommt.
So bleibt der Schwarm ruhig und lässt sich leichter einfangen.
Warum sich der Schwarm anlegt
Das Anlegen, also das Sammeln des Schwarms an einem Ast oder Pfosten, hat nur einen Zweck:
Alle Bienen sollen sich an einem Ort sammeln.
Sie warten dort auch auf die Bienen, die beim Schwärmen noch auf dem Feld unterwegs waren und später heimkommen.
Meist bleibt ein Schwarm höchstens eine Stunde an diesem Platz. Hat man ihm bis dahin keine neue Wohnung angeboten oder ihn mit Wasser leicht bespritzt, zieht er weiter – und ist oft für den Imker verloren.
(Hinweis: Bei Regen oder Gewitter kann ein Schwarm auch einen halben Tag oder sogar über Nacht hängen bleiben.)
Fazit:
Beim Schwärmen darf das Flugloch weder zu weit noch zu eng sein. Die Bienen brauchen Zeit, sich zu sammeln und auf die Königin zu warten. Bleibt der Schwarm zu lange unbeachtet, zieht er weiter und ist schwer zurückzuholen.
§9: Was ist von den sogenannten Spurbienen zu halten?
Oft wird erzählt, dass die Bienen schon Tage vor dem Schwärmen sogenannte Spurbienen oder Kundschafter aussenden, die einen hohlen Baum oder eine andere passende Behausung erkunden, um dort nach dem Schwarm Einzug zu halten. Viele glauben, dass diese Kundschafter das Ziel vorher genau auswählen.
Beobachtungen und Zweifel
Solche Berichte beruhen jedoch meist auf bloßen Vermutungen.
Zwar hat man häufig einige Bienen gesehen, die in hohle Bäume, alte Kästen oder bereitgestellte Körbe hineinfliegen, sie reinigen und putzen. Kurz darauf zog dann der Schwarm tatsächlich dort ein. Aber ob die Bienen diese Plätze wirklich Tage im Voraus erkunden, ist nicht sicher.
Ich selbst habe Folgendes erlebt:
Bei einem Freund stand ein Bienenhaus mit Glastafeln. Darin befanden sich leere Waben von einem Volk, das im Winter zugrunde gegangen war. Einige Bienen flogen hinein, räumten und säuberten den Platz. Wir waren gespannt, ob ein Schwarm einziehen würde – und tatsächlich kam kurz darauf ein junger Schwarm und nahm die vorbereitete Wohnung.
Mögliche Erklärung
Es ist wahrscheinlich, dass Bienen beim Schwärmen nahegelegene leere Behausungen bevorzugen, wenn sie sauber sind und nach Wachs riechen. Aber ob sie diese Plätze lange vorher erkunden oder ob erst während des Schwarms Spurbienen geschickt werden, bleibt unklar. Sicher ist nur:
Bienen nehmen gern vorbereitete, gereinigte Beuten an.
Findet der Schwarm eine passende Wohnung, zieht er schneller ein, anstatt lange draußen zu hängen.
Fazit:
Die sogenannten Spurbienen sind keine bewiesene Tatsache, sondern eher eine Beobachtung: Bienen fliegen manchmal in leere Behausungen, reinigen sie und ziehen kurz darauf mit dem Schwarm ein. Ob sie das wirklich Tage im Voraus planen, ist zweifelhaft – sicher ist nur, dass saubere, nach Wachs riechende Beuten den Schwarm anlocken.
§10: Das Spritzen zur rechten Zeit ist beim Schwärmen das dienlichste – das Klingeln hilft nichts
Wenn der Schwarm zur Hälfte aus dem Stock ausgezogen ist und bereits hoch in der Luft kreist, kann der Imker ihn durch Wasserspritzen dazu bringen, sich bald in der Nähe niederzulassen.
Richtig spritzen
Man verwendet reines Wasser, das die Flügel der Bienen leicht benetzt.
Nasse Flügel werden schwer, die Bienen ermüden schneller und setzen sich bald.
Außerdem glauben die Bienen, es regne, und suchen deshalb einen Platz zum Anlegen.
Aber:
Nicht zu früh spritzen! Man darf erst spritzen, wenn man sieht oder vermutet, dass die Königin bereits den Stock verlassen hat.
Bekommt die Königin beim Herauskommen nasse Bienen zu sehen, bleibt sie im Stock, weil sie glaubt, es regne. Dann kehrt der ganze Schwarm wieder um.
Ebenso darf kein Tropfen ans Flugloch fallen, sonst wird die Königin abgeschreckt.
Welches Gerät ist geeignet?
Eine gewöhnliche Gießkanne reicht nicht aus, da man selten so hoch spritzen kann wie die Bienen fliegen.
Am besten eignet sich eine kleine Handspritze, z. B. aus einem alten Flinten- oder Pistolenlauf gefertigt. Damit erreicht man zwei bis drei Stockwerke Höhe. Man spritzt leicht über den Schwarm, sodass die Tropfen beim Herabfallen unter die Bienen kommen. Ein zu harter Strahl schadet nur.
Das nutzlose Klingeln
Das Klingeln mit Sensen, Schellen oder Glocken – ein alter Brauch – hat keinen Einfluss auf die Bienen.
Bienen hören zwar gut, aber sie lassen sich weder durch Musik noch durch Lärm aufhalten.
Der einzige Zweck des Klingelns ist, Nachbarn zu warnen, damit klar ist, dass der ausziehende Schwarm zum eigenen Bienenstand gehört und sich nicht unrechtmäßig angeeignet wird.
Fazit:
Wer Schwärme lenken will, spritzt sie zur rechten Zeit mit Wasser, um sie zum schnellen Anlegen zu bewegen. Klingeln und Lärm dagegen helfen nicht – sie dienen nur der Verständigung unter Imkern.
§11: Warum die Bienen sich manchmal nicht alle anlegen und der Schwarm zurückgeht
Sobald der Schwarm in der Luft ist, sollte man seinen Flug und sein Summen genau beobachten. Daran erkennt man, ob der Schwarm vollständig ist oder nicht.
Flug und Ton verraten die Königin
Fliegen die Bienen in engen Kreisen und ziehen sich immer mehr zusammen, während ihr Summen hell und freudig klingt, dann ist die Königin bei ihnen. In diesem Fall legt sich der Schwarm bald an einem Ast oder anderen Platz an.
Fliegen sie zerstreut umher, und ihr Summen ist leise und gedrückt, fehlt die Königin. Sie ist dann entweder im Stock zurückgeblieben oder beim Auszug auf den Boden gefallen.
Folgen einer fehlenden Königin
Hat der Schwarm die Königin nicht bei sich, wird er sich nicht anlegen.
Selbst wenn sich einzelne Bienentrauben irgendwo festsetzen, lösen sie sich bald wieder, schließen sich den übrigen Bienen an und kehren schließlich zum Mutterstock zurück.
Was tun, wenn der Schwarm unruhig bleibt?
Wenn die Bienen sich nicht alle sammeln, sondern verstreut herumirren, sollte man in der Nähe des Bienenstandes suchen:
Oft liegt die Königin auf dem Boden, weil sie noch zu jung und nicht richtig flugfähig ist.
Manchmal hat die Königin einen Fehler an den Flügeln, was bei jungen Königinnen vorkommen kann. Es gibt sogar Königinnen, die gar keine Flügel haben.
Die Königin findet man leicht, wenn man darauf achtet, wo ein kleines Klümpchen Bienen sitzt – sie sammeln sich um ihre Regentin.
Fazit:
Ob der Schwarm vollständig ist, erkennt man an Flug und Klang. Bleibt die Königin zurück oder ist flugunfähig, legt sich der Schwarm nicht an, sondern kehrt zurück. In solchen Fällen muss man die Königin suchen und zu den Bienen bringen.
§12: Was zu beachten ist, wenn der Schwarm hängt, und wie man ihn fasst
Wenn sich der Schwarm vollständig angehängt hat und ruhig ist, beginnt das eigentliche Fassen des Schwarms.
Vorbereitung und Ruhigstellen des Schwarms
Zuerst bespritzt man den Schwarm leicht mit Wasser:
Dazu nimmt man einen Staub- oder Kehrbesen, auch ein Bündel Stroh oder frische Zweige eignet sich.
Der Besen wird in frisches Wasser getaucht und von den groben Tropfen befreit, damit nur ein feiner Sprühregen bleibt.
So benetzt, besprengt man die Bienen vorsichtig, sodass sie ruhig bleiben.
(Bemerkenswert ist, wie die obersten Bienen der Traube eine Last tragen, die um ein Vielfaches schwerer ist als sie selbst. An nur wenigen Beinen hängen oft Tausende andere Bienen. Die Kraft und Elastizität dieser kleinen Tiere ist erstaunlich.)
Durch das leichte Besprengen fliegen die Bienen beim Abschütteln weniger auf. Man darf sie aber nicht zu nass machen, sonst werden sie träge und verklammen.
Vorbereitung der neuen Behausung
Während der Schwarm hängt, bereitet man bereits die neue Wohnung vor:
Das neue Bienenhaus wird auf ein weißes Tuch gestellt, direkt unter oder neben dem Baum, an dem der Schwarm hängt.
Das Flugloch wird einen bis zwei Finger breit geöffnet, damit die Bienen bequem hineinlaufen können.
Das Abschütteln des Schwarms
Sind die Bienen ruhig, schüttelt man die Traube vorsichtig in einen Korb oder direkt vor die neue Beute:
Ein kräftiger Schlag oder ein sanftes Abstreifen mit dem Besen löst den Schwarm vom Ast.
Die meisten Bienen fallen auf das Tuch und sammeln sich dort.
Hat die Königin den Weg in die neue Behausung gefunden, folgen ihr die übrigen Bienen von selbst.
Nachzügler
Einige Bienen bleiben immer noch am Ast hängen oder fliegen umher. Diese kommen meist von selbst nach, sobald sie den Duft der Königin aus der neuen Wohnung wahrnehmen.
Wer will, kann die letzten Nachzügler mit Rauch oder duftenden Kräutern wie Wermut oder Kamille vertreiben.
Fazit:
Ein hängender Schwarm wird leicht mit Wasser beruhigt und dann vorsichtig in die neue Beute geschüttelt. Wichtig ist, dass die neue Wohnung vorbereitet ist und die Königin sicher hineinkommt – dann folgt ihr das ganze Volk von selbst.
§13: Wie man sich verhält, wenn der Schwarm sich um einen Stamm oder Pfosten gelegt hat
Manchmal legt sich ein Schwarm nicht an einen Ast oder eine gut erreichbare Stelle, sondern rings um einen ganzen Baumstamm oder einen Pfosten. In diesem Fall kann man ihn nicht einfach abschütteln.
Vorgehensweise bei schwer zugänglichen Schwärmen
Die Bienen müssen mit einem Besen oder Flederwisch vorsichtig in ein Sieb oder einen Korb gestrichen werden.
Das ist mühsamer und macht die Bienen oft etwas unruhig oder aggressiv.
Um den Schwarm leichter zu lösen:
Treibt man ihn mit Rauch oder
Noch besser mit einer Handvoll Wermut zusammen. Der Geruch des Wermuts ist den Bienen unangenehm, sodass sie sich enger zusammensetzen und leichter zu fassen sind.
Alternative – Hineintreiben in einen Stock
Ist es möglich, den vorbereiteten Bienenstock auf einen Ast in der Nähe des Schwarms zu stellen oder anzubinden, kann man den Schwarm mit Rauch direkt in die neue Behausung treiben.
Die Bienen ziehen dann von selbst hinein, weil sie dem Rauch ausweichen.
Fazit:
Hat sich ein Schwarm um einen Stamm oder Pfosten gelegt, muss man ihn entweder vorsichtig abstreifen oder ihn mit Rauch und Wermut enger zusammentreiben. Am einfachsten ist es, wenn man den neuen Stock in die Nähe bringt und den Schwarm direkt hineintreibt.
§14: Was zu tun ist, wenn der Schwarm an einem kleinen Ästchen hängt
Wenn sich der Schwarm an einem dünnen Ästchen angehängt hat, das man leicht abschneiden kann, ist das Fassen besonders einfach:
Man schneidet den Ast samt Schwarm vorsichtig ab.
Dann legt man ihn direkt vor die vorbereitete neue Behausung.
Die Bienen laufen von selbst in den Stock hinein.
Wichtig dabei:
Das Ästchen darf ohne starke Erschütterung abgeschnitten werden.
Erschüttert man den Ast zu sehr, fallen die Bienen auf den Boden und fliegen wieder auf, was die Arbeit erschwert.
Fazit:
Hängt der Schwarm an einem kleinen, leicht zugänglichen Ast, schneidet man ihn vorsichtig ab und legt ihn vor den neuen Stock. So vermeidet man unnötiges Abschütteln oder Aufscheuchen der Bienen.
§15: Wie man vorgeht, wenn der Schwarm an einem hohen Baum hängt oder in einen hohlen Baum gezogen ist
Manchmal hängt der Schwarm so hoch, dass man mit einer Leiter nicht herankommt. In solchen Fällen braucht man besondere Hilfsmittel.
Schwarm an einem hohen Baum
Man verwendet zwei lange Stangen:
An einer Stange wird ein eiserner Haken befestigt, um den Ast zu schütteln.
An die andere bindet man eine Wanne, einen Korb oder einen mit einem Ring ausgespannten Schwarmbeutel, der unter den Schwarm gehalten wird.
Ein Helfer schüttelt mit dem Haken den Ast, während der andere die Wanne unterhält.
So fällt der Schwarm direkt in das bereitgestellte Gefäß und kann dann vor die neue Behausung gebracht werden.
Schwarm in einem hohlen Baum
Hat sich ein Schwarm in einen hohlen Baum oder Ast zurückgezogen, hängt das Vorgehen von den Umständen ab:
Kann man den Ast absägen, so legt man die Öffnung direkt vor das Flugloch des neuen Stocks und treibt die Bienen durch anhaltendes Klopfen in den Stock hinein.
Wenn das nicht geht, bläst man Rauch von hinten in die Höhlung, damit die Bienen den Baum verlassen und sich draußen anlegen.
Alternativ kann man durch eine gebohrte Öffnung Rauch einbringen, um die Bienen herauszutreiben und fassen zu können.
Hilfsmittel für den Rauch
Für solche Arbeiten ist ein Blasebalg mit Rauchkapsel am besten geeignet. Mit einem einfachen Stück glimmender Lunte kommt oft nicht genug Rauch in die Höhle, um die Bienen zu bewegen. Der Blasebalg bringt den Rauch gleichmäßig und tief in die Höhlung, sodass der Schwarm sicher auszieht.
Fazit:
Hängt der Schwarm hoch oben, hilft nur eine Kombination aus langen Stangen, Haken und Fangkorb. Zieht er in einen hohlen Baum ein, muss man ihn mit Rauch oder Klopfen austreiben oder den Ast absägen. Ein Blasebalg erleichtert die Arbeit erheblich.
§16: Was zu tun ist, wenn der Schwarm in verschiedenen Klumpen verteilt ist
Manchmal teilt sich ein Schwarm in mehrere kleinere Klumpen, die an verschiedenen Stellen hängen.
Grund: mehrere Königinnen
Das ist ein deutliches Zeichen, dass im Schwarm mehrere Königinnen mitgeflogen sind. Jede Königin sammelt ihre Bienen um sich, weshalb sich mehrere Trauben bilden.
Vorgehensweise
In diesem Fall:
Lässt man alle Bienentrauben zunächst hängen, bis sie ruhig sind.
Dann nimmt man einen Klumpen nach dem anderen und bringt ihn vor die vorbereitete neue Wohnung.
Am folgenden Tag haben die Bienen selbst eine Königin gewählt und die überzähligen Königinnen getötet.
So vereinen sich die Schwarmteile von selbst zu einem einzigen Volk.
Fazit:
Teilt sich ein Schwarm in mehrere Klumpen, sind mehrere Königinnen dabei. Man fasst die Schwarmteile einzeln und bringt sie vor denselben Stock. Die Bienen entscheiden innerhalb eines Tages selbst, welche Königin bleibt.
§17: Ein Mittel, wodurch man einen Schwarm ab- und austreiben kann, welches andere übertrifft
Nicht alle Fälle, in denen sich Schwärme an ungewöhnlichen Orten anlegen, lassen sich vorhersehen. Jeder Imker muss je nach den Umständen selbst entscheiden, wie er vorgeht. Doch gibt es ein bewährtes Hilfsmittel, das sich in besonders hartnäckigen Situationen als überlegen erwiesen hat: Rauch.
Rauch als wirksamstes Mittel
Wasser hilft oft, wenn der Schwarm nur verlegt werden soll, aber
Rauch ist das sicherste Mittel, wenn die Bienen sich an einer unmöglichen Stelle festgesetzt haben oder sich aus einem Hohlraum nicht vertreiben lassen.
Schwarm verlegen
Wenn der Schwarm so hängt, dass er gar nicht zu fassen ist:
Treibt man ihn mit einer glimmenden Lunte auf.
Dadurch lösen sich die Bienen vom alten Platz und suchen sich einen neuen, leichter zugänglichen Ort zum Anlegen.
Hartnäckige Schwärme aus Hohlräumen jagen
Sind die Bienen besonders hartnäckig, mischt man in die Lunte einen Locken Menschenhaar ein.
Der Geruch des verbrennenden Haares wirkt stärker und zwingt selbst hartnäckige Bienen aus einem hohlen Baum oder Spalt heraus, wenn sonst kein Dämpfen oder Räuchern Erfolg bringt.
Verhindern, dass sie wiederkommen
Da die Bienen wegen des Duftes der Königin gern wieder an den gleichen Ort zurückkehren, muss man den alten Platz nach dem Austreiben unattraktiv machen:
Man bestreicht die Stelle mit Wermut, Brennnesseln, Kamille oder anderen stark riechenden Kräutern.
Besonders Wermut meiden die Bienen. Er wirkt fast wie Rauch und vertreibt sie zuverlässig.
Deshalb ist es nützlich, in etwas Entfernung vom Bienenstand Wermut im Garten anzubauen.
Hinweis zur Lunte
Die beste Lunte ist locker gebunden aus Leinen- oder Baumwollstreifen (Kattun), die um ein festes „Würstchen“ gewickelt sind. So brennt sie gleichmäßig und lange, ohne auszugehen.
Fazit:
Bei schwer zugänglichen Schwärmen hilft vor allem Rauch, notfalls mit Menschenhaar verstärkt. Damit kann man sogar hartnäckige Bienen aus einem hohlen Baum vertreiben. Um zu verhindern, dass sie zurückkehren, bestreicht man den alten Platz mit Wermut oder anderen stark riechenden Kräutern.
§18: Wie man sich zu verhalten hat, wenn der Schwarm eingefasst ist
Nachdem der Schwarm eingefasst und auf das weiße Tuch vor dem neuen Stock geschüttet wurde, kommt es vor, dass sich ein Teil der Bienen außen am Stock ansammelt, statt hineinzugehen.
Wenn Bienen außen bleiben
Manchmal legt sich sogar die Hälfte des Schwarms außen an, und gelegentlich bleibt auch die Königin dabei.
Solche außen sitzenden Bienen dürfen nicht zu lange geduldet werden, besonders wenn es viele sind.
Sonst kann es geschehen, dass sie wieder aufsteigen, laut summen und erneut ausziehen – der ganze Schwarm fliegt dann wieder davon.
Deshalb muss man die Bienen, die außen sitzen:
Nach und nach mit dem Flederwisch in die Beute streichen,
dabei auch leicht besprengen, damit sie ruhig bleiben.
Schutz vor Sonne
Der Schwarm wird besonders leicht erneut unruhig, wenn die Sonne stark auf den neuen Stock scheint:
Direkte Sonneneinstrahlung kann die außen sitzenden Bienen zum Aufsteigen reizen.
Schlimmstenfalls verlässt der Schwarm die neue Behausung wieder.
Darum ist es wichtig, den neuen Stock sofort zu beschatten, wenn er nicht ohnehin im Schatten steht.
Man kann ihn mit Reisig, Brettern oder einem Tuch abdecken und so Schatten machen.
Auch in den nächsten Tagen sollte man den Stock bei großer Hitze beschatten, bis sich der Schwarm eingelebt hat.
Eigene Erfahrung des Autors
Der Verfasser berichtet, dass ihm einmal die Sonnenhitze am nächsten Tag einen eingefassten Schwarm vertrieben hat, obwohl er bereits Waben gebaut und Brut eingesetzt hatte. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig der Schutz vor zu großer Hitze ist.
Fazit:
Bleiben Bienen nach dem Einschlagen außen am Stock, muss man sie behutsam hineinbringen und den Stock beschatten. Starke Sonneneinstrahlung kann einen frisch eingefassten Schwarm wieder austreiben, selbst wenn er schon angefangen hat zu bauen.
§19: Man soll ihn sogleich auf seinen Platz im Bienenstand tragen
Sobald die eingefassten Bienen ruhig sind und vollständig in den neuen Stock eingezogen sind – auf ein paar vereinzelte Nachzügler braucht man nicht zu achten –, stellt man den Stock ordnungsgemäß auf das Flugbrett.
Wichtig ist, ihn nicht bis zum Abend an dem Platz stehen zu lassen, an dem sich der Schwarm angehängt hatte. Viele machen diesen Fehler. Stattdessen soll der Schwarm sofort auf den vorgesehenen Platz im Bienenstand getragen werden, wo er den ganzen Sommer stehen soll.
Warum sofort umstellen?
Lässt man den Schwarm bis zum Abend an seinem ursprünglichen Schwarmplatz stehen:
Viele Bienen merken sich diesen Ort als neuen Standort und fliegen auch in den folgenden 3–4 Tagen dorthin zurück.
Dadurch gehen unnötig Bienen verloren oder sie hängen wieder suchend herum.
Wird der Schwarm dagegen gleich an seinen endgültigen Platz gestellt:
Beginnen die Bienen noch am gleichen Tag mit dem Eintragen von Nektar und Pollen.
Sie richten sofort ihre neue „Ökonomie“ ein und arbeiten weiter, als wäre nichts geschehen.
Fazit:
Ein frisch eingefasster Schwarm muss sofort an seinen endgültigen Standort im Bienenstand gebracht werden. Lässt man ihn unnötig lange am Schwarmplatz stehen, verlieren sich viele Bienen und der Aufbau des neuen Volkes verzögert sich.
§20: Vom Aussuchen und Einsperren der Königin
Manche Imker empfehlen, beim Schwarm die Königin herauszusuchen und einzusperren, damit der Schwarm nicht erneut auszieht. Ich halte davon nicht viel, und es wäre mir auch zu mühsam.
Warum das Aussuchen nicht sinnvoll ist
Wer möchte schon bei jedem Schwarm unter Tausenden von Bienen die Königin herauswühlen?
Das stört den ganzen Schwarm unnötig und verursacht Stress für Bienen und Imker.
Außerdem besteht immer die Gefahr, der Königin aus Versehen zu schaden, was den ganzen Schwarm ruinieren könnte.
Selbst wenn von 50 Schwärmen einer wieder auszieht, ist es besser, diesen einen zu verlieren, als 50-mal diese aufwendige und riskante Arbeit zu machen.
Schwärme ziehen selten wieder aus
In der Regel ziehen Bienen nicht noch einmal aus, wenn sie einmal gefasst wurden und nicht vor dem Einschlagen schon weggeflogen sind. Wichtig ist nur:
Die neuen Beuten müssen sauber sein,
Sie dürfen keine Mäusekot, Katzenhaare oder andere Verunreinigungen enthalten.
Finden die Bienen etwas Unangenehmes in der neuen Wohnung, verlassen sie sie.
Fazit:
Das gezielte Suchen und Einsperren der Königin ist unnötig und riskant. Hält man die neuen Beuten sauber und frei von Unrat, bleiben die Schwärme in der Regel zuverlässig in ihrer neuen Wohnung.
§21: Ein gutes und natürliches Mittel, dass ein eingefasster Schwarm seine Wohnung nicht wieder verlässt
Es gibt ein sehr einfaches und zugleich natürliches Mittel, damit ein frisch eingefasster Schwarm seine neue Wohnung nicht wieder verlässt.
Der vertraute Geruch der Bienenwohnung
Bienen lieben den Geruch ihrer bisherigen Behausung, besonders den Duft des Propolis (Vorwachs), mit dem sie alle Ritzen und Öffnungen verkittet haben. Diesen Geruch kann man nutzen, um die neue Beute für den Schwarm vertraut und angenehm zu machen.
So geht man vor:
Man nimmt etwas Propolis aus alten Waben oder Körben.
Dieses lässt man in einem blechernen Löffel über glühenden Kohlen schmelzen.
Mit der warmen, klebrigen Masse bestreicht man einige Ecken und Ritzen des neuen Bienenstocks.
Der vertraute Duft macht den Schwarm ruhig und er hält die neue Wohnung für „sein Zuhause“.
Noch besser: gebrauchte Magazinaufsätze
Noch williger bleiben die Bienen, wenn man für den Schwarm:
Schon einmal benutzte Magazinaufsätze verwendet, die bereits verkittet und von Bienen durchzogen sind.
Diese gebrauchten Aufsätze sind voller Propolis-Geruch, was den Bienen sehr angenehm ist.
Wer also alte, geleerte Aufsätze vorrätig hat, sollte sie für neue Schwärme verwenden. Die Bienen ziehen dann viel lieber ein und bleiben zuverlässiger.
Woher man Propolis gewinnt
Man kann das Vorwachs aus alten Strohstöcken herauskratzen.
Oder man klopft es wie Weinstein aus einem Fass heraus.
Man kann es auch als Rauchmaterial verwenden, ähnlich wie Mastixharz.
Fazit:
Der natürliche Geruch von Propolis ist das beste Mittel, damit ein frisch eingefasster Schwarm nicht wieder auszieht. Man bestreicht die neue Beute mit geschmolzenem Propolis oder verwendet bereits benutzte Aufsätze – so fühlt sich der Schwarm sofort heimisch.
§22: Vom Anhängen der Schwärme in ausgehängte Wannen oder Körbe
Man kann sich das Fassen von Schwärmen erleichtern, besonders an Bienenständen, wo es wenig oder gar keine Bäume gibt.
Wannen oder Körbe als Sammelplätze
Man hängt ein bis zwei Körbe oder Wannen auf hohe Stangen, etwa acht Schuh (ca. 2,5 m) hoch.
Diese Stangen stellt man 15 bis 20 Schritte vom Bienenstand entfernt auf.
Die ausziehenden Schwärme hängen sich gerne in solche bereitgestellten Behälter. Hat sich einmal ein Schwarm dort angelegt, folgen meist auch die späteren Schwärme diesem Beispiel und wählen ebenfalls diese Plätze.
Der Vorteil:
In manchen Jahren sind fast alle Schwärme von selbst in eine solche Wanne gezogen.
In anderen Jahren klappt es nicht immer – doch wenn es gelingt, ist das Fassen besonders bequem und sicher.
Man muss dann nur die Wanne abnehmen und den Schwarm vor die neue Behausung schütten.
Wichtige Hinweise
Die Wanne darf nicht fest an die Stange gebunden werden. Sie soll nur locker an einem Nagel oder kleinen Ast hängen, damit man sie leicht abnehmen kann.
Hängt man die Wanne zu fest oder direkt an einen unbeweglichen Pfosten, bleibt oft der halbe Schwarm an der Stange hängen. Dann muss man die Stange mühsam aus der Erde ziehen, was unnötige Arbeit macht.
Andere Methoden
In manchen Gegenden fasst man Schwärme direkt in den Bienenkorb, deckt ihn sofort mit einem Tuch ab und trägt ihn so fort.
Bei Magazinstöcken (Kästen) ist dieses direkte Einfangen nicht möglich, daher ist das Vorschütten vor die Behausung meist ebenso bequem.
Fazit:
Das Aufstellen von Wannen oder Körben auf Stangen ist eine einfache Methode, Schwärme an baumlosen Bienenständen anzulocken. Sie erspart Mühe, weil sich viele Schwärme freiwillig dort anlegen und nur noch in die vorbereitete Beute eingeschüttet werden müssen.
§23: Was zu tun ist, wenn zwei Schwärme sich zusammen anhängen
Manchmal kommt es vor, dass zwei Schwärme aus verschiedenen Völkern gleichzeitig ausziehen und sich an derselben Stelle zu einem großen Klumpen vereinigen.
Wenn man es rechtzeitig bemerkt
Sieht man, dass der erste Schwarm sich schon angehängt hat, während der zweite gerade zufliegt, kann man den ersten Schwarm:
mit einem Tuch umhüllen oder gleich in einen Korb geben.
So verhindert man, dass beide Schwärme sich mischen.
Wenn sie sich bereits vereint haben
Sind beide Schwärme bereits ineinandergeflogen und hängen gemeinsam:
Fängt man sie zusammen und setzt sie in eine vergrößerte Behausung mit zusätzlichen Magazinaufsätzen.
Oft teilen sie sich dort von selbst in zwei Gruppen, sodass man sie später wieder trennen kann.
Bleiben sie jedoch zusammen, ist das kein Nachteil:
Ein vereinigter Schwarm ist besonders stark und bringt meist mehr Honig und besseren Ertrag als zwei einzelne, die nur halb so groß sind.
Fazit:
Treffen sich zwei Schwärme an einem Ort, kann man sie rechtzeitig trennen. Sind sie aber schon vereint, setzt man sie zusammen in einen größeren Stock. Bleiben sie gemeinsam, ist das sogar vorteilhaft, weil ein großer, kräftiger Schwarm mehr leistet als zwei kleinere.
§24: Schutzkleidung beim Fassen der Schwärme – eine besonders bequeme Art von Bienenkappe
Beim Fassen von Schwärmen ist es ratsam, sich zu schützen – vor allem mit einer Bienenkappe, noch besser zusätzlich mit Stiefeln.
Zwar braucht man den Schutz nicht immer:
Oft kann man ein halbes Dutzend Schwärme fassen, ohne dass eine Biene sticht.
Doch hin und wieder gerät man an einen besonders angriffslustigen Schwarm, vor dem man ohne Schutz kaum bestehen könnte.
Warum herkömmliche Bienenkappen unbequem sind
Die üblichen Bienenkappen sind sehr beschwerlich:
Sie sind meist aus dichtem Stoff und lassen kaum Luft hindurch.
Da das Schwarmfangen meist in der größten Sommerhitze geschieht, sammelt sich die Hitze und Ausdünstung darunter, sodass man schnell verschmachten könnte.
Eine neu erfundene, bequeme Bienenkappe
Der Autor beschreibt eine eigene Erfindung einer Bienenkappe, die viel bequemer ist:
Sie besteht vollständig aus feinem Drahtgeflecht und sieht aus wie ein runder Korb mit flachem, rundem Deckel – ebenfalls aus Draht.
Das Material bekommt man bei Siebmachern, die es für Mühlen (sogenannte „Abreiter“) vorrätig haben.
Ein Stück Drahtsieb von 1¼ Elle Länge und 1½ Viertel Elle Breite reicht für den Umfang der Kappe.
Damit die Kappe am Mund etwas weiter ist als oben, setzt man hinten einen handbreiten Zwickel aus einem alten Drahtsieb ein.
Der Deckel besteht aus einem runden Drahtstück für kleine Siebe.
Beide Teile werden:
Mit einem Band eingefasst und zusammengenäht.
Unten wird rundherum ein halbe Elle breiter, weicher Stoff angenäht, der mit zwei Bändern am Hals geschlossen wird.
Vorteile dieser Draht-Bienenkappe
Unter dieser korbartigen Kappe hat man freie Luft und leidet nicht unter stickiger Hitze.
Sie ist leicht, unauffällig und viel bequemer als die üblichen monströsen Bienenkappen.
Sie verunstaltet den Imker nicht und ist praktisch bei allen Arbeiten am Bienenstand.
Zusätzlich kann man vorne beim Mund:
Ein kleines Loch mit einem Zäpfchen anbringen, um bei Bedarf eine kurze Tabakspfeife hindurchzustecken.
So hat man jederzeit Rauch zur Hand, was bei manchen Arbeiten sehr nützlich ist.
Fazit:
Auch wenn man Schwärme oft ohne Stich fassen kann, ist eine leichte, gut belüftete Draht-Bienenkappe der beste Schutz für unvorhersehbare Situationen. Sie ist angenehm zu tragen, lässt Luft herein und bietet bei Bedarf sogar Platz für eine Pfeife zum Erzeugen von Rauch.
§25: Junge Schwärme muss man füttern, wenn in den ersten Tagen schlechtes Wetter eintritt
Wenn nach dem Einfangen eines Schwarms in den ersten Tagen Regenwetter einsetzt, sodass die Bienen nicht ausfliegen und Nektar eintragen können, muss man sie unbedingt füttern.
Warum das Füttern so wichtig ist
Frisch eingefangene Schwärme haben noch keine Vorräte in der neuen Behausung.
Können sie gleich zu Beginn 8 bis 14 Tage lang nicht ausfliegen, leiden sie Not und schwächen sich für den ganzen Sommer.
Ein früher Schwarm, der nach dem Einschlagen schlechtes Wetter hat, entwickelt sich oft schlechter als ein Schwarm, der drei Wochen später kommt, aber von Anfang an gutes Wetter zum Sammeln hat.
Wer also das Füttern versäumt, riskiert den Verlust des Schwarms – er kann in wenigen Tagen zugrunde gehen.
Fazit:
Tritt in den ersten 1–2 Wochen nach dem Einschlagen eines Schwarms schlechtes Wetter ein, muss man die jungen Bienen sofort füttern. Ein früher Schwarm mit Regen ist weniger wert als ein späterer Schwarm, der von Anfang an sammeln kann.
§26: Wie viele und welche Stöcke man schwärmen lassen oder zu Ablegern widmen soll
So reizvoll das Schwärmen der Bienen für den Imker ist und so vorteilhaft es sein kann, wenn es maßvoll und geordnet geschieht, so schädlich ist es, wenn man zu viele, zu oft oder zu spät schwärmen lässt.
Warum häufiges Schwärmen schadet
Lässt man einen Stock mehr als einmal schwärmen, schadet das dem Volk.
Jeder Schwarm nimmt Honig als Aussteuer mit und entvölkert den Mutterstock.
Fehlt dadurch die Volksstärke, kann der Stock kaum noch Honig sammeln.
Ist der Nachsommer zudem schlecht, verdirbt auch der Nachschwarm, besonders in Gegenden ohne späte Trachten wie Heide.
Selbst wenn alle Schwärme – auch die zweiten oder dritten – gelingen sollten, richten sie den Mutterstock zugrunde.
Ein Stock, der nur einmal schwärmt oder nur einen Ableger abgibt, ist langfristig viel einträglicher und stabiler als einer, den man mehrmals schwärmen lässt.
Schwache Stöcke soll man gar nicht schwärmen lassen.
Seltene Ausnahmen
Zwar kommt es gelegentlich vor, dass:
zweite Schwärme oder Jungfernschwärme ebenfalls gut geraten und
die alten Stöcke sich noch einmal erholen und im Herbst honigreich sind.
Doch das geschieht nur in außergewöhnlich guten Jahren, die auch im Nachsommer die beste Witterung haben.
Solche Jahre sind selten, vielleicht einmal in sieben Jahren – darauf zu spekulieren ist unklug.
Es ist also besser, das mehrfache Schwärmen zu verhindern, auch wenn der Sommer danach unerwartet gut werden sollte.
Praktische Regel
Besonders in Gegenden ohne späte Tracht (keine Heide) sollte man:
Nach der Johanniswoche (Ende Juni) keine Schwärme mehr wünschen.
Den Stöcken, die bis dahin nicht geschwärmt haben, gibt man Untersätze (zusätzlichen Raum).
So bekommen die Bienen Arbeit und bleiben beschäftigt, anstatt weiter wochenlang untätig vorzuliegen.
Selbst wenn eine Königin dann noch zum Schwärmen angesetzt ist, wird sie auch mit einem Untersatz schwärmen – aber viele Bienen, die sonst müßig blieben, bauen weiter und sind sinnvoll beschäftigt.
Wie viele Stöcke sollte man schwärmen lassen?
Das hängt von den Möglichkeiten des Imkers ab:
Wie viele Magazinstöcke kann er aufstellen?
Wie viele Völker kann er pflegen und überwachen?
Hat er nur wenige Stöcke:
Kann er etwa die Hälfte zum Ablegen oder Schwärmen bestimmen.
So vermehrt er zunächst die Bienenzucht und verzichtet vorübergehend auf einen höheren Honigertrag.
In den folgenden Jahren hat er dafür mehr und stärkere Völker und damit auch mehr Honig.
Hat er schon eine größere Zahl:
Widmet er nur ein Drittel der Stöcke dem Schwärmen.
Die übrigen bleiben stark und sorgen für reichlich Honig.
Planung und Material
Vor allem muss man rechtzeitig:
Einen Überschlag machen, wie viele Ableger oder Schwärme man braucht.
Genügend Magazinaufsätze und andere Materialien bereithalten.
Diese Aufsätze kauft man nur einmal und kann sie dann jahrelang nutzen.
Für einen Magazinstamm, der nicht schwärmen und keinen Ableger geben soll, braucht man im Sommer etwa acht Aufsätze (bei gutem Sommer).
Für einen jungen Schwarm reichen sechs Aufsätze.
Beispiel:
Ein Bienenstand mit zehn Stämmen, davon vier zum Schwärmen bestimmt, erfordert rund 100 Aufsätze.
Davon werden im Herbst etwa 40 wieder leer und stehen für das nächste Jahr bereit.
Wichtig zum Untersetzen
Magazinaufsätze sollten untergesetzt werden, nicht aufgesetzt.
Bienen bauen lieber von oben nach unten, dort, wo sie zuletzt aufgehört haben.
Aufgesetzte Räume werden nur selten ausgebaut.
Untergesetzte Räume erinnern die Bienen an den leeren Raum, den sie nicht mögen – das treibt sie an, ihn auszufüllen.
Früh im Jahr darf man aber noch nicht untersetzen, weil:
Die Bienen bei leerem Raum im Frühling leichter Räubern zum Opfer fallen,
und weil sie ohnehin erst bauen, wenn draußen reichlich Nahrung ist.
Ist der gegebene Raum zu zwei Dritteln oder zur Hälfte ausgebaut, setzt man wieder darunter.
Fazit:
Nur starke Stöcke sollten einmal im Jahr schwärmen oder einen Ableger geben. Häufiges und spätes Schwärmen schwächt den Mutterstock und lohnt sich nicht. Wer vermehrt, muss den Platz und das Material für neue Völker haben und rechtzeitig planen. Schwärmen lässt man am besten bis Johannis, danach gibt man Untersätze und beendet die Schwarmzeit.
Kapitel 5 – Von der Sorgfalt für die Bienen
§1: Eine unermüdliche Sorgfalt und Aufmerksamkeit wird bei der Bienenzucht erfordert
Wer Bienen halten will, muss ihnen mehr Sorgfalt und Aufmerksamkeit widmen als vielen anderen Nutztieren.
Bienen sind keine anspruchslosen Haustiere, die man nur füttert und dann sich selbst überlässt.
Ihre Haltung verlangt ständige Beobachtung von Wetter, Tracht, Volksstärke und Krankheiten.
Der Imker muss:
Den richtigen Zeitpunkt für Schwarmkontrolle, Ablegerbildung und Honigernte kennen.
Die Zeichen des Volkes deuten können – etwa Schwarmstimmung, Räuberei oder Krankheit.
Den Standort, das Material und die Pflege anpassen.
Wer dies vernachlässigt, verliert nicht nur Honig, sondern oft auch die gesamten Völker. Deshalb ist die Bienenzucht keine Nebenbeschäftigung, sondern erfordert regelmäßige, liebevolle Pflege.
§2: Worin die Hauptsorgfalt bei den Bienen besteht
Die wichtigste Sorgfalt des Imkers besteht darin, den Bienen:
Gute Behausung zu bieten – trocken, warm, gut belüftet, aber geschützt vor Räubern und Wetter.
Rechtzeitig Raum zu geben – damit sie bauen und Vorräte anlegen können.
Genug Nahrung in Trachtlücken – damit kein Volk verhungert.
Schädlinge und Krankheiten fernzuhalten.
Schwärme und Ableger zur richtigen Zeit zu lenken.
Bienen brauchen weniger direkte „Pflege“ als Kühe oder Hühner. Aber sie verlangen Weitsicht und Beobachtung, damit sie sich selbst helfen können. Ein Imker sollte nicht ständig im Stock herumstören, sondern nur bei Bedarf eingreifen.
§3: Hauptfeinde der Bienen – allgemeiner Überblick
Bienen haben viele Feinde, die man in drei Gruppen einteilen kann:
Wetter und Jahreszeiten
Frühjahrs- und Herbstkälte, Trachtmangel, lange Regenperioden.
Räuberische Tiere
Mäuse, Vögel, Wespen, Hornissen und andere Insekten.
Innere Feinde
Krankheiten, Seuchen, Hunger oder schlechte Königinnen.
Der Imker muss alle drei Gefahren erkennen und ihnen vorbeugen. Besonders im Frühjahr ist Wachsamkeit nötig, weil die Völker dann noch schwach und empfindlich sind.
§4: Vom Frühjahr und den Frühlingsgefahren
Der Frühling ist die schwierigste Zeit für die Bienen:
Die Völker sind nach dem Winter oft geschwächt, haben wenig Vorräte und müssen gleichzeitig viel Brut pflegen.
Kühle Nächte und plötzliche Fröste können die Brut erkalten lassen.
Trachtlücken führen schnell zu Hunger.
Darum muss der Imker im Frühjahr:
Die Völker prüfen, ob sie genug Futter haben.
Bei Bedarf Futterwaben oder Sirup geben.
Die Beuten trocken und warm halten, Zugluft vermeiden.
Auf erste Krankheiten achten, die sich in der Brut zeigen können.
Nur wer das Frühjahr gut übersteht, hat starke Völker für die Sommertracht.
§5: Vom Sommer und den Sommergefahren
Im Sommer sind die Völker stark und voller Bautrieb, aber auch hier lauern Gefahren:
Räuberei durch andere Völker oder Wespen kann schwache Stöcke ruinieren.
Bei extremer Hitze brauchen Bienen viel Wasser zur Kühlung – fehlt es, schadet das der Brut.
Zu wenig Raum führt zu Schwarmstimmung oder wildem Wabenbau.
Sommermaßnahmen:
Genug Magazinaufsätze geben, damit die Bienen Platz haben.
Wasserstellen in der Nähe anlegen.
Fluglöcher bei Räubereigefahr verkleinern.
Schwärme rechtzeitig erkennen und lenken, damit keine Honigverluste entstehen.
§6: Wie man Weisellosigkeit erkennt und behebt
Ein weiselloser Stock – also ohne Königin – ist dem Untergang geweiht, wenn der Imker nicht schnell handelt.
Merkmale eines weisellosen Volkes:
Unruhiges Summen, besonders abends.
Die Bienen laufen unruhig über die Waben, wirken ziellos.
Keine neuen Brutflächen mehr, nur alte, verdeckelte Zellen.
Die Bienen sind oft aggressiver oder auch apathisch.
Abhilfe:
Sofort eine neue Königin zusetzen, entweder aus einem Ableger oder eine begattete Königin vom Züchter.
Alternativ kann man eine Weiselzelle mit bald schlüpfender Jungkönigin aus einem anderen Volk zuhängen.
Je schneller das geschieht, desto besser – wartet man zu lange, legen die Arbeiterinnen selbst Eier und es entstehen nur Drohnen.
§7: Erstarrte oder tot scheinende Bienen im Frühjahr beleben
Im zeitigen Frühjahr können Bienen bei plötzlicher Kälte scheinbar „erstarren“:
Sie liegen reglos am Boden und wirken wie tot.
Oft leben sie noch und können gerettet werden.
Rettung:
Die Bienen in einen warmen Raum (etwa 20 °C) bringen.
Sie langsam aufwärmen und etwas flüssige Nahrung (z. B. Honigwasser) geben.
Viele erholen sich und können später wieder zum Volk gegeben werden.
Solche Fälle treten oft nach einem zu frühen Reinigungsflug oder plötzlichem Kälteeinbruch auf.
§8: Die nötige Aufsicht im Winter
Im Winter brauchen die Bienen Ruhe und Schutz, aber auch Aufmerksamkeit:
Kontrollieren, ob Fluglöcher frei von Schnee oder Eis sind, damit die Luft zirkulieren kann.
Auf Mäuse achten und bei Bedarf Fallen aufstellen.
Erschütterungen vermeiden – kein lautes Klopfen oder Verschieben der Beuten.
Nur an milden Tagen kurz das Flugloch prüfen und gegebenenfalls tote Bienen entfernen.
Zu häufiges Öffnen ist schädlich, weil der Wärmehaushalt gestört wird. Trotzdem darf der Imker die Völker nicht ganz unbeachtet lassen.
§9: Von den Krankheiten der Bienen
Bienen sind anfällig für mehrere Krankheiten, die meist durch:
Mangelhafte Pflege,
Schlechte Behausung,
oder ungünstige Witterung entstehen.
Hauptkrankheiten:
Ruhr (Durchfall)
Kältestarre und Ermatten
Faulbrut und Pest
Hörnerkrankheit (Verkrümmung von Gliedmaßen)
Parasiten wie Bienenläuse
Vorbeugen ist wichtiger als Heilen:
Stets saubere, trockene Beuten.
Ausreichend Futter und gutes Winterquartier.
Schwache oder kranke Völker frühzeitig mit starken vereinigen.
§10: Von der Ruhr und ihren Ursachen
Die Ruhr ist eine Verdauungsstörung der Bienen, erkennbar an:
Dunklen, übelriechenden Kotflecken am Stock und den Waben.
Die Bienen wirken matt und sterben oft massenhaft.
Hauptursachen:
Futter von schlechter Qualität (z. B. gäriger Honig, zu viel Melizitose).
Zu feuchte, schlecht gelüftete Beuten.
Zu lange Gefangenschaft ohne Reinigungsflug.
Vorbeugung und Behandlung:
Nur einwandfreies Winterfutter geben.
Die Beuten trocken und luftig halten.
An milden Wintertagen einen Reinigungsflug ermöglichen.
Bei Ausbruch die kranken Waben entfernen und das Volk in eine saubere Beute setzen.
§11: Das Ermatten und Erstarren von Kälte
Plötzliche Kälteeinbrüche führen oft dazu, dass Bienen:
Am Flugbrett oder vor der Beute erfrieren oder in Kältestarre fallen.
Besonders nach frühen Reinigungsflügen sind viele Bienen zu schwach, um heimzukehren.
Vorbeugung und Rettung:
Nur bei wirklich mildem Wetter die Fluglöcher öffnen, damit die Bienen nicht verfrüht ausfliegen.
Kältegeschädigte Bienen können ins Warme gebracht, langsam erwärmt und mit Honigwasser gestärkt werden.
§12: Die Faulbrut, Bienenpest und Tollkrankheit
Faulbrut (auch Bienenpest genannt) ist eine gefährliche Brutkrankheit:
Die Brut verfault, riecht übel und bleibt klebrig in den Zellen hängen.
Das Volk wird schwächer, bis es zugrunde geht.
Tollkrankheit zeigt sich an:
Unruhigen Bienen, die ziellos herumlaufen, zittern oder im Kreis kriechen.
Sie verlieren die Orientierung und sterben oft vor dem Stock.
Ursachen:
Meist schlechte Hygiene, verdorbene Waben, zu feuchte Beuten oder Import von kranken Völkern.
Abhilfe:
Kranke Waben entfernen, Beute gründlich reinigen.
Das Volk in eine saubere Behausung mit frischen Waben umsetzen.
Starke Seuchen erfordern oft das Einschmelzen des gesamten Materials, um Ansteckung zu verhindern.
§13: Die sogenannte Hörnerkrankheit
Bei der Hörnerkrankheit verkrümmen sich die Gliedmaßen der Bienen:
Fühler und Beine sind verhornt oder verkrüppelt.
Die Bienen können nicht mehr fliegen oder arbeiten.
Vermutete Ursachen:
Schlechte Nahrung, vergorener Honig oder lange Feuchtigkeit.
Manchmal auch zu enge, verschimmelte Beuten.
Abhilfe:
Kranke Völker in trockene, saubere Beuten umsetzen.
Für reichlich frische Nahrung sorgen.
Alte, verschimmelte Waben einschmelzen.
§14: Von den Bienenläusen
Bienenläuse sind kleine Parasiten, die auf den Bienen sitzen und sie schwächen:
Sie saugen an Körperflüssigkeiten und übertragen Krankheiten.
Befallene Völker wirken unruhig und bringen weniger Honig.
Bekämpfung:
Befallene Waben entnehmen und einschmelzen.
Beute ausräuchern und reinigen.
Starke, gesunde Völker sind weniger anfällig – daher immer für gute Pflege sorgen.
§15: Von den Feinden der Bienen
Bienen haben viele äußere Feinde:
Mäuse nagen an Waben und fressen Honig und Bienen.
Vögel (z. B. Meisen) fangen Bienen vor den Fluglöchern.
Wespen und Hornissen stehlen Honig und töten Bienen.
Auch Spinnen fangen Bienen in ihren Netzen.
Schutzmaßnahmen:
Fluglöcher mit Mäusegittern sichern.
Fluglöcher bei Räuberei verkleinern.
Vogelscheuchen oder engmaschige Gitter anbringen.
Wespennester in der Nähe entfernen.
§16: Von den Raubbienen und einem wirksamen Mittel dagegen
Raubbienen sind fremde Bienen, die schwache Völker ausplündern:
Sie dringen ins Flugloch ein, stehlen Honig und töten dabei oft viele Stockbienen.
Besonders in Trachtlücken sind schwache Völker gefährdet.
Erkennbar an:
Unruhigem Flug vor dem Stock, viele Bienen kämpfen am Flugloch.
Toten Bienen und Wachskrümeln vor der Beute.
Abhilfe:
Flugloch stark verengen, sodass nur eine Biene gleichzeitig passieren kann.
Befallene Völker füttern, damit sie nicht noch schwächer werden.
Ein nützliches Mittel ist ein Bienenzaun oder ein kleines Gitter vor dem Flugloch, das die Räuber verwirrt.
§17: Von den Motten oder Maden der Nachtschmetterlinge
Wachsmotten legen ihre Eier in unbewachte Waben:
Die Maden fressen Wachs, Pollen und Gespinste durchlöchern die Waben.
Schwache Völker können dadurch völlig zerstört werden.
Vorbeugung:
Nur starke Völker halten, die ihr Wabenwerk selbst verteidigen können.
Alte, unbewohnte Waben einschmelzen oder luftdicht lagern.
Beuten regelmäßig kontrollieren und säubern.
§18: Vom Ohrwurm
Ohrwürmer nisten sich gern in Ritzen und Deckeln der Beute ein:
Sie fressen zwar kaum Honig oder Bienen, verschmutzen aber die Behausung.
Bei Massenbefall können sie junge Brut schädigen.
Abwehr:
Deckel und Ritzen trocken und sauber halten.
Kleine Fallen (eingefettete Röhrchen oder zusammengerolltes Stroh) auslegen und regelmäßig ausleeren.
§19: Von den Vögeln, die den Bienen schaden
Bestimmte Vögel fangen Bienen im Flug oder direkt vor dem Flugloch:
Meisen, Schwalben und Spechte gehören zu den größten Feinden.
Besonders im Frühjahr, wenn andere Nahrung knapp ist, lauern sie vor den Stöcken.
Schutz:
Vogelscheuchen oder Netze aufstellen.
Den Bienenstand nicht direkt an Bäumen platzieren, wo Spechte leicht anklopfen können.
§20: Von den Spinnen
Spinnen bauen Netze in der Nähe der Fluglöcher:
Sie fangen heimkehrende Bienen und schwächen so das Volk.
Vorbeugung:
Fluglöcher regelmäßig kontrollieren und Spinnennetze entfernen.
Glatte Flächen um das Flugloch machen es Spinnen schwerer, sich anzusiedeln.
§21: Von den Ameisen und wie man sie abhält
Ameisen dringen gern in Bienenstöcke ein:
Sie stehlen Honig und stören die Bienen.
Besonders schwache Völker werden so zusätzlich geschädigt.
Schutzmaßnahmen:
Die Beine von Bienenständen in Wasser- oder Ölschalen stellen – Ameisen können nicht darüber.
Fluglöcher und Ritzen abdichten.
Um den Stock einen Kreis aus Kreide oder Asche streuen – Ameisen meiden diesen.
§22: Schädliche Witterungseinflüsse
Wetter und Klima sind oft die größten Feinde der Bienen:
Langer Regen verhindert den Nektarflug.
Plötzliche Kälte im Frühjahr oder Herbst schädigt Brut und schwächt Völker.
Extreme Hitze führt zu Futtermangel und steigert den Wasserbedarf.
Vorbeugung:
Für guten Standort sorgen – windgeschützt, sonnig, aber nicht zu heiß.
Bei Regenperioden rechtzeitig füttern.
Im Hochsommer die Beuten beschatten und Wasserstellen bereitstellen.
§23: Vom Bienenstich – Beschaffenheit, Vermeidung und ein bewährtes Mittel
Bienenstiche sind schmerzhaft, aber meist harmlos:
Der Stachel bleibt oft in der Haut stecken und sondert Gift ab.
Mehrere Stiche können Schwellungen oder Fieber verursachen.
Wie man Stiche vermeidet:
Ruhig bewegen, keine hektischen Gesten.
Nur bei gutem Wetter und sanftem Rauch am Stock arbeiten.
Helle Kleidung tragen, keine stark riechenden Parfüms.
Bewährtes Hausmittel bei Stichen:
Den Stachel sofort vorsichtig herausziehen.
Die Stelle mit kaltem Essigwasser, Zwiebelsaft oder Spitzwegerich einreiben.
Bei vielen Stichen oder allergischen Reaktionen sofort einen Arzt aufsuchen.
Kapitel 6 – Von der Honig- und Wachsernte
§1: Wie die Bienen Honig sammeln
Bienen sammeln Honig aus Nektar der Blüten oder aus süßen Säften, die auf Pflanzen austreten.
Mit ihrem Rüssel saugen sie die Flüssigkeit auf und speichern sie in der Honigblase.
Im Stock geben sie den Nektar an andere Arbeiterinnen weiter, die ihn in den Waben einlagern.
Durch Wärme und Ventilation verdunstet das Wasser, bis der Honig dickflüssig und haltbar ist.
Schließlich verschließen die Bienen die Zellen mit einer dünnen Wachsschicht.
Honig ist also ein konservierter Pflanzensaft, veredelt durch die Bienen. Je nach Tracht, Standort und Jahreszeit variiert sein Geschmack und seine Farbe.
§2: Verschiedene Honigarten
Es gibt viele Arten von Honig, die sich nach Herkunft der Tracht unterscheiden:
Blütenhonig
Heller, milder Honig aus Frühlingsblüten (z. B. Obstbäume, Raps, Klee). Er kristallisiert meist schnell.
Wald- oder Honigtaublütenhonig
Dunkler, kräftiger Honig, oft aus Fichten oder Tannen. Er bleibt länger flüssig.
Spätsommerhonig
Gewonnen aus Heide, Buchweizen oder Sonnenblume. Er ist würzig, manchmal leicht herb.
Jede Region hat ihren typischen Honiggeschmack, abhängig von der lokalen Flora. Der Imker kann dies nutzen, um gezielt Sortenhonig zu ernten.
§3: Vom Honigtau aus Pflanzen und Bäumen
Neben Nektar nutzen Bienen auch Honigtau – süße Ausscheidungen, die auf Blättern und Nadeln liegen:
Bei manchen Bäumen (z. B. Linde, Ahorn) tritt bei Hitze oder Insektenbefall Saft aus den Blättern aus.
Dieser Saft trocknet zu kleinen Tropfen, die von Bienen eingesammelt werden.
Honigtauhonig ist oft dunkler, kräftiger und hat mehr Mineralstoffe. Er ist sehr beliebt, kann aber bei übermäßigem Konsum zu Verdauungsproblemen der Bienen im Winter führen (zu viel schwer verdauliche Melizitose).
§4: Vom Honigtau der Blattläuse
Ein wichtiger Teil des Honigtaus stammt von Blattläusen und anderen saugenden Insekten:
Sie stechen Blätter oder Nadeln an, saugen Pflanzensaft und scheiden den überschüssigen Zucker als Honigtau aus.
Bienen sammeln diesen süßen Saft von den Blättern und Zweigen.
Besonders im Sommer und Herbst, wenn wenig Blüten vorhanden sind, ist Honigtau eine wichtige Nahrungsquelle.
Aber auch hier gilt: Honigtauhonig eignet sich weniger gut als Winterfutter, weil er schwer verdaulich ist und Ruhr verursachen kann.
Für den Menschen ist er dagegen aromatisch und geschätzt, z. B. Tannen- oder Waldhonig.
§5: Der richtige Zeitpunkt für die Honigernte
Die Honigernte darf weder zu früh noch zu spät erfolgen:
Zu frühe Ernte – Der Honig ist noch nicht reif, enthält zu viel Wasser und kann gären.
Zu späte Ernte – Die Bienen verbrauchen schon wieder Vorräte oder der Honig kristallisiert in den Waben.
Optimal ist:
Nach der Haupttracht, wenn die meisten Zellen verdeckt sind.
In Regionen mit Spättracht (z. B. Heide) wartet man bis Ende der Spätsommerblüte.
Immer vorher prüfen, wie viel Honig für die Winterversorgung im Stock bleiben muss.
§6: Wie man die honigvollen Aufsätze abnimmt
Beim Abnehmen der Honigaufsätze ist Ruhe und Vorsicht nötig:
Nur bei schönem Wetter ernten, wenn viele Bienen fliegen.
Den Stock leicht mit Rauch beruhigen, aber nicht übertreiben.
Die Aufsätze vorsichtig lösen, damit keine Waben brechen.
Um Bienen aus den Honigwaben zu entfernen:
Besen oder Federkiel benutzen, die Bienen vorsichtig abstreifen.
Oder eine Bienenflucht einsetzen, die die Bienen in den unteren Stock treibt.
Honigwaben sofort in einen geschlossenen Behälter bringen, damit keine Räuberei entsteht.
§7: Wie viel Honig man den Bienen als Futter lassen muss
Die Bienen brauchen genug Vorrat für:
Winterruhe,
Frühjahrsbrut bis zur ersten Tracht.
Als Richtwert:
In strengen Wintern 10–12 kg Honig pro Volk.
In milderen Gegenden 6–8 kg.
Nie alles entnehmen – verhungerte Völker kosten mehr als ein paar Kilo Honig. Falls die Vorräte nicht reichen, muss der Imker zufüttern.
§8: Wie man Honig gewinnt und verarbeitet
Nach dem Abnehmen der Waben:
Verdecke die Honigwaben vorsichtig mit einer Gabel oder Messer öffnen.
Den Honig entweder auspressen oder in einer Schleuder (Honigmaschine) ausschleudern.
Vorteile der Schleuder:
Waben bleiben heil und können wieder in den Stock gegeben werden.
Der Honig ist klarer und sauberer.
Danach den Honig:
Durch ein feines Sieb filtern,
In einem kühlen Raum einige Tage ruhen lassen, damit sich Luftblasen und Wachsteilchen absetzen.
§9: Wie man Resthonig nutzt und einen Trank oder Essig daraus bereitet
Nach dem Schleudern oder Auspressen bleibt immer etwas Resthonig in den Wachswaben:
Dieser sogenannte Abgangshonig ist nicht so rein wie Schleuderhonig, aber noch gut verwertbar.
Man kann daraus:
Honigwasser oder ein leichtes Getränk (ähnlich Met) bereiten, indem man den Resthonig in warmem Wasser auflöst.
Lässt man dieses Getränk einige Wochen gären, entsteht ein honigaromatischer Essig, der sich gut für Salate oder Konservierung eignet.
So geht nichts verloren – selbst die Reste liefern noch wertvolle Produkte.
§10: Resthonig als Süßungsmittel für Speisen
Man kann den Resthonig auch direkt:
Zum Süßen von Speisen und Getränken verwenden,
Oder in der Backküche nutzen, z. B. für Honigkuchen oder Gewürzbrote.
Er ist kräftiger im Geschmack als feiner Blütenhonig, aber sehr nahrhaft und vielseitig einsetzbar.
§11: Wie man Wachs am besten auspresst
Nach dem Honigschleudern bleiben die Wabenreste übrig. Daraus gewinnt man Wachs:
Die Reste in warmem Wasser auflösen, damit Honigreste entfernt werden.
Das Wabenmaterial in eine Wachspresse geben oder mit Steinen beschweren, damit das flüssige Wachs herausgepresst wird.
Das ausgeschmolzene Wachs durch ein Tuch filtern, damit es sauber wird.
Wichtig ist, die Temperatur nicht zu hoch zu wählen, damit das Wachs nicht verbrennt und seine helle Farbe behält.
§12: Beschreibung einer bequemen Wachspresse
Eine einfache Wachspresse besteht aus:
Einem stabilen Holzrahmen,
Einem durchlöcherten Einsatz oder Sack für die Wabenreste,
Und einer Schraubvorrichtung, die den Druck erzeugt.
Das Wachs wird mit mäßiger Wärme weich gemacht, in den Sack gefüllt und mit der Schraube ausgepresst.
So lässt sich viel mehr Wachs aus den Wabenresten gewinnen, als wenn man sie nur einmal im Wasserbad schmilzt.
Fazit zu §9–12:
Auch Resthonig und alte Waben sind wertvoll: Man gewinnt daraus Getränke, Essig, Süßungsmittel und hochwertiges Wachs. Mit einer einfachen Wachspresse lässt sich der Ertrag deutlich steigern.
§13: Wie und woher das Wachs entsteht und wie man es bleicht
Das Wachs entsteht im Bienenkörper selbst:
Arbeiterinnen scheiden es an feinen Schüppchen an der Bauchseite aus.
Mit ihren Beinen lösen sie die Wachsplättchen ab, kauen sie weich und formen daraus Waben.
Wachs ist also ein körpereigenes Bauprodukt, nicht direkt aus dem Nektar gewonnen, sondern aus den Eiweiß- und Zuckerreserven der Bienen.
Junge Baubienen produzieren am meisten Wachs, besonders in Trachtzeiten.
Wachs bleichen und wieder weiß machen
Frisches Bienenwachs ist hellgelb. Altes oder mehrfach verwendetes Wachs wird dunkel. Um es wieder aufzuhellen:
Das Wachs in dünne Platten oder Fäden ziehen.
An einem sonnigen, luftigen Ort ausbreiten – die Sonnenbleiche macht es nach und nach heller.
Mehrmaliges Auflösen und erneutes Bleichen verstärkt den Effekt.
So erhält man fast schneeweißes Wachs, das besonders für feine Kerzen oder Salben geschätzt wird.
Kapitel 7 – Von den Gerätschaften und Werkzeugen der Bienenzucht
§1: Warum ein ausführliches Verzeichnis der Gerätschaften sinnvoll ist
Ein gut eingerichteter Bienenstand braucht bestimmte Werkzeuge und Hilfsmittel, damit alle Arbeiten leichter und sicherer von der Hand gehen.
Manche Dinge sind unbedingt notwendig, z. B. Beuten, Rauchgeräte und Schutzkleidung.
Andere sind nicht zwingend, erleichtern aber die Arbeit und sparen Zeit.
Darum folgt hier ein Überblick über die wichtigsten Geräte, die beim Schwärmen und bei der Pflege des Bienenstands gebraucht werden.
§2: Gerätschaften für das Schwärmen
Beim Schwarmfang sind nötig:
Bienenkappe oder Schleier
Zum Schutz vor Stichen, möglichst leicht und luftig.
Flederwisch oder Schwarmbesen
Zum Abkehren oder Besprengen des Schwarms.
Wasserspritze
Hilft, den Schwarm durch leichtes Benetzen schneller zum Anlegen zu bringen.
Schwarmkorb oder Wanne
Um den Schwarm aufzufangen oder ihn vor die neue Behausung zu schütten.
Lange Stangen mit Haken oder Fangkorb
Zum Erreichen von Schwärmen, die hoch in Bäumen hängen.
Rauchgerät oder Lunte
Falls der Schwarm sich in Hohlräumen festgesetzt hat und herausgetrieben werden muss.
Weiße Tücher
Zum Ausbreiten vor der neuen Beute, damit die Bienen geordnet einlaufen.
Wer viele Völker hat, sollte mehrere Körbe und Tücher bereithalten, da oft mehrere Schwärme gleichzeitig fallen.
§3: Werkzeuge für die allgemeine Arbeit am Bienenstand
Für die regelmäßige Pflege und Honigernte sind nützlich:
Stockmeißel oder Hebel
Zum Lösen verkitteter Beutenteile.
Rauchgerät (Smoker)
Um die Bienen sanft zu beruhigen.
Honigschleuder oder -presse
Zur Gewinnung des Honigs ohne Zerstörung der Waben.
Sieb und Abfüllgefäße
Zum Filtern und Lagern des Honigs.
Wachsschmelzer oder einfache Wachspresse
Zum Verarbeiten alter Waben.
Waage
Um das Gewicht der Völker zu kontrollieren und Futtervorräte einzuschätzen.
Schutzhandschuhe
Für empfindliche Hände oder beim Arbeiten mit aggressiveren Völkern.
Ersatzbeuten und Magazinaufsätze
Für Ableger und als Reserve, wenn unerwartet viele Schwärme fallen.
Fazit:
Ein gut organisierter Imker spart Zeit und Mühe, wenn er die wichtigsten Geräte griffbereit hat. Für Schwärme braucht man Schutzkleidung, Besen, Tücher und Körbe; für die allgemeine Arbeit am Stand reichen wenige, aber praktische Werkzeuge wie Stockmeißel, Rauchgerät, Honigschleuder und Wachspresse.
Kapitel 8 – Verzeichnis nützlicher Pflanzen für die Bienen
§1: Warum ein solches Verzeichnis wichtig ist
Bienen sind auf ein reiches Angebot an Blütenpflanzen angewiesen, um Nektar für Honig, Blütenstaub (Pollen) und Harze für Propolis zu sammeln.
Ein Imker sollte wissen, welche Pflanzen seinen Bienen besonders nützen, damit er gezielt Bienenweide anlegen oder Standorte danach wählen kann.
§2: Gewächse, die einer ganzen Gegend großen Nutzen bringen
Besonders wertvoll sind Pflanzen, die reichlich und über längere Zeit blühen. Sie liefern viel Nektar und Pollen für viele Völker gleichzeitig. Beispiele:
Obstbäume (Apfel, Kirsche, Pflaume) – liefern früh im Jahr große Mengen Nektar.
Linde – eine der besten Sommertrachten, spendet viel Honigduft.
Klee und Luzerne – wichtige Futterpflanzen für Bienen und Vieh, blühen lange.
Heide – liefert im Spätsommer späten Honig und ist für Bienen lebenswichtig nach der Haupttracht.
Raps und Senf – Massentrachtpflanzen, die ganze Landstriche honigreich machen.
Solche Pflanzen prägen den Charakter des Honigs einer Region.
§3: Einzelne Bäume, Blumen und Kräuter, die besonders wertvoll sind
Neben den großen Trachtpflanzen gibt es viele kleinere Gewächse, die ebenfalls hilfreich sind:
Weiden – wichtig im zeitigen Frühjahr, liefern Pollen für die erste Brut.
Akazie (Robinie) – gibt hellen, milden Honig und blüht nach den Obstbäumen.
Kastanie – spendet sowohl Pollen als auch Honig, kräftig im Geschmack.
Thymian, Salbei, Lavendel – Kräuter, die aromatischen Nektar liefern.
Auch Wiesenblumen wie Mohn, Glockenblume oder Kornblume tragen zum Blütenangebot bei, ebenso Waldpflanzen wie Himbeere und Brombeere.
Fazit:
Für gesunde und starke Bienenvölker ist eine vielfältige Bienenweide entscheidend. Massentrachten wie Linde, Obstbäume, Klee oder Heide sichern große Honigernten, während viele Kräuter und Wildpflanzen zusätzliche Nektar- und Pollenquellen bieten. Ein Imker sollte daher seinen Standort gezielt nach dem Pflanzenangebot wählen oder selbst für Trachtpflanzen sorgen.
Kapitel 9 – Etwas vom Bienenrecht
§1: Altes Recht und heutige Bedeutung
Früher regelten das römische Recht und das alte deutsche Recht, wem ein Bienenschwarm gehört, wenn er wegfliegt oder in fremdes Gebiet zieht.
Diese alten Vorschriften gelten heute nicht mehr direkt.
Stattdessen richten sich moderne Bienenrechte nach örtlichen Gesetzen oder nach allgemeinem Eigentumsrecht.
§2: Wem gehört ein entflogener Schwarm?
Wenn ein Schwarm von einem Bienenstand wegzieht:
Bleibt er Eigentum des Imkers, solange er den Schwarm sichtbar verfolgt.
Gibt der Imker die Verfolgung auf oder verliert den Schwarm aus den Augen, gilt er als herrenlos.
Findet ein anderer den Schwarm und nimmt ihn auf, wird er dessen Eigentum.
Zieht der Schwarm in einen fremden Stock ein, muss der Eigentümer des Stocks ihn nicht herausgeben, sondern er darf den Schwarm behalten.
§3: Recht bei Raubbienen
Wenn fremde Bienen ein schwaches Volk ausplündern:
Gibt es kein Recht, den Nachbarn zu belangen, denn die Bienen handeln aus Instinkt.
Der Imker muss selbst Vorsorge treffen (Flugloch verengen, Räuberei verhindern).
§4: Haftung für Schäden durch Bienen
Bienen gelten rechtlich als Haustiere, daher:
Der Imker haftet für Schäden, die seine Bienen anrichten, nur wenn er nachweislich fahrlässig gehandelt hat.
Sticht eine Biene jemanden ohne erkennbaren Grund, ist das kein Haftungsfall, weil der Stich zum natürlichen Verhalten gehört.
§5: Bienendiebstahl und Beschädigung
Wer Bienenstöcke stiehlt oder mutwillig zerstört:
Begeht Diebstahl oder Sachbeschädigung und ist entsprechend zu bestrafen.
In alten Gesetzen waren die Strafen für Bienendiebstahl besonders streng, weil Bienen wertvolle Nutztiere sind.
§6: Gehören Bienen zum Inventar?
Bei Verkauf oder Verpachtung eines Gutes:
Bienenstände gelten nur dann als Inventar, wenn sie ausdrücklich im Vertrag genannt sind.
Sonst bleiben sie Eigentum des bisherigen Imkers.
§7: Unterschied zwischen Haus- und Waldbienen
Früher unterschied man:
Hausbienen – gezähmt und in Stöcken gehalten, gehören dem Imker.
Waldbienen – in hohlen Bäumen lebend, galten als herrenlos, bis jemand sie einfing.
Heute spielt diese Unterscheidung kaum noch eine Rolle.
Fazit:
Das Bienenrecht schützt den Imker nur begrenzt. Ein Schwarm bleibt nur so lange Eigentum, wie er verfolgt wird. Räuberei und Stiche sind natürliche Vorgänge. Bei Diebstahl oder mutwilliger Beschädigung gelten die allgemeinen Eigentumsrechte.